{"id":13079,"date":"2025-05-01T19:08:31","date_gmt":"2025-05-01T17:08:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=13079"},"modified":"2025-05-01T19:39:59","modified_gmt":"2025-05-01T17:39:59","slug":"katherina-reiche-und-wolfram-weimer-der-gefaehrliche-kulturkampf-des-friedrich-merz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=13079","title":{"rendered":"Katherina Reiche und Wolfram Weimer: Der gef\u00e4hrliche Kulturkampf des Friedrich Merz"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Seltsam ruhig ist es nach dem queerpolitischen Backclash, den die neue Bundesregierung verspricht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Und ich gebe es zu: Aufgrund der weltpolitischen Ersch\u00fctterungen ist in letzter Zeit auch mein Blick auf die wichtigen queerpolitischen Themen Deutschlands etwas abgeschweift. Beim Zustandekommen fr\u00fcherer Regierungen und ihrer Koalitionsverhandlungen war ich, was \u201eunsere\u201c Anliegen betraf, informierter, interessierter und vor allem: engagierter.<\/p>\n<p>Die vorgezogene Bundestagswahl hat die Community zudem auf dem falschen Fu\u00df erwischt. Die kommende CSD-Saison im Sommer \u2013 vor den eigentlich f\u00fcr den Herbst geplanten Wahlen \u2013 h\u00e4tte die Zeit sein sollen, in der unsere Anliegen und Forderungen auf die Stra\u00dfe und auf die politische Agenda gebracht werden.<\/p>\n<p>Die Parteien h\u00e4tten sich hierzu erkl\u00e4ren m\u00fcssen \u2013 allein schon, um irgendwie Teil der CSDs sein zu k\u00f6nnen oder dort zumindest nicht kurz vor den Wahlen erwartbar ausgebuht zu werden.<\/p>\n<p>Doch nun war eben alles anders. Nun musste es nicht nur schnell gehen. Nun fanden Koalitionsverhandlungen gleichzeitig mit parallel stattfindenden internationalen Verwerfungen statt. Es ging um Krieg und Frieden, den drohenden Zerfall der westlichen Sicherheitsarchitektur und des globalen Wirtschaftssystems. Deutschland musste ganz schnell wieder stark werden, handlungsf\u00e4hig werden, wieder f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Unausgesprochen hie\u00df das f\u00fcr queere Themen: Es gibt Wichtigeres! Wichtigeres als die von der Community seit Jahren geforderte Erg\u00e4nzung von Artikel 3 des Grundgesetzes, mit der queere Menschen in unserer Verfassung endlich umfassend gesch\u00fctzt w\u00fcrden. Wichtigeres als die \u00fcberf\u00e4llige St\u00e4rkung von Regenbogenfamilien. Wichtigeres als irgendwelche konkreten Beschl\u00fcsse, die dazu beitragen k\u00f6nnten, das Leben queerer Menschen zu verbessern und deren Diskriminierung zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das Quatsch. Denn nichts von all dem, was queere Menschen h\u00e4tte st\u00e4rken k\u00f6nnen, h\u00e4tte Deutschland geschw\u00e4cht. Und noch besser: Nichts davon h\u00e4tte wirklich Geld gekostet. Niemandem h\u00e4tte irgendetwas weggenommen werden m\u00fcssen. Im Gegenteil. Deutschland h\u00e4tte ein St\u00fcck gerechter, ein St\u00fcck ges\u00fcnder, ja: ein St\u00fcck st\u00e4rker sein k\u00f6nnen. F\u00fcr alle!<\/p>\n<p>Wie sehr gesellschaftliche Offenheit zur wirtschaftlichen St\u00e4rke beitragen kann, zeigt das Beispiel Kalifornien. Der US-Bundesstaat ist vor Kurzem zur viertgr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen \u2013 nicht nur wegen seiner Tech-Industrie, sondern auch, weil er Vielfalt zum Standortvorteil gemacht hat.<\/p>\n<p>Kalifornien zieht queere Talente aus konservativeren Regionen an \u2013 weil man dort leben kann, ohne sich zu verstecken. Hochschulen und Unternehmen bieten nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern eine Kultur der Sichtbarkeit und Akzeptanz. Das st\u00e4rkt den Fachkr\u00e4ftepool, gerade in kreativen und technologischen Branchen. Innovation entsteht dort, wo Menschen sich sicher f\u00fchlen \u2013 das zeigen Studien immer wieder: Divers zusammengesetzte Teams arbeiten besser, wenn sie in einer inklusiven Umgebung agieren.<\/p>\n<p>Auch wirtschaftlich lohnt sich diese Haltung. Technologisch innovative Firmen stehen weltweit f\u00fcr Fortschritt und Offenheit \u2013 und erreichen damit eine junge, diverse, global denkende Kundschaft. Das Williams Institute (UCLA) belegt, dass LGBTQ+-freundliche Arbeitspl\u00e4tze mit h\u00f6herer Produktivit\u00e4t und Mitarbeiterbindung einhergehen. Initiativen wie \u201eOpen for Business\u201c zeigen, dass queerfreundliche Regionen erfolgreicher wirtschaften.<\/p>\n<p>Kalifornien beweist: Wer Gleichstellung ernst nimmt, st\u00e4rkt nicht nur Gerechtigkeit, sondern auch Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Dass die neue Regierung hiervon nichts wissen und Deutschland nichts g\u00f6nnen will, scheint keine rationalen, sondern vor allem ideologische Gr\u00fcnde zu haben. <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/spd-chefin-saskia-esken-sieht-sich-mitten-in-einem-kulturkampf-93690998.html\">Auf die Frage der Frankfurter Rundschau<\/a>, warum das Wort \u201equeer\u201c nur zweimal auf den 144 Seiten des Koalitionsvertrages zu finden ist, antwortete die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs war ein Kampf, dass es wenigstens zweimal da steht.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eF\u00fcr einige Konservative\u201c, so Esken weiter, sei \u201equeer\u201c eines von<\/p>\n<blockquote><p>&#8230;\u201ezahlreichen `woken\u00b4 Trigger-W\u00f6rtern, die sie hart bek\u00e4mpfen. Das zeigt mir: Wir befinden uns mitten in einem Kulturkampf, der uns in voraufkl\u00e4rerische Zeiten zur\u00fcckf\u00fchren will \u2013 in den USA sehen wir das Vorbild dazu.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass ausgerechnet das amerikanische Vorbild \u2013 also Trumps Kulturkampf gegen Minderheiten, Wissenschaft und Medien \u2013 inzwischen nicht nur die offene Gesellschaft, sondern auch den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort der USA massiv destabilisiert, m\u00fcsste deutschen Konservativen eigentlich eine Warnung sein. Doch statt daraus Lehren zu ziehen, wirken manche, als wollten sie diesen zerst\u00f6rerischen Kurs auch hierzulande kopieren.<\/p>\n<p>Friedrich Merz betont in der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik gerne seine Verantwortung f\u00fcr die Verteidigung westlicher Freiheit. Er hat dem schuldenfinanzierten Sonderverm\u00f6gen in H\u00f6he von 500 Milliarden Euro ausdr\u00fccklich mit Verweis auf Putins Angriff auf die liberale Ordnung zugestimmt \u2013 und mit Trumps wankender Verl\u00e4sslichkeit innerhalb der NATO. Doch wenn Merz die westliche Sicherheitsarchitektur tats\u00e4chlich als gef\u00e4hrdet ansieht, dann m\u00fcsste er auch den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Werten, die durch diese Architektur gesch\u00fctzt werden sollen, dieselbe Priorit\u00e4t einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Denn was hei\u00dft es, den Westen zu verteidigen? Geht es nur um Grenzen, Territorien und Milit\u00e4rtechnik \u2013 oder nicht vor allem um das, was innerhalb dieser Grenzen m\u00f6glich sein muss: Freiheit, Vielfalt, Offenheit, Rechtsstaatlichkeit, individuelle Selbstbestimmung? Wer wie Merz Sicherheitspolitik betreibt, aber gleichzeitig die Axt an die liberalen Grundpfeiler der Gesellschaft legt, betreibt am Ende keine Verteidigung des Westens, sondern seine Aush\u00f6hlung von innen.<\/p>\n<p>Dabei wei\u00df Merz selbst sehr genau, worum es geht. Auf der CDU-Grundsatzprogrammkonferenz <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.merz-zum-cdu-grundsatzprogramm-frieden-gibt-s-auf-jedem-friedhof.dadecffe-096e-440a-8b5f-cc93d9a0fe89.html\">im M\u00e4rz 2024 in Stuttgart sagte er<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eFrieden gibt es auf jedem Friedhof. Freiheit ist das Wichtigste f\u00fcr eine offene und liberale Gesellschaft.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn Freiheit \u2013 wenn eine offene und liberale Gesellschaft \u2013 also das ist, warum es den Westen zu verteidigen gilt: Warum tritt er dann nicht genau daf\u00fcr ein?<br \/>\nWarum nutzt er nicht die Gelegenheit, die gr\u00f6\u00dften Sicherheitsanstrengungen, die dieses Land je unternommen hat, mit den Werten zu begr\u00fcnden, auf denen sie beruhen? Warum benennt er nicht klar, dass der Westen, den Putin vernichten will, jener Westen ist, der individuelle Freiheiten sch\u00fctzt \u2013 insbesondere geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung?<\/p>\n<p>Er m\u00fcsste es ja nicht einmal <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5973\">so klar sagen wie Barack Obama<\/a>, der 2016 in seinem Pl\u00e4doyer f\u00fcr ein starkes Europa die Grundprinzipien eines freien Westens so zusammenfasste:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Welt ist auf ein demokratisches Europa angewiesen, das die Prinzipien von Pluralismus, Vielfalt und Freiheit aufrechterh\u00e4lt \u2013 jene Prinzipien, die unser gemeinsames Glaubensbekenntnis sind. Als freie V\u00f6lker d\u00fcrfen wir nicht zulassen, dass die von mir beschriebenen Kr\u00e4fte \u2013 \u00c4ngste um Sicherheit oder wirtschaftliche Sorgen \u2013 unser Bekenntnis zu den universellen Werten untergraben, aus denen unsere St\u00e4rke erw\u00e4chst.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und dann konkretisierte er:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eVielleicht am wichtigsten ist: Wir glauben an die Gleichheit und die angeborene W\u00fcrde jedes einzelnen Menschen. Heute haben die Menschen in Amerika die Freiheit, die Person zu heiraten, die sie lieben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Was f\u00fcr Obama \u201edas Wichtigste\u201c war, ist auch neun Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr Merz kein Thema. Ist individuelle Freiheit f\u00fcr Merz nur eine hohle Floskel?<\/p>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4r\u2019s.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4r\u2019s, wenn das Thema \u201equeer\u201c Friedrich Merz einfach nur egal w\u00e4re. Egal, weil es jetzt eben seiner Meinung nach Wichtigeres gibt.<br \/>\nDoch das ist es eben nicht. Merz m\u00f6chte nicht nur nichts f\u00fcr queere Menschen tun. Bei aller Unwichtigkeit findet er sie offensichtlich so wichtig, dass er denkt, etwas gegen sie tun zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Anders ist die Wahl von Katherina Reiche und Wolfram Weimer nicht zu erkl\u00e4ren. Anders als fast \u00fcberall geschrieben, sind das eben nicht nur zwei extrem konservative Figuren. Was Reiche und Weimer bezogen auf homosexuelle Menschen von sich geben, ist antiliberal und reaktion\u00e4r. Mindestens.<br \/>\nF\u00fcr beide bedeuten Homosexuelle eine Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft. Ihre entsprechenden \u00c4u\u00dferungen haben sie auch angesichts der Berufung in eine Bundesregierung nicht zur\u00fcckgenommen und offensichtlich auch nicht zur\u00fccknehmen m\u00fcssen. F\u00fcr den Eintritt in die neue Bundesregierung scheint dieser Homohass eher Qualifikation als Hindernis zu sein.<\/p>\n<p>Schon eklig, der Homosexuellen-Ekel des neuen Kulturstaatsministers. In seinem Buch \u201eLand unter: Ein Pamphlet zur Lage der Nation\u201c schrieb er 2012:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eL\u00e4ngst sind es nicht mehr nur Prominente und die Boulevardpresse, die mit schamloser Zurschaustellung aller Intimit\u00e4ten das Publikum unterhalten. Die gesamte Kulturindustrie ist durchtr\u00e4nkt vom Ent\u00e4u\u00dferungsspiel des Privaten. (&#8230;) Die kollektive Gier nach dem Privaten anderer wird dort grotesk, wo sich die Kraftfelder der gesellschaftlichen Selbstvergewisserung \u2013 das Politische und das Mediale \u2013 \u00fcberschneiden. Die F\u00e4lle Seehofer bis Pauli, Wulff bis Gauck, aber auch das Outing der hessischen Kultusministerin sind darum keine zuf\u00e4lligen Ausrei\u00dfer der politischen Unkultur. Sie sind symptomatische Kollateralsch\u00e4den im kollektiven Feldzug gegen das Private.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun ist man nat\u00fcrlich gespannt, welche schamlose Zurschaustellung sich die als konservativ geltende hessische Kulturministerin Karin Wolff (CDU) damals, 2007, bei ihrem Coming-out ausgedacht hatte.<br \/>\nQueer.de berichtete unter der \u00dcberschrift<a href=\"https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=7180\"> \u201eKarin Wolff: Coming-out ohne Tamtam\u201c:<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Wohl nicht ohne Hintergedanken nahm Hessens Kultusministerin Karin Wolff ihre Freundin zum Sommerfest der \u201eBild\u201c-Zeitung mit. Sie wollte, dass die sechsmonatige Beziehung mit ihrer Lebensgef\u00e4hrtin publik wird. Und das auflagenst\u00e4rkste Blatt der Republik bedankte sich mit einer wohlwollenden Titelgeschichte: \u201eIch liebe eine Frau\u201c, schrieb das Springer-Organ f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse recht zur\u00fcckhaltend in gro\u00dfen Lettern und lobt den Mut der 48-J\u00e4hrigen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und:<\/p>\n<blockquote><p>Ministerin Wolff selbst besteht darauf, dass sie mit ihrem Coming-out \u201ekein Tamtam\u201c machen wolle. Und hatte erst heute wieder einen gro\u00dfen Tag im Landtag, in der ihre Schulpolitik von der eigenen Partei ausdr\u00fccklich gelobt wurde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das kleinstm\u00f6gliche Coming-out also. Einfach nur seine Partnerin zu einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung mitbringen. Sich einfach nur so verhalten, wie die Heteros es tun. F\u00fcr den demn\u00e4chst m\u00e4chtigsten deutschen Kulturpolitiker symptomatischer \u201eAusrei\u00dfer politischer Unkultur\u201c. Das ist nicht nur einfach homophob und konservativ. Das ist kulturlos, menschenverachtend. Und eben kein \u201eAusrei\u00dfer\u201c.<br \/>\nWolfram Weimer im gleichen Buch:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDa auf den \u00f6ffentlichen B\u00fchnen inzwischen alles, aber auch alles verhandelt wird und die Nachmittagsshows im Privatfernsehen mit ihrer diskursiven Proletarisierung den letzten Rest der Enttabuisierung besorgen, glaubt ein jeder, dem Trend folgen zu m\u00fcssen. Elternsprecher outen sich als homosexuell, Nachbarn gestehen sich Hautkrankheiten, Jugendliche chatten in Internet-Foren \u00fcber die L\u00e4nge ihrer Schamhaare \u2013 aber bitte mit Belegfoto von der Webcam. Der Comment \u203aDas geh\u00f6rt sich nicht\u2039 ist abgeschafft.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit der Auswahl von Wolfram Weimer und Katherina Reiche hat Friedrich Merz das Kunstst\u00fcck fertiggebracht, zwei Personen f\u00fcr h\u00f6chste \u00c4mter zu finden, die in ihren Aussagen zu Homosexualit\u00e4t und Homosexuellen Donald Trump weit rechtsau\u00dfen \u00fcberholen.<br \/>\nDass er ausgerechnet Katherina Reiche zur Wirtschaftsministerin macht, muss fassungslos machen. Sie ist selbst unter den Homo-Feinden in der Union eine Ausnahme, da sie sich nicht nur gegen gleiche Rechte f\u00fcr Homosexuelle wendet, sondern schon homosexuelle Partnerschaften per se problematisch findet.<br \/>\nDass Friedrich Merz da etwas \u00fcbersehen hat, ist ausgeschlossen. Katherina Reiches politischer \u201eFame\u201c gr\u00fcndet sich ma\u00dfgeblich auf ihre ideologischen Kulturkampfeskapaden.<\/p>\n<p>2019 schrieb ich<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=11055\"> hier im Blog:<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Wir erinnern uns: Noch vor AfD-Zeiten hatte die 2015 aus dem Bundestag ausgeschiedene Politikerin ihre Bekanntheit mit scharfen Attacken gegen Homosexuelle begr\u00fcndet. Kein Mitglied des Bundestags (selbst Erika Steinbach nicht) hetzte damals in der \u00d6ffentlichkeit heftiger gegen Lesben und Schwule. Und w\u00e4re sie noch im Parlament, w\u00e4ren ihre damaligen \u00c4u\u00dferungen auch trotz der mittlerweile dort vertretenen AfD immer noch relativ unangefochten ganz dicht dran am rechten Rand.<br \/>\nIn BILD erkl\u00e4rte sie 2012 Homosexuelle zur Gefahr:<\/p>\n<p><em>\u201eUnsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Neben der Euro-Krise ist die demografische Entwicklung die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung unseres Wohlstands. [\u2026] Die Gesellschaft wird nicht von kleinen Gruppen zusammengehalten, sondern von der stabilen Mitte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auf die ihr auf dem Portal Abgeordnetenwatch gestellte Frage, in welcher Weise gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften die Zukunft beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrden, antwortete Reiche:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 falls die [5.] Frage \u00fcberhaupt Relevanz besitzen sollte, dann entwickelt sich eine Gesellschaft in die Strukturlosigkeit, die am Ende ausschlie\u00dflich materiellen Anreizen folgt. Auf der einen Seite unbegrenzter Hedonismus, auf der anderen unendliches Leid.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wir haben es also hier nicht nur mit einer (etwa religi\u00f6s) motivierten Gegnerin der damals sogenannten \u201eHomo-Ehe\u201c zu tun. Nein, schon das Zusammenleben von Homosexuellen beg\u00fcnstigt nach ihrer Behauptung verheerende gesellschaftliche Entwicklungen. Sch\u00f6n verschwurbelt surft sie hier nah an der Volksverhetzung.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"\" data-start=\"284\" data-end=\"1259\">Doch mal abgesehen von dem wirren Welt- und Menschenbild, das hinter solchen Aussagen steckt:<\/p>\n<p class=\"\" data-start=\"284\" data-end=\"1259\">Ist eine Bundesministerin intellektuell ernst zu nehmen, die allen Ernstes glaubt, dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften eine Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft darstellen? Die Behauptung, unsere Zukunft liege \u201ein der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften\u201c, ist nicht nur diskriminierend, sondern auch volkswirtschaftlich dumm. Sie erkl\u00e4rt queere Menschen zum Problem \u2013 obwohl sie l\u00e4ngst Familien gr\u00fcnden, Kinder gro\u00dfziehen, Angeh\u00f6rige pflegen und Steuern zahlen. Vor allem aber: Queere Beziehungen behindern niemanden. Sie gef\u00e4hrden weder das Aufwachsen von Kindern noch das Leben heterosexueller Familien \u2013 sie nehmen niemandem etwas weg.<\/p>\n<p class=\"\" data-start=\"284\" data-end=\"1259\"><br data-start=\"1063\" data-end=\"1066\" data-is-only-node=\"\" \/>Warum also sucht sich Friedrich Merz ausgerechnet in diesen Zeiten eine Wirtschaftsministerin, die mit ihrem Gesellschaftsbild n\u00e4her bei Putins Moskau als bei Kaliforniens Silicon Valley steht? Warum einen Kulturstaatsminister, der Selbstbestimmung und Emanzipation zur Unkultur erkl\u00e4rt?<\/p>\n<p>Homophobie ist nicht nur nicht besonders klug. Sie ist wirtschaftlicher Standortnachteil \u2013 und die Verhinderung von Kultur.<\/p>\n<p>Friedrich Merz\u2019 Kulturkampf sollte auch die Heteros beunruhigen. \u2666<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><em>Folgt mir auf Instagram <\/em><\/strong><strong><em>(<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/insta_johanneskram\/\">@insta_johanneskram<\/a>) und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Nollendorfblog-459879804081681\">Facebook<\/a>!<\/em><\/strong><\/p>\n<h5><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/h5>\n<p><b>Alles zum homophoben &#8222;Fame&#8220; von Katherina Reiche hier im Blog:<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?tag=katherina-reiche\"> Insgesamt acht (!) Beitr\u00e4ge<\/a><\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?tag=katherina-reiche\"><strong>Homophobie als Markenkern von CDU und CSU<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?tag=friedrich-merz\">Die Homophobie des Friedrich Merz<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum sucht sich Merz  eine Wirtschaftsministerin, die mit ihrem Gesellschaftsbild n\u00e4her bei Putins Moskau als bei Kaliforniens Silicon Valley steht? 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