Endlich: der CSD wird zur Demo!

Der Berliner CSD hat der CDU einen Wagen auf der Parade verwehrt. Der Vorstand, insbesondere der CSD-Geschäftsführer Robert Karstl wird heftig attackiert. Gunnar Schupelius von der BZ, der wirklich alles dafür zu tun scheint, sich als oberster Homo-Hetzer des Berliner Boulevards von niemandem überbieten zu lassen, vermutet sogar eine „Gesinnungs-Überprüfung“ durch die CSD-Macher. Deren Begründung für den Paraden-Ausschluss der CDU, nämlich dass diese eine  „aktive Diskriminierungspolitik“ betreibe, nennt Schnuppelius einen „ziemlich unmöglichen Vorwurf.“

Toll ist: Die CSD-Leute bleiben konsequent, begründen klug und unmissverständlich, was zwar eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber dank Leuten wie Schnuppelius eben nicht ist: Dass irgendwo der Spass aufhört. Man kann ja gerne die zweite Backe auch noch hinhalten, aber man muss nicht auch noch den Bizeps derjenigen trainieren, die das gerne als Einladung annehmen, einem weiter ins Gesicht zu schlagen.

Zum ersten mal bin ich richtig stolz auf den Berliner CSD. In den vergangenen Jahren hatte er es immer wieder geschafft,  sich mit ungesteuerter Polithascherei als politisch irrelevant zu erklären. Die Medien sind schuld, ja natürlich, aber man muss es Ihnen ja nicht so schrecklich einfach machen, wenn sie bei Bildern und Headlines vor der Wahl zwischen Federboas und Botschaft stehen. Letztes Jahr hiess diese „Wissen schafft Akzeptanz“ und sie wurde damit begründet, dass erinnert werden soll  an den schwulen englischen Wissenschaftler und Mathematiker Alan Turing, der am diesjährigen Tag des CSDs, dem 23. Juni, 100-jährigen Geburtstag gehabt hätte.“ Hä?

„Normalität / Normativität – Normal ist anders!“ hiess der Slogan 2010 und ich habe mich damals schon gefragt, wie schlimm es um die politische Streitkompetenz der Bewegung stehen muss, wenn wir schon auf die Idee kommen, solch pseudo-essayistisches Gehirnejakulat auf Demo-Schilder zu drucken.

Ich bin wirklich kein Verschwörungstheoretiker, aber irgendwie kam es mit so vor, als ob die mutmasslich Ü30-jährigen CSD-Macher sich so was ausdenken, um den fortschreitenden inhaltlichen Bedeutungsschwund  der Berliner Parade den oberflächlichen jungen Partyschwulen und -lesben in Schuhe schieben zu können: das junge Gemüse interessiert sich eben nicht für politische Botschaften.

Die Wahrheit aber ist: die Macher interessierten sich in den letzten Jahren selbst nicht dafür. Sie taten nur so. Es ging gar nicht um Politik, sondern um deren Simulation. Ich habe das erlebt, als im September 2011 ein Motto zur Demo-zum Papstbesuch gefunden werden sollte, und hierfür ein Prozedere gewählt wurde, das der Sloganfindung des CSD  e.V. entsprach und auch durch den CSD-Vorstand durchgeführt  wurde.

Es führt jetzt hier zu weit, dieses traditionelle Abstimmungsverfahren nachzuerzählen, nur so viel: es ist darauf ausgerichtet, dass nicht der best- sondern der am schlechtmöglichste Leitspruch gewinnen muss. Man begründete mir das damit, dass man ja Konsens zwischen vielen ganz verschiedenen Gruppen finden müsse,. Dagen wäre ja auch nichts zu sagen,wenn Konsens nicht nur ein Kriterium wäre, sondern das einzige. Eine Festlegung auf Kriterien oder eine Meinungsbildung darüber, was denn das zu findende Motto überhaupt vermitteln solle,  fand nicht statt, auch dann nicht, als aufgrund des schwachsinnigen Verfahrens  am Schluss zwei Sprüche zu Auswahl standen, die beide von der Mehrheit nicht gewollt waren. Einer davon nicht mal von der Gruppe, die ihn eingereicht hatte. Trotzdem wollte man gemäß der Regeln abstimmen und erst als ich mich damit abgefunden hatte, dass einer eben die Rolle des Gruppenschweins übernehmen  muss, der kurz vor Schluss  noch eine Diskussion anzettelt, gestanden sich alle die Absurdität der Situation ein, und es wurde noch ein weiterer Spruch zur Abstimmung zugelassen, der dann auch gewann.

„Schluss mit Sonntagsreden! Demonstrieren! Wählen! Verändern!“: Auch in diesem Jahr ist der Slogan viel zu sperrig und auch wiedermal zu viel lang. Aber er richtig! Endlich! Er ist relevant, und er hat das, was man im Marketing  „Call to Action“ nennt: Tut es!

Die CSD-Macher haben sich dafür entschieden, konsequent zu sein. Man muss sie dafür beglückwünschen. Aber man darf auch darauf hinweisen, dass eine andere Entscheidung, eine, die die CDU in die Parade integriert hätte, den Anspruch des Berliner CSDs, eine politische Demonstation zu sein, endgültig beerdigt hätte. Der CSD wäre tot. Und für all die, die immer noch irgendwie denken, nicht die anderen, sondern wir seien in dieser Situation diejenigen, die nicht tolerant sind:

Nicht wir, sondern die Unionsparteien haben sich dafür entschieden, auf unserem Rücken Wahlkampf zu machen.

Nicht wir spielen mit Ressentiments, sondern die, die die uns als „unnatürlich“ diffamieren, um damit ihre Stammwählerschaft zu mobilisieren.

Lassen wir uns keinen Quatsch einreden. Die CDU hat nicht deswegen nichts auf dem CSD verloren, weil sie gegen die Homo-Ehe ist. Sie muss deswegen draussen bleiben, weil sie  das Thema Homo-Ehe zur politischen Brandstiftung nutzt.

 

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