{"id":3022,"date":"2013-12-10T19:44:35","date_gmt":"2013-12-10T17:44:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3022"},"modified":"2019-03-02T11:40:28","modified_gmt":"2019-03-02T09:40:28","slug":"csd-berlin-plant-politische-boykotterklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3022","title":{"rendered":"CSD Berlin plant politische Bankrotterkl\u00e4rung \/ UPDATE"},"content":{"rendered":"<p>Ich w\u00fcrde gerne einen Vorschlag machen: Warum erkl\u00e4ren wir nicht endlich den Versuch als gescheitert, den Berliner CSD als eine politische Demonstration zu verkaufen?<\/p>\n<p>Ja klar ist er politisch. Aber ist nicht irgendwie alles politisch? Mardis Gras, der Muttertag und sogar der Karneval ist es! Warum lassen wir den CSD nicht sein, was er seit Jahren nun schon ist:<\/p>\n<p>Eine tolle Tradition, ein wichtiger Gedenktag, aber vor allem ein gro\u00dfes, einzigartiges Fest.<\/p>\n<p>Warum machen wir uns nicht locker. Uns, aber auch die anderen, die Medien zum Beispiel. \u00a0Jedes Jahr beschw\u00f6ren wir sie, \u201eDemo\u201c und nicht \u201eParade\u201c zu sagen, bitte nicht nur die Transen und die Lederm\u00e4nner zu fotografieren und bitte darauf hinzuweisen, dass es um wichtige politische Forderungen geht. Welche Forderung? Ach die &#8230;<\/p>\n<p>Bitte nicht falsch verstehen: Nat\u00fcrlich bin ich f\u00fcr politische Forderungen!<\/p>\n<p>Und noch mehr bin ich daf\u00fcr, dass man Politik nicht mit dem Ausverhandeln eines neuen Sessionsmottos verwechselt. Ich habe aber mittlerweile den Eindruck, dass die real existierende Forderungspolitik des Berliner CSD e.V. die politische Ausdrucksm\u00f6glichkeit der teilnehmenden Personen und Gruppen eher behindert als unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Dieses Jahr w\u00e4re die Gelegenheit dazu gewesen, endlich mit dem Unsinn dieser Mottofindung aufzuh\u00f6ren, und endlich zu akzeptieren, dass man Relevanz nicht beschlie\u00dfen kann. Sondern erzeugen muss.<\/p>\n<p>Nichtmal das Scheitern des \u00f6ffentlichen Aufrufes des Vorstandes, eigene Vorschl\u00e4ge f\u00fcr den CSD-Slogan einzusenden, bewirkte den Impuls, dass doch endlich mal andere Leute dran kommen m\u00fcssten. Leute, die mehr Ideen und mehr Willen dazu haben, eine tats\u00e4chliche Einbindung der Szene zu organisieren. Und Vorschl\u00e4ge zu pr\u00e4sentieren, die nicht nur einen scheindemokratischen Abstimmungsvorgang einigermassen unzerst\u00fcckelt \u00fcberleben. Sondern auch irgendwelchen Sinn machen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px;\">Auf die Idee, dass nicht die Szene, sondern der Vorstand des CSD versagt hat, wenn so ein Aufruf, zur Farce wird, ist wohl noch niemand gekommen. Dass man sich irgendwann eingestehen muss, dass man eben einfach nicht in der Lage ist, Resonanz zu erzeugen, scheint undenkbar.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dass die immer wieder angef\u00fchrten Argumente mittlerweile widerlegt wurden, hat man noch gar nicht begriffen: Zum Beispiel, dass man eben so viele Gruppen nur mit einem Konsensverfahren zusammen halten, das immer nur dem gr\u00f6\u00dften gemeinsamen Nenner basierenden gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Unsinn erzeugen kann. Das stimmt eben nur dann, wenn man nicht f\u00e4hig ist, ein Konzept vorzuschlagen, was gleicht zeitig gut und mehrheitsf\u00e4hig ist.<\/p>\n<p>Auch der Behauptung, \u00a0<span style=\"font-size: 13px;\">dass die Leute auf dem CSD eben Party und keine Politik haben wollen, ist nicht bewiesen. \u00a0Nur weil die jetzigen Macher es nicht geschafft haben, beides sinnvoll und kreativ miteinander zu verbinden, heisst das ja nicht, dass es nicht funktionieren kann. Es ist eben in erster Linie ein m\u00f6glicher Hinweis darauf, dass die jetzige Zusammensetzung im CSD-Vorstand es eben nicht kann.<\/span><\/p>\n<p>Ich weiss, dass sind fast alles ehrenamtliche Leute, die einen enormen Einsatz zeigen. Und ich weiss auch, dass da hoch kompetente Leute dabei sind. Aber wenn heute ein neuer Vorstand gew\u00e4hlt wird, darf es nicht darum gehen, Fleiss zu belohnen oder zu w\u00fcrdigen, was einzelne Menschen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Es m\u00fcsste darum gehen, eine Konstellation und eine Arbeitsweise zu finden, die eine gute Richtung finden und auch umsetzten kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr das bestehende Team halte ich das f\u00fcr nahezu ausgeschlossen. Ich glaube nicht nur, dass sie sich in einem kafkaesken Entscheidungsprozess verirrt haben <em>(sorry, dass ich mich dazu entschieden habe, diese alberne Wortverliebtheit einfach stehen zu lassen, aber mir ist wirklich keine treffendere Beschreibung eingefallen)<\/em> .<\/p>\n<p>Es spricht auch alles daf\u00fcr, dass sie kurz davor sind, fast alles das, wof\u00fcr der CSD steht, in das Gegenteil zu pervertieren. Ich habe es nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, aber der Vorstand des Berliner CSD plant heute tats\u00e4chlich seine politische Bankrotterkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Das ist zwar nicht ganz so schlimm, wie es klingt, denn den CSD wird es mit und ohne diesen Vorstand, ja sogar ohne diesen Verein geben. Trotzdem sollte man mal genauer hinschauen, was da gerade vor sich geht.<\/p>\n<p>Vorab muss man zugeben, dass es gerade keine einfachen Zeiten sind f\u00fcr die zentrale Veranstaltung einer Bewegung, in der sich gerade gleichzeitig alles und gar nichts bewegt: \u201eAlles\u201c in dem Sinne, dass sich vor allem durch die Ereignisse in Russland eine neue politische Sensibilit\u00e4t mit neuen Ausdrucksformen entwickelt. \u201eGar nichts\u201c weil wir mit unserer Forderung nach gleichen Rechten mit aller Kraft gerade gegen die Wand gerannt sind und niemand ernsthaft behaupten kann, er wisse die Richtung, in der wir jetzt laufen sollten. Oder ob es eine gemeinsame Richtung \u00fcberhaupt noch gibt.<\/p>\n<p>Andererseits w\u00e4re keine Plattform geeigneter als der CSD, sich genau dieser diffusen Ausgangslage anzunehmen. Nur er hat die Bedeutung, Gr\u00f6\u00dfe, die Vielfalt, Tradition und die Strahlkraft, neues zu probieren und zu f\u00f6rdern.\u00a0Anders als die in der Szene fast v\u00f6llig unbedeutende Splittergruppe <span style=\"color: #800080; font-size: 13px;\">LS<\/span><span style=\"font-size: 13px;\">VD empfinden ein Gro\u00dfteil der LGTBI sich irgendwie mit dem CSD verbunden (<em>Rekord! 12 Abk\u00fcrzungsgro\u00dfbuchstaben in so einem kurzen Satz!<\/em>). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Der CSD k\u00f6nnte wieder werden, was er einmal war: Motor der Bewegung. Auf diese Idee ist man offensichtlich auch im CSD-Vorstand gekommen und deshalb hatte man sich als Vorschlag zum neuen Leitthema \u201eBack to the Roots\u201c ausget\u00fcftelt. Zus\u00e4tzlich will man sich als Verein eine neue Pr\u00e4ambel geben. \u00a0Dieser Text,\u00a0normalerweise\u00a0dazu gedacht, eine Begr\u00fcndung, eine Richtung, oder ein Ziel vorzugeben, besteht quasi fast nur auf einer Auflistung \u00a0der\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 13px;\">Vork\u00e4mpferinnen und Vork\u00e4mpfer der Bewegung, auf die man sich beziehen m\u00f6chte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px;\">Das klingt zun\u00e4chst gar nicht so verkehrt. Ist aber in Wahrheit ein Armutszeugnis. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px;\">Ich versuche es mal so:<\/span><\/p>\n<p>Jeder kennt diese verwirren Menschen in den Fussg\u00e4ngerzonen, die behaupten, sie seien Jesus oder zumindest auf seinen Spuren unterwegs. Man m\u00f6chte diesen Menschen nicht absprechen, dass sie das auch wirklich so empfinden. Aber folgen m\u00f6chte man ihnen auch nicht wirklich. Warum auch?<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich ist das auch mit den Verk\u00fcndern der neuen CSD-Botschaft: Sie haben einfach nicht verstanden, dass nicht ausreicht, zu behaupten, dass man sich auf irgendjemanden oder irgendetwas bezieht. So wie es nicht reicht, auf die Packung eines Medikamentes oder Lebensmittels einfach &#8222;gesund&#8220; darauf zu schreiben wenn man sich keine Gedanken um die Wirksamkeit des Inhaltes gemacht hat.<\/p>\n<p>Ja, was bedeutet denn &#8222;Back to the Roots&#8220;? \u00a0Wenn man das einigerma\u00dfen ernst nehmen w\u00fcrde, k\u00f6nnte man daraus einige Anspr\u00fcche ableiten. Mir fallen da viele ein, und alle sind das Gegenteil von dem, was der CSD da gerade macht. Vor allem aber einen:<\/p>\n<p>Mut.<\/p>\n<p>Den Machern des CSD, die sich nicht mal trauen, die Bewegung ernsthaft einzubeziehen, sollten wir nicht erlauben, \u00a0sich \u00a0mit ihrer Feigheit hinter unseren Vork\u00e4mpferinnen und Vork\u00e4mpfern zu verstecken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass der konzeptlose Titel-Vorschlag des CSD-Vorstandes &#8222;Back to the Roots&#8220; durch das idiotische Namensgebungsverfahren mittlerweile &#8211; wie viele seine Vorg\u00e4nger auch &#8211; zu einem absolut unbrauchbaren Phrasenkr\u00fcppel geworden ist, ist da fast beruhigend.<\/p>\n<p>Wann h\u00f6rt dieser Unsinn endlich auf? Heute Abend sind Vorstandswahlen. Da w\u00e4re die Chance daf\u00fcr. Theoretisch. Aber wahrscheinlich wird man sich stattdessen sp\u00e4ter \u00fcber den Blogger aufregen. Wahrscheinlich heisst es, er sei ungerecht und solle sich doch selber einbringen. Aber das tue ich doch gerade.<\/p>\n<p>UPDATE:<\/p>\n<p>Vor Kurzem ist die Sitzung der CSD-Mitgliederversammlung beendet worden, ohne dass es zu den geplanten Vorstandswahlen kam. Diese sollen jetzt im Januar nachgeholt werden, bis daher ist der alte Vorstand noch im Amt.<\/p>\n<p>Die Sitzung soll nach Teilnehmerangaben turbulent verlaufen sein, es sei auch bekannt geworden, dass sich der Vorstand sowohl mit dem Berliner Senat als auch dem Friedrichstadtpalast, dem Austragungsort der &#8222;CSD-Gala&#8220;, zerstritten habe.<\/p>\n<p>Bodo Niedel, Mitglied im jetzt doch noch amtierenden Vorstand schreibt auf der Facebook-Seite des Nollendorfblogs:<\/p>\n<p>&#8222;Die Zeiten des Abnickens sind vorbei.&#8220;<\/p>\n<p>H\u00f6rt sich nach guten Nachrichten an!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bedeutet denn der CSD-Motto-Vorschlag &#8222;Back to the Roots&#8220;?  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Heute Abend k\u00f6nnte sich etwas \u00e4ndern ..<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2788,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[159,55,1],"tags":[],"class_list":["post-3022","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-159","category-community","category-politik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3022","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3022"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3022\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3042,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3022\/revisions\/3042"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3022"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3022"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}