‚heute show‘ für den queeren Medienpreis eingereicht. „Nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht!“

Die „heute show“ ist nun offiziell Kandidat für den den queeren Medienpreis des Bundesverbandes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen. Nachdem viele Leser, Leserinnen und Gruppen sich der Initiative dieses Blogs angeschlossen haben, die ZDF-Sendung für den diesjährigen Felix-Rexhausen-JournalistInnenpreis vorzuschlagen, haben wir gestern das offizielle Einreichungsschreiben an den Verband geschickt.

Wir sind der Meinung, dass die Macher dieser Sendung die Auszeichnung verdient haben. Wir denken aber auch, dass eine Verleihung des Preises an die „heute show“ ein wichtiges Zeichen setzen kann: Eine angemessene mediale Aufarbeitung von Themen, die besonders Lesben, Schwule und Bisexuelle betreffen, ist auch in den Mainstream-Medien möglich.

Zu den UnterstützerInnen gehört u.a. die Initiative “Enough is Enough” auf deren Webpräsenz darüber diskutiert und abgestimmt wurde, welcher konkrete Beitrag des TV-Formates den Zielen des Preises am besten gerecht wird. Als Ergebnis haben wir deshalb einen Beitrag der “heute-show” eingereicht, der am 13.09.2013 im ZDF ausgestrahlt wurde:

Bildschirmfoto 2014-04-16 um 19.57.13

Hier der Wortlaut der

Begründung: Einreichung des ‚heute show‘ -Beitrages „Homo Laber / Angela Merkels Bauchgefühl“ für den Felix-Rexhausen-JournalistInnen-Preis 2014:

„Der Felix-Rexhausen-Preis hat sich zum Ziel gesetzt, ‚besonderes publizistisches Engagement bei der Berichterstattung über Lesben, Schwule und Bisexuelle‘ zu würdigen.

Der eingereichte Beitrag der ‚heute show‘ ist genau das.

In der Medienberichterstattung über den Bundestagswahlkampfes 2013 wurde das Thema “Gleiche Rechte für Homosexuelle” kaum oder gar nicht, und wenn dann meist oberflächlich und verzerrt aufbereitet. Insbesondere die Art, wie mit Ressentiments gegen Homosexuelle Wahlkampf gemacht wurde, wurde von Mainstream-Medien kaum wahrgenommen (oder nur schwer wahrnehmbar thematisiert).

In dieser Situation ist der ‚heute show‘ gelungen, was in anderen Formaten vermisst wurde: Ein besonders publizistisches Engagement. Nicht für Lesben, Schwule und Bisexuelle, sondern für eine angemessene Aufbereitung eines für sie wichtigen Themas.

‚Angemessen‘ in dem Sinne, dass Argumentationsstrukturen der Gleichstellungs-Gegner hinterfragt und analysiert wurden. ‚Angemessen‘ aber auch, weil sie es schafften, die dahinter stehenden Strategien nicht nur zu entlarven, sondern auch verständlich darzustellen. Das war Aufklärung im besten Sinne. Dazu nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht, handwerklich wie auch intellektuell.

Für diesen Ausschnitt spricht auch, dass er nicht alleine, sondern für viele ähnliche Beiträge der Sendung auf ähnlich hohem Niveau steht.

Die “heute show” hat sich in den letzten Jahren unbeirrbar, deutlich und clever wie kein anderes Mainstream-Medium an homophoben Entgleisungen in Politik, Medien und Gesellschaft abgearbeitet.

Ihr ist dabei ein Blick gelungen, der auch auf viele andere Medien und Medienmacher ausstrahlt, ein Blick, der für Homosexuelle genau wie für ‚Nicht-Homosexuelle‘ nachvollziehbar ist. Für die Macher der Sendung ist die Berichterstattung über Lesben, Schwule und Bisexuelle offensichtlich kein Nischenthema, sondern eines, dass Gerechtigkeit und Glaubwürdigkeit in der Politik generell berührt.

So stellt sich das Format im Sinne des ‚Waldschlösschen Appells gegen Homosexuellenfeindlichkeit ihn den Medien‘ nicht auf die Seite ‚der‘ Homosexuellen sondern zeigt, dass es eben keine ‚Seiten‘ geben kann, wenn Menschenrechte verletzt und Menschen diskriminiert werden. Und all das klug und unterhaltend zugleich.

Hinzu kommt noch ein Aspekt, der auf den ersten Blick ‚unjournalistisch‘ erscheint, und doch ein grundsätzliches Missverständnis aufzeigt, von dem weite Teile der Berichterstattung über Lesben, Schwule und Bisexuelle geprägt sind.

Denn die ‚heute show‘ hat eine Frage beantwortet, auf die es in Deutschland bisher keine überzeugende Antwort zu geben schien:

Ja, man darf nicht nur über Homosexuelle lachen, man kann, und wahrscheinlich muss man es auch. Es geht nicht um das ‚Ob‘ sondern um das ‚Wie‘, ‚Warum‘ und ‚Wer‘. Homosexuelle können über sich selbst lachen, und sie können gut damit leben, wenn andere das tun und es dabei nicht ‚political correct‘ sondern auch mal ‚böse‘ zugeht. Voraussetzung dafür ist, dass sie sich den Respekt der Lachenden sicher sein können.

Dass das möglich ist, hat die ‚heute-show‘ gezeigt.“

2 “Kommentare ”

  1. Danke für diese Initiative, die nicht nur berechtigt, sondern fast schon überfällig ist.

    Es gäbe so viele Beispiele aus der Heute Show und ihrer Protagonisten, die verdeutlichen, wie sehr diese Sendung den Preis verdient hat.

    So Lutz van der Horst in seinen Aussen-Interviews, Oliver Welke als Heterosexueller, der immer mit ungläubigem Erstaunen und auf höchstem satirischen Niveau krude homophobe Politik, Einstellungen oder Aussagen vom feinsten zerlegt, und viele andere.

    Als bestes Beispiel für mich dient ein Ausschnitt aus der Sendung vom 07.02.2014, in der die Bezeichnung „virulente Homolobby“ so beißend witzig ad absuurdum geführt wird und so klar vor Augen führt, wes Geistes Kind all die „Homohasser“ sind, dass einem jeden klar werden muss, wie grundfalsch ein solches Denken ist.

    http://www.dailymotion.com/video/x1bhj1h_die-virulente-homolobby_fun

    Danke nochmal für Eure Initiative!

  2. Ja, die Schwulenhasser mit Sterotypen zu konfrontieren und auf diese Weise rumzuwitzeln hat was sehr erleichterndes. Aber irgendwie hat die Vorzeigelesbe Hella von Sinnen keine wirklich gute Rolle. So wie die Heute-Show oftmals extrem frauenfeindlich ist. Und gerade deswegen stößt es mir sehr auf, dass hier die Ausblendung von Lesben mit einem Preis gewürdigt werden soll. – Dies zum Einen. Und zum anderen, plädiere ich mit Nachdruck für die Umbenennung des Preises. Egal was damit ausgezeichnet wird..

hier kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.