Alles klar Herr Kommissar? Auf zur Krimi- und Homozählung!

Ich brauche Eure Hilfe. Es geht um Folgendes:

Anlässlich des AfD-Programmparteitages hat Stefan Niggemeier für uebermedien das für Medien zuständige Bundesvorstandsmitglied Armin-Paul Hampel interviewt. Der hat eine Idee, wie man gleich zwei der vier großen Gruppen, die gerade unser Vaterland bedrohen (also wenn ich das richtig verstanden habe: Flüchtlinge, Moslems, Homos und Journalisten),  mit einem einzigen Argument schlagen kann. Es geht diesmal nicht um ungeordnete Zuwanderung, sondern die anderen, den Rest, also die Medien und uns. Eine These, die Genderwahn und Lügenpresse gemeinsam entlarvt. Und die geht so:

„Warum ist denn der Schwund vor allem beim jungen Fernsehpublikum so dramatisch? Da muss man doch langsam aufwachen und fragen, woran liegt denn das. Und das ist natürlich die Vorstellung der Achtundsechziger, diese Gesellschaft im ideologischen Sinne umzudrehen. Da haben die konservativen Verantwortlichen in den Medien völlig versagt in den letzten 30 Jahren.“

Stefan Niggemeier fragt nach;

„Ich nehme an, die Darstellung von Homosexualität ist für Sie auch so ein Fall.“

Und dann Herr Hampel so:

„Ja, weil hier ebenfalls ein Minderheitenprogramm bevorzugt wird. Realistisch haben wir in Deutschland ungefähr drei bis vier Prozent der erwachsenen Bevölkerung, die sich zur gleichgeschlechtlichen Liebe bekennen. Jetzt plötzlich wird das pausenlos thematisiert. Als ob es ein Muss sei, diese Menschen – die ich auch in den 70er und 80er Jahren nicht als unglücklich empfunden habe – in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen filmisch darzustellen. Es ist eine Überbewertung einer kleinen Gruppe unserer Gesellschaft.“

Jetzt mal ganz abgesehen von der so ganz nebenbei geäußerten frohen Botschaft, dass man es in der AfD nicht so schlimm fände, wenn wir uns wieder an die in den 80er Jahren geltenden Zustände gewöhnen dürften (damals gab es noch den Strafrechtsparagraphen 175, damals waren weite Teile der Bevölkerung der Meinung, dass es sich bei AIDS um eine gerechte Schwulenseuche  handelte, damals -, ach lassen wir das), also:

Es gehört ja zu den Grundtricks der AfD , vor allem die Legenden zu bekämpfen, die sie selbst erfunden hat (Stefan Niggemeier hat hinter das Interview gleich acht „Anmerkungen“ hinzugefügt, die zentrale Aussagen Hampels, in AfD-Kreisen – würden sie nicht von der AfD selber ausgehen- wohl als „Pinoccio-Aussagen“ bezeichnen würde).

Deshalb möchte ich hier den Versuch machen, einer möglicherweise gerade neu entstehenden AfD-Legende („Überbewertung einer kleinen Gruppe unserer Gesellschaft“) entgegenzu wirken. Wenn es denn eine Legende ist, und das gilt es eben jetzt herauszufinden.

Ich habe mir dazu eine Methode einfallen lassen, zu der mich der AfD-Medienexperte Hampel selbst inspiriert hat. Was er nämlich „am Schimmsten“ im deutschen Gutmenschenfernsehen findet, sind die „inflationär angestiegenen Krimi-Sendungen“. Sie führt er als Beweis an, wie sehr der öffentlich-rechtliche Informations- und Bildungsauftrag „völlig vernachlässigt“ wird:

„Jetzt sehe ich in der Regel kinderlose Kommissare, oder Frau Kommissarin huscht mal kurz nach Hause und kümmert sich fünf Minuten um ihr Kind, das kaum noch zu sehen ist. Das ist eine Darstellung, die mit unserer realen Welt nichts zu tun hat.“

Also. Machen wir es wie Herr Hampel von der AfD. Überprüfen wir anhand der Familienverhältnisse der Charaktere in deutschen Krimisendungen, wie schlimm es dort um die Überbewertung Homosexueller bestimmt ist.

Und jetzt kommt Ihr ins Spiel.

Ich möchte nämlich – ganz im Ernst! – mit Euch eine statistische Erhebung starten. Herauskommen soll das, was in der AfD schon mal gefordert wurde, nämlich eine Homosexuellen-Zählung.  Nur eben bezogen auf einer der (oder oder vielleicht sogar der? ) häufigsten Rollen-Berufsgruppen im deutschen Fernsehen. Wir vermischen also AfD-Logik mit Wissenschaft, die hampelsche Kommissarbetrachtung mit der Erkenntnis, dass es eine möglicht große Zahl von untersuchten Objekten braucht, um eine möglichst genaue Aussage über sie treffen zu können.

Ich habe schonmal angefangen. Die Tatort-Figuren kann man ziemlich leicht zusammensuchen. Und da verhält es sich nach meinen ersten Erkenntnissen so:

SerieRollennameist wahrscheinlich
Tatort KölnMax Ballaufhetero
Tatort KölnFreddy Schenkhetero
Tatort München Ivo Batichetero
Tatort MünchenFranz Leitmayrhetero
Tatort FreiburgEllen Berlingerhetero
Tatort KonstanzKlara Blumhetero
Tatort KonstanzKai Perlmannnicht so ganz klar
Tatort KielKlaus Borowskihetero
Tatort KielSarah Brandthetero
Tatort Weimar Lessinghetero
Tatort WeimarKira Dornhetero
Tatort WienMoritz Eisnerhetero
Tatort WienBibi Fellnerhetero
Tatort DortmundPeter Faberhetero
Tatort DortmundMartina Bönischhetero
Tatort DortmundNora Dalayhetero
Tatort DortmundDaniel Kossikhetero
Tatort LuzernReto Flückigerhetero
Tatort LuzernLiz Ritschardhetero
Tatort HamburgThorsten Falkehetero
Tatort HamburgJulia Groszhetero
Tatort FrankfurtAnna Jannekehetero
Tatort FrankfurtPaul Brixhetero
Tatort StuttgartThorsten Lannerthetero
Tatort StuttgartSebastian Bootzhetero
Tatort HannoverCharlotte Lindholmhetero
Tatort BremenInga Lürsenhetero
Tatort Bremen Stedefreundhetero
Tatort WiesbadenFelix Murothetero
Tatort LugwigshafenLena Odenthalhetero
Tatort LudwigshafenMario Kopperhetero
Tatort SaarbrückenJens Stellbrinkhetero
Tatort SaarbrückenLisa Marxhetero
Tatort MünsterFrank Thielhetero
Tatort HamburgNick Tschillerhetero
Tatort HamburgYalcin Gümerhetero
Tatort FrankenFelix Vosshetero
Tatort FrankenPaula Ringelhahnhetero
Tatort FrankenWanda Goldwasserhetero
Tatort FrankenSebastian Fleischerhetero
Tatort DresdenHenni Sielandhetero
Tatort DresdenKarin Gorniakhetero
Tatort DredenMichael Schnabelhetero
Tatort BerlinNina Rubinhetero
Tatort BerlinRobert Karowbi oder schwul

Aber es gibt ja  nicht nur den Tatort. Es gibt ja offensichtlich unzählige Krimi-Formate und ich muss zugeben, dass das nicht gerade mein Fachgebiet ist.

Also: Erfüllen wir einen Wunsch der AfD, lasst uns gemeinsam Homos zählen! Damit wir aber eine Erkenntnis über deren tatsächliche Repräsentanz gewinnen können, müssen wir alle zählen, also auch die Heteros.

Damit es hier zu möglichst wenigen Streitigkeiten kommt, habe ich mir folgende Regeln überlegt:

  • Wiederholungen von abgelaufenen Formaten zählen nicht, auch wenn das die Statsitik sehr zu unseren Gunsten, bzw. Ungunsten drehen könnte.
  • Es geht hier wirklich nur um die Rollen, die Charaktere. Also, was Ihr alles über die SchauspielerInnen wißt, zählt nicht. Im Eingabefeld auch bitte nur den Rollennamen eingeben.
  • Es geht nur um die eindeutigen Hauptfiguren. Beim Beispiel Tatort sieht das so aus.
  • Da wir ja Personen in einer bestimmten Berufsgruppe miteinander vergleichen, gelten wirklich nur Kommissare oder  Berufe die dementsprechend ermitteln. Um es klar zu machen: Jan Josef Liefers als Professor Karl-Friedrich Boerne ist zwar eindeutig Hauptfigur aber als Rechtsmediziner eindeutig nicht etwas wie ein Kommissar.
  • Es geht hier nur um im deutschsprachigen Raum gedrehte und im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlten Fernsehreihen. Aber um alle Zeiten, also auch Vorabendserien. Bei Serien, die mit abwechselnden Orten und Figuren hantieren, gilt jeweils ein Ermittler (-team) als eigenes Format. Also z.B.  Polizeiruf 110 mit Matthias Brandt. (Apropos: War da nicht was?)
  • Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, fragt bitte Euren Mitbewohner oder Arbeitskollegen. Ich bin als Mitdiskutant von Krimi-Fragen sehr ungeeignet.

Los geht’s! Bitte macht zahlreich mit bei

Die  „Drah‘ Di net um, oh oh oh. Schau, schau“ – Große Kommissarbetrachtung

Moment. Noch ganz kurz vorab: Mir ist gerade noch einer der beliebten Grundtricks der AfD & „Wird man doch nochmal sagen dürfen“ – Leute eingefallen, einer, durch die das Diskutieren mit ihnen so unglaublich viel Spass macht: Wenn man sie mit ihren eigenen Legenden konfrontiert neigen sie dazu, einfach die Ebene zu welchseln.

Falls bei dieser Statistik also etwas herauskommen sollte, dass der AfD doch nicht so zusagt, kann ich mir auch schon vorstellen, wie sie das dann begründen wird: Dass die privaten Hintergründe der Hauptfiguren gar nichts aussagen (auch wenn Hampel bei Niggemeier das Gegenteil ausgeführt hat), dass es ja viel wichtiger sei, was in den Episoden verhandelt wird. Und abgesehen davon, was heißt schon Krimi, man müsse überall hinschauen, in die Talkshows, und überhaupt und Conchita Wurst.

Könnte man so sehen. Aber nur wenn man Ursache und Wirkung verwechselt. Denn, wenn es wirklich so ist mit der „Überpräsenz“, dann liegt das weniger an den Homos, sondern an den AfD-und Besorgten-irgendwas-Leuten daran, dass sie es sind, gegen die sich Lesben und Schwule wehren müsen, wenn sie  nicht zurück in de 80er Jahre wollen. Weil Leute wie die es sind, die ihnen immer noch die gleiche Rechte verwehren, und die dafür streiten, dass Vielfalt etwas Ekliges ist.

Dass es nicht die Homosexuellen sind, die dafür sorgen, dass das Thema immer noch nicht erledigt ist, sondern die, die sich darüber beschweren, dass es ein Thema ist.

Und jetzt Ihr!

Danke! ♦

Hinweise:

Die Werbung seht Ihr, weil ich das Formular- wie schon die Liveblogs – mit einem kostenlosen WordPress – Plugin gebastelt habe. 

Die Tabelle funktioniert nicht automatisch, sondern ich werde alle paar Tage die Ergebnisse auswerten und entsprechend nachtragen.

Vielen Dank an Frank Ehrlicher und Thomas Jarosch für die sachkundige Hilfe in Tatort.

 

3 “Kommentare ”

  1. Liz Ritschard aus dem Schweiz-Tatort hat bis jetzt einmal eine Frau geküsst und war einmal mit einer anderen Frau im Bett (Folge „Schmutziger Donnerstag“), hatte aber noch keine einzige solche Szene mit einem Mann. Damit gehört sie meiner Meinung nach mindestens in die Kategorie „nicht so ganz klar“, wenn nicht sogar „bi“ oder „lesbisch“.

  2. Entschuldigung, das ist doch alles Boulevard-Quark…
    …tatsächlich hat die AfD Ziele, die mit denen der „Demo für Alle“ (geistiges Gewächs der Frau von Storch) deckungsgleich sind, ja sogar, sie noch übertreffen.
    Wenn erst einmal „Muslime“ oder „Araber“ ausgedient haben als innere Feindbilder, kommen selbstverständlich die Homosexuellen wieder in den Focus der Neofaschisten. (Daß dabei geistige Ungrößen wie David Berger oder Mirko Welsch mitmachen, ist eine traurige Tatsache).
    Die „Führer“persönlichkeiten der „Demo für Alle“ (Beverfoerde, Storch, Kuby) schwafeln schon seit Jahren von der weltumspannenden Schwulen- und Gendergefahr…eine rhetorische Figur, die der einstigen Hetze der „jüdischen Weltverschwörung“ entspricht…
    Natürlich geht es um die Rekriminalisierung, die Marginalisierung von Hoosexuellen und die Vernichtung liberaler Einstellungen zur Sexualität – und der Personen, die sie erstreiten.
    Es ist mir ein Rätse,l wie man sich in diesem immer mehr nach rechts abdriftenden Land, noch so sicher fühlen kann, eine ridiküle „Umfrage“ zu schwulen/lesbischen Tatortkommissaren starten kann.
    Der heutige Parteitag der AfD zeigte, daß diese faschistische Partei immer offener und schamloser nach rechts rutscht. Und sie wird immerhin von 15 – 20 Prozent der Wähler unterstützt.
    Noch vor drei Jahren wagte sich Gabriele Kuby zaghaft mit Lob für die „Homo-Verfolgungspolitik“ in Rußland zu Wort und stellte sie als beachtenswert und nachzuahmend dar. Der völkische Wahn von Höcke/Kubitschek und Konsorten führt ja die sinkende Demographiekurve auch auf Homosexuelle zurück – sie werden auch vor der Wiedereinführung des Paragraphen 175 nicht zurückschrecken.

  3. Liz Ritschard steht da immer noch als hetero … das ist doch peinlich! Oder ist dir das wurscht, weil es bei Frauen irgendwie auch egal ist? Änder das doch bitte …

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