Fünf Tipps für Journalisten, die über einen CSD berichten wollen

1.) Ein CSD ist keine Schwulenparade. Wenn schon, eine Lesben- und Schwulenparade.*

2.) Nein, die CSDs sind nach Orlando nicht politischer geworden, sie waren es immer schon, es hat Euch nur nicht interessiert.

3.) Es gibt kein Gesetz, dass Euch zwingt das Wort „schrill“ unter ein CSD-Bild oder in einen CSD-Artikel zu schreiben. Wie wärs mit „bunt“ oder „vielfältig“, weil darum geht es ja: Jede und jeder zeigt sich so, wie sie/er will. Ja, zeigt sie, die auffälligsten Outfits, aber gebt Euren Lesern, Euren Zuschauern auch die Chance einen Eindruck zu gewinnen, wie so ein CSD wirklich aussieht. Auch wenn Ihr das gerne hättet: Ein Maskenball ist er nicht und auch kein Karneval im Sommer.

4.) Habt ein bisschen Respekt. Vielleicht überlegt Ihr Euch mal, was das für Viele bedeutet, die da mitlaufen, auch an Mut und Ermutigung, an Halt und Haltung, an Selbstvergewisserung und Statement. Bevor Ihr das ganze wieder auf die große Party, die es auch ist, reduziert: Versetzt Euch doch mal in die Lage von Menschen, die sich nur an diesem einen Tag in Jahr nicht als Minderheit im öffentlichen Raum erleben dürfen. Wie würdet Ihr Euch fühlen?

5.) Nein, es geht hier nicht um Toleranz. Es geht um Akzeptanz und gleiche Rechte. Vielleicht nutzt Ihr die Gelegenheit, Euren Lesern und Zuschauern zu erklären, dass es diese in Deutschland eben nicht gibt, und dass Deutschland da gerade ein ziemlich armes Bild abgibt, und dass Homophobie nicht verschwindet, nur weil alle behaupten, sie hätten nichts gegen Homosexuelle. Und dass die Tatsache, dass Deutschland gerade ein ziemlich armes Bild abgibt und Homophobie so oft verniedlicht wird, auch etwas mit Euch zu tun hat.♦

* Nachtrag (01.07.): Natürlich sind die CSDs nicht nur Demonstrationen von Lesben und Schwulen, sondern von LGTBI, aber ich wäre ja im ersten Schritt schon froh, wenn es keine „Schwulenparaden“ mehr wären. Aber das reicht natürlich nicht.

Mehr in diesem Blog zum Thema:

„Liebe Homosexuelle, liebe Lesben!“

„Schäme Dich, Deutschland“

„Die Ehe für alle wäre ein Geschenk der Gesamtgesellschaft an sich selbst“

„Schrill“: BILD erklärt, was uns Alexander Dobrindt sagen wollte

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24 “Kommentare ”

  1. Ja, den Punkt 1 finde ich so auch genauso falsch wie vorher. Ich bin trans* und Dragqueen aber weder schwul noch lesbisch.

    Insofern ist es eine Parade von allen, die sich für gleiche Rechte der gesamten LGBTI community einsetzen

  2. Ich bin Genderqueer Trans*Woman of Color, Lakȟóta-Sioux und Aktivistin für die in Deutschland ent-rechteten und psychiatrisierten Trans*Menschen. Ich muß es erneut hinnehmen, daß in der deutschen LGBT*I*Q-Community BT*I*Q von LG beharrlich gesilenced werden. Trans*Erasure. Trans*-Silencing. Cis-Plaining. Die „Anderen“ distanzieren sich von den „anderen Anderen“. Deutscher Alltag. Deutsche Ignoranz. Even after Orlando mass shooting. Deutschland…Vergeblichkeit.

  3. Ja natürlich, „Lesben- und Schwulenparaden“ ist auch falsch, aber „Schwulenparade“ ist ganz falsch, und so war mein „wenn schon“ auch gemeint. Habe das jetzt in einem Nachtrag nochmal klar gestellt.

  4. und für Journalistinnen oder Journalist_innen gilt das auch, oder?

  5. Lassen wir mal die ausufernden Etikettierungen weg und lesen ganz einfach mal den Text. Das ist jetzt wieder ein Johannes auf der Höhe seiner Kunst 🙂 🙂 :-), besonders die Nr. 5 kann man gar nicht fett gebug drucken.

  6. … zur Info:

    Es ist ja nicht so, dass die anderen Buchstaben in LGBT(IQ…) aus Correctness heraus erwähnt werden müssen. Man hört ja häufig frustriert von Schwulen, dass sie sich dadurch gestört fühlen, dass ihre Events von den anderen Gruppen vereinnahmt werden.

    Es ist richtig, dass die Stonewall-Aufstände damals aus der „Gay Community“ kamen. Nur wurde damals noch nicht penibel zwischen LGBT… unterschieden. Es war eine Gruppe diskriminierter marginalisierter sexueller Minderheiten – die selbst innerhalb der „Gay Community“ noch zu den Minderheiten zählen, u.a. männliche Prostituierte – aber alles in allem sehr gemischt:

    „It catered to an assortment of patrons and was known to be popular among the poorest and most marginalized people in the gay community: drag queens, transgender people, effeminate young men, butch lesbians, male prostitutes, and homeless youth.“
    (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Stonewall_riots )

    Vorne mit dabei waren auch Trans*frauen, insbesondere die am allermeisten diskriminierte Gruppe überhaupt: Trans Women of Color (TWoC). Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera werfe ich als Beispiel in den Raum.

    Nein, wenn überhaupt wurde der CSD von den Schwulen vereinnahmt. Der CSD ist weit mehr als das. Wenn schon journalistische Korrektheit, dann auch nicht von Schwulen- und Lesbenparade reden.

    PS: Marsha P. Johnson wurde nach einer Pride-Parade ’92 tot aufgefunden. Der CSD gilt auch, nein er gilt insbesondere TWoC.

  7. …mit einem Handstreich werden Existenzen und Identitäten* als „ausufernd“ und als „Etikettierung“ weggewischt…Nein – wir sind tatsächlich Menschen…Trans*Silencing-Trans*Erasure-Cisplaining-Reloaded. In der US-Scene undenkbar. Deutsche Ignoranz reloaded. Der Text? Ein Text, der die, um die es geht, nicht adressiert. Nur ein Text.

  8. Zu Punkt 3: Ein Gesetz zur Verwendung des Audrucks „schrill“ mag es nicht geben, auch wenn er mit geradezu naturgesetzlicher Regelmäßigkeit auftaucht. Aber eine gewisse verlockende Logik gibt es doch: Mit diesem Wort kann man die politische Ernsthaftigkeit der Paraden effektvoll diskreditieren.

    Und natürlich kann man sich so auch als Journalist*in der Mühe entheben, den eklatanten Mangel an Hintergrundwissen zu beheben, der einen Großteil der CSD-Berichte auszeichnet. Wenn das alles nur „Schwulen-Karneval“ ist, muss man ja nichts drüber wissen, und also auch nichts erklären.

    Bei jedem verdammten Rosenmontagszug wird erwartet, dass sich die TV-Moderator*innen vorher darüber schlau gemacht haben, welche Gruppen da mitlaufen, dass sie deren historischen Hintergrund im Detail kennen usw. Auf einen CSD werden Journalist*innen geschubst, deren inhaltliche Qualifikation allein darin besteht, dass sie nicht direkt vor einer Dragqueen wegrennen, wenn sie eine sehen. Detailkenntnisse der aktuellen rechtlichen Situation? Hintergrundwissen über verschiedene Untergruppen? Mehr als nur gröbste Grundkenntnisse des historischen Anlasses der Demos? Fehlanzeige.

    Die journalistische Begleitung der CSD-Saison ist in der Tat oft ein großes Trauerspiel.

    https://derzaunfink.wordpress.com/2014/09/04/ihr-seid-alle-schrill-schrill-schrill/

  9. Ich find es schade das so einige den CSD als fetisch Party missbrauchen.
    Langsam hängen mir die Pferde, Hunde, Männer in vollgepissten Gummianzügen, Windelträger , Käfigsklaven usw ausm Hals raus.
    Kein Wunder das man ständig hört Homosexuelle hätten alle seltsame Sexualpraktiken. Bei heten Demos hab ich noch nie jemanden öffentlich seinen fäkalfetisch ausleben sehen.

  10. Pingback: Jonet Das Journalistennetz. Seit 1994. » Medienlog vom 1. Juli 2016

  11. Danke herzlich für diesen Artikel!

    Ergänzend sind mir dazu zwei Artikel meiner Lieblings-Blogger eingefallen (ich gendere hier nicht, weil beide sich, soweit mir bekannt, als cis-männlich/schwul identifizieren), die sich dem Thema „schrill“ widmen – beide sehr lesenswert!

    der zaunfink: http://bit.ly/297yNo7

    Marcel Dams: http://bit.ly/297RnN8

  12. „Bei heten Demos hab ich noch nie jemanden öffentlich seinen fäkalfetisch ausleben sehen.“

    Und du auch nicht auf einem CSD!!!

    Niemand war bisher in vollgepissten Gummiklamotten auf einem CSD in der Demo!!! Jedenfalls in Köln, und ich bin seit 15 Jahren dabei!

    Unserer Szene dies zu unterstellen ist infam! Die Fetischkerle, die dort in der Demo sind kommen mehrheitlich aus den europäischen Fetischvereinen und viele internationale Titelträger laufen mit. Wenn du dich ein wenig besser in der Historie unserer Community auskennen würdest, würdest du wissen, dass die Fetischkerle mit die ersten waren, die sich getraut hatten überhaupt auf die Straße zu gehen und das aus dieser Szene die Aidshilfen entstanden sind. Was du hier schreibst ist beleidigend, ignorant und spaltet den Zusammenhalt der ganzen Community.

    Fetischgruppen auf dem CSD Cologne findest du beim Rheinfetisch e.V. und FetishU. Außerdem gibt es noch eine BDSM-Heterogruppe mit den Petplayer. Die sexuelle Orientierung spielt bei ihnen aber keine Rolle (sind eher hetero, würde ich mal tippen). Aber keiner der Leute läuft da in vollgemachten Windeln rum!

    PS: Du hast ja keine Ahnung, wie viel Arbeit in einem auf Hochglanz geputzen Gummioutfit steckt.

    Gruß aus Dortmund
    Dirk
    MSC Rote Erde Dortmund e.V.

  13. @ Peter Lustig

    So, man hört von seltsamen Sexualpraktiken bei Schwulen. Aha, hört man das. Ich hab auch schon manches gehört. Wie auch immer: Praktizierter Sex (und das ist was ganz anderes als sexuelle Orientierung!) gehört in die Intimsphäre, egal ob homo oder hetero. – Ich besuche seit vielen Jahren die CSDs in München, Frankfurt, Saarbrücken und Mannheim. Fäkalfetischisten hab ich dort noch nie bei praktischen Auftritten erlebt. Vielleicht hab ich aber auch nur nicht aufmerksam „gehört“.

  14. Die ganze LGBT*I*QXYZ Rumbuchstabiererei ist für mich ein völliger Schwachsinn.
    Nehmt besser endlich irgendein anderes Wort (wie wärs mit queer?) das für alle stehen kann oder hinter dem sich alle irgendwie finden können.
    Ansonsten wirkt das alles lächerlich und unreif.
    Irgendwie deutsch, wie Kleintierzüchtervereinsgemeiere.

  15. Lieber Johannes Kram,

    danke für den Nachtrag.
    Als bisexuelle Frau wäre ich allerdings gern mehr als ein Nachtrag.

    Ich habe immer die Kämpfe von LGTIs unterstützt. Weil ich es richtig finde. Und auch in dem naiven Glauben, das hätte was Gegenseitiges.

    Ich möchte mich gern als Teil „der Community“ fühlen.
    Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die sich selbst als lesbisch oder schwul bezeichnen (viele von ihnen waren durchaus schon in Menschen mehrerer Geschlechter verliebt), die mir das Gefühl geben, ich gehöre da doch nicht so richtig dazu.

    – Wenn Vereine aus „historischen Gründen“ nur L und S im Namen haben.
    – Wenn es Lesben oder Schwulen zu anstrengend oder kleinkariert erscheint, mehr als zwei Buchstaben im Akronym zu nennen.
    – Wenn nur von Homophobie, aber nicht von Biphobie und Monosexismus gesprochen wird (und ich könnte mir vorstellen, dass das mit Transphobie und Diskriminierung von Intersexuellen ähnlich aussieht).

    Ihr „wenn schon“ und „Nachtrag“ sind ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
    Bitte machen Sie einen größeren.
    Bitte ändern Sie den Beitrag!

  16. Abgesehen von der schon optischen und akustischen Lächerlichkeit der immer mehr ausufernden Buchstabensuppe LSBTTI(QA*…) sollte schon darauf geachtet werden, nicht Dinge zu vermischen, die nichts miteinander zu tun haben: sexuelle Orientierung (schwul, lesbisch, bi) und Geschlechtsidentität (trans, inter). Ich bin nun mal schwul, und ich möchte nicht mit was Anderem vermischt werden. Das ist nicht abwertend zu verstehen. Für transidentische und zwischengeschlechtliche Menschen setze ich mich ein, für ihre Rechte und gegen ihre Diskriminierung sich zu engagieren sehe ich als gerne wahrgenommene und selbstverständliche Pflicht an. Aber ich möchte nicht in einem Buchstabensalat verschwinden, dessen Bedeutung die Allgemeinbevölkerung nicht kennt und den nur noch Spezialisten aufdröseln können. – Und noch was: Ich bin MItglied eines Vereins, der in breiter Mehrheit Schwule, in einer Minderheit Transen umfasst – Lesben sucht man vergebens; das alte Problem: Lesben kapseln sich ab, halten sich versteckt und beschweren sich dann über mangelnde Sichtbarkeit.

  17. Liebe Alexandra Will,

    ich danke Ihnen sehr für Ihren Beitrag! Ich stimme Ihnen in allem zu. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft als bisexuelle Cis*Frau und Bloggerin!

    Lieber Johannes Kram,

    Wie ich bereits geschrieben habe, bin ich Aktivistin. Mein Name ist in der Trans*-Community in Deutschland bekannt. Ich bin trans*, queer, pansexuell und farbig – und monosexuell bin ich natürlich ebenfalls nicht.

    Ich bin aus all diesen Gründen von Intersektionalität (Mehrfachdiskriminierung) betroffen. Täglich. Auch – und gerade – innerhalb der LGBT*I*Q-Community! Trotzdem ist es meine Community. Ich zähle mich dazu. Ich betrachte die Community als meine Familie. Ich gehöre dahin!

    Aufgrund meiner vielen „Überschneidungen“ arbeite ich auch in all diesen Bereichen. Ich arbeite politisch und gesellschaftlich zu L, B, T*, auch zu I*, auch zu Frauenrechten im Allgemeinen – aber insbesondere zu Rechten von queer lebenden und liebenden Frauen, zu denen wiederum auch Trans*Frauen gehören. Welche Arbeit ich im Bereich Xenophobie leiste, will ich hier gar nicht erwähnen…

    Obwohl ich in all diesen Bereichen meiner vielen „Überschneidungen“ arbeite, verfüge ich über viele Erfahrungen von Ablehnung und Exkludierung innerhalb der Community.

    Ich muß immer wieder z.B. politische Texte und Forderungspapiere zur Kenntnis nehmen, die sich – laut Überschrift und Anspruch – „Gegen Homo- und Transphobie“ richten. Im nachfolgenden Text geht es dann aber plötzlich nur noch um Homophobie – die Trans*Feindlichkeit ist bereits nach der Überschrift irgendwie verloren gegangen. Es wird nicht nur nicht mehr erwähnt – es wird auch nicht mehr auf das „Wesen der Trans*Feindlichkeit“ im Detail eingegangen. Wie von Zauberhand geht es plötzlich nur noch um Homophobie und – Hokuspokus – im nächsten Schritt oft genug auch nur noch um Schwule. – Meine Erfahrungen decken sich dramatisch mit denen von Frau Will.

    Wobei es für uns Trans*Frauen um noch viel mehr geht. Wir werden nicht nur aufgrund unserer sexuellen Präferenzen diskriminiert – wir werden gesamtgesellschaftlich aufgrund unserer Geschlechts-Identität gesilenced. Das heißt, die Gesellschaft ignoriert schlicht unsere Existenz. Unsere Existenz wird geleugnet. Wir sind etwas, was es „eigentlich“ gar nicht geben darf. Wir entlarven – wie die inter*sexuellen Menschen auch – alleine durch unsere Existenz(!) das binäre Geschlechtersystem der Heteronormativität. Deshalb wird unsere Existenz gesilenced und man ist bemüht uns unsichtbar (Trans*Erasure) zu machen. Das findet seinen Ausdruck in der Trans*Misogynie – der Trans*Frauen-Feindlichkeit. Es geht folglich für uns Trans*Frauen als politische Strategie ganz wesentlich um „Visibility“.

    Inwieweit ich als eine Trans*Woman of Color noch weitreichenderen Diskriminierungserfahrungen ausgesetz bin, will ich hier gar nicht erörtern – das würde den Rahmen völlig sprengen. –

    Zusammengefasst: „LGB“ kennt sich in der Regel nicht mit „T*I*Q“ aus. Ich kenne mich aber als Angehörige von „T*Q“ aufgrund all meiner „Überschneidungen“ mit LGBT*I*Q aus – mit Allen! Aufgrund meiner politischen Arbeit kenne ich die „Problematiken“ aller bis ins Detail.

    Als Existenz in LGBT*I*Q-Zusammenhängen in einer „Fußnote“ erwähnt zu werden – und das auch erst nach erfolgter Kritik – kommt einer Demütigung gleich und bestätigt die grundlegenden Erfahrungen von Stigmatisierung von Trans*Frauen: Trans*Erasure. Trans*Silencing. Cisplaining, Trans*Misogynie.

    Es geht um Solidarität! Ich lebe sie täglich und sie findet in meiner Arbeit Ausdruck.

    Ich schließe mich der Bitte von Frau Alexandra Will an: Bitte ändern Sie den Beitrag!

  18. ein csd ist weder eine lesben noch eine schwulenparade sondern ein gedenks und demostrationstag, den ursprünglichen sinn haben nur leider viele vergessen

  19. @ Alexandra Will
    @ Larah Haŋt’éwi Lakȟóta Yūna

    Danke für die Beiträge. Ich glaube, wir sind uns einig: Ablehnung und Exkludierung innerhalb der Community darf es nicht geben und wir müssen uns alle Mühe geben, uns mehr zu verstehen. Gerade ein Blog wie dieses darf nicht nur die eigene Identität im Blick haben. Deswegen war es falsch, wie Punkt Eins meines Blogbeitrages formuliert war. „Nachtrag“ bedeutet aber nicht „nachrangig“, sondern, dass es nachträglich dazu gefügt wurde, was ja auch ein Ergebnis der Diskussion hier im Kommentarbereich ist. Im Sinne des Verlaufes und der Transparenz dieser Diskussion möchte ich die Korrektur deshalb bewusst als solche stehen lassen. Allerdings habe ich jetzt die Aussage aus Punkt Eins mit einem auf die Korrektur verweisenden Sternchen versehen um klarzumachen, dass das eine oder das andere so nicht stehen bleiben kann.

  20. @Ralf
    obwohl ich nun mit 50 Jahren glaubte, alles über mein Schwulsein und der Community zu wissen und ich mich darauf konzentrierte, daß wir selbstbewusster und emanzipierter werden, politisch gestärkt, so muss ich feststellen, dass an mir irgendwas vorbei gegangen ist.
    Wir wollen gleichberechtigt sein, aber spalten usn immer mehr auf und ab. Ein Buchstabensalat der meiner Meinung nach nicht den positiven Effekt hat, den er sich erwünscht. Ein wenig erinnert mich das an die Vereinssitzung von Loriot.
    Durch all diese Aufspaltungen und Untergruppierungen (die natürlich wissenschaftlich notwendig sind) bleibt immer einer auf der Strecke. Eine sexuelle Besonderheit, die noch nicht beachtet wurde und keinen Buchstaben bekommen hat. GAY oder QUEER war einfach und jeder verstand, worum es ging. Wenn dann Trans-Hetero auf dem Programm steht, dann wird es absurd…. Ein CSD ist eine Demonstration und wie erreichen wir etwas, wenn nicht durch einfache Aussagen, die alle verstehen können, ohne folgendes gelernt zu haben:

    A Asexual / asexuell Agender Androgyn
    B Bisexual / bisexuell Bigender Berdache
    D Demisexuell Demigender
    G Gay
    GA Grey-Asexuell
    GQ Genderqueer
    H Homosexual, Homosexuell Hijra Hermaphrodit
    I Intersex / intersexuell
    L Lesbian / lesbisch
    N Neutrois
    O Omnisexual / Omnisexuell other / andere
    OW or whatever / oder was auch immer
    P Pansexual / Pansexuell Polyamorous / Polyamor Polysexuality / Polysexualität
    Q Queer Questioning
    S Schwul
    T Transgender Transsexual, Transidentic Two-Spirit Transvestit
    TG Transgender, Gay Transgender
    TI Transidentität / transidentisch
    TS Transgender, Schwul Transsexual / Transsexuell Two-Spirit
    TV Transvestit
    U Unsure / unsicher
    Ø Neutrois[6]
    2 Two-Spirit

  21. In Deutschland gibt es keine Vielfalt – nur als Schlagwort auf dem Papier. „Diversity“ wird in Wahrheit gar nicht erfasst. Stattdessen gibt es „Einfalt“ – aber die ist vielfältig. Das Problem: Ignoranz. – Die Ursache hinter der Ignoranz: Heteronormativität. https://www.google.de/?client=browser-ubuntu#q=heteronormativit%C3%A4t&channel=fe&hl=de&gws_rd=cr,ssl Deutschland ist 20 Jahre zurück – auch innerhalb der LGBT*I*Q-Community. Bei mir zuhause in der US-Community sind solche Äußerungen undenkbar.

    Ich möchte das als Mahnung verstanden haben: Die deutsche LGBT*I*Q-Community scheitert bereits an ihrem „B“. Das ist – ich bitte um Verzeihung – ein sehr frühes Scheitern.

    I burned my white flag a long time ago – aber ich habe hier gelernt, daß es „ein Ende der Fahnenstange“ gibt.

    Ich ziehe mich hier zurück. Have a nice day

  22. Arg, arg verspätet, aber vielleicht wird es trotzdem noch gelesen

    @Ralf
    vor allem wäre etwas mehr Höflichkeit angebracht. Oder ist das so schwer?

    @Larah
    Gebt auch Heten eine Chance!
    Schau, ich bin heterosexuell. Mein Partner ist bisexuell. Wir sind beide auf der hiesigen Pride Parade (damn, ja, so heißt das in Edinburgh) mitgelaufen. Aber die Sexualität meines Partners ist kein Hobby von mir, ich sehe mich absolut außerstande, diese Buchstabenliste, die Peter weiter oben gepostet hat, auswendig zu lernen.
    Und am Ende verwechsele ich da was und werde niedergemacht, weil ich jemanden falsch bezeichnet habe?
    So macht „ihr“ „uns“ die Annhäherung nur schwerer. Wenn ich mehr darauf achten muss, keinen Bezeichnungsfehler zu machen, kann ich mich nicht mehr so gut auf euch als Mensch konzentrieren – und eigentlich dachte ich, das sei das Endziel: dass wir einander einfach als Persönlichkeiten sehen, und die sexuellen Vorlieben, Orientierungen etc. egal sind.

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