{"id":3713,"date":"2014-06-11T17:27:09","date_gmt":"2014-06-11T15:27:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3713"},"modified":"2019-03-02T13:18:13","modified_gmt":"2019-03-02T11:18:13","slug":"broder-anda-matussek-sarrazin-wer-schuetzt-uns-eigentlich-vor-den-alten-weissen-maennern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3713","title":{"rendered":"Broder\/Anda\/Matussek: Wenn alte M\u00e4nner &#8222;M\u00fcssen&#8220; m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p>In\u00a0diesem Blog versuche ich seit einiger Zeit, die Homophobie hinter dem &#8222;aber&#8220; derer zu dekodieren, die auff\u00e4llig laut betonen &#8222;nichts gegen Schwule&#8220; zu haben. Dies war in den vergangenen Jahren nicht immer ganz leicht. \u00a0Immer, wenn man sich gerade an einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=679\" target=\"_blank\">abstrusen<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=2107\" target=\"_blank\">hompophoben<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=487\" target=\"_blank\">Muster <\/a>abgearbeitet hatte, tauchten wieder <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=2008\" target=\"_blank\">neue<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=2476\" target=\"_blank\">auf<\/a>, die\u00a0eine v\u00f6llig andere Betrachtung verlangten.<\/p>\n<p>Seit einigen Monaten ist das v\u00f6llig anders. Seit einigen Monaten basieren\u00a0fast alle homophoben &#8222;Debattenbeitrage&#8220;aus fast deckungsgleichen Formulierungen.<\/p>\n<p>Doch das macht es nicht einfacher.<\/p>\n<p>Im Februar habe ich erstmals \u00fcber die &#8222;neue Homophobie&#8220; geschrieben und mich bem\u00fcht, die dahinter stehenden rhetorischen Verrenkungen herauszufiltern. Matthias Matussek hatte sich damals mit <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article124792188\/Ich-bin-wohl-homophob-Und-das-ist-auch-gut-so.html\">einem Text<\/a> in der WELT\u00a0zum\u00a0Vork\u00e4mpfer dieser neuen Bewegung gemacht. (Siehe:\u00a0<span style=\"color: #0d2848;\"><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3220\">\u201cHomophobie f\u00fcr alle!\u201d \u2013 Ein Volksbildungskurs mit Matthias Matussek&#8220;<\/a>)\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Oberfl\u00e4chlich betrachtet k\u00f6nnte man sagen, dass\u00a0das, was Matussek da losgetreten hat, eine Debatte ist. Aber es wurde\u00a0keine Debatte, sondern eine sogenannte &#8222;notwendige Debatte&#8220;, was so ziemlich das Gegenteil ist. \u00a0Die\u00a0&#8222;notwendige Debatte&#8220; wird immer dann ausgerufen,\u00a0wenn jemand mit besonders abstrusem\u00a0Irrsinn\u00a0provozieren m\u00f6chte. Und wenn diese Provokation sich durch eine Undiskutierbarkeit auszeichnet, die als Basis f\u00fcr eine <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?tag=sandra-maischberger\">erfolgreiche<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1657\">Talkshow<\/a> als besonders hilfreich gilt.<\/p>\n<p>Aber das wurde hier und anderswo\u00a0schon geschrieben, immer wieder. Es macht keinen Spass. Mir nicht, und ich kann auch verstehen, dass es einige Leser nervt, wenn\u00a0hier immer wieder &#8222;Achtung Homophobie!&#8220; gerufen wird. Zumal es doch viel mehr Spass macht, sich die\u00a0Soap Opera\u00a0anzuschauen, mit der die Berliner CSDs gerade das Publikum unterhalten.<\/p>\n<p>Doch wir sind nicht zum Spass hier. Unsere Gegner, die neuen Homophobiker, sind sich nicht zu schade, immer wieder\u00a0den\u00a0gleichen Bl\u00f6dsinn zu behaupten,\u00a0um\u00a0aus ihren Opfern T\u00e4ter zu machen, vor denen man sie besch\u00fctzen muss.<\/p>\n<p>Und deswegen d\u00fcrfen wir uns nicht zu schade sein, dem immer wieder\u00a0zu widersprechen. Wir d\u00fcrfen nicht darauf vertrauen, das sich das irgendwann abn\u00fctzt, dass die Leute erkennen, dass Bl\u00f6dsinn Bl\u00f6dsinn ist. Ignorieren ist leider keine Option.\u00a0Nein, wir m\u00fcssen L\u00fcge nennen, was L\u00fcge ist, auch wenn wir das schon tausendmal getan haben.<\/p>\n<p>Also rein ins Get\u00fcmmel. Aktuell ist es\u00a0<span style=\"color: #222222;\">Henryk M. Broder, der das Manifest der Neuen Homophobiker\u00a0\u00a0in leicht variierter Form aufsagt. Warum die\u00a0&#8222;alten weissen M\u00e4nner&#8220; (O-Ton Broder) immer glauben, m\u00fcssen zu m\u00fcssen, habe ich im Lexikon der Homophobie\/<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3330\">&#8222;Denkverbote&#8220; <\/a>beschrieben. \u00a0<\/span><\/p>\n<p>Doch\u00a0im Vergleich ist Broders verbaler Harndrang besonders spektakul\u00e4r:<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Bela Anda meint, dass er &#8222;den Auftritt einer Dragqueen mit Bart jetzt schon gut finden MUSS&#8220;, \u00a0Matthias Matussek denkt, dass man ihm vorschreiben will, was er denken muss, versucht Broder\u00a0noch ein bisschen weiter zu strahlen:<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #4b4b4b;\">&#8222;Wer fragt, ob lesbische Paare Kinder bekommen sollten, wird umgehend von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes abgemahnt. &#8222;<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>K\u00fchn\u00a0ist dabei nicht seine\u00a0Schlussfolgerung (dass eine Minderheit der Mehrheit ihre Interessen aufzwingt, sagen Matthias Matussek, Bela\u00a0Anda zusammen mit vielen anderen im Prinzip auch), \u00a0sondern die Ausgangsthese, auf der Broder\u00a0seine ganze Verfolgungswahnschrift aufgebaut hat:<\/p>\n<blockquote>\n<p id=\"p5\" class=\"prefix_1 text artContent\" style=\"color: #222222;\">&#8220; (&#8230;) Dass es die\u00a0<a style=\"color: #890e17;\" title=\"Die Antidiskriminierungsstelle\" href=\"http:\/\/www.antidiskriminierungsstelle.de\/DE\/Home\/home_node.html\" target=\"_blank\" name=\"_art_link_\">&#8222;Antidiskriminierungsstelle&#8220;, einen Ableger des Bundesministeriums f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend,<\/a>\u00a0\u00fcberhaupt gibt, bekam ich erst vor kurzem mit, nachdem ich irgendwo gelesen hatte, die Leiterin der ADS, Christine L\u00fcders, habe anl\u00e4sslich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie vor einer &#8222;neuen Homophobie&#8220; in Deutschland gewarnt. Die &#8222;Anzeichen daf\u00fcr&#8220;, behauptete sie, seien &#8222;besorgniserregend \u2013 in allen Bereichen der Gesellschaft&#8220;. Allerdings nannte sie nur drei reichlich abgenutzte Beispiele, darunter den Essay einer Schriftstellerin, in dem diese unter anderem die Frage stellte, &#8222;<a style=\"color: #890e17;\" title=\"Sibylle Lewitscharoff\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/article125501467\/Die-Menschenverachtung-der-Buechner-Preistraegerin.html\" name=\"_art_link_\">ob lesbische Paare Kinder bekommen sollten<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p id=\"p6\" class=\"prefix_1 text artContent\" style=\"color: #222222;\">Ich finde eine solche Frage vollkommen legitim, ganz unabh\u00e4ngig davon, wie die Antwort ausf\u00e4llt. Es ist wie \u00fcberall im Leben: die einen sagen so, die anderen so. Vermutlich werden wir nie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wissen, ob ein Kind eine Mutter und einen Vater braucht oder auch mit zwei M\u00fcttern beziehungsweise zwei V\u00e4tern gl\u00fccklich werden kann. Aber deswegen kann man die Frage, &#8222;ob lesbische Paare Kinder bekommen sollten&#8220;, nicht von vorneherein verbieten. (&#8230;)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"prefix_1 text artContent\" style=\"color: #222222;\">Was soll man dazu sagen? Vielleicht erstmal: Es stimmt nicht.<\/p>\n<p class=\"prefix_1 text artContent\" style=\"color: #222222;\">Es stimmt nicht, dass es\u00a0in dem von ihm gew\u00e4hlten Beispiel darum ging, &#8222;eine solche Frage&#8220; von &#8222;vorneherein&#8220; zu verbieten.\u00a0Im Fokus der Kritik stand keine Frage, sondern eine Antwort.<\/p>\n<p class=\"prefix_1 text artContent\" style=\"color: #222222;\">In\u00a0seiner eigenen Zeitung, der WELT wurde diese so zusammen gefasst:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"prefix_1 text artContent\" style=\"color: #222222;\"><span style=\"color: #4b4b4b;\">&#8222;Die B\u00fcchner-Preistr\u00e4gerin Sibylle Lewitscharoff verteufelt in einer Rede k\u00fcnstliche Befruchtung, die auf diese Weise gezeugten Kinder nennt sie &#8218;Halbwesen&#8216;.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"prefix_1 text artContent\" style=\"color: #222222;\">Wir sollten uns wirklich nicht von jemandem anpissen lassen, der nicht mal richtig zielen kann.<\/p>\n<p class=\"prefix_1 text artContent\" style=\"color: #222222;\">(Entschuldigen Sie die billige Argumentation, aber irgendetwas bleibt eben doch kleben. Ich w\u00fcrde mich auch lieber mit etwas anderem besch\u00e4ftigen.) \u2666<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegner, die neuen Homophobiker, sind sich nicht zu schade, immer wieder den gleichen Bl\u00f6dsinn zu behaupten. Deswegen d\u00fcrfen wir uns nicht zu schade sein, dem immer wieder zu widersprechen. 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