{"id":12535,"date":"2021-02-09T14:48:54","date_gmt":"2021-02-09T12:48:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=12535"},"modified":"2021-07-11T21:35:25","modified_gmt":"2021-07-11T19:35:25","slug":"coming-out-verriss-in-der-faz-gegenrede-auf-sandra-kegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=12535","title":{"rendered":"Coming-out-Verriss in der &#8222;FAZ&#8220;: Gegenrede auf Sandra Kegel"},"content":{"rendered":"<div dir=\"auto\">\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">Unter dem Motto <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ActOut\">#Actout<\/a> starteten am Freitag im <a href=\"https:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/kunst\/schauspielerinnen-schauspieler-coming-out-89811?reduced=true\">Magazin der S\u00fcddeutschen Zeitung<\/a> 185 Schauspieler*innen, die sich als schwul, lesbisch, bi, queer, nicht-bin\u00e4r und trans bezeichnen, ein Massen-Coming-out. In einem Manifest fordern sie mehr Sichtbarkeit und Repr\u00e4sentanz queerer Schauspieler*\u00ecnnen und queerer Themen und Geschichten in Film, Fernsehen und Theatern. Die bisher heftigste mediale Kritik zu #Actout schrieb Sandra Kegel,<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/wir-sind-schon-da-manifest-der-185-17183459.html\"> Chefin des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/a>. Der Text sorgte in und au\u00dferhalb der Community f\u00fcr Entsetzen.<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">Hier meine &#8222;Gegenrede&#8220;:\u00a0\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sehr geehrte Frau Kegel,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">in ihrem Verriss der Coming-out-Aktion #Actout in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben sie nicht nur ein Zerrbild der Lebens- und Berufswirklichkeit queerer Schauspieler*innen gezeichnet, sondern auch der Situation queerer Menschen in Deutschland. Ihr Text ist voll von sachlichen Fehlern, b\u00f6sartigen Verdrehungen und homophoben und queerfeindlichen Ressentiments, wie sie die Community vor allem von rechter Seite kennt. Es ist f\u00fcr mich schwer nachvollziehbar, dass sie verantwortlich f\u00fcr eines der wichtigsten Feuilletons deutscher Sprache sind. Und da man sie in Jurys vieler Buchpreise beruft, schaudert mich der Gedanke, dass queere Stoffe und queere Geschichtenerz\u00e4hler*innen von Menschen wie Ihnen bewerten werden k\u00f6nnten. Aber vielleicht haben Sie ja alles nicht so gemeint?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Fangen wir von vorne an:\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie nehmen Bezug auf die seit \u00fcber zwanzig Jahren als lesbisch geoutete Schauspielerin Ulrike Folkerts, die sich beklagt, dass sie aufgrund ihrer Homosexualit\u00e4t von Castern nicht als Mutter besetzt wird und als Beispiel f\u00fcr eine \u201cTraumrolle\u201d diejenige von Frances McDormand in \u201eThree Billboards Outside Ebbing, Missouri\u201c nennt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Erste, was ihnen dazu einf\u00e4llt, ist, dass es \u201cdurchaus Selbstbewusstsein\u201d brauche, sich \u201cmit einer der gr\u00f6\u00dften Schauspielerinnen des Universums\u201d zu vergleichen. Es klingt wie eine Randbemerkung. Allerdings lautet auch die \u00dcberschrift ihres Textes \u201cSelbstbewusstsein und Kalk\u00fcl\u201d und offensichtlich ist es das, was sie als &#8222;wahre&#8220; Motivation hinter dem Coming-out der Schauspieler*innen sehen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Studien zeigen, dass Diskriminierungserfahrungen wie diejenigen, die von den K\u00fcnstler*innen als Anlass f\u00fcr #Actout beschrieben werden, krank machen k\u00f6nnen, da sie das Selbstbewusstsein angreifen und die Chancen im Job schm\u00e4lern. Sie unterstellen der Aktion das Gegenteil. Sie konstruieren ein \u00fcbersteigertes Selbstbewusstsein, eine Hybris, die eine Schauspielerin wie Ulrike Folkerts dazu verf\u00fchre, sich mit einer der besten des Universums zu vergleichen, deren Rolle sie gerne haben m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Doch Folkerts hat sich nicht mit McDormand \u201cverglichen\u201d. Sie hat beschrieben, was eine ihrer Traumrolle ist und das gemacht, was jede Schauspieler*in der Welt macht, wenn man sie danach fragt: Sie tr\u00e4umt. Und sie versucht, was f\u00fcr queere Menschen &#8211; nicht nur f\u00fcr Schauspieler*innen &#8211; so wichtig ist: Sich selbst au\u00dferhalb der Rollen vorzustellen, die die Gesellschaft ihnen vorgeben m\u00f6chte. Das ist keine Hybris, sondern der ganz normale Wunsch nach Teilhabe. Ein Wunsch, der ihnen ganz offensichtlich obsz\u00f6n erscheint.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit \u201cSelbstbewusstsein und Kalk\u00fcl\u201d suggerieren sie, dass es den Schauspieler*innen gar nicht darum gehe, eine Ungerechtigkeit zu \u00fcberwinden, sondern &#8211; im Gegenteil &#8211; dass sie mit \u201cKalk\u00fcl\u201d ihre sexuelle Identit\u00e4t daf\u00fcr nutzen wollten, Vorteile im Job zu erreichen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ihr gesamter Text basiert auf der gro\u00dfen homophoben und queerfeindlichen Erz\u00e4hlung unserer Tage: Demnach werden queere Menschen gar nicht mehr richtig diskriminiert. Und wenn sie sich dann trotzdem gegen die angeblich nicht mehr vorhandene oder nicht mehr so schlimme Diskriminierung engagieren, dann machen sie das nur, um Vorteile daraus zu ziehen. Es ist eine gef\u00e4hrliche Logik, wie sie auch im Antisemitismus zu finden ist: Eine angeblich privilegierte Minderheit instrumentalisiert ihre nur vorgeschobene Herabsetzung, um sich \u00fcber andere zu erheben. Diese T\u00e4ter-Opfer-Umkehr begr\u00fcndet einen Gro\u00dfteil des Hasses, dem queere Menschen ausgesetzt sind. Es macht unfassbar traurig, dass in der FAZ daf\u00fcr Platz ist.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Doch der Reihe nach.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Um das #Actout-Manifest, das Sie eine \u201cvierzehnseitige Klage\u201d nennen, attackieren zu k\u00f6nnen, schrecken sie nicht davor zur\u00fcck, dessen Aussagen ins Gegenteil zu verkehren. Sie schreiben:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cNat\u00fcrlich lassen sich Gegenbeispiele von Hollywood bis \u201eSoko\u201c finden, und dass Unterzeichner wie <\/span><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/ulrich-matthes\"><span style=\"font-weight: 400;\">Ulrich Matthes<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, der nat\u00fcrlich ungez\u00e4hlte Familienv\u00e4ter spielte, \u2026\u201d,<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Doch das ist kein Beispiel gegen #Actout, sondern genau das Argument, was von den Schauspieler*innen selbst vehement vorgebracht wird: Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen Schauspieler wie Ulrich Matthes heteronormative Rollen spielen und nat\u00fcrlich tun sie das auch. Genau aus diesem Grund wurde die ganze Aktion mit der \u00dcberschrift \u201eWir sind schon da\u201c betitelt. Das von #Actout vorgebrachte Problem liegt genau andersherum. Es geht darum, dass queere Menschen zwar \u201cHetero-Rollen\u201d spielen k\u00f6nnen und auch spielen, aber daf\u00fcr den Preis eines Versteckspiels zahlen m\u00fcssen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch unredlicher wird es im Fortgang des Zitates:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c&#8230; oder auch Udo Samel, Mavie H\u00f6rbiger oder Maren Kroymann an Unterbesch\u00e4ftigung litten aufgrund verschlossener T\u00fcren, hat ihre Dauerpr\u00e4senz nicht vermuten lassen.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ach ja? Haben sie mit ihnen dar\u00fcber gesprochen? Maren Kroymann sagt in einem Gespr\u00e4ch mit der S\u00fcddeutschen Zeitung von 2019, dass gute Rollenangebote als Schauspielerin nach ihrem Coming-out zun\u00e4chst ausgeblieben sind. In einem Gespr\u00e4ch von 2018 berichtet sie: <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Ich habe tats\u00e4chlich 20 Jahre lang im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen so gut wie keine Rolle mehr gespielt, in der ich Sex hatte oder ein Mann in mich verliebt war. Das Ergebnis kann doch nicht sein, dass ich nur noch Lesben spiele. Ich kann zum Beispiel auch gut M\u00fctter spielen, ohne selbst Kinder zu haben.&#8220;<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Also selbst bei Maren Kroymann stimmt ihr Argument nur dann, wenn man der Meinung ist, dass Schauspieler*innen nach ihrem Coming-out nur noch bestimmte Rollen spielen sollen. Und wir reden hier von Maren Kroymann! Sie ist einer der ganz wenigen sehr bekannten und gleichzeitig offen lesbischen Schauspielerinnen der letzten Jahrzehnte. Oder wie viele fallen ihnen sonst noch ein? Au\u00dfer Ulrike Folkerts? Und wie viele Talkshows oder Rote-Teppich-Auftritte fallen ihnen von Udo Samel oder Marvie H\u00f6rbiger ein, in denen diese das machen, was heterosexuelle Kolleg*innen dauernd tun: Einen Partner ins Spiel bringen, etwas von ihrer privaten Welt erz\u00e4hlen? Auch hier ist ihr Argument nur ein Argument, wenn man der Meinung ist, dass queere Menschen all dies unterlassen sollten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Weiter geht es in ihrem Text:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c \u2026.Wom\u00f6glich sind ja die T\u00fcren, die sie \u201eaufmachen wollen\u201c, bereits sperrangelweit offen. Vielleicht aber quietschen sie auch noch geh\u00f6rig.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Puh. Seien Sie nicht b\u00f6se, aber ich frage mich langsam wirklich, wie Sie auf die Idee kommen konnten, beruflich \u00fcber Kultur schreiben zu wollen, und noch mehr, wie man Ihnen die Verantwortung \u00fcber Menschen \u00fcbertragen konnte, die \u00fcber Kultur schreiben, wo Ihnen die Verh\u00e4ltnisse der Branche, die Gegenstand ihrer Arbeit sind, doch offensichtlich v\u00f6llig fremd sind.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn die T\u00fcr \u201csperrangelweit offen\u201d ist: Wie erkl\u00e4ren Sie es sich dann, dass Agent*innen und Caster*innen bis heute fast immer zu einem Coming-out abraten, um die Karriere nicht zu gef\u00e4hrden, oder nicht auf bestimmte, oft klischeehafte Rollen festgelegt zu werden?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie erkl\u00e4ren Sie es sich, dass selbst Stars wie Udo Samel und Ulrich Matthes so lange damit gehadert und sich nur in einer Aktion dazu durchgerungen haben, in der es m\u00f6glich war, die Aufmerksamkeit auf so viele K\u00f6pfe zu verteilen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie erkl\u00e4ren Sie es sich, dass selbst in diesem Best-case f\u00fcr eine Coming-out-Gelegenheit die gr\u00f6\u00dften ungeouteten Namen fehlen? Und vor allem die Namen im sogenannten \u201cLove-Interest\u201d-Alter der jungen m\u00e4nnlichen Lover- und Heldenrollen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie schreiben:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cSo k\u00f6nnte man das Manifest der 185 durchaus als Gespr\u00e4chsangebot aufgreifen. Nur zu. Die Diskussion wird l\u00e4ngst gef\u00fchrt. So hat der wichtigste deutsche Produzent Nico Hofmann gerade eine Selbstverpflichtung in Sachen &#8218;Diversity&#8216; ausgerufen, die er so orthodox auslegt, dass Dominik Graf schon eine &#8218;Zensur der Stoffe&#8216; bef\u00fcrchtet.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Verstehe ich Sie richtig? Weil eine Diskussion bereits gef\u00fchrt wird, sollen die, um die es in der Diskussion geht, besser schweigen? Und weil Dominik Graf etwas bef\u00fcrchtet, braucht es keine zus\u00e4tzlichen Perspektiven?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Weiter geht\u2019s:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Um #Actout so richtig in die Tonne treten zu k\u00f6nnen, vergleichen Sie die Initiative mit dem 1971 erschienen &#8222;legend\u00e4ren \u201eStern\u201c-Titel \u2018Wir haben abgetrieben\u2019\u201d Da zeige sich das &#8222;Kalk\u00fcl im Ringen um Aufmerksamkeit bei Verkennung der Verh\u00e4ltnisse.\u201d\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Welches \u201cKalk\u00fcl\u201d treibt Sie, sich hier nicht auf die bereits 1978 ebenfalls als \u201cStern\u201d-Titelstory erschienene Aktion zu beziehen, in der<a href=\"https:\/\/www.altezeitschriften.de\/stern-magazin\/4212-stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul.html\"> 682 M\u00e4nner \u201cbekennen\u201d: \u201cWir sind schwul!\u201d<\/a> ? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie st\u00f6ren sich an der \u201cAufmachung\u201d, u.a. der vielen kleinen Portr\u00e4ts, die an \u201cWir haben abgetrieben\u201d erinnerten. Ist das Ihr Ernst? Ein Massen-Coming-out soll auf die naheliegende Form der Ver\u00f6ffentlichung vieler kleiner Portr\u00e4tbilder verzichten, weil das in einer v\u00f6llig anderen Aktion auch naheliegend war?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit der Fallh\u00f6he, die sie selbst gebaut haben, versuchen sie nun, #Actout argumentativ zu Fall bringen:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cAls sich am 6. Juni 1971 im \u201eStern\u201c 374 Frauen \u00f6ffentlich dazu bekannten, abgetrieben zu haben, verstie\u00dfen sie damit gegen geltendes Recht und riskierten viel \u2013 nicht zuletzt mehrj\u00e4hrige Haftstrafen.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Um dann mit Argument zu enden, das nicht nur im \u00fcbertragenen Sinne ein Totschlagargument ist:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cBei einer Rolle \u00fcbergangen zu werden mag \u00e4rgerlich sein und sicherlich auch kr\u00e4nkend, aber lebensgef\u00e4hrlich ist das nicht.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich schreibe den Satz f\u00fcr sie noch einmal auf, damit Sie sich besser daran gew\u00f6hnen k\u00f6nnen, dass er ab sofort aus ihrem Oeuvre nicht mehr wegzudenken ist. Wobei ich mir sicher bin, dass nachfolgende Generationen anzweifeln werden, dass dieser Satz von 2021 ist und nicht von 1951. Also:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cBei einer Rolle \u00fcbergangen zu werden mag \u00e4rgerlich sein und sicherlich auch kr\u00e4nkend, aber lebensgef\u00e4hrlich ist das nicht.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"> Wer aufgrund von Diskriminierung eine Rolle nicht bekommt, sollte sich nicht dar\u00fcber beschweren, weil ihn das nicht umbringen kann. Womit fangen wir an?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst vielleicht damit, dass das, was sie als \u201c\u00e4rgerlich\u201d und \u201ckr\u00e4nkend\u201d beschreiben, keine narzisstische Kr\u00e4nkung zur Melodramatik neigender K\u00fcnstler*innen ist, sondern ganz banal ein Existenzproblem. Mein Tipp an die Feuilleton-Chefin: Reden Sie doch einfach mal mit Schauspieler*innen! Vielleicht erfahren Sie ja etwas \u00fcber deren wirkliche Verh\u00e4ltnisse, \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.tvspielfilm.de\/news-und-specials\/interviewsundstories\/zwischen-gagenhimmel-und-hartz-iv-schauspieler-gagen-wer-verdient-wieviel,4617489,ApplicationArticle.html#:~:text=Nur%202%20Prozent%20k%C3%B6nnen%20von,zur%20Agentur%20f%C3%BCr%20Arbeit%20geh%C3%B6rt.\">TV-Spielfilm schreibt<\/a>:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cVon den rund 5000 Schauspielern, die hierzulande fu\u0308r Film und Fernsehen arbeiten, &#8218;k\u00f6nnen etwa zwei Prozent von ihrer Arbeit leben, einer kleiner Teil davon ausgezeichnet&#8216;, sagt Daniel Philippen, Agent in der ZAV-Ku\u0308nstlervermittlung, die zur Agentur fu\u0308r Arbeit geh\u00f6rt. Seit 2008 haben sich die Einku\u0308nfte halbiert, die Drehzeiten werden ku\u0308rzer, die Gagen geringer.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Finden Sie wirklich, Ihr \u201cSo what?\u201d ist eine angemessene Reaktion darauf, dass ein gro\u00dfteils prek\u00e4rer Beruf noch erheblich prek\u00e4rer zu werden droht, sobald man so offen und frei leben m\u00f6chte, wie die heterosexuellen Kolleg*innen im gleichen Job das auch tun?<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Aber Ihr Satz ist nicht nur wirtschaftlich gesehen &#8211; also auf die Berufschancen der Betroffenen bezogen &#8211; brutal und geht weit \u00fcber die Bedeutung f\u00fcr Schauspieler*innen hinaus: Er definiert ein reaktion\u00e4res Verst\u00e4ndnis von Gesellschaft und hat eine fatale Signalwirkung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In Deutschland sind nur ein Drittel aller queeren Menschen out im Job. Die meisten verstecken sich nicht, weil sie \u201cgekr\u00e4nkt\u201d sind, sondern weil sie abgewertet werden oder Angst vor Abwertung haben. Dies passiert diffus, aber auch sehr konkret. Ich kenne unz\u00e4hlige Beispiele von Menschen, denen von Vorgesetzten bedeutet wurde, sich w\u00e4hrend der Arbeit nicht als schwul, lesbisch, oder trans zu erkennen zu geben. Ich rede von Personen, die wir alle als selbstbewusst beschreiben w\u00fcrden, Manager*innen, Pfleger*innen, Lehrer*innen. Studien zeigen: Dies ist nicht die Ausnahme, sondern ein Teil der Regel. F\u00fcr sie bedeutet das nicht nur eine massive Einschr\u00e4nkung ihrer Entfaltungsm\u00f6glichkeiten im Job, sondern auch im privaten Leben. Es ist kein Zufall, dass LGBTI weniger verdienen als nicht-queere Menschen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die einzelnen Situationen und Formen der Diskriminierung sind sehr unterschiedlich, doch sie haben alle die gleiche Ursache: Homophobie und Queerfeindlichkeit. All das passiert, weil es \u00fcberall in Deutschland Menschen gibt, die sagen: Finde dich damit ab, es bringt dich doch nicht um! Und, meist unausgesprochen: H\u00e4ttest ja nicht Kinderpfleger werden m\u00fcssen, du wei\u00dft ja, wie die Eltern sind. H\u00e4ttest dich ja nicht auf die Management-Stelle bewerben m\u00fcssen, du wei\u00dft doch, wie die Kunden sind. H\u00e4ttest doch nicht Schauspielerin oder Schauspieler werden m\u00fcssen!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wo f\u00e4ngt das an, wo h\u00f6rt das auf? Was sollen schwule, lesbische, bisexuelle, queere, nicht-bin\u00e4re und trans Menschen noch alles nicht d\u00fcrfen, womit sich noch alles abfinden, nur weil es \u201cnicht lebensgef\u00e4hrlich\u201d ist?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"> Das Schlimme ist: Ihre Argumentation erstickt jede Emanzipation und jede Antidiskriminierungspolitik im Keim.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und trotzdem m\u00f6chte ich mich bei Ihnen bedanken. Schon lange hat ein Text in einer gro\u00dfen deutschen Tageszeitung nicht mehr so deutlich gemacht, warum es so schwer ist, die Diskriminierung von LGBTIQ in unserer Gesellschaft zu \u00fcberwinden. Es sind nicht die W\u00fctenden oder die Bildungsfernen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es sind die netten, die klugen K\u00f6pfe. Es sind Menschen wie Sie. Aber<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Sie k\u00f6nnen das \u00e4ndern. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bitte fangen Sie bald damit an!<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<\/div>\n<p>\u2666<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/queerkram.podigee.io\/19-neue-episode\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-12665\" src=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Teaser-Queerkram-Foto-Actout-300x130.jpg\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Teaser-Queerkram-Foto-Actout-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Teaser-Queerkram-Foto-Actout.jpg 696w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a>Update 27. Februar 2021:<\/p>\n<p>In meinem Podcast habe ich mit den beiden #ActOut-Initiator*innen, der Schauspieler*in Karin Hanczewski (&#8222;Tatort&#8220;) und ihrem Kollegen Godehard Giese (&#8222;Babylon Berlin&#8220;) \u00fcber ihre Initiative gesprochen: Die bewegende Entstehungsgeschichte, die Reaktionen und was nun passieren soll. Der von queer.de pr\u00e4sentierte QUEERKRAM-Podcast l\u00e4sst sich auch auf allen gro\u00dfen Podcast-Portalen und Apps abspielen.<\/p>\n<p><strong><em>Folgt mir auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/nollendorfblog\">Twitter<\/a>, Instagram\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>(<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/insta_johanneskram\/\">@insta_johanneskram<\/a>) und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Nollendorfblog-459879804081681\">Facebook<\/a>!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em><span style=\"font-weight: 400;\">Hier der Ursprungsbeitrag zum Thema #Actout:<\/span><\/em><\/p>\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=12429\">Schauspieler*innen-Coming-out: Der Kampf beginnt erst jetzt!<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-weight: 400;\">Weitere Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/span><\/em><\/p>\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=10018\">Queer in den Medien: Homosexualit\u00e4t ist keine Privatsache! <\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>(Rede zur Gr\u00fcndung der Queer Media Society)<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Im Theatermagazin habe ich 2018 \u00fcber Homophobie in Theater, Fernsehen und Film geschrieben und Coming-outs von Schauspieler*innen geschrieben. Ich bin sehr froh, dass sich die \u00dcberschrift von damals jetzt \u00fcberholt hat. Sie lautete:<\/em><\/p>\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/www.der-theaterverlag.de\/theatermagazin\/dtm\/theatermagazin-06-2018\/homophobie-im-theater\/\">J<\/a><\/em><em><a href=\"https:\/\/www.der-theaterverlag.de\/theatermagazin\/dtm\/theatermagazin-06-2018\/homophobie-im-theater\/\">eder sp<\/a><\/em><em><a href=\"https:\/\/www.der-theaterverlag.de\/theatermagazin\/dtm\/theatermagazin-06-2018\/homophobie-im-theater\/\">ringt f<\/a><\/em><em><a href=\"https:\/\/www.der-theaterverlag.de\/theatermagazin\/dtm\/theatermagazin-06-2018\/homophobie-im-theater\/\">\u00fcr sich<\/a><\/em><em><a href=\"https:\/\/www.der-theaterverlag.de\/theatermagazin\/dtm\/theatermagazin-06-2018\/homophobie-im-theater\/\"> allein.<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>&#8211;<\/p>\n<p>Dossier: Alle Beitr\u00e4ge zur <strong><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?tag=faz\">Homophobie der FAZ<\/a><\/strong><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>Als unabh\u00e4ngiges und werbefreies Blog brauchen wir Deine Hilfe. 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Eine Gegenrede. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12540,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[196,198,194,74,169,166],"tags":[34,200],"class_list":["post-12535","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-196","category-actout","category-coming-out","category-medien","category-online","category-print","tag-faz","tag-sandra-kegel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12535"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12670,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12535\/revisions\/12670"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12540"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}