{"id":5973,"date":"2016-05-09T15:47:30","date_gmt":"2016-05-09T13:47:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5973"},"modified":"2019-03-02T13:18:12","modified_gmt":"2019-03-02T11:18:12","slug":"die-ehe-fuer-alle-waere-ein-geschenk-der-gesamtgesellschaft-an-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5973","title":{"rendered":"Die &#8222;Ehe f\u00fcr Alle&#8220; w\u00e4re ein Geschenk der Gesamtgesellschaft an sich selbst"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen habe ich auf einer Veranstaltung etwas \u00fcber Homophobie erz\u00e4hlt und \u00fcber die Notwendigkeit, dagegen etwas zu tun. Anschlie\u00dfend kam ein netter \u00e4lterer Herr &#8211; ich glaube er war Historiker &#8211; auf mich zu. Er sagte mir, dass er meine Ansichten grunds\u00e4tzlich teile, dass aber das Hauptproblem in Sachen Homophobie zur Zeit die gro\u00dfe Zahl an Menschen sei, die gerade aus einem anderen Kulturkreis zu uns kommen. Und dass deswegen die Bundesregierung dringend eine entsprechende Aufkl\u00e4rungskampange f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge starten sollte.<\/p>\n<p>Ich entgegnete ihm, dass ich nichts gegen eine &#8211; gut gemachte &#8211; Aufkl\u00e4rungskampagne h\u00e4tte, allerdings nicht nur f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Und dann fragte ich ihn, ob unsere Gesellschaft nicht die Gleichwertigkeit von Homosexuellen am allerbesten gegen\u00fcber Menschen aus anderen Kulturkreisen dadurch unterstreichen w\u00fcrde, wenn sie Lesben und Schwulen hier, also im eigenen Kulturkreis, auch die gleichen Rechte zugestehen w\u00fcrde. Ich fragte ihn, ob wir uns gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen nicht unglaubw\u00fcrdig verhalten w\u00fcrden, wenn wir ihnen pr\u00e4ventiv eine Diskriminierungsbereitschaft unterstellen, w\u00e4hrend die Gesellschaft, die diese ja gerade erst kennenlernen, nicht mal in der Lage ist, die offensichtlichste (und dazu noch ohne gro\u00dfen Aufwand, Geld und Zeit ganz einfach zu beendende) Diskriminierung aufzuheben. Warum wir uns nicht gemeinsam daf\u00fcr einsetzen, die &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; einf\u00fchren?<\/p>\n<p>Der Mann stutzte, dachte ein paar Momente nach. Dann sagte er &#8222;stimmt&#8220; oder so was \u00e4hnliches, und dann allen Ernstes: &#8222;Gibt es denn in Europa schon Beispiele, wo das schon mal probiert worden ist?&#8220; Nat\u00fcrlich kann ich meine Antwort darauf den meisten Lesern dieses Blogs ersparen. Trotzdem, weil wir es leider immer wieder sagen m\u00fcssen: &#8222;Ja, in Westeuropa fast \u00fcberall, und in Holland schon se<span style=\"color: #000000;\">it <a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=25868\">15 Jahren<\/a>.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Ich glaube es liegt nicht so sehr an den &#8222;Ich hab ja nichts gegen, aber-&#8220; B\u00fcrgern, dass Deutschland eine der weltweit erfolgreichen B\u00fcrgerrechtsentwicklungen der letzten Jahrzehnte schlichtweg verschl\u00e4ft.<\/p>\n<p>Es liegt eher an dieser viel gr\u00f6\u00dferen Gruppe der &#8222;normal-liberalen&#8220;, der vielen, vielen grunds\u00e4tzich aufgeschlossenen Menschen in diesem Land, an Menschen wie diesem Herrn. An Menschen, die, w\u00fcrden sie sich nur eine Minute \u00fcber die &#8222;Ehe f\u00fcr Alle&#8220; informieren, w\u00fcrden sie sich \u00fcber sie nur eine Minute ernsthaft Gedanken machen, zu dem Schluss kommen w\u00fcrden &#8211; und sich vielleicht sogar daf\u00fcr engagieren &#8211; dass sie jetzt endlich mal passiert.<\/p>\n<p>Wenn.<\/p>\n<p>Die &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; hat in Deutschland nicht das Problem, dass so viele dagegen sind. Sie hat das Problem, dass so wenige daf\u00fcr sind. Weil es f\u00fcr sie einfach kein Thema ist.<\/p>\n<p>Hinzu kommt absurderweise, dass diese &#8222;Kein Thema&#8220;-Haltung auch bei den Leuten weit verbreitet ist, die eigentlich gl\u00fchende Unterst\u00fctzer der rechtlichen Gleichstellung sind. Weil sie der Meinung sind, dass es diese schon l\u00e4ngst gibt. So ist das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lebenspartnerschaftsgesetz\">Lebenspartnerschaftsgesetz<\/a>, einst von vielen als Motor f\u00fcr die f\u00fcr die Gleichstellung unterst\u00fctzt, heute eine ihrer gr\u00f6\u00dften Bremsen. Das liegt zum einen daran, dass man Hetero-Journalisten nicht oft genug erkl\u00e4ren kann, dass etwa Guido Westerwelle nach seinem eigenen Empfinden (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2016-04\/guido-westerwelle-trauerfeier-koeln-angela-merkel-beerdigung\">und dem der Kanzlerin<\/a>) zwar einen Mann hatte, aber eben keinen <em>Ehe<\/em>mann. Weil das eben in Deutschland nicht geht.<\/p>\n<p>Es hat aber auch damit zu tun, dass diese Journalisten offensichtlich denken, das Beharren auf die korrekte Bezeichnung sei blo\u00df eine Spitzfindigkeit. Ist es aber nicht. Denn ihnen m\u00fcsste\u00a0 doch einleuchten, dass das bewusst h\u00e4ssliche Wort &#8222;Verpartnern&#8220;, das sie ihren Lesern ersparen m\u00f6chten, eben den Homosexuellen nicht erspart wird, die ihre Beziehung vor dem Gesetz besiegeln wollen. Und dass es vor allem einen Grund daf\u00fcr gibt, dass nicht nur das Wort h\u00e4sslich ist, sondern auch, was es besagt: N\u00e4mlich u.a., dass dieser Bund f\u00fcr das Leben eben kein Bund ist, dessen Schutz der Staat so garantiert, wie er es bei den Heteros tut:<\/p>\n<p>Wissen diese Journalisten nicht (oder ist es ihnen einfach egal?), dass das Lebenspartnerschaftsgesetz mit einer einfachen Mehrheit im Bundestag einfach wieder kassiert werden kann? Und dass konservative Politiker immer wieder genau <a href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=19591\">damit drohen<\/a>?<\/p>\n<p>Nein, di<span style=\"color: #000000;\">e <span style=\"color: #333399;\"><a style=\"color: #333399;\" href=\"http:\/\/Diese Hochzeit war zum Heulen sch\u00f6n\">&#8222;Hochzeit von Patrick Lindner&#8220;<\/a><\/span> war nic<\/span>ht\u00a0 &#8222;zum Heulen sch\u00f6n&#8220;. Es war gar keine. Und wer das trotzdem so schreibt, stellt sich auf die Seite derer, die sicherstellen wollen, dass so eine Hochzeit auch weiterhin nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Doch die Situation ist noch vertrackter.<\/p>\n<p>Es gibt n\u00e4mlich nicht nur die Gleichstellungs-Bef\u00fcrworter, die sich nicht f\u00fcr die Gleichstellung einsetzen, weil sie denken, dass sie schon da sei. Es gibt auch die, die denken, dass sie nichts daf\u00fcr tun m\u00fcssen, weil sie sowieso bald kommen wird. Aber, obwohl das viele glauben: Es gibt keine bevorstehende Verfassungsgerichtsentscheidung, die das Thema regeln wird. Und es wird sie auch wohl auf absehbare Zeit nicht geben.<\/p>\n<p>Bleibt noch die Politik.<\/p>\n<p>Und hier wird es jetzt ganz \u00fcbel. Denn bis vor Kurzem galt es auch unter hartn\u00e4ckigen K\u00e4mpfern f\u00fcr die &#8222;Ehe f\u00fcr Alle&#8220; als sehr wahrscheinlich, dass diese nach der Bundestagswahl sowieso realisiert w\u00fcrde. Nocheinmal w\u00fcrde die SPD unter Merkel nicht einknicken. Und f\u00fcr den nicht unwahrscheinlichen Fall einer Merkel-Regierung mit Beteiligung der Gr\u00fcnen (ob als Schwarz-Gr\u00fcn, Schwarz-Rot-Gr\u00fcn, Schwarz-Gelb-Gr\u00fcn) k\u00f6nnten es sich diese nicht erlauben, ihre Homo-Klientel im Regen stehen zu lassen.<\/p>\n<p>Doch genau das ist gerade in Baden-W\u00fcrttemberg bei den Koalitionsverhandlingen mit der CDU passiert. <span style=\"color: #000000;\"><em>(Die Bloggerkollegen<span style=\"color: #003366;\"> <a style=\"color: #003366;\" href=\"https:\/\/samstagisteingutertag.wordpress.com\/2016\/05\/02\/schwarz-gruener-sargnagel\/\">Rainer H\u00f6rmann<\/a>, <a style=\"color: #003366;\" href=\"http:\/\/stevenmilverton.com\/2016\/05\/schwule-kommen-bei-den-buendnisgruenen-nicht-mehr-vor\/\">Steven Milverton<\/a>,<\/span> sowie nat\u00fcrlich <span style=\"color: #003366;\"><a style=\"color: #003366;\" href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=26050\">queer.de<\/a><\/span> haben es ausf\u00fchrlich aufgeschrieben und kommentiert.)<\/em><\/span><\/p>\n<p>Und warum sollten die Gr\u00fcnen, wenn sie schon in einer Landesregierung\u00a0 der Union in Sachen Homo-Rechte nachgeben (und dann noch in einer, in der sie sogar den Chef stellen!), warum sollten sie das in einer Bundesregierung nicht auch tun? (Vor allem, was gut passieren kann, wenn der zur Zeit wichtigste Gleichstellungsk\u00e4mpfer Volker Beck nicht im n\u00e4chsten Bundestag sitzen wird..)<\/p>\n<p>Der Gr\u00fcnen-Poliker Boris Palmer, einer der profiliertesten <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.bundestagswahl-2017-palmer-bringt-schwarz-gruen-ins-spiel.6fb92021-4f90-4e40-ad11-bd158fd1d9dc.html\">Vorbereiter einer schwarz-gr\u00fcnen\u00a0 Koalition<\/a>\u00a0 nach der n\u00e4chsten Bundestagswahl, hat dem m\u00f6glichen Koalitionspartner CDU\/CSU schon vor einem Jahr signalisiert, dass man f\u00fcr dessen Homobashing schon irgendwie Verst\u00e4ndnis haben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>In einem (nicht etwa an die Union, sondern an die von ihr attackierten Minderheiten gerichteten) Appell mit der \u00dcberschrift <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/boris-palmer-zeit-fuer-unverkrampfte-emanzipation-13666269.html\">&#8222;Entspannt Euch&#8220;<\/a> fand er:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es hilft der Sache nicht, den Vorwurf der Homophobie sofort auszupacken, wenn man (&#8230;) an der (weitgehend von der Wirklichkeit \u00fcberholten) Vorstellung einer besonderen Vorrangstellung der Ehe festh\u00e4lt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Welche nicht-homophoben Vorstellungen m\u00f6gen das sein?<\/p>\n<p>Alle zur Zeit auf dem Markt befindlichen Argumente gegen die Gleichstellung homosexueller Liebe laufen darauf hinaus, dass diese entweder &#8222;defizit\u00e4r&#8220; sei, die Familie gef\u00e4hrde, oder die Wertvorstellungen und die Verfasstheit der Gesellschaft infrage stelle. Was daran ist nicht homophob? Was habe ich da nicht mitbekommen?<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte ja Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn Palmer daf\u00fcr pl\u00e4dieren w\u00fcrde, dass man auch die homophoben Hardliner versucht, in eine gerechtere Welt mitzunehmen. Wenn man versuchen w\u00fcrde, ihnen zu erkl\u00e4ren, dass ihre \u00c4ngste unbegr\u00fcndet sind, dass sich durch die &#8222;Homo-Ehe&#8220; nichts, aber auch gar nichts in ihrem Leben \u00e4ndern werde, au\u00dfer, dass die homosexuellen Jugendlichen, die es bestimmt in ihrer Familie, ihrer Nachbarschaft, oder sonst in ihrer n\u00e4heren Umgebung gibt, dass es f\u00fcr diese Jugendlichen eine freiere, selbstbestimmte Zukunft geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber ich habe keinerlei Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn ein Gr\u00fcnen-Politiker den Homophoben erkl\u00e4rt, sie seien gar nicht homophob. Wenn er all denen, die sich gerade gr\u00f6\u00dfte M\u00fche geben, den Unterschied zwischen Meinung und Ressentiment zu erkl\u00e4ren, in den R\u00fccken f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat es die Union zu verantworten, dass Homosexuellen in Deutschland immer noch gleiche Rechte verwehrt werden. Ich habe in den letzten Jahren an vielen Stellen versucht darzustellen, welche Funktion Lesben und Schwule, beziehungsweise die Abwertung von Lesben und Schwulen, f\u00fcr den identit\u00e4ren Kern und das Machtkalk\u00fcl der Unionsparteien hat. <span style=\"color: #000000;\"><em>(u.a. hier: <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1442\">&#8222;Bei der Diskussion in der Union \u00fcber Homosexuelle geht es um alles M\u00f6gliche, nur nicht um Homosexuelle.&#8220;<\/a>, weitere Links hinter diesem Beitrag)<\/em><\/span><\/p>\n<p>Aber auch das Versagen der SPD spielt eine gro\u00dfe Rolle. Die Sozialdemokraten haben bei den letzten Koalitionsverhandlungen im Bund\u00a0 fast alle ihre Kernforderungen durchbekommen. Ausgerechnet beim Thema Gleichstellung haben sie dann schlappgemacht. Es hie\u00df dann, man h\u00e4tte sich an diesem Punkt eben nicht durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber wollte man das wirklich, war man wirklich bereit, f\u00fcr Lesben und Schwule etwas zu riskieren?\u00a0 War man nicht eigentlich froh, mit dem Finger auf die Union zeigen zu k\u00f6nnen, und dadurch das gebeutelte strukturkonservative Traditionssozialdemokratentum nicht noch weiteren Zumutungen aussetzen zu m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Als der amerikanis<span style=\"color: #000000;\">che Pr\u00e4sident Obama am 25. April in Hannover die Rede hielt, die allgemein als <span style=\"color: #333399;\"><a style=\"color: #333399;\" href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/the-press-office\/2016\/04\/25\/remarks-president-obama-address-people-europe\">Pl\u00e4doyer f\u00fcr ein starkes Europa<\/a> <\/span>ge<\/span>halten wurde, machte er sehr klar, welches die Grundprinzipien dieser St\u00e4rke sind:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;The world depends upon a democratic Europe that upholds the principles of <strong class=\"markup--strong markup--p-strong\">pluralism and diversity and freedom<\/strong> that are our common creed. As free peoples, we cannot allow the forces that I\u2019ve described\u200a\u2014\u200afears about security or economic anxieties\u200a\u2014\u200ato undermine our commitment to the universal values that are the source of our strength.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Neben der Freiheit sind es nach Obama also Pluralit\u00e4t und Vielfalt, die ein starkes Europa ausmachen.\u00a0 Und zwar nicht als Ged\u00f6ns, nicht als Almosen der Gesellschaft f\u00fcr ihre Minderheiten. Sondern als universale Werte, die unseren Kontinent stark machen und die es zu verteidigen gilt.<\/p>\n<p>Aber Obama wurde konkreter. Nach nicht einmal drei Minuten Redezeit (und somit fast unmittelbar im Anschluss an die Lobhudelei f\u00fcr Angela Merkel und Deutschland) sagte er:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Perhaps most importantly, we believe in the equality and inherent dignity of every human being. Today in America, people have the <strong class=\"markup--strong markup--p-strong\">freedom to marry<\/strong> the person that they love.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Freiheit den zu heiraten, den man liebt. Die &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; als ein Grundprinzip der Menschenw\u00fcrde. Das ist so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was man in den Unionsparteien als\u00a0 ein Grundprinzip ihres &#8222;konservativen Markenkerns&#8220; verteidigt.<\/p>\n<p>Obama wei\u00df das. Und vieles spricht daf\u00fcr, dass er die starke Betonung der rechtlichen Gleichstellung (und das Eingehen auf Homosexuelle \u00fcberhaupt) nicht trotz, sondern wegen seines Wissens um die Position der Kanzlerin manifestiert hat: Die Tatsache, dass er mit &#8222;freedom to marry&#8220; seine ganze Auflistung wichtiger Werte beginnt, die Tatsache, dass er mehrmals darauf zur\u00fcckkommt und &#8222;diversity&#8220; und &#8222;equality&#8220; immer wieder als roten Faden seiner ganzen Argumention aufnimmt. (Und dass er scherzhaft, f\u00fcr alle die es immer noch nicht begriffen haben, neben dem Fussball ausgerechnet den Eurovision Song Contest als Forum europ\u00e4ischer Debatten herausstellt.)<\/p>\n<p>In den Medien taucht dieses deutliche Anliegen Obamas in seiner wohl letzten Rede als Pr\u00e4sident in Deutschland so gut wie gar nicht auf. DPA hat sogar die Passage, in der es um die &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; geht, explizit aus ihrer recht \u00fcppigen Redezusammenfassung <a href=\"http:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/704396\/obamas-rede-in-hannover-wir-brauchen-ein-starkes-europa-1\">ganz rausgestrichen<\/a> (und den ESC nat\u00fcrlich gleich mit).<\/p>\n<p>Obama redet bei seinem letzten Auftritt als Pr\u00e4sident den Deutschen in Sachen rechtlicher Gleichstellung ins Gewissen. Muss man nicht so sehen. Aber ist es nicht komisch, dass so gut wie keinem Medium es ein Gedanke Wert ist, dass man es so sehen k\u00f6nnte? Wenn es schon der amerikanische Pr\u00e4sident nicht schafft? Was muss denn noch passieren, damit die &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; in Deutschland zum Thema wird?<\/p>\n<p>Der SPD-Vorsitzende Gabriel hat heute auch eine Grundsatzrede zum Them<span style=\"color: #000000;\">a <span style=\"color: #333399;\"><a style=\"color: #333399;\" href=\"http:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/politik\/inland\/gabriel-will-gerechtigkeits-debatte-100.html\">Werte und Gerechtigkeit<\/a><\/span> geh<\/span>alten. Im fielen dazu viele der Themen ein, die Obama auch genannt hatte: Klimawandel, gleiche L\u00f6hne, Rassismus, Internationalisierung, Bildung .. .<\/p>\n<p>Gabriel betonte, dass &#8222;Freiheit und selbstbestimmtes Leben Kern einer sozialdemokratischen Politik&#8220; sei. Und dann brachte er das unglaubliche Kunstst\u00fcck fertig, bei einer Rede, bei der es um Gerechtigkeit, um Freiheit, um selbstbestimmtes Leben ging, bei einer Rede, bei der er erkl\u00e4rte, dass all diese Dinge existenziell f\u00fcr den zuk\u00fcnftigen Erfolg der SPD seien, kein einziges mal auf die (\u00fcberall sonst in der westlichen Welt entweder bereits hergestellte oder gerade umk\u00e4mpfte) rechtliche Gleichstellung f\u00fcr Homosexuelle einzugehen.<\/p>\n<p>Was soll man machen, wenn die Sozialdemokraten im n\u00e4chsten Wahlkampf wieder plakatieren werden, dass es gleiche Rechte nur mit ihnen geben werde? Was soll man machen, wenn SPD Politiker wie Johannes Kahrs im Bundestag der Union<a href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=25608\"> damit drohen<\/a>, man k\u00f6nne die Gleichstellung ja zur Not aufgrund der linken Mehrheit im Bundestag auch gegen sie einf\u00fchren? Soll man sie einfach auslachen die Sozis? Oder soll man einfach nur heulen, weil die ehemalige gro\u00dfe fortschrittliche Volkspartei Deutschlands nicht kapiert, worum es beim Fortschritt eigentlich geht.<\/p>\n<p>Emanzipation, Gerechtigkeit f\u00fcr Minderheiten ist keine Klientelpolitik. Es ist nicht so, dass es da eine Mehrheit gibt, die einer diskriminierten Minderheit erlaubt, so zu sein wie sie. Fortschritt hei\u00dft, dass sich die gesamte Gesellschaft nach vorne bewegen kann, Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten hinter sich lassen kann. Die &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; w\u00e4re kein Privileg f\u00fcr Lesben und Schwule. Sie w\u00fcrde nur etwas richtig stellen, was noch nicht richtig ist. Sie w\u00fcrde die Gesamtgesellschaft st\u00e4rken, weil sie sich selber beweisen k\u00f6nnte, dass sie ihre Freiheitsrechte als universelle Rechte begreift.<\/p>\n<p>Eigentlich sind Lesben und Schwule das beste, dass der SPD gerade passieren kann. Die Sozialdemokraten k\u00f6nnte sich die Gleichstellung Homosexueller ganz oben auf die Fahne schreiben. Nicht wegen der Homosexuellen. Sondern weil sie zeigen k\u00f6nnte, dass sie noch eine besondere Kompetenz in Sachen Gerechtigkeit haben. Dass sie bereit sind, daf\u00fcr etwas zu riskieren.<\/p>\n<p>Lesben und Schwule m\u00fcssen sich daran gew\u00f6hnen, dass sie in Sachen Gleichstellung weder auf die Medien, noch auf Politik und Justiz rechnen k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen aufh\u00f6ren, Bittsteller zu sein, verstehen, dass sie keine Sonderrechte wollen, sondern einfach nur ihre Rechte. Ihre Verb\u00fcndeten sind nicht die Parteien in diesem Land, sondern die Menschen.<\/p>\n<p>Die Menschen in den meisten anderen gro\u00dfen westlichen L\u00e4ndern haben verstanden, dass die &#8222;Ehe f\u00fcr Alle&#8220; kein Geschenk an Lesben und Schwule ist. Sondern\u00a0 ein Geschenk der Gesamtgesellschaft an sich selbst. Ein Geschenk, f\u00fcr das es sich zu engagieren lohnt.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass die Deutschen das auch verstehen w\u00fcrden. Wenn es endlich Thema w\u00e4re. \u2666<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Im letzten Jahr hat sich eine breitaufgestellte partei- und verbandsunabh\u00e4ngige &#8222;Initiative Ehe f\u00fcr Alle&#8220; gegr\u00fcndet, die sich demn\u00e4chst der \u00d6ffentlichkeit mit einer gro\u00dfen Informations- und Aktionskampagne vorstellen wird.\u00a0 Die Initiative sucht unter <span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/www.ehefueralle.de\/\"><strong>ehefueralle.de<\/strong><\/a> <\/span>freiwillige Helfer, Privatpersonen, Organisationen und Unternehmen als Unterst\u00fctzer.<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Mehr in diesem Blog zum Thema:<\/em><\/span><\/p>\n<header id=\"masthead\"><\/header>\n<div id=\"main\">\n<section id=\"primary\">\n<div id=\"content\">\n<article id=\"post-1614\">\n<header><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #000000;\" title=\"Permanentlink zu Auf jede Schwule Ehe stolz sein!\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1614\" rel=\"bookmark\">&#8222;Auf jede Schwule Ehe stolz sein!<\/a>&#8222;<\/em><\/span><\/header>\n<header><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #000000;\" title=\"Permanentlink zu Die schmutzige Geschichte des Anti-Gleichstellungskampfes der CSU\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4545\" rel=\"bookmark\">Die schmutzige Geschichte des Anti-Gleichstellungskampfes der CSU<\/a><\/em><\/span><\/header>\n<header><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #000000;\" title=\"Permanentlink zu Die schmutzige Geschichte des Anti-Gleichstellungskampfes der CSU\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4545\" rel=\"bookmark\">\u201eEhe f\u00fcr Alle\u201c: Ein offener Brief an Roman Herzog<\/a><\/em><\/span><\/header>\n<header><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #000000;\" title=\"Permanentlink zu Die schmutzige Geschichte des Anti-Gleichstellungskampfes der CSU\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4545\" rel=\"bookmark\">&#8222;Konstruierte Provokation\u201c: Die WELT erkl\u00e4rt die Bedeutung der Diffamierung von Homosexuellen f\u00fcr den CSU-Wahlkampf<\/a><\/em><\/span><\/header>\n<header><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4488\">Sch\u00e4me Dich, Deutschland!<\/a><\/span><\/em><\/header>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Die &#8222;Ehe f\u00fcr Alle&#8220; w\u00e4re kein Privileg f\u00fcr Lesben und Schwule. Sie w\u00fcrde nur etwas richtig stellen, was noch nicht richtig ist. Sie w\u00fcrde die Gesamtgesellschaft st\u00e4rken, weil sie sich selber beweisen k\u00f6nnte, dass sie ihre Freiheitsrechte als universelle Rechte begreift.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6033,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[162,173,119,74,1],"tags":[115,87,89],"class_list":["post-5973","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-162","category-das-wichigste-aus-zehn-jahren","category-ehe-fuer-alle","category-medien","category-politik","tag-angela-merkel","tag-cdu-csu","tag-spd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5973","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5973"}],"version-history":[{"count":134,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5973\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6130,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5973\/revisions\/6130"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5973"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5973"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5973"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}