{"id":11838,"date":"2020-04-25T13:40:38","date_gmt":"2020-04-25T11:40:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=11838"},"modified":"2020-04-25T15:16:42","modified_gmt":"2020-04-25T13:16:42","slug":"berliner-csd-vorstaende-denn-sie-wissen-nicht-was-sie-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=11838","title":{"rendered":"Berliner CSD-Vorst\u00e4nde: Denn sie wissen nicht, was sie tun"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber diesen Blogbeitrag habe ich lange nachgedacht. Warum k\u00e4mpft der sich mit so einem Kleinmist ab, werden einige von Euch denken. Und das ist ja auch so: Gibt es nichts Wichtigeres? Doch, gibt es. Es ist verst\u00e4ndlicher, \u00fcber Dinge dann zu schreiben, wenn sie gerade zu entgleisen drohen oder sie es gerade sind. Nein, beim Berliner CSD ist noch nichts entgleist. Und doch denke ich, dass da etwas ganz grunds\u00e4tzlich falsch l\u00e4uft. Das muss nichts B\u00f6ses bedeuten. Aber es kann.<\/p>\n<p>Unsere CSDs sind mit die wichtigsten Instrumente, die wir im Kampf f\u00fcr unsere Bewegung haben. Weil diese durch die Corona-Krise nicht als Gro\u00dfveranstaltungen stattfinden k\u00f6nnen, w\u00e4re es gut, wenn dort jetzt Leute Entscheidungen treffen w\u00fcrden, die dieser enormen Verantwortung gerecht werden k\u00f6nnen. Beim Berliner CSD-Vorstand habe ich, um es mal vorsichtig zu sagen, da meine sehr starken Zweifel. Zumindest zwei der Vorst\u00e4nd*innen (und damit 50 Prozent des Vorstands) scheitern gerade an den einfachsten Regeln \u00f6ffentlicher Kommunikation. Das l\u00e4sst Schlimmes ahnen. Sie scheinen nicht zu wissen, was sie da gerade tun.<\/p>\n<p>Man kann dar\u00fcber streiten, ob die Entscheidung des CSD-Vorstandes richtig war, dass der diesj\u00e4hrige Berliner in diesem Jahr als &#8222;Onlinevariante&#8220; stattfinden soll. Ich finde, dass das eine falsche Entscheidung ist, aber wie gesagt: Man kann dar\u00fcber streiten.<\/p>\n<p>Man kann dar\u00fcber streiten, ob es so eine kluge Idee war, diese Entscheidung direkt nach dem Gro\u00dfveranstaltungsverbot in einem Pressestatement (zun\u00e4chst im <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/queerspiegel\/christoper-street-day-parade-abgesagt-csd-berlin-soll-online-stattfinden-das-reicht-nicht-allen\/25744332.html\">Berliner Tagesspiegel<\/a>, dann in Form <a href=\"https:\/\/csd-berlin.de\/berliner-csd-trotz-corona-am-25-juli-2020\/\">dieser Erkl\u00e4rung<\/a>) mitzuteilen. Niemand kritisiert den Vorstand daf\u00fcr, dass er den CSD in seiner geplanten Gro\u00dfveranstaltungsform abgesagt hat. Viele in der Community f\u00fchlen sich aber \u00fcberrumpelt und fragen sich, warum in dieser Verk\u00fcndung das Ergebnis einer Diskussion \u00fcber m\u00f6gliche alternative Formen bereits vorweggenommen wurde. Denn nat\u00fcrlich gibt es bei den vermeintlichen Alternativen Gro\u00dfveranstaltung und &#8222;Onlinevariante&#8220; eine ganze Menge dazwischen. Doch statt zu einer solchen Diskussion einzuladen, verlautbart der Vorstand in seiner Pressemitteilung:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220; &#8230; F\u00fcr den 25. Juli 2020 wird also eine Onlinevariante des Berliner CSD organisiert. Wie diese genau aussieht, wird den Communities und allen Interessierten baldm\u00f6glichst mitgeteilt. Diese Umsetzung wird es allen Aktivist_innen, Interessierten und Kunstschaffenden die M\u00f6glichkeit geben, sich aktiv zu beteiligen und inhaltlich einzubringen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch das kann man machen. Aber auch dar\u00fcber kann man streiten.<\/p>\n<p>Das einzige, wor\u00fcber man eigentlich nicht streiten m\u00fcssen sollte, ist die Frage, ob man dar\u00fcber streiten kann.<\/p>\n<p>Doch zwei Vorst\u00e4nd*innen versuchen genau das gerade in Abrede zu stellen:<\/p>\n<p>Ralph Ehrlich kommentiert meinen letzten Blogbeitrag, in dem ich die Ank\u00fcndigung des CSD-\u00a0 Vorstandes kritisiert hatte, eine &#8222;Onlinevariante&#8220; durchzuf\u00fchren, auf Facebook so:<\/p>\n<blockquote><p><span dir=\"ltr\"><span class=\"_3l3x _1n4g\">Ganz sch\u00f6n harter Tobak was du da schreibst. Nat\u00fcrlich ist ein CSD eine Demonstration mit Menschen f\u00fcr Menschen die sich treffen und zusammen laufen auf Augenh\u00f6he. Je kreativer und mit pers\u00f6nlichen Herzblut gestaltet f\u00fcr mich umso besser. Und nat\u00fcrlich ist auch eine solche gro\u00dfe Demonstration nur durch eine Eventplanung zu bew\u00e4ltigen. Ist \u00fcbrigens auch bei der 1.Mai -Demo oder dem Stadtfest, welche auch geplant werden muss. Es sei denn es kommen nur 200-300 Menschen zum CSD, dann braucht man nat\u00fcrlich keine gro\u00dfe Planungen.Jetzt dem Vorstand des CSD zu unterstellen das sie nicht w\u00fcssten was ein CSD ist und welche Bedeutung er hat, finde ich sehr vermessen und eigentlich eine Frechheit. Anstatt laufend etwas zu posten, w\u00e4re mal ein ins Gespr\u00e4ch kommen besser gewesen, aber scheinbar ist dir da das Internet dann doch wohl lieber als das pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch bzw. mal den H\u00f6rer in die Hand zu nehmen.<\/span><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit der &#8222;Frechheit&#8220; kann ich sehr gut leben. Wer kritisiert, muss auch einstecken k\u00f6nnen. Womit ich ein Problem habe ist etwas anderes: Man kann einen kritischen Kommentator daf\u00fcr kritisieren, was er kommentiert. Aber nicht daf\u00fcr, dass er kommentiert. &#8222;Anstatt laufend etwas zu posten&#8220; hat zudem gleich zwei Geschm\u00e4ckle: W\u00fcrde er auch einen Zeitungsjournalisten, der dauernd etwas in seiner Zeitung schreibt, daf\u00fcr kritisieren, dass er dauernd etwas in seiner Zeitung schreibt?<\/p>\n<p>Und zweitens: Bei aller Notwendigkeit von Gespr\u00e4chen die es zwischen denen, die eine \u00f6ffentliche Funktion aus\u00fcben und denen, die die sie dabei publizistisch beobachten: Die Aufgabe eines Beobachters ist zun\u00e4chst das Beobachten. Die Forderung nach dem &#8222;pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch&#8220; statt einem \u00f6ffentlichen Debattenbeitrag stellt die Legitimation eines \u00f6ffentlichen Debattenbeitrages infrage, weil hier so getan wird, als ob es sich um pers\u00f6nliche Differenzen handelt, die auch pers\u00f6nlich &#8222;mit dem H\u00f6rer in der Hand&#8220; aus dem Weg ger\u00e4umt werden m\u00fcssten. Ich halte das f\u00fcr fatal. \u00d6ffentliche Entscheidungen bed\u00fcrfen einer \u00f6ffentlichen Debatte. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Entscheidungen einer solchen Tragweite, wie die, die der Berliner CSD-Vorstand gerade getroffen hat und durchziehen m\u00f6chte. Gerade in Zeiten, in denen die Situation der unabh\u00e4ngigen kritischen queeren Medien immer prek\u00e4rer wird, sollte ein CSD-Vorstand nicht den Eindruck erwecken, als seien diese \u00fcberfl\u00fcssig, wenn sie kritische Debattenbeitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Wenn nicht jetzt eine kontroverse \u00f6ffentliche Diskussion notwendig ist, wann denn dann?<\/p>\n<p>Stattdessen versuchen zwei Vorst\u00e4nd*innen, unliebsame Meinung als &#8222;Meinungsmache&#8220; zu diskreditieren. Auch das ist man als Kritiker gewohnt und kann gut damit leben. Allerdings zeigt die Begr\u00fcndung des Meinungsmache-Vorwurfes, was zumindest bei einer H\u00e4lfte des CSD-Vorstandes ganz grunds\u00e4tzlich nicht stimmt.<\/p>\n<p>CSD-Vorst\u00e4ndin Jasmin Senken schreibt in der gleichen Facebook-Diskussion folgenden bemerkenswerten Kommentar, der nur noch dadurch noch bemerkenswerter ist, weil er von Vorstandskollege Ralph Ehrlich mit einem &#8222;Like&#8220; versehen wurde:<\/p>\n<blockquote><p><span dir=\"ltr\"><span class=\"_3l3x _1n4g\">&#8222;&#8230; Und kritischer Journalismus ist f\u00fcr mich, alle Beteiligten zu befragen, um daraus dann eine, m\u00f6glicherweise berechtigte, Kritik zu formulieren.<br \/>\nAlles andere halte ich f\u00fcr Meinungsmache.<br \/>\nJust saying.<br \/>\nBitte korrigiere mich, wenn ich irre.&#8220;<\/span><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Es scheint unglaublich, aber es ist wohl so: Die Leitung des Hauptstadt-CSD, von dem wir aus leidlicher Erfahrung wissen, dass die Frage seines Erfolges oder Scheiterns zu einem Gro\u00dfteil eine Frage der Kommunikation ist, besteht zur H\u00e4lfte aus Leuten, die Grundprinzipien von \u00f6ffentlicher Kommunikation nicht kennen. Oder nicht verstehen. Deswegen muss man die &#8222;bitte korrigiere mich&#8220;-Bitte, die hier offensichtlich ironisch gemeint war, leider ganz erst nehmen.<\/p>\n<p>Also:<\/p>\n<p>Um einen kritischen journalistischen Kommentar zu schreiben, muss man vorher nicht alle Beteiligten fragen, die man kritisieren m\u00f6chte. Das ist in totalit\u00e4ren Staaten so, bei uns aber nicht. Zweitens: Ob eine Kritik als &#8222;m\u00f6glicherweise berechtigt&#8220; anzusehen ist, h\u00e4ngt davon ab, ob sie auf Fakten beruht und nicht, ob man mit &#8222;allen Beteiligten&#8220; gesprochen hat. Und als Fakten muss das gelten, was die Beteiligten selbst \u00f6ffentlich verlautbart haben. Wenn Eure \u00f6ffentlichen Verlautbarungen falsch sind, dann ist es nicht die Aufgabe von Journalisten, bei Euch nachzufragen, ob Ihr das, was Ihr sagt, auch wirklich so gemeint habt. Es ist Eure Aufgabe, so zu kommunizieren, dass man verstehen kann, was Ihr meint. Wenn Ihr glaubt, falsch verstanden worden zu sein, was nat\u00fcrlich immer vorkommen kann, dann w\u00e4re es Eure Aufgabe, klar zu stellen, was genau falsch dargestellt worden ist. Doch genau das macht Ihr eben nicht. Ihr argumentiert nicht gegen die Kritik, sondern entzieht Ihr einfach die Berechtigung.<\/p>\n<p>Auch das kann man so machen. Aber es erinnert an das Kommunikationgebaren des skandalumwitterten Berliner Landesverbands des LSVD, der seit Jahren versucht, Kritiker zu diskreditieren. Vor einigen Jahren weigerte sich der Verband etwa, <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4122\">auf eine Presseanfrage dieses Blogs zu einer Kampagne zu antworten<\/a>, die ich zuvor kritisiert hatte. Stattdessen, schrieb LSVD-BB-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer J\u00f6rg Steinert dann an David Berger, der damals Chefredakteur der &#8222;M\u00e4nner&#8220; war, und begr\u00fcndete ihm, warum er meine Fragen nicht beantworten wollte:<\/p>\n<blockquote><p><span dir=\"ltr\"><span class=\"_3l3x _1n4g\"> \u2026Dar\u00fcber hinaus ist uns Herr Kram bereits seit l\u00e4ngerem durch wenig seri\u00f6se Berichterstattung aufgefallen.\u201c<\/span><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Gerade jetzt brauchen\u00a0 eine offene Debatte dar\u00fcber, was der Berliner CSD sein kann. Der Berliner Community ist zu w\u00fcnschen, dass den Vertretern ihres CSDs noch eine andere Kommunikationsstrategie einf\u00e4llt, als nach der ersten Kritik laut &#8222;Fake News!&#8220; zu rufen.<\/p>\n<div id=\"main\">\n<section id=\"primary\" class=\"site-content\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-11814\" class=\"post-11814 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-188 category-aktuell-corona-krise category-community\">\n<div class=\"entry-content\">\n<div>\n<div class=\"jnhtml\">\n<div>\n<div>\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n<\/div>\n<p><em>Hier mein Ursprungsbeitrag;<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=11814\"><em>Ein digitaler CSD ist kein CSD!<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Mehr zum Thema:<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=34005\">Stonewall war keine Onlinepetition<\/a><\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=11435\">Mein Vorschlag f\u00fcr einen wirklich politischen Berliner CSD 2020<\/a><\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=11644\">Dringender Hilferuf aus Polen an die deutsche Community und den Berliner CSD<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?cat=193\">Alle Beitr\u00e4ge zum Thema Corona und Community hier.<\/a><\/strong><\/p>\n<div>\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n<p><em>Aktuell: In der neuen Folge meines <a href=\"https:\/\/queerkram.podigee.io\/\">QUEERKRAM<\/a>-Podcasts (<a href=\"https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=35881\">pr\u00e4sentiert von queer.de<\/a>) erz\u00e4hlt Ralf K\u00f6nig \u00fcber das Zeichnen in Quarant\u00e4ne und dar\u00fcber, wie er gerade K\u00f6ln erlebt Er diskutiert mit mir \u00fcber Political Correctness und sagt, was ihn an den alten Bully-Herbig-Filmen st\u00f6rt. H\u00f6rt mal rein \u2026<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/queerkram.podigee.io\/4-neue-episode\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11784 size-full\" src=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Facebook-Vorschau-Queer-KRAM-Ralf-K\u00f6nig.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" srcset=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Facebook-Vorschau-Queer-KRAM-Ralf-K\u00f6nig.jpg 1200w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Facebook-Vorschau-Queer-KRAM-Ralf-K\u00f6nig-300x158.jpg 300w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Facebook-Vorschau-Queer-KRAM-Ralf-K\u00f6nig-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Facebook-Vorschau-Queer-KRAM-Ralf-K\u00f6nig-768x403.jpg 768w\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"630\" \/><\/a><\/p>\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n<p><em><strong>Vielen Dank an alle, die dieses Blog mit ihren Beitr\u00e4gen gerade in diesen schweren Zeiten erm\u00f6glichen! <\/strong>Als unabh\u00e4ngiges und werbefreies Blog brauchen wir Deine Hilfe. 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