{"id":1723,"date":"2013-06-14T09:29:17","date_gmt":"2013-06-14T07:29:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1723"},"modified":"2019-03-02T13:21:36","modified_gmt":"2019-03-02T11:21:36","slug":"frau-steinbach-es-gabe-da-noch-ewtwas-zu-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1723","title":{"rendered":"Das Trauma der Erika Steinbach und das Verdienst von Anne Will"},"content":{"rendered":"<p>Eine Frage:<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\">&#8222;Wieso fordert eigentlich jemand gleiche Rechte f\u00fcr alle, wenn er sonst so viel Wert aufs Anderssein legt\u201c<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Eine Antwort:<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\">&#8222;Ich halte nicht viel von Gleichheit in allen Dingen, nur vor Gleichheit vor dem Gesetz&#8220;<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Frage ist aus einer Talkshow. Die Antwort aus einem Film. Die Talkshow \u201eHart aber Fair\u201c fand im letzten Dezember statt und hatte des Thema Gleichstellung der Ehe. Im Film \u201eLincoln\u201c von Steven Spielberg, der gerade zwei \u201eOscars\u201c gewann, ging es um die Abschaffung der Sklaverei gegen Ende des amerikanischen Seszionskrieges 1865.<\/p>\n<p>Bevor bereits jetzt schon die ersten Protest-Kommentare geschrieben werden: Nein, die Abschaffung der Sklaverei in den USA ist nat\u00fcrlich nicht zu vergleichen mit der Gleichstellung der Ehe f\u00fcr Homosexuelle.<\/p>\n<p>Und doch sind die beiden Ereignisse verbunden als Meilensteine in der Emanzipationsgeschichte, dem Siegeszug von Gleichheit und Gerechtigkeit in der abendl\u00e4ndischen Kultur. Geht\u00b4s auch etwas kleiner?<\/p>\n<p><strong>Nein!<\/strong><\/p>\n<p>Im Film bem\u00fchen sich Pr\u00e4sident Lincoln und seine Mitstreiter darum, die notwendige 2\/3 Mehrheit im Repr\u00e4sentantenhaus f\u00fcr den 13. Verfassungszusatz zu organisieren, der das Ende der Zwangsarbeit besiegeln soll.<\/p>\n<p>Es gibt mehrere Parlamentsdebatten, immer wieder kommt es zu Tumulten. In der entscheidenden Sitzung vor der Abstimmung wird dem Abgeordnete Thaddeus Stevens (gespielt von <a title=\"Tommy Lee Jones\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tommy_Lee_Jones\">Tommy Lee Jones<\/a>) von den Gegnern der Abschaffung sinngem\u00e4\u00df die Frage gestellt, mit der dieser Blog-Beitrag beginnt: Warum soll gleich sein, was doch offensichtlich so anders ist?<\/p>\n<p>Stevens Antwort, es gehe hier allein um die Gleichheit vor dem Gesetz, l\u00f6st Emp\u00f6rung aus:<\/p>\n<p>Und was soll danach kommen? Gleiche Rechte f\u00fcr Schwarze? Etwa das Wahlrecht f\u00fcr Frauen?<\/p>\n<p>Ja, genau das sollte danach kommen.<\/p>\n<p>Eine Gleichstellung von Homosexuellen war damals noch viel weniger vorstellbar. Aber genau darum geht es, wenn politisches Denken und Handeln gefragt ist, wenn gerade Geschichte passiert: das sehen zu k\u00f6nnen, was Freiheit und Gerechtigkeit ist, auch dann, wenn es noch nicht sichtbar ist. Oder gerade dann. Das war bei den Frauenrechten so und auch bei der Wiedervereinigung.<\/p>\n<p>Aber wenn man Lesben und Schwule in diese Dimension einbindet, sind es oft besonders Lesben und Schwule, die sich dagegen wehren.<\/p>\n<p>Das Ende der Sklaverei beendete nicht die Diskriminierung der Schwarzen, aber sie war eine entscheidende Voraussetzung daf\u00fcr, dass diese immer weiter abgebaut werden konnte. Das Ende der Sklaverei trug nicht nur dazu bei, den Sessionskrieg mit hunderttausenden schwarzen und wei\u00dfen gefallenen Amerikanern zu beenden, sondern war das sichtbare Zeichen daf\u00fcr, dass Verfolgung von Afroamerikanern, die immer wieder bis zur Ermordung f\u00fchrte, im Gegensatz zur Verfassung stand.<\/p>\n<p>Die Gleichstellung der Ehe bedeutet f\u00fcr Homosexuelle nicht nur, dass sie heiraten d\u00fcrfen. Sondern dass sie volle B\u00fcrgerrechte bekommen. Die, die da gerade so fr\u00f6hlich drauf pfeifen, m\u00fcssen sich ja nicht mit den unz\u00e4hlbaren verfolgten und ermordeten \u00a0Homosexuellen in den vergangenen \u00a0Jahrhunderten verbunden f\u00fchlen. (Eine Geschichte, die in den Konzentrationslagern ihren H\u00f6hepunkt fand, aber bis heute in vielen L\u00e4ndern der Welt nicht beendet ist.)<\/p>\n<p>Nein, ich finde nicht, dass homosexuell zu sein mit einem bestimmten Geschichts- oder Identit\u00e4tsbewusstsein verbunden sein muss. Homosexualit\u00e4t ist kein Verein, sie verpflichtet zu gar nichts!\u00a0Und doch ist die Tatsache, dass viele kein Gef\u00fchl der Solidarit\u00e4t empfinden k\u00f6nnen oder wollen (etwa jetzt aktuell mit Lesben und Schwulen in Russland ) kein Beleg daf\u00fcr, dass Bewegung nicht\u00a0funktioniert und notwendig ist. Sondern f\u00fcr das Gegenteil.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte man sich w\u00fcnschen, dass jemand wie Steven Spielberg, der mit &#8222;Schindlers Liste&#8220; ein Werk geschaffen hat, das wie wenig andere eine Bewusstsein f\u00fcr das Vorhandensein der Vergessenen schafft, so etwas auch f\u00fcr das der Lesben und Schwulen macht.<\/p>\n<p>Doch man muss es sich nicht w\u00fcnschen, denn er hat es bereits gemacht: mit &#8222;Lincoln&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\">\u201cWe shall oppose this amendment and any legislation that so affronts natural law, insulting to God as to man, abolition claimed. Congress must never declare equal those whom God created unequal.\u201d<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Kongress-Abgeordnete\u00a0n der Deutschen Fassung \u00a0:<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\">&#8222;Wir werden diesen Artikel eine Abfuhr erteilen, so wie allen Entw\u00fcrfen, die einen Affront gegen das Naturrecht darstellen. Eine Kr\u00e4nkung Gottes sowie des Menschen&#8220;<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist so ziemlich die Position, die von\u00a0Vertretern der <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1442\">Union<\/a> und anderen\u00a0in den Medien, aber auch von vielen Medien <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1041\">selbst<\/a>, gegen die Homo-Ehe vertreten wird (und nebenbei auch die zentrale <a href=\"http:\/\/hpd.de\/node\/12025\">Aussage <\/a>des Papstes im Deutschen Bundestag war).<\/p>\n<p>Wer &#8222;Lincoln&#8220; nur als H\u00f6rfilm h\u00f6rt, k\u00f6nnte in weiten Strecken denken, er w\u00fcrde gerade eine aktuelle Debatte zur Ehe-Gleichstellung verfolgen. Das wird kein Zufall sein. Das Drehbuch hat\u00a0Tony Kushner, geschrieben, einer der erfolgreichsten \u00a0Theater-Autoren, der mit &#8222;Angels in America&#8220; \u00fcber AIDS in den 80ern eines der\u00a0erfolgreichsten\u00a0&#8222;schwulen&#8220; Theaterst\u00fccke geschrieben hat und mit der Adaption zur HBO-Fernsehfilmreihe in Amerika Fernsehgeschichte gemacht \u00a0hat (was nat\u00fcrlich ein guter Grund f\u00fcr die ARD war, die Deutsche Fassung dann sp\u00e4ter im Nachtprogramm zu versenken). &#8222;Lincoln&#8220; entstand in der Zeit, als die Frage der &#8222;Gay Rights&#8220; die amerikanische Nation spaltete. (Was die Sklaverei, wie der Vorspann erkl\u00e4rt, damals auch tat.)<\/p>\n<p>Aber die Geschichte von &#8222;Lincoln&#8220; ist eben keine einfache Parabel zur Gleichstellung Homosexueller. Es ist viel mehr: ein Film \u00fcber die Geschichte der Emanzipation.\u00a0Er zeigt, wie der Streit um Freiheit und Gleichheit eben auch ein Kampf der &#8222;Lobbies&#8220; ist, ein Ringen um Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Und eine Frage der Inszenierung.<\/p>\n<p>Damit kommen wir zu Anne Will.<\/p>\n<p>Eigentlich wollte ich \u00a0heute \u00fcber die einzelnen Kritikpunkte bloggen, die ihr gestern in vielen Medien, und ja, auch von schwul\/lesbischen, gemacht wurden. Gerade als der, den den <a href=\"http:\/\/www.der-appell.de\">&#8222;Appell&#8220; <\/a>verfasst hat, dachte ich analysieren zu m\u00fcssen, welche unserer dort aufgestellten Kriterien und Forderungen in der Sendung wie behandelt worden sind. Aber je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachdenke, um so mehr bin ich der \u00dcberzeugung, dass es dem, was da vorgestern passiert ist, nicht gerecht w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Schon nach der Aufzeichnung hatte ich das Gef\u00fchl, dass diese Sendung die erste angemessene Talk Show zur Diskussion um die &#8222;Homo-Ehe&#8220; im Deutschen Fernsehen war. Und die beste &#8222;Anne Will&#8220;- Ausgabe, die ich je gesehen habe.<\/p>\n<p>Die von ihr gestellte Frage, nach dem &#8222;Normal-&#8220; und &#8222;Anderssein&#8220; diente bisher meist dazu, eine effektvolle Zurschaustellung Homosexueller einzuleiten. Bei Anne Will f\u00fchrte diese Frage genau auf den Grund. Ich m\u00f6chte wirklich die bitten, die jetzt auf einigen Fragen oder Begriffen aus der Sendung herum kauen, sich diese noch einmal anzuschauen.<\/p>\n<p>Alles, wirklich alles, was sie und ihre Redaktion in dieser Sendung tun, dient dazu, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck die klebrige Kruste abzukratzen, die die Debatte in den letzten Monaten hat erstarren lassen.<\/p>\n<p>Allein das war eine Herausforderung, an der alle ihre Kollegen bisher gescheitert sind. Sollten sie es je ernsthaft versucht haben.<\/p>\n<p>Und wenn man dann noch bedenkt, dass sie in einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Programm von so vielen Zuschauern, Gremien und Institutionen dabei be\u00e4ugt wird, ob sie\u00a0als Lesbe von der Moderatorin zur &#8222;Betroffenen&#8220; wird, muss man das wirklich ein Kunstst\u00fcck sehen. Ohne diese Kunst, Entschiedenheit und Zur\u00fccknahme miteinander zu verbinden, w\u00e4ren\u00a0<a href=\"https:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=4&amp;cad=rja&amp;ved=0CEAQFjAD&amp;url=http%3A%2F%2Fcharismatismus.wordpress.com%2F2013%2F06%2F13%2Fhedwig-von-beverfoerde-und-erika-steinbach-klares-pladoyer-fur-ehe-und-familie%2F&amp;ei=OkO7UfSwMsja4ATn-4BI&amp;usg=AFQjCNGloQGsbjoguXDu8TRyHiNPgUMt9A&amp;sig2=uy0DyD-7fTOK1w6Rv3kb3A&amp;bvm=bv.47883778,d.bGE\">Hedwig\u00a0von Beverfoerde<\/a>\u00a0und Erika Steinbach\u00a0nicht in die Sendung gekommen, und die Talkshow nicht auf den Punkt.<\/p>\n<p>Alle, die da gerade eine grosse Lippe riskieren und ein &#8222;Noch mehr!&#8220; fordern, sollten vielleicht einen Augenblick daran denken, dass Anne Will da eben ihren professionellen Ruf riskiert hat, und damit letztendlich auch ihren Job. Und sich ganz kurz fragen, was sie bisher riskiert haben in der Debatte.<\/p>\n<p>Aber es geht gar nicht um Anne Will. \u00a0Dieses\u00a0&#8222;Noch mehr!&#8220; h\u00e4tte vor allem verhindert, dass diese Sendung eine Lehrstunde wurde. \u00a0Und, das, was man schon nach einem Tag zu sagen wagen kann: Eine vielleicht leichte, aber doch sp\u00fcrbare Drehung des \u00f6ffentliche Diskussion.<\/p>\n<p>Anders, als sonst wurden im Nachklapp zur Sendung nicht zwei unterschiedliche Positionen referiert, sondern berichtet, dass sich eine dieser beiden in Luft aufgel\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Selbst <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/anne-will\/hedwig-von-beverfoerde-homosexuelle-koennen-sich-nicht-treu-sein-familien-streit-bei-anne-will-30824936.bild.html\">bild.de<\/a> stellt am Ende ihres Beitrages fest:<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\"><em>&#8222;Warum lange dar\u00fcber reden, wenn doch scheinbar schon lange nichts mehr dagegen spricht..<\/em>.&#8220;<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Kuriose ist, dass all das, was zu diesem Fazit f\u00fchrte, von vielen Kritikern nicht Anne Will zugeschrieben wird: Die G\u00e4ste waren toll, aber die Moderatorin war blass. Ich weiss nicht, ob diejenigen, die so etwas schreiben, eine ungef\u00e4hre Vorstellung haben, wie eine Talkshow geplant und vorbereitet wird. Die Kritiker tun so, als w\u00e4re Anne Will von den G\u00e4sten und ihren Aussagen \u00fcberrascht gewesen. Nat\u00fcrlich hatte sie auch Gl\u00fcck. Aber dieses Gl\u00fcck war das Ergebnis einer meisterhaften Dramaturgie.<\/p>\n<p>Dieser Malte ist ja nicht irgendwie zuf\u00e4llig gegen Ende in die Sendung gelaufen. Malte war das As, das Anne Will von Anfang an im \u00c4rmel hatte um es genau im richtigen Augenblick z\u00fccken zu k\u00f6nnen. Bis zu diesem Moment hatte sie es geschafft, dass nicht nur alle Argumente gegen die &#8222;Homo-Ehe&#8220;, sondern auch die gegen das noch umstrittenere Adoptionsrecht offen und\u00a0entlarvt\u00a0auf dem Tisch lagen. In dieser entscheidenden Schlussrunde ging es nur noch um Glauben und Vorstellungskraft: Brauchen Kinder wirklich einen m\u00e4nnlichen und einen weiblichen Erzieher? In unz\u00e4hligen Talkshows und Zeitungsartikeln wurden mit Weltbildern, Studien und Erfahrungsberichen Argumente hin und her geschleudert.<\/p>\n<p>Das hat jetzt ein Ende.\u00a0Die beste Langzeitstudie der Welt heisst Malte.<\/p>\n<p>Anne Will hat \u00a0hat Steinbach und von Beverfoerde\u00a0nicht demontiert. Aber sie hat eine Stunde der Aufkl\u00e4rung geschaffen in deren Licht die Erb\u00e4rmlichkeit so beleuchtet wurde nie noch nie.<\/p>\n<p>Talkshows sind Schall und Rauch. Ich glaube, diese nicht.<\/p>\n<p>Es gibt nun Bilder und S\u00e4tze, die die morschen, bisher von vielen\u00a0Journalisten\u00a0\u00a0als &#8222;Argumente&#8220;\u00a0verkl\u00e4rten homosexuellen-feindlichen Angriffe in sich zusammen fallen lassen.<\/p>\n<p>Wie oft habe ich in diesem Blog schon gegen die von den Fakten her unsinnige und von der Intention her gef\u00e4hrliche Behauptung geschrieben, die Gleichstellung der Ehe h\u00e4tte negative Auswirkungen auf die Geburtenrate. Aber es war dann David Berger bei Anne Will, der diesen Bl\u00f6dsinn mit einem Wort beerdigt hat: &#8222;H\u00fchnerfarm.&#8220; Es ist eine Befreiung ab sofort diese anstrengende absurde Diskussion nicht mehr f\u00fchren zu m\u00fcssen. In Zukunft k\u00f6nnen wir einfach fragen: Wor\u00fcber reden wir jetzt: \u00dcber Familienpolitik oder H\u00fchnerfarm?<\/p>\n<p>Eine gute Dramaturgie f\u00fchrt im letzten Akt zu dem, worum es wirklich geht. In &#8222;Lincoln&#8220; fragt der Pr\u00e4sident seine schwarze Haush\u00e4lterin Elisabeth Keckley,\u00a0ob sie Angst habe, vor dem was nach der Sklaverei passieren wird.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\">Keckley: &#8222;Die Wei\u00dfen hier wollen uns hier nicht&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Lincoln: &#8222;Viele von Ihnen&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Keckley: &#8222;Wie steht es mit Ihnen?&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Lincoln: &#8222;Ich kenne Euch nicht. Keinen von Euch. Sie sind mir so vertraut wie alle Menschen. Der nat\u00fcrliche Mensch ist nichts mehr als ein armes Tier wie wir alle. Sie haben ein Recht darauf zu erwarten, was ich auch erwarte.&#8220;<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Von einem Spielberg-Film erwartet man solche Momente, in denen es schwer f\u00e4llt, sich der R\u00fchrung zu widersetzen. Von einer Talkshow nicht. Das Interview von Anne Will mit Malte war so einer. Ich habe dabei nicht nur die Moderatorin beobachtet. Sie liess sich nicht viel anmerken, aber ich hatte das Gef\u00fchl, dass es nur wenige \u00a0Augenblicke gab, wo ihr Job und ihr Leben so gut zusammen gepasst haben wie in diesem. Ich habe auch Frau Steinbach beobachtet. Besonders wenn sie nicht von der Kamera eingefangen wurde. Sie hat dieses Interview auch ber\u00fchrt. Ich glaube sogar mehr, als die meisten im Studio.<\/p>\n<p>Anschliessend, als Malte in die &#8222;grosse Runde&#8220; mit den anderen Talkg\u00e4sten integriert wurde, sass er direkt gegen\u00fcber der CDU-Politikerin, die dann geradezu hilflos aussah. Vor ihr sass ein Mensch, den es in ihrer Welt gar nicht geben durfte. Immer verzweifelter versuchte sie die Lebensrealit\u00e4t von Malte in Frage zu stellen. Als Ausnahme, als ein Problem, das nur noch nicht entdeckt sei, als jemand, der sich nur einbilde, gl\u00fccklich zu sein, um seine Eltern nicht blo\u00df zu stellen.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\">Anne Will:\u00a0&#8222;Warum genau kann man an diesem Beispiel nicht ablesen, dass es einem Kind in einer homosexuellen Partnerschaft sehr wohl sehr gut gehen kann und dieses Kind sehr gesund aufwachsen kann.&#8220;<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Steinbach versucht zu bestreiten, das h\u00e4tte niemand gesagt. aber Will konfrontiert sie mit einer Aussage, die sie vor dem Malte-Interview gemacht hat.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\">Steinbach: Es sollte, weil es f\u00fcr die Zukunft sicher wesentlich ist, Vater und Mutter haben und beide Geschlechter kennen lernen (&#8230;) Ich weiss, dass meine Mutter zum Beispiel sehr darunter gelitten hat, sie ist aufgezogen von ihrer Mutter, die sehr fr\u00fch geschieden war und von zwei Tanten, das hat sie sehr bedr\u00fcckt. (&#8230;)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Will: K\u00f6nnte es einen Unterschied machen, dass er von einem Liebespaar, zwei Frauen, die sich offensichtlich seit Jahren lieben, grossgezogen ist?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Steinbach: Das macht doch keinen Unterschied auf das Kind alleine.<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Trauma der Erika Steinbach. Weil sie nicht aus einer gl\u00fccklichen Familie kommt, mag sie sich Liebe als das Hauptkriterium f\u00fcr eine gl\u00fcckliche Kindheit nicht vorstellen. Weil sie sich dieses Gl\u00fcck nicht ohne ein gewisses Rollenbild \u00a0vorstellen kann,will sie nicht, dass andere so leben, wie sie es nicht konnte.<\/p>\n<p>Mangelnde Vorstellungskraft. Davon handelt auch der Spielberg-Film. Es gibt Menschen, f\u00fcr die m\u00fcssen wir Mitleid haben. Aber wir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass sie sich dem Gl\u00fcck anderer Menschen entgegen setzten.<\/p>\n<p>Vielleicht erz\u00e4hlt ja Anne Will einmal, ob sie den \u201eWaldschl\u00f6sschen Appell\u201c vor der Sendung gekannt hat. Gebraucht hat sie ihn sicher nicht. Aber vielleicht gab er ihr ein bisschen das Gef\u00fchl von R\u00fcckendeckung. Ihre Sendung kann vielen R\u00fcckendeckung geben. Annehmen muss diese niemand. Und niemand muss sie loben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich bedanken. Gl\u00fcckwunsch, Anne Will!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anne Will  hat eine Herausforderung gemeistert, an der alle ihre Kollegen bisher gescheitert sind. Sollten sie es je ernsthaft versucht haben. 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