Expeditionen ins Queer-Reich

Spiegel Online berichtet über eine Fotoreportage über einen älteren schwulen Mann.
Offensichtlich hat diese unglaubliche Erkenntnisse über Homosexuelle hervorgebracht:

„Es ist ein kleines Glück (…) in dem offene schwule Beziehungen, wie Song bei der Recherche feststellte, insbesondere bei älteren Männern teilweise immer noch tabu sind. Er habe viele Homosexuelle getroffen, die verheiratet waren, Kinder hatten und ihre Beziehungen zu anderen Männern hätten geheim halten müssen.“

Wo gibt es denn sowas?

Vor der Recherche habe der Redakteur gedacht

„… Homosexuelle lebten komfortabel, kleideten sich aufwendig und seien finanziell gut versorgt.“

aber das sei offensichtlich gar nicht immer so. Kaum zu glauben! Er schreibt, es habe drei Monate (!) gedauert, bis er dies herausgefunden habe.

Der Journalist erklärt in seinem Reuters Blog, dass es gar nicht so einfach war eine ältere schwule Person zu finden, die sich vor einer Weltöffentlichkeit in intimen Situationen fotografieren lassen wollte. Sachen gibts.

„It took some time to find the main character of my story. As you might imagine, it’s not easy to find a gay person willing to be photographed intimately, much less by an international photo agency. At first, I was taken to a dance club (…) where gay people meet each other. I was surprised by the scene I found – nearly 300 men, some hugging, some dancing, in a club that completely exuded the 1980s, from the décor to the music. This club attracted mainly elderly gay men, and I was told that the oldest member was more than 90 years old. I saw very few younger people.“

Schon erstaunlich, dass Spiegel Online eine Reportage abdruckt, die sich einem Schwulenclub, wie es ihn in fast jeder Stadt auf der Welt zu geben scheint, nähert, als ob man zum ersten Mal eine scheue Tierart vor die Kamera bekommen hat.

Der Grund hierfür mag sein, dass es sich bei der Heimatstadt des Protagonisten um Shanghai handelt. China, Schwule, also doppelte Exotik, da kann man eben nicht anders. Ich glaube, man muss nicht erwähnen, dass die dreimonatige Recherche des REUTERS-Mannes offensichtlich auch deshalb notwendig war, um einen Schwulen zu finden, der nicht nur alt und Chinese ist, sondern auch in tanzend in Frauenkleidern eine besonders schöne tragische Figur macht. Eine perfekt inszenierte romantische Verklärung, die uns irgendwas über Schwule, China, oder Schwule in China sagen soll. Nur was? Spiegel Online:

„Seine Bilder dokumentieren einen Alltag, der sich nicht für romantische Verklärung eignet.“

——
Der Spiegel Online Artikel vom 1.6. hier.

Politik

2 “Kommentare ”

  1. ..wenn ein Artikel mit „Lange waren sie Außenseiter“ beginnt, kann man davon ausgehen, dass das behandelte Sujet noch ein gutes Stück von der „wahrgenommenen Normalität“ weg ist.
    🙁

  2. Erinnere mich an den Artikel und dass ich mich darüber aufgeregt habe… Vielen Dank für diesen Blogbeitrag!

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