Ein CDU-Logo auf dem CSD ist wie eine Flagge der Atomindustrie auf einer Anti-AKW Demo

CDUCSD
CDU-Auftritt beim „politischen“ CSD 2014 in Berlin

Im Kampf der CDU gegen die Ehe für alle ist sich die Partei für nichts zu schade. Im letzten Jahr schaffte sie es sogar, die Teilnahme von Parteiorganisationen am Berliner CSD als Argument gegen die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule zu nutzen. Als CDU/CSU Fraktionschef Kauder kritisch zur Ablehnung der Ehe für alle gefragt wurde, verwies er auf die Präsenz der CDU auf der Parade, so als ob diese zeige, wie sehr sich die Partei für Homorechte einsetze und die Community dies zu schätzen wisse.

Die Toleranz der Community gegen Intoleranz ist also falsch verstanden worden. Und sie darf sich nicht wiederholen. So wenig wie die Konzerne der Atomindustrie auf den Anti-AKW-Demos verloren hatten, so wenig hat es die Union in diesem Jahr auf dem CSD. Der Christopher Street Day in Berlin definiert sich zusammen mit anderen ganz eindeutig als eine Demonstration für die Gleichstellung. Wenn Organisationen, die diese Gleichstellung aktiv bekämpfen, Teil dieser Demonstration sind, führt sich diese ad absurdum.

Der CSD ist mit die stärkste politische Waffe, die wir zur Verfügung haben. Wenn wir auch die CDU damit rumballern lassen, schiessen wir uns selber ab.

Und auch den Lesben und Schwulen in der Union, die sich für die rechtliche Gleichstellung einsetzen, machen wir keinen Gefallen, wenn wir uns die Verklärung der homofeindlichen Politik ihrer Mutterparteien auf unseren Paraden gefallen lassen.

Nett war gestern. Beim CSD geht es um Selbstachtung. Die CDU sollte sie zu spüren bekommen.♦

PS: Das Berliner CSD-Motto 2015 „Wir sind alle anders. Wir sind alle gleich.“ ist auf Initiative dieses Blogs entstanden. Wie es dazu kam, steht hier.

Weitere Beiträge in diesem Blog zum Thema:

Die schmutzige Geschichte des Anti-Gleichstellungskampfes der CSU

„Ehe für Alle“: Ein offener Brief an Roman Herzog

Liveblog vom Berliner CSD 2014

 

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3 “Kommentare ”

  1. Ja, so sehe ich es langsam auch – nach all den skandalösen Ausfällen seitens CDU-Politikern. Die CDU hat auf dem CSD nichts, aber auch gar nichts, verloren! –– Vor einigen Jahren hätte ich es noch anders gesehen: mit dem Argument, dass schon viel gewonnen ist, wenn sich eine konservative Partei beim CSD beteiligt, um Berührungsängste, Vorbehalte etc. abzubauen. Aber inzwischen dürfte eine Teilnehme der CDU endgültig als Augenwischerei entlarvt sein. Denn die täglichen (mittlerweile fast stündlichen) Einlassungen von Unions-Politikern führen eine CSD-Teilnahme selbiger einfach ad absurdum.

  2. Volle Zustimmung zu diesem Kommentar.

    Ich frage mich allerdings, was überhaupt politische Parteien auf einem CSD zu suchen haben.

    Zum Ersten haben auch SPD, Grüne und FDP immer mal wieder bei verschiedenen Abstimmungen in Bund oder Ländern gegen LGBTTIQ*-Rechte gestimmt, von der Linken weiß ich es gerade nicht hundertprozentig, nehme aber an, dass wir sie hier einreihen können. Von AfD und anderen reaktionären Hetzer*innen müssen wir ja gar nicht reden.

    Zum Zweiten: Selbst wenn es nicht so wäre, was rechtfertigt die Teilnahme politischer Funktionär*innen auf diesen Events? Auch die Parteien, die tatsächlich hier und da für unsere Rechte aktiv werden, sollten das m.E. auf den Ebenen tun, die ihnen als Parteien ohnehin schon zur Verfügung stehen. Eine weitere Bühne zur Selbstdarstellung benötigen sie meines Erachtens nicht.

    Ich sehe den CSD vor allem als eine Aktionsform der außerparlamentarischen Politik. Ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Politik nicht nur von Funktionär*innen gestaltet wird und nicht nur in Parteien oder Parlamenten stattfindet. Die fixe Idee, man müsse die etablierten politischen Parteien unbedingt in jede politische Arbeit oder Aktionsform einbeziehen, halte ich zumindest für diskussionswürdig.

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