Danke, Heiner Geißler

„Die Aussage (…) dass Homosexualität zwar nicht strafbar, aber eine schwere Sünde sei, hat einen verheerenden Eindruck erzeugt und katholische Homosexuelle, vor allem homosexuelle Priester in den Dunkelbereich der Lüge und Vertuschung getrieben. Typisch dafür war, daß der pädophile Mißbrauch nicht aufgedeckt werden durfte und vom damaligen Sekretär der Glaubenskongregation Kardinal Ratzinger unter das Secretum Pontificium, das päpstliche Schweigegebot gestellt wurde, dessen Verletzung schwere Kirchenstrafen nach sich zöge.“

Heiner Geißler im Cicero

„Ehe zwischen 60- und 70-Jährigen wäre auch naturwidrig“

Heiner Geißler zur Diskussion um die Ehe für alle

Ja, mit 87 Jahren ist Heiner Geißler viel zu früh gestorben.

Die allermeisten Intellektuellen in Deutschland waren Befürworter der Ehe für alle. Sie taten aber nichts dafür,  weil sie sich mit deren Gegnern darüber einig waren, dass es in Deutschland wichtigere Themen gab, und so nicht der Meinung waren, sich dafür  engagieren zu müssen.

Heiner Geißler war einer der wenigen Intellektuellen, der sich nicht nur (wie die allermeisten) mit uns solidarisierten, wenn man sie darum anbettelte, sondern unseren Kampf als einen Kampf für Gerechtigkeit begriff, und ihn deshalb auch zu seinem eigenen machte.

Angesichts dessen, was der Hetero Heiner Geißler für uns getan hat, wie und wo er sich für uns ins Zeug gelegt hatte, müssen sich nicht nur fast alle Freunde seiner eigenen Partei schämen, sondern auch die allermeisten Politiker der links von seiner Parteien stehenden.

Gerade jetzt im Bundestagswahlkampf sei daran erinnert, wie er es genau vor vier Jahren mit einen der schlimmsten Homo-Hetzer aufnahm. Es war der damalige CSU Generalsekretär Alexander Dobrindt, der es mit seiner Attacke auf die „schrille Minderheit“ zur Wahlkampf-Strategie erklärt hatte, auf Kosten Homosexueller zu polarisieren und der auch deshalb Minister wurde, weil er mit seiner Angstmache erfolgreich war.

Heiner Geißlers Entgegnung  war damals so wichtig, weil er sich  nicht nur schützend vor uns stellte, sondern weil er klar machte, wer hier vor wem Angst haben musste:

Geißler stellte klar, dass die Anhänger der Gleichstellung eben keine„schrille Minderheit“ seien. Und:

„Es ist gefährlich, wenn ein Generalsekretär Mehrheiten mit Minderheiten verwechselt.“

Heiner Geißler wird nicht fehlen. Er fehlt jetzt schon. ♦

Vorschaubild:  Heike Huslage-Koch – CC-BY-SA

Hintergrund:

„Konstruierte Provokation“: Die WELT erklärt die Bedeutung der Diffamierung von Homosexuellen für den CSU-Wahlkampf

Die schmutzige Geschichte des Anti-Gleichstellungskampfes der CSU

Zur Homophobie Joseph Ratzingers: „Homophobia Kills“

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