{"id":2519,"date":"2013-09-18T04:18:55","date_gmt":"2013-09-18T02:18:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=2519"},"modified":"2019-03-02T13:21:35","modified_gmt":"2019-03-02T11:21:35","slug":"konstruierte-provokation-die-welt-erklaert-welche-rolle-krawall-gegen-lesen-und-schwule-fuer-den-wahlsieg-der-csu-spielte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=2519","title":{"rendered":"&#8222;Konstruierte Provokation&#8220;: Die WELT erkl\u00e4rt die Bedeutung der Diffamierung von Homosexuellen f\u00fcr den CSU-Wahlkampf"},"content":{"rendered":"<p>In der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/kultur\/article120130378\/Dobrindt-der-Hipster-der-aus-Bayern-kam.html\">WELT von heute<\/a> erkl\u00e4rt Ulf Poschardt den Sieg der Union bei den bayerischen Landtagswahlen als das Ergebnis eines Meisterwerk des CSU-Generalsekret\u00e4rs\u00a0Alexander Dobrindt, der &#8222;neben Horst Seehofer bedeutendste Autor des Erfolgs&#8220;.<\/p>\n<p>Als Dobrindt im M\u00e4rz diesen Jahres in <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article114290201\/Union-muss-Stimme-gegen-schrille-Minderheit-sein.html\">einem Interview<\/a> mit der WELT AM SONNTAG Lesben und Schwule im Rahmen der &#8222;Homo-Ehe&#8220;-Diskussion als &#8222;schrille Minderheit&#8220; bezeichnete, erntete er Kritik aus unterschiedlichsten Richtungen. Nicht nur die \u00c4u\u00dferung selbst wurde ihm vorgeworfen, sondern auch die Tatsache, dass er aus CSU-Sicht strategisch unklug zu handele: Schlie\u00dflich sei ja auch die Mehrheit der bayerischen W\u00e4hler f\u00fcr die rechtliche Gleichstellung Homosexueller.<\/p>\n<p>Ich vertrat <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1442\">damals in diesem Blog <\/a>die Meinung, dass man Dobrindt mit solchen Einlassungen untersch\u00e4tzt. Und dass er ganz genau wei\u00df, was er da tut:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ohne die Homo-Ehe l\u00e4sst sich eine Existenzberechtigung der Unionsparteien als H\u00fcter konservativer Werte schlichtweg nicht begr\u00fcnden. Es ist also genau umgekehrt, als es sich aus den politischen Forderungen der Homosexuellen an CDU\/CSU schliessen l\u00e4sst:\u00a0Nicht Lesben und Schwule brauchen die Union. Die Union braucht Lesben und Schwule. G\u00e4be es sie nicht, m\u00fcssten sie sie glatt erfinden.<\/p>\n<p>Auch CSU Genralsekret\u00e4r Alexander Dobrindt hat das in seinem \u201cSchrill\u201d Interview noch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article114290201\/Union-muss-Stimme-gegen-schrille-Minderheit-sein.html\">einmal bekr\u00e4ftigt<\/a>. Auf die Frage, was denn die \u201canderen konservativen Themen\u201d seien, mit denen er im Wahlkampf punkten wolle sagte er:<\/p>\n<p>\u201cEs geht um Stabilit\u00e4t, Solidit\u00e4t und Sicherheit. Stabilit\u00e4t, was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft \u2013 auch im Hinblick auf Europa. Solidit\u00e4t, was die Finanzen angeht \u2013 auch in der Frage des Euro. Und es geht um Sicherheit, was die Zukunftschancen betrifft. Das sind die drei gro\u00dfen konservativen Themen.\u201d<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Es gibt nichts. Absolut nichts, was nicht alle anderen Parteien auch behaupten. Homophobie allein ist der Markenkern der Union. \u00a0(&#8230;)\u00a0<span style=\"font-size: 13px;\">Es geht allein um die Mobilisierung der Stammw\u00e4hler.\u00a0<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Seit Bestehen dieses Blogs hat es keinen Beitrag gegeben, der so oft angeklickt, gelesen und in den sozialen Netzwerken so h\u00e4ufig geteilt und diskutiert wurde wie der \u00fcber den &#8222;homophoben Markenkern&#8220; der Unionsparteien. Ich habe in den letzen Monaten sehr viele Diskussionen zu diesen Vorw\u00fcrfen gef\u00fchrt. Sehr oft wurde mir entgegen gehalten, dass ich zwar in meiner Kritik grunds\u00e4tzlich richtig liege, aber in der Zuspitzung doch etwas zu sehr <del>auf die Kacke gehauen\u00a0<\/del>\u00fcbertrieben habe: Dobrindt habe sich verrannt; nat\u00fcrlich gebe es noch die Gestrigen in der Union, aber die F\u00fchrungen der C-Parteien bem\u00fche sich darum, Respekt vor Schwulen und Lesben zu zeigen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px;\">Dass aber das das genau Gegenteil stimmt, dass also die Unionsparteien entgegen ihrer Aussage, Homosexuelle nicht diskriminieren zu wollen, es sogar zur Strategie erkl\u00e4rten, mit dem Z\u00fcndeln homosexuellenfeindlicher Stimmungen den Wahlkampf in Schwung zu bringen, schien doch etwas abwegig.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px;\">So erkl\u00e4rt sich wohl auch die Tatsache, dass einer der h\u00e4ufigsten Vorw\u00fcrfe an die Union in diesen Wahlk\u00e4mpfen darin besteht, dass sie zu harmlos ist.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aber harmlos ist anders.<\/p>\n<p>Und so danke ich Ulf\u00a0Poschardt daf\u00fcr, dass er heute etwas aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudert und erz\u00e4hlt, wie das damals war mit dem vermeintlich aus der H\u00fcfte geschossenen &#8222;Schrill&#8220;-Interviews des CSU Generalsekret\u00e4rs\u00a0Alexander Dobrindt:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Als er in der &#8218;Welt am Sonntag&#8216; Teile der Schwulen- und Lesbencommunity als &#8222;schrille Minderheit&#8220; diffamierte, brach ein Shitstorm \u00fcber ihn los. Er stand alleine gegen die Medienwelt der Berliner Republik, und es sah nicht so aus, als w\u00fcrde ihn das auch beeindrucken.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Interviews im 19. Stock des Springerhochhauses in Berlin registrierte er gen\u00fcsslich, wie seine Provokationen und Tabubr\u00fcche zu heftigen Nachfragen und emp\u00f6rten Zwischenrufen f\u00fchrten. In seinen Augen blitzte der Schalk. Mit jedem Angriff f\u00fchlte sich Dobrindt best\u00e4rkt, gleichzeitig wurde sp\u00fcrbar, wie konstruiert, ja papiern diese Provokation angelegt war. Die Grundgedanken hatte er auf einem kleinen wei\u00dfen Papier skizziert, bei schwierigen Fragen schwieg er, bis er wusste, was zu sagen war. Dass dies nicht seine Meinung sein musste, wurde stets deutlich. Das Krawallinterview war auch Show.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ulf Porschardt,\u00a0stellvertretender Chefredakteur der\u00a0WELT AM SONNTAG<i>,<\/i>\u00a0erhellt mit seinen Schilderungen \u00fcbrigens nicht nur die wahren Beweggr\u00fcnde der CSU, sondern auch seine eigenen. Er sieht offensichtlich die Rolle seiner Zeitung nicht nur darin, \u00fcber das, was er eine &#8222;Show&#8220; nennt, zu berichten. Er sieht sie als Teil der &#8222;Show&#8220;. Pers\u00f6nlich k\u00fcmmert er sich deshalb darum, dass Inszenierung stimmt, dass die christsozialen Taschenspielertricks auch funktionieren.<\/p>\n<p>So schreibt er, Dobrindt habe<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Teile der Schwulen- und Lesbencommunity als `schrille Minderheit\u00b4&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>diffamiert, ganz offensichtlich um dessen Rolle an der Z\u00fcndschnur zu verniedlichen. Doch von &#8222;Teilen&#8220; der Community hatte der CSU General eben nicht gesprochen. Im Interview sagte er:<\/p>\n<blockquote>\n<p id=\"p13\">&#8222;Die Menschen wollen keine Ver\u00e4nderung der Gesellschaft, in der Ehe und Familie nicht mehr die Normalit\u00e4t sind. Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es ist davon auszugehen, dass Poschardt das Interview sehr gut kennt. Er hat es selbst gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><strong>Mehr \u00fcber Die WELT, Ulf Poschardt und die Homos:<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=939\">Die l\u00e4ngste Klickstrecke der WELT<\/a>\u00a0\u00a0\/ \u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=517\">Flapsiges Grauen<\/a>\u00a0 \u00a0\/ \u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=455\">Im Keller von welt.de<\/a>\u00a0\u00a0 \/<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=299\">\u00a0 \u00a0Der General<\/a>\u00a0 \u00a0\/ \u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=291\">Die Welt\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulf Porschardt, stellvertretender Chefredakteur der WELT AM SONNTAG, erhellt mit seinen Schilderungen nicht nur die wahren Beweggr\u00fcnde der CSU, sondern auch seine eigenen. 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