{"id":2449,"date":"2013-09-08T20:30:22","date_gmt":"2013-09-08T18:30:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=2449"},"modified":"2019-03-02T11:39:00","modified_gmt":"2019-03-02T09:39:00","slug":"global-kiss-in-in-berlin-die-botschaft-vor-der-russischen-botschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=2449","title":{"rendered":"Global Kiss-in Berlin: Die Botschaft vor der Botschaft"},"content":{"rendered":"<p><em>Im Rahmen der weltweiten Aktion &#8222;Global Kiss-in. To russia with love&#8220;, die in 54 St\u00e4dten auf sechs Kontinenten geplant war, \u00a0gab es heute auch vor der Russischen Botschaft in Berlin eine <a href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=19759\">kurze Kundgebung<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Aufgrund einiger Nachfragen hier die von diesem Blog entwickelte Rede, die von Gloria Viagra vorgetragen wurde.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&#8230;<br \/>\nWenn jemand einen Krieg beginnt gegen ein Land, ein Volk oder eine Bev\u00f6lkerungsgruppe, dann beginnt dieser Krieg immer damit, dass dieser jemand dieses Land, dieses Volk oder diese Bev\u00f6lkerungsgruppe als etwas beschreibt, vor dem man sich sch\u00fctzen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Ein Krieg beginnt damit, dass andere Menschen nur noch Gruppe und keine Individuen mehr sind, dass man sie abgewertet, sie zu einer Bedrohung erkl\u00e4rt.<br \/>\nEin Krieg beginnt damit, dass sich Menschen stark f\u00fchlen d\u00fcrfen. Weil andere Menschen klein gemacht werden. Ein Krieg beginnt in den K\u00f6pfen. Mit dem Hass der einen. Und der Angst der anderen.<\/p>\n<p>Nach all dem, was wir \u00fcber die Geschehnisse in Russland mitbekommen, muss man deutlich sagen: Seit einigen Monaten befinden sich Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle in Russland &#8211; in einer Art Kriegszustand.<br \/>\nWir f\u00fchlen uns ohnm\u00e4chtig. Wir sp\u00fcren, dass wir etwas tun m\u00fcssen. Irgendetwas, aber wir wissen nicht, was. Aber auch wenn es naiv klingt: Bei all unserer Machtlosigkeit wissen wir, dass es langfristig nur eine L\u00f6sung gibt. Es gibt nur eine Waffe gegen Krieg und Hass. Und diese Waffe ist die Liebe!<br \/>\nImagine! John Lennon hat gesungen: You may say, I\u00b4m a dreamer \/Du denkst vielleicht, ich bin ein Tr\u00e4umer. But I\u00b4m not the only one \/ Aber ich bin nicht alleine! Wir sind nicht alleine!:\u00dcberall auf der ganzen Welt, in New York, in Buenos Aires und in S\u00fcdafrika setzen Menschen heute gemeinsam ein friedliches Zeichen f\u00fcr Menschenrechte.<\/p>\n<p>Wir sind eine weltweite \u201eArmy of Lovers\u201c! Ein internationales \u201ePeace-Corps\u201c! Wir stehen zusammen gegen die Verachtung von Menschen, gegen Menschen, die nichts anderes machen, als das zu sein, wer sie sind! Wer Lesben und Schwule in Russland angreift, greift Lesben und Schwule auf der ganzen Welt &#8211; greift die Grundfeste der Menschlichkeit an.<\/p>\n<p>John Lennon und Yoko Ono haben 1969 als Protest gegen den Vietnamkrieg das sogenannte \u201eBed In\u201c als friedliche Protestform etabliert. Und in diesem Sinne der Hoffnung , des Glaubens an das Gute im Menschen stehen wir heute hier vor dieser Botschaft!. Wir rufen den Mitarbeitern in dieser Botschaft, wir rufen der russischen Regierung und den Menschen in ganz Russland zu: Auch wenn es Euch gerade schwer f\u00e4llt, auch wenn ihr jetzt nicht verstehen k\u00f6nnt, dass Lesben und Schwule genauso f\u00fchlen wie ihr: Es ist gar nicht so schwer: All you need is love! Traut Euch!: Give Peace an chance!<\/p>\n<p>Wir stehen heute hier mitten in Berlin. Nur wenige hundert Meter, nur wenige U-Bahnstationen entfernt, wurde vor weniger als 80 Jahren ein Erlass ver\u00f6ffentlicht, der die Bek\u00e4mpfung Homosexuelle als &#8222;Volksseuche&#8220; im Visier hatte. Die Begr\u00fcndung von damals gleicht der von heute: &#8222;Homosexuelle Bet\u00e4tigung&#8220; ist eine der gr\u00f6\u00dften Gefahren f\u00fcr die Jugend.<\/p>\n<p>Nein, man darf die Situation in Russland nicht mit der im nationalsozialistischen Deutschland vergleichen. Aber wir m\u00fcssen ganz klar sagen: Wehret den Anf\u00e4ngen! Die Geschichte von Berlin zeigt: es liegt nur ein kleiner Schritt zwischen Ausgrenzung und Gewalt. Es ist kein Zufall, dass das Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen genau das abbildet, warum wir heute hier sind: k\u00fcssende M\u00e4nner und zwei k\u00fcssende Frauen unter freiem Himmel. Dieses Denkmal in Berlin ist ein Mahnmal, eine Warnung an uns alle. Und deswegen mahnen und warnen wir hier vor der russischen Botschaft:<\/p>\n<p>Wer K\u00fcsse kriminalisiert, der bl\u00e4st zur Jagd auf Menschen! Wer Liebe Propaganda nennt, der propagiert den Hass.<\/p>\n<p>Hier aus Berlin rufen wir: Nie wieder Krieg heisst auch nie wieder Verfolgung von Lesben-, Schwulen, bi- inter- und transsexuellen Menschen. Nie wieder! Nicht in Russland. Nicht im Iran! Nicht in Uganda oder einem der anderen \u00fcber 60 L\u00e4ndern, in denen es Gesetze gegen gleichgeschlechtliche Liebe gibt.<\/p>\n<p>Aber wir richten uns auch an die Bev\u00f6lkerung hier in Deutschland. Die meisten Menschen in unserem Land sagen, dass sie f\u00fcr gleiche Rechte f\u00fcr Lesben und Schwulen sind. Dass ist ein grosser Fortschritt. In den vergangenen Jahren wurde viel erreicht. Aber wir d\u00fcrfen uns nichts vormachen. Denn: Was bedeutet das im Alltag? Wie belastbar ist der Goodwill gegen Lesben und Schwule, wenn sie sich genau so verhalten, wie die Heteros es tun?<\/p>\n<p>Wir alle kennen das: \u201eNein! Nein! Ich habe nichts gegen Lesben, nichts gegen Schwule. Wirklich nicht! Aber muss das unbedingt sein? Muss das unbedingt sein, m\u00fcsst ihr Euch denn wirklich so benehmen \u00a0&#8211; in der \u00d6ffentlichkeit? K\u00f6nnt Ihr Euch nicht zuhause k\u00fcssen?<\/p>\n<p>Die Antwort heisst &#8211; \u00a0<em>besser kann man es nicht sagen, \u00a0Ihr erinnert Euch: Casablaca\/&#8220;As time goes by &#8222;-<\/em> :<br \/>\nYou must remember this: A kiss is just a kiss!<\/p>\n<p>Ein Kuss ist nur ein Kuss! Egal, ob von Heteros, Homos, Bi- und Transsexuellen. Wir wollen keine Sonderrechte. Wir sind keine Exhibitionisten ( zumindest nicht mehr als die Heteros!), \u00a0wir wollen mit unserer Sexualit\u00e4t, mit unserer Liebe, unserer Z\u00e4rtlichkeit nicht provozieren. Alles, was wir wollen, sind gleiche Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Genau darum geht es, genau darum ist der \u00f6ffentliche Kuss als ein Zeichen so wichtig: So lange in einer vergleichbaren Situation &#8211; und nur darum geht es \u2013 solange in einer vergleichbaren Situation Heteros beim K\u00fcssen, beim z\u00e4rtlichen Ber\u00fchren, bei einer \u00f6ffentlichen Umarmung an die Liebe und Homos an die Angst denken, stimmt etwas nicht. Solange sich Lesben, Schwule, Bi- Trans und Intersexuelle f\u00fcr das rechtfertigen m\u00fcssen, was f\u00fcr Heteros normal ist, kann eine Gesellschaft nicht gesund sein. Auch diese nicht.<\/p>\n<p>Es f\u00fchrt kein Weg daran vorbei:<\/p>\n<p>Die Menschen werden sich an \u00f6ffentliche K\u00fcsse zwischen M\u00e4nnern und zwischen Frauen gew\u00f6hnen m\u00fcssen. Wir k\u00f6nnen es ihnen nicht ersparen! So wie sich Hetero-M\u00e4nner vor hundert Jahren daran gew\u00f6hnen mussten, dass Frauen auf einmal w\u00e4hlen durften! Und heute daran, dass ihr Vorgesetzter im B\u00fcro eine Frau ist. So wie die in Wei\u00dfen in Amerika damit klar kommen mussten, dass die Schwarzen im Bus auf einmal vorne sitzen durften. Und einer von ihnen sogar Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Wir wissen: Emanzipation und der Fortschritt zu mehr Gerechtigkeit ist f\u00fcr viele Menschen auch eine Zumutung. Weil sie Abschied nehmen m\u00fcssen von alten Gewohnheiten und Glaubenss\u00e4tzen. Und das ist schwer!<\/p>\n<p>Liebe Heteros \u00fcberall auf der Welt, hier in Deutschland, aber auch in Russland: Wir Lesben-, Schwulen, Bi-, Inter- und Transsexuelle, wir wissen das.<\/p>\n<p>Wir alle mussten einen Weg gehen, um das zu sein, was wir sind. Die Gleichberechtigung Homosexueller auf der ganzen Welt ist kein Modetrend. Sondern eine der Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, auf die man in 50 Jahren schauen wird und sich wundern wird, dass wir heute hier so daf\u00fcr k\u00e4mpfen mussten. Gehen Sie diesen Weg mit uns! Es lohnt sich. Liebe macht stark! Sie ist st\u00e4rker als die Gewalt.<\/p>\n<p>Haben Sie keine Angst vor einem Kuss. Und machen Sie denen keine Angst, die sich k\u00fcssen!<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rede zum Global Kiss-in vor der russischen Botschaft in Berlin: &#8222;Die Menschen werden sich an \u00f6ffentliche K\u00fcsse zwischen M\u00e4nnern und zwischen Frauen gew\u00f6hnen m\u00fcssen. Wir k\u00f6nnen es ihnen nicht ersparen! So wie sich Hetero-M\u00e4nner vor hundert Jahren daran gew\u00f6hnen mussten, dass Frauen auf einmal w\u00e4hlen durften! Und heute daran, dass ihr Vorgesetzter im B\u00fcro eine Frau ist. So wie die in Wei\u00dfen in Amerika damit klar kommen mussten, dass die Schwarzen im Bus auf einmal vorne sitzen durften. 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