Lexikon der Homophobie (2): „Mut“

„Mut“ bezeichnet die selbst definierte Haltung von Journalisten und Politikern, mit der diese die fehlende Plausibilität ihrer homophoben Argumentationsmuster als Beleg für deren Richtigkeit umdeuten.

Sie verwenden hierfür das Prinzip des Zirkelschlusses, laut Wikipedia ein „Beweisfehler, bei dem die Voraussetzungen das zu Beweisende schon enthalten“ sind:

„Dabei wird eine These in einem Argument durch Schlussfolgerung aus Prämissen abgeleitet, deren Gültigkeit ebenso fragwürdig ist wie die der These, auch wenn sie glaubwürdiger klingen oder den Eindruck erwecken, unabhängig von der Akzeptanz der These gültig zu sein.“

Der Schluss lautet bei Homophobikern so:

1.) Homosexuelle stellen eine grosse Gefahr da.

2.) Homosexuelle fühlen sich angegriffen und wehren sich mit aller Vehemenz gegen diese Aussage.

3.) Die Vehemenz ist der Beleg dafür, dass sie eine Gefahr darstellen.

Die Folgerung dieses Schlusses lautet:

Für den Angriff auf Homosexuelle bedarf es keiner nachvollziehbaren Begründung, da deren vehementes Verhalten ja zeigt, dass Begründungen zu nichts führen. Stattdessen bedarf es Entschiedenheit und

Mut.

Historisches Vorbild für dieses Prinzip ist offensichtlich eine Kampagne im Jahr 2002, die der  damalige nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzenden Jürgen Möllemann im Wahlkampf geführt hatte. Dieser hatte im Frühjahr des Jahres mit  antisemitischen Äusserungen provoziert. Als es daraufhin heftige Gegenreaktionen gab, erklärte er diese (und nicht sein eigenes Verhalten) als „Attacken“ und nahm sie als Anlass für ein noch deutlicher antisemitisch ausgerichtetes Flugblatt, das völlig ohne Argumente auskam, und sich nur aus der entschiedenen Haltung gegen die ihn angeblich Attackierenden speiste.

Das Flugblatt hatte den Titel:

„Mut. Klartext“

Mit gleicher Zirkelschluss-Logik setzte die BILD-Zeitung Katherina Reiche auf Möllemanns Fußstapfen.

Die Schlagzeile lautete:

„Mutter Courage“

 

…..

Queer.de kommentiert den „Mut“-Artikel der BILD-Zeitung.

 

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