{"id":5457,"date":"2016-03-05T15:26:20","date_gmt":"2016-03-05T13:26:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5457"},"modified":"2019-03-02T13:18:12","modified_gmt":"2019-03-02T11:18:12","slug":"sie-nennen-volker-beck-einen-moralisten-dabei-wollen-sie-nur-dass-er-die-klappe-haelt-dass-wir-die-klappe-halten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5457","title":{"rendered":"Sie nennen Volker Beck einen Moralisten. Dabei wollen sie nur, dass er die Klappe h\u00e4lt. Dass wir die Klappe halten."},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Bei den Gr\u00fcnen sagen jetzt manche, dass sie all das an Michel Friedmann erinnere. Der sei ja auch immer chic angezogen und ein beherzter Moralist gewesen.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>DER SPIEGEL von heute (5.3.2016)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich kann es nicht mehr h\u00f6ren &#8230;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Beck ist Moralist, er ist ein Symbol, daran wird er gemessen.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><span class=\"moreInfo\">Kurt Kister<\/span>, SZ<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Volker Beck ist ein Moralist, der das Fehlverhalten anderer konsequent anklagt und der bedingungslos austeilt.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><em>Neue Westf\u00e4lische<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Der tiefe Fall eines selbstverliebten Moralapostels&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Junge Freiheit<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Der tiefe Fall des Moralapostels Beck&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Vera Lengsfeld<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Der gr\u00fcne Moralist Volker Beck hat ein Drogenproblem&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Der Standart<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Der S\u00fcndenfall des Moralisten Volker Beck&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Reinhard Mohr, BZ<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Beck ist ein Moralist &#8211; und er kann kr\u00e4ftig austeilen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Tagesspiegel<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Moralpolitiker Beck&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Leipziger Volkszeitung<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>&#8222;Seine Moralreden wird man\u00a0 nicht vermissen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Frank Wahlig, SWR<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ein Moralist ist im heutigen Sprachgebrauch jemand, der sich moralisch \u00fcber andere erhebt, jemand, der das Leben der anderen unter moralischen Gesichtspunkten betrachtet, bewertet oder sanktionieren will.<\/p>\n<p>Volker Beck ist das Gegenteil eines Moralisten! Wie nur wenige Politiker in Deutschland hat er konsequent daf\u00fcr gek\u00e4mpft, dass alle Lebensweisen gleichwertig zu behandeln sind. Er hat eben nicht seine Moral \u00fcber die der anderen gestellt, sondern &#8211; wie nur ganz wenige Politiker in Deutschland &#8211; sich auch f\u00fcr die Minderheiten eingesetzt, die seiner eigenen Lebensform traditionell ablehnend gegen\u00fcberstehen. Er hat sich eben nicht als besserer Mensch pr\u00e4sentiert, sondern als einer, der moralische Kategorien und Zurechtweisungen zu \u00fcberwinden versucht. Und er hat, anders als etwa die <em>taz<\/em> behauptet, eben nicht stets &#8222;hohe moralische Anspr\u00fcche&#8220; an die politischen Gegner angelegt, sondern daf\u00fcr gestritten, dass die gleichen Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr alle angelegt werden.<\/p>\n<p>Trotz seiner (ja, man darf das sagen!) historischen Verdienste hat er sich nicht als Heilsbringer oder Jakobswegkuschelschwuler feiern lassen, sondern seine Reputation immer wieder daf\u00fcr eingesetzt, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr schwer Verst\u00e4ndliches einzuwerben. Darunter f\u00fcr viele Dinge, mit denen er pers\u00f6nlich und klientelpolitisch nichts am Hut hatte. (Und deretwegen er deshalb regelm\u00e4\u00dfig Pr\u00fcgel von allen bezog.)<\/p>\n<p>Er ist auch deswegen schon eher eine Art Anti-Moralist, weil er im Endeffekt nicht zwischen gut und b\u00f6se unterschieden hat, sondern zwischen gerecht und ungerecht. Er ist &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; ein Rechts-Fetischist, kein Recht-Haber sondern ein Rechte-Kenner &amp; -Erkl\u00e4rer, jemand, der Menschenrechte universell und nicht opportunistisch eingefordert hat. Die Emotionalit\u00e4t seiner Rethorik hatte viel zu tun mit der Leidenschaft, mit der er klug, meinetwegen manchmal auch etwas altklug, aber eben sachlich mit rationalen Argumenten gegen die Doppelmoral der Demagogen anredete.<\/p>\n<p>Wie wichtig Rationalit\u00e4t in diesen Tagen ist (und gerade in der hassaufgeladenen Diskussion um Fl\u00fcchtinge), hat Claudius Seidl, <span class=\"st\">Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung,<\/span> vor ein paar Tagen in der rbb-Talksendung <em>Thadeusz und die Beobachter. <\/em>erkl\u00e4rt:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir sehen Amoral, wir sehen Leute, die sind so kalt und b\u00f6se, dass wir es nicht fassen k\u00f6nnen, und glauben, dass alles, was sozusagen Widerspruch ist, muss moralisch begr\u00fcndet werden. Und so kommen wir dazu, dass nun seit dem sp\u00e4ten Sommer die vermeintliche Amoral gegen die vermeintliche Moral steht. Wo man also kaum \u00fcber die ganzen Fragen, die mit dem Fl\u00fcchtlingszuzug zusammen h\u00e4ngen rational und k\u00fchl reden kann, weil man sofort auf das Feld der Moral getrieben wird, und da m\u00f6chte man nicht hin. Man will nat\u00fcrlich ein guter Mensch sein und nat\u00fcrlich auf keinen Fall etwas mit diesen komplett b\u00f6sen Menschen zu tun haben. Es l\u00e4sst sich aber nicht alles mit Moral analysieren. (&#8230;) Ich w\u00fcrde sagen, Widerstand hei\u00dft, dieser v\u00f6llig irrationalen Amoral Rationalit\u00e4t entgegen zu halten und nicht immer nur Moral.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das, was Seidl da einfordert, scheitert in der politischen Auseinandersetzung fast immer daran, dass kaum ein deutscher Politiker f\u00e4hig oder bereit ist, eine entsprechende Debatte rational und konstruktiv zu bestreiten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich SPD-Politiker weigern, sich im Wahlkampf in eine Talkshow mit AfD-Mitgliedern zu setzen, w\u00e4hrend der S\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident schon an den zivilisatorischen Grundprinzipien scheitert und die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Moralkeule gegen die Hetzer kreisen l\u00e4sst (&#8222;Das sind keine Menschen&#8220;), konnte in der letzten Zeit alleine Volker Beck beweisen, dass das, was Seidl da fordert, tats\u00e4chlich m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Er tat das vor einer guten Woche in einem TV-Rededuell, auf das er sich mit der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry eingelassen hatte. Und er machte das nicht eben gut. Er war brillant. Andreas Petzold, der Herausgeber des <em>stern<\/em> schrieb anschlie\u00dfend:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es hilft nichts &#8211; es m\u00fcssen Argumente her,\u00a0 um die simplen Politik-Losungen der Petry-Truppe als untauglich zu entlarven. Wie das geht, hat Volker Beck, innenpolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen Bundestagsfraktion, am Montagabend vorgef\u00fchrt. In der Phoenix-Sendung &#8222;Unter den Linden&#8220; trat er im direkten Duell gegen die AfD-Vorsitzende Frauke Petry an. Insgesamt auch f\u00fcr die scheuen Sozialdemokraten ein h\u00fcbsches Lehrst\u00fcck, wie man den politischen Gegner auf der glitschigen B\u00fchne einer Livesendung lang hinschlagen l\u00e4sst.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Volker Beck, der gefeierte Held der Argumente. Das Musterbeispiel des rationalen Politikers.<\/p>\n<p>Nur eine gute Woche sp\u00e4ter ist er das genaue Gegenteil.<\/p>\n<p>Er ist der Moralist, der er angeblich immer schon immer war. Und der damit &#8211; selbst im Urteil derjenigen, die es angeblich gut mit ihm meinen &#8211; seine eigene Fallh\u00f6he definiert hat.<\/p>\n<p>Es ist erstaunlich, wie sehr und wie schnell auch schwule Meinungsf\u00fchrer diese Lesart \u00fcbernommen haben. Wie sehr sie sich anstrengen, die Schnellsten zu sein, die ihn unter die Erde bringen. Schneller noch als die erkl\u00e4rten Feinde der LGTBI-Emanzipationsbewegung . &#8222;Es ist h\u00f6chste Zeit f\u00fcr einen Generationenwechsel!&#8220; schreibt Micha Schulze auf queer.de nicht mal einen Tag nach dem Bekanntwerden der Vorw\u00fcrfe, w\u00e4hrend der Bloggerkollege Steven Milverton Lesben und Schwulen r\u00e4t, &#8222;Volker Beck nicht nachzutrauern, sondern schnellstm\u00f6glicht einen Schlussstrich zu ziehen und nach vorne zu schauen&#8220;, und das sch\u00f6ne Bonmot von all den Friedh\u00f6fen zitiert, die &#8222;voller unentbehrlicher M\u00e4nner&#8220; sind.<\/p>\n<p>Das mag ja alles sein <em>(und die Forderung, dass \u00fcber die Zukunft der LGTBI-Bewegung grunds\u00e4tzlich gestritten werden muss, ist ja auch seit Jahren einer der durchlaufenden F\u00e4den dieses Blogs)<\/em>. Und nat\u00fcrlich muss dabei auch \u00fcber die Rolle von Volker Beck und die zuk\u00fcnftige Rolle seines Lebenswerkes <a href=\"https:\/\/www.lsvd.de\/\">LSVD<\/a> gestritten werden.<\/p>\n<p>Aber doch nicht jetzt im Affekt. Und vor allem nicht unter den Vorzeichen, die gerade die Gegner der Emanzipation mit aller Macht in die Debatte dr\u00fccken wollen!<\/p>\n<p>Wer sich jetzt moralisch \u00fcber Volker Beck erhebt, weil dieser angeblich ein Moralist gewesen sei, will nicht sehen, was Volker Beck da eigentlich all die Jahre gemacht hat.<\/p>\n<p>Das, was sie Moralismus nennen, ist in Wahrheit Best\u00e4ndigkeit, Hartn\u00e4ckigkeit, Prinzipienfestigkeit und die Bereitschaft, sich f\u00fcr die Sache auch unbeliebt zu machen.<\/p>\n<p>Weil man immer wieder verst\u00e4ndlich machen muss, was andere nicht verstehen wollen. Weil sie uns nicht so wollen, wie wir sind.<\/p>\n<p>Das nervt, weil Aktivismus nervt, nerven muss.<\/p>\n<p>Wer jetzt Volker Becks Verdienste lobt, aber eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Distanz einnimmt zu der Art, wie er sie erreicht hat, der muss sich bewusst machen, dass diese Verdienste ohne diese Art so nicht vorstellbar sind. Das gilt vor allem f\u00fcr die, die nie ein Risiko eingegangen sind, die nie einen Nachteil in Kauf genommen haben, auch wenn es nur der war, bei manchen Leuten etwas weniger Darling sein zu d\u00fcrfen. Die aber trotzdem von all dem profitieren, was Volker Beck und all die anderen nervenden Leute f\u00fcr sie erreicht haben.<\/p>\n<p>Was sie, die anderen, die politischen und feuilletonistischen Homorechte-Relativierer Moralismus nennen, ist in Wahrheit nichts anderes als die Edelfeder-Version der Stammtisch-&#8222;Ich hab ja nichts gege Schwule, aber&#8220;-Parole. Eine seufzende Hoffnung, dass jetzt endlich bald mal Schuss ist mit dem anstrengenden Gemeckere und Geschreie der Homos, die doch jetzt wirklich langsam mal froh und dankbar sein sollen f\u00fcr das, was man f\u00fcr sie gemacht hat.<\/p>\n<p>Dankbar daf\u00fcr, dass man sie ertr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Volker Beck soll endlich seine Klappe halten. Die Schwuchteln sollen endlich ihre Klappe halten.<\/p>\n<p>No way!\u00a0 \u2666<\/p>\n<p><strong>&#8212;<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Mehr zum Thema in diesem Blog:<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5426\">Solidari\u00e4t mit Volker Beck!<\/a><\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Mehr in diesem Blog zu Medien und Homophobie:<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3532\">BamS macht Frauen- und Homohasser Pirin\u00e7ci zum Genie<\/a><\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permalink to Schwulenwitze im \u201eSatiregipfel\u201c: Ist Dieter Nuhr nur ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndis?\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=3576\" rel=\"bookmark\">Schwulenwitze im \u201eSatiregipfel\u201c: Ist Dieter Nuhr nur ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndis?<\/a><\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permalink to \u201cRufmord\u201d-Beschwerde beim Presserat. 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