{"id":10018,"date":"2019-02-12T12:56:00","date_gmt":"2019-02-12T10:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=10018"},"modified":"2020-01-16T10:44:57","modified_gmt":"2020-01-16T08:44:57","slug":"vier-einfache-fragen-an-peter-kraus-zu-andreas-gabalier-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=10018","title":{"rendered":"Queer in den Medien: Homosexualit\u00e4t ist keine Privatsache!"},"content":{"rendered":"\r\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" class=\"wp-image-10019\" src=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/495fea6b-88fb-46b6-be43-ecc72ff39bac-1024x768.jpg\" alt=\"\" \/>\r\n<figcaption>Johannes Kram auf der Queer Media Society &#8211; Foto: Markus Kowalski<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Gestern durfte ich bei der Gr\u00fcndung der &#8222;Queer Media Society&#8220; vor ca. 150 Medienschaffenden die Er\u00f6ffungsrede halten. Die Society hat das Ziel, die Pr\u00e4senz unserer Community in den Medien zu verbessern. Es war eine sehr bewegende Veranstaltung mit TeilnehmerInnen aus allen Medienbereichen: JournalistInnen, SchauspielerInnen, ProduzentIinnen, RegisseurInnen usw. (mehr dazu im <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5572716\/\">taz-Bericht<\/a>, \u00fcber die anderen RednerInnen und die Diksussion)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Hier der (gek\u00fcrzte) zweite Teil meiner Rede, der von Sichtbarkeit von LGBTI in den Medien handelt (im ersten Teil ging es vor allem um die Themen <a href=\"http:\/\/www.onlinekram.com\/buch-ich-hab-ja-nichts-\/\">meines Buches<\/a>, also die <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=8755\">&#8222;schrecklich nette Homophobie<\/a>&#8222;, Homophobie in Gesellschaft, Medien und nat\u00fcrlich auch <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3576\">Dieter Nuhr<\/a>): <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\r\n\r\n\r\n<p>Homosexuelle Emanzipation geht nicht ohne Gesicht zeigen. Nicht ohne Out sein. Das gilt auch und gerade f\u00fcr Homosexuelle in den Medien. Und ja, auch f\u00fcr SchauspielerInnen und Schauspieler. Doch dann gibt es die, die sagen: Aber Homosexualit\u00e4t, das ist doch eigentlich Privatsache.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich glaube, wer sagt, dass Homosexualit\u00e4t eine Privatsache ist, der l\u00fcgt sich in die Tasche: Niemand k\u00e4me doch auf die Idee, dass es ein Problem sein k\u00f6nnte, die Heterosexualit\u00e4t eines Menschen offen anzusprechen. egal, ob dieser dem eingewilligt hat oder nicht! Der einzige Grund, warum Homosexualit\u00e4t eine Privatsache sein sollte, ist also die Homophobie. Sich nicht zu outen bedeutet demnach, sich den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Homophobie zu f\u00fcgen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wer von einer Privatentscheidung spricht, macht Homophobie zum Privatproblem, so, als h\u00e4tte er oder sie sich die Homosexualit\u00e4t, als h\u00e4tte er sich die Homophobie selbst ausgesucht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Damit das klar ist: Niemand sollte gegen seinen Willen geoutet werden. Und wir k\u00f6nnen nicht verlangen, dass sich jemand outet. Aber erwarten k\u00f6nnen wir es schon.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ja, es ist ein Dilemma, und es ist nicht gerecht, weil die, die sich outen, ihre Karriere einer Belastungsprobe aussetzen, die die Heteros nicht haben. Und trotzdem: Wenn Homosexualit\u00e4t irgendwann keine Benachteiligung, kein Risiko mehr sein soll, dann m\u00fcssen wir Benachteiligungen und Risiken eingehen. Wir m\u00fcssen aber vor allem Konzepte daf\u00fcr haben, dass diese Risiken minimiert sind. Das kann kein einzelner schaffen. Genau wie wir erwarten k\u00f6nnen, dass &#8211; im Sinne einer diskriminierungs\u00e4rmeren Welt &#8211; nicht nur ein paar wenige dieses Risiko wagen, sondern m\u00f6glichst alle dazu beitragen, dass das Risiko irgendwann keines mehr sein wird, so sehr k\u00f6nnen diese SchauspielerInnen und Schauspieler auch erwarten, dass wir als Community daran arbeiten, dass es nicht nur ihr Problem ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Jeder springt f\u00fcr sich allein. Wir k\u00f6nnen niemanden den Sprung vom 10 Meter-Brett abnehmen. Aber wir k\u00f6nnen zumindest daf\u00fcr sorgen, dass im Becken Wasser ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wie das gehen kann? Vielleicht k\u00f6nnen wir da gleich in der Diskussion dr\u00fcber reden. Hier nur so viel: Wir m\u00fcssen auch wieder lernen, im Durchsetzen unserer Interessen, unserer, ich sage bewusst: Unversehrtheit, unserem Recht darauf, dass unsere Benachteiligungen minimiert werden, radikaler zu sein. Und nicht nur darauf vertrauen, dass die Zeit das schon irgendwie regeln wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nur nett sein bringt nichts. Die Zeit regelt gar nichts. Und 50 Jahre nach Stonewall muss man vielleicht wieder daran erinnern: Auch Stonewall war keine Onlinepetition!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und was die Drehb\u00fccher, die Formate, die Rollen betrifft: Glaubt Ihr, Netflix zeigt nur deshalb so viele queere Charaktere und Stoffe, weil es so viele queere Kunden gibt? Ich glaube, es zeigt sie, weil diese Charaktere und Stoffe, etwas \u00fcber die gesamte Gesellschaft aussagen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und deswegen m\u00fcssen wir aufpassen, dass &#8211; wenn wir uns heute hier versammeln &#8211; um mehr Repr\u00e4sentanz und mehr Sichtbarkeit in den Medien einzufordern, dass es nicht nur darum gehen kann, dass wir \u00f6fter vorkommen. Es muss auch darum gehen, dass es ein Bewusstsein um die Komplexit\u00e4t von Identit\u00e4ten gibt. Dabei geht es um Widerspr\u00fcche, Dilemmata, unterschiedliche, teilweise gegens\u00e4tzlicher Ziele:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir wollen endlich als ganz normale Charaktere sichtbar sein, die nicht vor allem ihr Anderssein zur Schau stellen. Einerseits. Denn andererseits haben wir darum gek\u00e4mpft, endlich anders sein und auch stattfinden zu d\u00fcrfen!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir wollen endlich, dass Homo- oder Transsexualit\u00e4t nicht immer nur als Problem, sondern als Normalit\u00e4t gezeigt wird. Einerseits. Denn andererseits wollen wir, dass endlich unsere Opfergeschichten angemessen gezeigt werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir wollen, dass es egal ist, ob eine Figur LGBTI ist. Anderseits wollen wir zeigen, dass, und wo es eben nicht egal ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir wollen keine Klischees, keine Stereotypen mehr sein. Aber andererseits sind viele dieser Stereotype auch ikonenhafte Ergebnisse und auch Erfolge von Queer Culture!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir wollen, dass es nicht immer um Sex geht. Andererseits haben wir auch daf\u00fcr gek\u00e4mpft, dass wir keine b\u00fcrgerlichen, aseptischen Homos mehr sein m\u00fcssen!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ja, das ist komplex. Aber vor allem f\u00fcr Medienmacher doch auch verdammt spannend! Es geht nicht nur darum, ob wir vorkommen. Es geht nicht nur darum, ob wir in wichtigen Rollen vorkommen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es muss darum gehen: Wie!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich glaube, dass der gro\u00dfe Erfolg amerikanischer Serien und auch immer \u00f6fter hiesiger Serien auch damit zu tun hat, dass es bei den Hauptfiguren nicht vor allem darum geht, sich mit ihnen identifizieren zu k\u00f6nnen. (Die angeblichen oder tats\u00e4chlichen mangelnde Identifikationsm\u00f6glichkeiten mit queeren Figuren wird ja bei und immer wieder als Grund, genannt, warum es so wenige davon gibt.)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich glaube, dass es den Machern dieser Serien vor allem darauf ankommt, dass man sich f\u00fcr die Figuren interessiert. Dass sie auch abseitige, sprerrige Typen sein d\u00fcrfen. Hauptsache, man will wissen, was mit ihnen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nat\u00fcrlich braucht es Identifikationsfiguren! Aber es braucht vor allem <em>echte<\/em> Figuren. Und wenn sie echt sind, und wenn sie komplex sind, dann interessiert man sich auch f\u00fcr den Stoff, ganz unabh\u00e4ngig davon ob es queere Figuren sind. Doch daf\u00fcr m\u00fcssten wir in Deutschland anfangen, mehr Gef\u00fchl daf\u00fcr zu entwickeln, dass Diversit\u00e4t eine Bereicherung ist und nicht etwas, das man aushalten muss.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Was wir eigentlich brauchen -vor allem in den Themen und Stoffen &#8211; ist die Neugier, die Wertsch\u00e4tzung, die wirkliche Akzeptanz von Vielfalt. Und das bedeutet mehr Stoffe, in denen eben am Ende nicht immer Konsens ist, wo am Ende nicht immer alles Verst\u00f6rende beseitigt ist, sondern Inhalte, bei denen man am Ende Lust hat mehr von dem zu erfahren, was selbst man so gar nicht ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Mit Toleranz und gut gemeinten, aber in Wahrheit g\u00f6nnerhaften Erz\u00e4hlungen kommen wir nicht weiter. (&#8230;)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Lasst uns das \u00e4ndern. Lasst uns unsere Gesellschaft ver\u00e4ndern, in dem wir die Medien ver\u00e4ndern.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Wir brauchen Deine Hilfe! Das Nollendorfblog bleibt werbefrei und unabh\u00e4ngig durch die freiwillige Unterst\u00fctzung seiner Leserinnen und Leser.<br \/><\/strong><\/p>\r\n<p><!-- \/wp:post-content --><\/p>\r\n<p><!-- wp:separator --><\/p>\r\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\r\n<p><!-- \/wp:separator --><\/p>\r\n<p><!-- wp:image {\"id\":8740,\"align\":\"left\",\"linkDestination\":\"custom\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/de\/nollendorfblog\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"442\" height=\"82\" class=\"wp-image-8740\" src=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein.png 442w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein-300x56.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p><!-- \/wp:image --><\/p>\r\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p>Mehr dazu:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=8291\">Das Nollendorfblog braucht Deine Unterst\u00fctzung.<\/a><\/p>\r\n<hr \/>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das Coming Out von SchauspielerInnen und die Herausfoderungen queerer Stoffe. 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