{"id":13024,"date":"2022-12-31T14:06:53","date_gmt":"2022-12-31T12:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=13024"},"modified":"2022-12-31T14:53:52","modified_gmt":"2022-12-31T12:53:52","slug":"papst-benedikts-anti-homo-wahn-war-faschistoid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=13024","title":{"rendered":"Zum Tod von Benedikt XVI: Sein Anti-Homo-Wahn war faschistoid"},"content":{"rendered":"<p>Dass es \u00fcber Papst Benedikt aus homosexueller und queerer Sicht nichts Positives, sondern ausnahmslos Verabscheuungsw\u00fcrdiges zu sagen gibt, ist nichts Neues. Dass es trotzdem auch am Tage seines Todes gesagt werden muss, hat zwei Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p>Erstens war Benedikts Furor gegen Homosexualit\u00e4t nicht irgendeine Spinnerei, nicht irgendein Nebenaspekt seines Tuns, sondern ganz offensichtlich einer der wichtigsten, wenn nicht so gar die wichtigste Triebfeder seiner Agenda. Man kann also Benedikts Pontifikat nicht w\u00fcrdigen, ohne dabei zu w\u00fcrdigen, was er queeren Menschen angetan hat und mit welcher Inbrunst und Brutalit\u00e4t er es tat.<\/p>\n<p>Doch ohne den zweiten Grund k\u00f6nnte man dar\u00fcber schweigen. Der Mann ist tot, der tut niemandem mehr was. Doch das stimmt eben nicht so ganz. Gerade in Deutschland gab es bereits zu Lebzeiten eine Benedikt-Verkl\u00e4rung, was seinen erbarmungslosen Kampf gegen Homosexualit\u00e4t und queere Menschen betrifft. Und wenn man nun die ersten die Nachrufe liest, k\u00f6nnte man meinen, dass seine problematische Rolle im Missbrauchsskandal das Problematischste an Benedikt war. Doch das war es nicht. Die Verniedlichung von Benedikts Homophobie wird weder seinen Opfern gerecht noch Benedikt selbst. Benedikt hat es verdient, als der gesehen zu werden, der er war und sein wollte. Und die Opfer seiner Anti-Homopolitik haben es verdient, dass diese Politik endlich als das benannt wird, als das, was sie war. Zuschreibungen wie &#8222;streitbar&#8220; und &#8222;konservativ&#8220; verharmlosen um L\u00e4ngen. Wer wirklich bereit ist, auf das zu schauen, was er gesagt und getan hat, muss es endlich aussprechen:<\/p>\n<p>Benedikt war faschistoid. Und seine Endgegener waren die Homos.<\/p>\n<p>In meinem <a href=\"http:\/\/www.querverlag.de\/ich-hab-ja-nichts-gegen-schwule-aber\/\">Buch<\/a> &#8222;Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber&#8220; von 2017 habe ich seine Position nachgezeichnet.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Kaum ein anderes Thema pr\u00e4gte sein Pontifikat so wie dieses; es war f\u00fcr ihn eine Art Entscheidungskampf. In seiner Rede am Tag vor Heiligabend 2008 an Kurienmitglieder im Vatikan belie\u00df er es nicht dabei, vor den zersetzenden Folgen der Homosexuellenehe zu warnen. Es war eine Rede \u00fcber das \u00dcberleben der Menschheit; es ging um die verheerenden Folgen der Umweltzerst\u00f6rung. Er sprach von der Vernichtung der Lebensgrundlagen, von der Abholzung der Regenw\u00e4lder. Doch dieses \u00d6kologie-Inferno diente im Endeffekt nur als Vorlage f\u00fcr die Beschreibung der eigentlichen Katastrophe:<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDie Regenw\u00e4lder brauchen unseren Schutz, aber auch der Mensch als Sch\u00f6pfung verdient nicht weniger.\u201c Die <\/em><em>Kirche m\u00fcsse den Menschen \u201evor der Zerst\u00f6rung seiner selbst bewahren\u201c, und diese Zerst\u00f6rung, daran lie\u00df Benedikt keinen Zweifel, gehe von der Zerst\u00f6rung der klassischen Ehe aus. Um diese zu retten, forderte er eine \u201e\u00d6kologie des Menschen\u201c: \u201eEs ist nicht \u00fcberholte Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau redet und das Achten dieser Sch\u00f6pfungsordnung einfordert.\u201c Benedikt weiter: \u201eNicht der Mensch entscheidet, nur Gott entscheidet, wer Mann und wer Frau ist.\u201c Die Menschheit m\u00fcsse auf \u201edie Stimme der Sch\u00f6pfung\u201c h\u00f6ren, um die vorgegebenen Rollen von Mann und Frau <\/em><em>zu verstehen. Alles andere komme \u201eeiner Selbstzerst\u00f6rung des Menschen und der Zerst\u00f6rung von Gottes Werk <\/em><em>selbst\u201c gleich. Dass Homosexuelle Grund f\u00fcr alles m\u00f6gliche \u00dcbel sind, war bekannt. Dass sie aber so etwas wie der Grund allen \u00dcbels, dass mit ihnen das Schicksal der Menschheit verbunden ist, das war in dieser Zuspitzung neu. Neu war <\/em><em>auch, dass durch die Einf\u00fchrung des \u00d6kologie-Begriffes die Abwehr der Homosexualit\u00e4t nun keine rein moralischreligi\u00f6se Kategorie mehr war, sondern vor allem eine universal-politische.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Benedikt war also kein harmloser religi\u00f6ser Spinner, der der einfach nur dummes Zeug \u00fcber Homosexuelle in die Welt setzte, was man nicht weiter ernst nehmen musste. Er machte mit seinem Die-Homos-sind-das-\u00dcbel-der-Welt-Wahn bitterb\u00f6se Politik.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=577\">In diesem Blog<\/a> habe ich im Rahmen meiner Protest-Aktion &#8222;Homophobie Kills&#8220; zum Papst Besuch im September 2011 die damalige Situation unter Benedikt beschrieben:<\/p>\n<blockquote><p><em>In vielen L\u00e4ndern der Erde wird Homosexualit\u00e4t streng bestraft, oft mit dem Tod. Die katholische Kirche unterst\u00fctzt diese L\u00e4nder darin, indem sie deren Recht verteidigt, Homosexualit\u00e4t zu bek\u00e4mpfen: Mit dem Argument, Staaten m\u00fcssten das Recht haben, \u201egewisse sexuelle Handlungen\u201c zu regulieren und gewisse \u201esexuelle Verhaltensweisen\u201c per Gesetz zu verbieten. Der Vatikan k\u00e4mpft gegen die Erkl\u00e4rung \u201eGewaltakte und Menschenrechtsverletzungen wegen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t verhindern\u201c im UN-Menschenrechtsrat. Er stellt sich somit klar gegen alle EU-L\u00e4nder und auf die Seite aller Homosexuellen-t\u00f6tender Diktaturen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Wie wichtig ihm die Sache war, zeigt, dass er sie in den Fokus seines wohl wichtigsten Auftritt in seinem Heimatland Deutschland r\u00fcckte. In seiner Rede 2011vor dem Bundestag sprach er das Thema Homosexualit\u00e4t zwar nicht direkt an. Doch er wiederholte genau die These aus seiner Heiligabendrede von drei Jahren zuvor, mit der er die Selbstzerst\u00f6rung der Welt eben nicht haupts\u00e4chlich durch die Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen anprangerte, sondern durch die sich aufl\u00f6senden Rollen von Mann und Frau.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Bedeutung der \u00d6kologie ist inzwischen unbestritten. Wir m\u00fcssen auf die Sprache der Natur h\u00f6ren und entsprechend antworten. Ich m\u00f6chte aber nachdr\u00fccklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine \u00d6kologie des Menschen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Bundestag gab es davon von fast allen Abgeordneten aus fast allen Fraktion stehenden Applaus und in den meisten Medien begeisterte Kommentare, weil er wohl irgendwas mit &#8222;\u00f6ko&#8220; gesagt hatte.<\/p>\n<p>Dass der Papst, der sich damals gerade in im UN-Menschenrechtsrat f\u00fcr die Akzeptanz staatlicher Homoverfolgung einsetzte, auch seine Bundestagsrede nutze, um diese mit seinem Gerede von der &#8222;\u00d6kologie des Menschen&#8220; zu rechtfertigen, h\u00e4tte jeder wissen k\u00f6nnen, der es wollte. Wenn er den Papst einfach nur ernst genommen h\u00e4tte, ihm zugeh\u00f6rt h\u00e4tte, was er schon seit\u00a0 Jahre vorher unmissverst\u00e4ndlich formulierte.<\/p>\n<p>Doch Kritik an Benedikt wurde und wird immer noch viel zu oft als kleinlich abgetan. Homophobie war und ist im Wir-sind-Papst-Land immer noch so eine Art Kavaliersdelikt.<\/p>\n<p>Muss man nicht so ernst nehmen. Doch. Muss man.<\/p>\n<p>Staatliche Homophobie t\u00f6tet. Nicht nur durch Hinrichtungen, sondern auch durch die direkten und indirekten Folgen von Verfolgungspolitik. Dass eine solche Politik m\u00f6glich ist, daf\u00fcr hat sich Benedikt mit seiner ganzen Kraft eingesetzt.<\/p>\n<p>Der Tod von Benedikt ist ein guter Zeitpunkt, seiner Opfer zu gedenken.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Mehr zum Thema in diesem Blog:<\/em><\/p>\n<p><em> Die FAZ w\u00fcrdigt Papst Benedikt mit einem &#8211; wie ich finde &#8211; skandal\u00f6sen Nachruf von Daniel Deckers, der Homosexualit\u00e4t in die N\u00e4he von Missbrauch r\u00fcckt und von &#8222;aggressiver Homosexualit\u00e4t&#8220; spricht. Dieselbe Formulierung nutze Deckers bereits nach dem R\u00fccktritt von Papst Benedikt. Hier meine Entgegnung von damals:<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1041\">\u201eAggressive Homosexualit\u00e4t\u201c: Was die FAZ unter Missbrauch versteht<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Weitere Beitr\u00e4ge:<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4937\">Der Hass der Katholiken auf die Schwulen ist der Hass der Schwulen auf sich selbst<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=10039\">SPIEGEL-Redakteur Walter Mayr muss w\u00e4hrend Kardinal-Interview mal kurz auf Toilette<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Folgt mir auf Twitter, Instagram\u00a0(@insta_johanneskram) und\u00a0Facebook!<\/p>\n<p><strong><em>Folgt mir auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/nollendorfblog\">Twitter<\/a>, Instagram\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>(<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/insta_johanneskram\/\">@insta_johanneskram<\/a>) und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Nollendorfblog-459879804081681\">Facebook<\/a>!<\/em><\/strong><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>Als unabh\u00e4ngiges und werbefreies Blog brauchen wir Deine Hilfe. 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