{"id":5235,"date":"2015-11-22T17:32:06","date_gmt":"2015-11-22T15:32:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5235"},"modified":"2020-07-20T13:36:42","modified_gmt":"2020-07-20T11:36:42","slug":"nehmt-dem-ndr-den-eurovision-songcontest-aus-der-hand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5235","title":{"rendered":"Nehmt dem NDR den Eurovision Songcontest aus der Hand!"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8222;Xavier Naidoo ist ein herausragender S\u00e4nger, der nach meiner \u00dcberzeugung weder Rassist noch homophob ist. Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns \u00fcberrascht.&#8220;<\/p>\n<p>Thomas Schreiber, NDR, ARD Unterhaltungskoordinator<\/p><\/blockquote>\n<p>Ob aus Dummheit, Berechnung oder beidem. Der ARD Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber ist ein gef\u00e4hrlicher Mann.\u00a0 Ganz unverhohlen versucht er, das Desaster um seine gescheiterte Nominierung von Xavier Naidoo den Kritikern in die Schuhe zu schieben. Er sagt nicht: Die Entscheidung war falsch. Er sagt: Die Kritik war \u00fcberzogen. Gleichzeitig gibt er zu, mit einer Polarisierung gerechnet zu haben. Er tut also so, als ob ein Konflikt, den er vorprogrammiert hat, nur durch die Hefigkeit der Kritik eskaliert sei. Doch das stimmt nicht. Aus zwei Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Erstens:<\/p>\n<p>Es gab keinen verabredeten Shitstorm. Jeder schei\u00dft f\u00fcr sich alleine. Es waren halt nur sehr viele. Die &#8222;Wucht&#8220; war eine rein quantitative. Xavier Naidoo wurde nicht verteufelt. Es wurden von fast allen Kritikern nur genau die Kritikpunkte vorgetragen, die bereits bekannt sind, und von denen Schreiber gewusst haben muss, dass sie, und wie sie thematisiert werden w\u00fcrden. Das einzige, was Schreiber daran \u00fcberrascht haben k\u00f6nnte, ist, dass beim Vorwurf der Homophobie nicht nur die Homos aufgemuckt haben. Dass er ausgerechnet bei der f\u00fcr viele Schwule wichtigsten TV-Show des Jahres eine Polarisierung zum Thema Homophobie angezettelt hatte, wurde auch von fast allen heterosexuellen Journalisten als das gesehen, was es ist: Eine Provokation. Jetzt so zu tun, als ob die Aufregung dar\u00fcber nicht ihm, sondern anderen aus dem Ruder gelaufen ist, ist besonders dreist. Und gef\u00e4hrlich. Er konstruiert aus seinem Versagen den Gesinnungsterror der anderen: Die virulente Homolobby hat gesiegt. Hoffentlich begreift jemand in der ARD, wie gruselig das ist. Die Geister, die Schreiber da beschworen hat, sind jedenfalls schon aus der Flasche. Til Schweiger spricht bereis von &#8222;Terrorismus&#8220;. Es werden sich bedenklichere Stimmen zu ihm gesellen.<\/p>\n<p>Zweitens:<\/p>\n<p>Die Zuspitzung der Debatte hat alleine der NDR mit Thomas Schreiber zu verantworten. Es ist n\u00e4mlich nicht so, dass die Xaidoo-Kritiker &#8211; wie jetzt unterstellt wird &#8211; ihm seine Meinung verbieten wollen. Oder verhindern wollen, dass er in einer Unterhaltungssendung auftritt. Fast niemand st\u00f6rt sich an der Rolle, die er etwa bei seiner VOX-Show &#8222;Sing Meinen Song&#8220; spielt. Doch die Rolle, die Schreiber f\u00fcr Naidoo erfunden hatte, war eine ganz andere. Eine Rolle,\u00a0 bei der jedem, der die bisherigen Diskussionen zu Xavier Naidoo auch nur ein bi\u00dfschen mitbekommen hat, h\u00e4tte erkennen m\u00fcssen, dass er ihr nicht gerecht werden kann:<\/p>\n<p>Der NDR-Mann erkl\u00e4rte, man habe den K\u00fcnstler ausgesucht,<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;weil der auf der B\u00fchne stehen und f\u00fcr ein weltoffenes, tolerantes Deutschland sprechen&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>solle. \u00dcber den rassistischen Aspekt dahinter habe ich schon in <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5221\">meinem letzen Blogbeitrag<\/a> geschrieben: Man sagt nicht, das ist der beste S\u00e4nger f\u00fcr uns, weil er am besten singt. Man sagt, das ist der beste S\u00e4nger f\u00fcr uns, weil er eine andere Hautfarbe hat.<\/p>\n<p>Aber als ob das nicht schon schlimm genug w\u00e4re, ist es nat\u00fcrlich im besten Falle str\u00e4flich naiv, einen K\u00fcnster, dem eine Vielzahl seri\u00f6ser Journalisten (auch aus dem eigenen Haus) seit langem eine brisante N\u00e4he zu rechtspopulistischen Kreisen vorwerfen, als Sprecher f\u00fcr die Weltoffenheit Deutschlands zu exponieren. Und selbst, wenn man mal annimmt, dass die Vorw\u00fcrfe gegen Naidoo gar nicht stimmen: Wie kann ein ARD-Journalist davon ausgehen, dass die pure Behauptung, dass sie nicht stimmen, dazu f\u00fchrt, dass die Kritik in sich zusammen f\u00e4llt? An dieser Stelle m\u00f6chte man fast Xavier Naidoo von den Chaoten im NDR sch\u00fctzen: Sie haben ihn nicht nur\u00a0 zum Feuer gegen ihn ausgerechnet an der Stelle provoziert, an der er am meisten angreifbar ist. Sie haben sich dann auch noch nur pro Forma vor ihn gestellt. Vieles spricht daf\u00fcr, dass dieses Prinzip der kommunikativen St\u00fcmperei auch das ist, mit dem der NDR die Image- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr die ihm anvertrauten deutschen Eurovisions-Kandidaten im Vorfeld der Songcontest-Wettbewerbe auf internationaler B\u00fchne versieht.<\/p>\n<p>Dummheit oder Berechnung?<\/p>\n<p>F\u00fcr die Berechnung spricht, dass der NDR erkennbar bem\u00fcht ist, die queere Relevanz des ESC soweit wie m\u00f6glich nach unten zu fahren. Das sieht man an den uns\u00e4glich egalen Vor- und Nachher-Shows, mit dem sie die den ESC, der so vielen alles andere als egal ist, in die Mangel nehmen.<\/p>\n<p>Am deutlichsten wurde das Problem, das die ESC-Macher beim NDR mit den Homos haben, als Conchita Wurst sich aufmachte, den Laden geh\u00f6rig aufzumischen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend fast \u00fcberall in Europa der sich anbahnende Siegeszug Conchitas gefeiert wurde, entschloss sich der NDR, seinen Zuschauern zu empfehlen, dass sie ja wegschauen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Der nur schwer zu verstehende, aber nicht nur eurovisions- sondern auch queer-geschichtlich historische Satz des Abends &#8222;We are unstoppable&#8220; blieb dann auch unkommentiert. Der NDR hoffte wohl, dass sich das, wie man in diesen Kreisen so sagt, &#8222;versendet&#8220;. Tut es aber nicht.<\/p>\n<p>Eine Bitte an den ARD-Vorsitzenden:<\/p>\n<p>Lieber Lutz Marmor, bitte retten Sie den ESC. Retten Sie ihn vor dem NDR. Die k\u00f6nnen es nicht. Die verstehen es nicht. Die wollen es nicht. \u2666<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Offenlegung: Der ESC ist auch Teil <span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/5187\/guildo-horn\/\">meiner Geschichte.<\/a><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Thematisch verwandte Beitr\u00e4ge in diesem Blog:<\/em><\/p>\n<header id=\"masthead\"><\/header>\n<div id=\"main\">\n<section id=\"primary\">\n<div id=\"content\">\n<article id=\"post-5221\">\n<header><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permalink to Eurovision und Xavier Naidoo: Die ARD bastelt sich einen \u201ewunderbaren Neger\u201c\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5221\" rel=\"bookmark\">Eurovision und Xavier Naidoo: Die ARD bastelt sich einen \u201ewunderbaren N.\u201c<\/a><\/em><\/span><\/header>\n<header><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4309\">Die misslungene ARD-Themenwoche &#8222;Toleranz&#8220;<\/a><\/em><\/span><\/header>\n<header><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permalink to Wegen Conchita Wurst: BILD-Politikchef Anda gewinnt Homophobie-Bingo\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3652\" rel=\"bookmark\">Wegen Conchita Wurst: BILD-Politikchef Anda gewinnt Homophobie-Bingo<\/a><\/em><\/span><\/header>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<header id=\"masthead\"><\/header>\n<div id=\"main\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Bitte an den ARD-Vorsitzenden:<br \/>\nLieber Lutz Marmor, bitte retten Sie den ESC. 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