{"id":7074,"date":"2016-09-06T19:37:59","date_gmt":"2016-09-06T17:37:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7074"},"modified":"2019-03-02T13:13:33","modified_gmt":"2019-03-02T11:13:33","slug":"die-verschwoerung-der-opernschwulen-die-fas-und-die-kunst-der-gediegenen-homohetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7074","title":{"rendered":"Die Verschw\u00f6rung der Opernschwulen: Die FAS und die Kunst der gediegenen Homohetze"},"content":{"rendered":"<p>Nein, FAZ und FAS sind keine durch und durch homophoben Medien. Und doch verdienen sie einen Sonderpreis innerhalb des seit seit einigen Jahren boomenden &#8222;Ich hab ja nichts gegen Homosexuelle, aber&#8220;-Journalismus: Den f\u00fcr die hohe Kunst der gediegenen Homohetzerei.<\/p>\n<p>Immer wieder gelingt es ihnen, \u00fcble Homo-Ressentiments so kunstvoll mit edlen Schreibgirlanden\u00a0 aufzuh\u00fcbschen, dass sie auch von ihrer erlesenen Leserschaft antizipiert werden k\u00f6nnen. Der Aufgabe, Homophobie f\u00fcr die gebildeten Kreise so aufzubereiten, dass diese sich mit ihr identifizieren und gleichzeitig von ihr distanzieren k\u00f6nnen, hat diesmal die bekennend heterosexuelle Opernkritikerin Eleonore B\u00fcning \u00fcbernommen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buehne-und-konzert\/was-finden-homosexuelle-an-der-oper-so-toll-14419197.html#lesermeinungen\">Ihrem Beitrag in der <em>Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung<\/em><\/a> hat sie die Frage vorangestellt, was denn &#8222;Homosexuelle an der Oper so toll&#8220; finden. Doch daf\u00fcr interessiert sie sich in Wirklichkeit gar nicht, denn dazu sei alles gesagt:<\/p>\n<p>&#8222;Das Thema ist durch.&#8220;<\/p>\n<p>Warum sie aber all das, wor\u00fcber es nichts zu sagen gibt, dennoch sagt, ja warum sie den ganzen Artikel \u00fcberhaupt geschrieben hat, in dem sie ein vermeintlich wohlmeinendes &#8211; weil vermeintlich homofreundliches &#8211; Klischee an das andere reiht (sie unterscheidet gar zwischen homosexuell und heterosexuell &#8222;begabten&#8220; Mitmenschen&#8220;) zeigt sich erst im letzten Absatz.<\/p>\n<p>Einem Absatz, von dem sie wahrscheinlich denkt, dass er gar nicht so b\u00f6se verstanden werden kann, weil ja vorher &#8211; also vor dem &#8222;aber&#8220; &#8211; so vieles steht, was sie nicht gegen Schwule zu haben gedenkt.<\/p>\n<p>Doch der letzte Akt, die eigentliche Botschaft ihres Artikels, ist b\u00f6ser, homophober, wie er nicht sein kann. Und er \u00e4hnelt (<a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1088\">wie nicht zum ersten mal in FAZ\/FAS<\/a>) einer vom Antisemitismus her bekannten Argumentationslogik. Hier ist es die der unheilvollen Macht einer sich verschw\u00f6renden Minderheit, die sie operettenhaft &#8211; damit es nicht ganz so arg klingt &#8211;\u00a0 &#8222;homosexuelle Vetterleswirtschaften&#8220; nennt, ihr aber gleichzeitig \u00fcbelste Arglist unterstellt:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Und ganz \u00fcbel ist es, dass die Sopranistin Tamar Iveri die Desdemona am Opernhaus in Sydney nicht singen durfte, wegen einer angeblich homophoben Bemerkung, die auf ihrer Facebookseite gepostet wurde, und das nicht mal von ihr selbst.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Alles an dieser Argumentation besitzt den bemerkenswerten Grad von Desinformation und T\u00e4ter-Opfer-Umkehrung, wie wir das von FAZ und FAS bei LGBTI-Themen kennen, beispielsweise beim Wettern gegen die sexuelle Vielfalt in den Bildungspl\u00e4nen. (Zur Auffrischung kann ich nur immer wieder Alexander von Beymes Blogbeitrag <a href=\"http:\/\/www.alexandervonbeyme.net\/2014\/10\/16\/unter-dem-deckmantel-des-journalismus\/\">&#8222;Unter dem Deckmantel des Journalismus&#8220;<\/a> empfehlen).<\/p>\n<p>Anders als Eleonore B\u00fcning behauptet, handelt es bei dem von ihr erw\u00e4hnten Facebook-Post eben nicht um eine &#8222;angeblich homophobe Bemerkung&#8220;, sondern einer so eindeutigen, dass sie auch einer FAS-Journalistin auffallen sollte.<\/p>\n<p><em>Spiegel Online<\/em> <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/oper-sydney-entlaesst-sopranistin-tamar-iveri-a-976878.html\">schrieb damals<\/a> (Juni 2014) zu den Hintergr\u00fcnden der Geschehnisse in Sydney:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;In Georgiens Hauptstadt Tiflis zogen Aktivisten am Wochenende bei einer &#8218;Gay Pride&#8216;-Parade durch die Stra\u00dfen. Auf der Facebook-Seite der georgischen Sopranistin Tamar Iveri wurde dazu eine eindeutige Meinung verbreitet:<\/p>\n<p>&#8218;Ich war stolz darauf, wie die georgische Gesellschaft auf die Parade gespuckt hat &#8230; Bitte stoppt die Versuche, mit Propagandamitteln westliche &#8218;F\u00e4kalmassen&#8216; in die Mentalit\u00e4t der Menschen zu bringen.&#8216; &#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dem <em>Spiegel Online<\/em> Artikel ist weiter zu entnehmen, dass auch B\u00fcnings-Behauptung, die S\u00e4ngerin h\u00e4tte aufgrund dieses Posts nicht singen d\u00fcrfen, nicht so ganz stimmt. Zumindest hat sie selbst nach der enormen Kritik (nicht nur durch die Oper in Sydney ) erkl\u00e4rt, &#8222;von der Rolle zur\u00fcckzutreten, um den Erfolg der Produktion nicht zu gef\u00e4hrden.&#8220;<\/p>\n<p>Ebenfalls mindestens irref\u00fchrend ist B\u00fcnings Aussage, dass dieser Post &#8222;nicht mal von ihr selbst&#8220; geschrieben sei, was zwar teilweise stimmen mag (die S\u00e4ngerin behauptet, ihr Mann h\u00e4tte ihren Ursprungspost ver\u00e4ndert) aber nichts daran \u00e4ndert, dass er auf ihrem Profil gestanden hat und dort offensichtlich erst nach mehreren Tausend kritischen Kommentaren gel\u00f6scht wurde. Und dann auch noch mit dem &#8222;durchschaubaren&#8220; (Spiegel Online) Erkl\u00e4rungsversuch, ihr Mann sei &#8222;zutiefst religi\u00f6s&#8220;, und sie selbst sei &#8222;schockiert und traurig \u00fcber Medienberichte, die mich als homosexuellenfeindlich bezeichnen&#8220;.<\/p>\n<p>Doch selbst, wenn sich das Opernhaus in Sydney von der Sopranistin getrennt hat, was w\u00e4re so &#8222;ganz \u00fcbel&#8220; daran?<\/p>\n<p>Findet Frau B\u00fcning auch, dass es &#8222;\u00fcbel&#8220; ist, sich von einer K\u00fcnstlerin zu distanzieren, die sich rassistisch oder antisemitisch zitieren l\u00e4sst?\u00a0 Und: Was spielt es f\u00fcr eine Rolle, dass die Entscheider in der Oper offensichtlich schwul waren? Was ist &#8211; rein inhaltlich &#8211; &#8222;vetterleswirtschaftlich&#8220; daran? M\u00fcssten nicht heterosexuelle Verantwortliche bei solchen Aussagen genauso handeln?<\/p>\n<p>Und, mal rein organisatorisisch: Wie stellt sich Frau B\u00fcning diese vetterwirtschaftlich organisierte Homolobby vor: Bedarf es wirklich einer Konspiration um zu erkennen, was nicht akzeptabel ist?<\/p>\n<p>Nur weil FAS-AutorInnen wie Frau B\u00fcning das nicht k\u00f6nnen? \u2666<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Nachtrag (23.05.2017):<\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Ich habe den Chef des FAS-Feuilletons Claudius Seidl\u00a0 gefragt, ob er auch der Meinung ist, dass eine Ausage, die Homosexuellen als \u201eF\u00e4kalmasse\u201c bezeichnet nur &#8222;angeblich&#8220; homophob ist. \u00dcber seine Antwort, beziehungsweise Nicht-antwort habe ich in meiner BILDblog-Kolumne geschrieben:<\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"post-title\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/89765\/claudius-seidl-moechte-nicht-ueber-die-homophobie-in-der-fas-diskutieren\/\">Claudius Seidl m\u00f6chte nicht \u00fcber die Homophobie in der \u201eFAS\u201c diskutieren<\/a><\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">&#8212;<\/p>\n<p class=\"western\"><em>Der \u201eFAS\u201c-Artikel von Eleonore B\u00fcning und dieser Blogbeitrag ist einer der Anl\u00e4sse f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/tickets\/suche\/detail.php?id=1399459\" target=\"_blank\">die Podiumsdiskussion \u201eDie Verschw\u00f6rung der Opernschwulen\u201c<\/a> im Schwulen Museum* am 25. Mai in Berlin, bei ich mit\u00a0 \u201eWelt\u201c-Opernkritiker Manuel Brug und \u201eZeit\u201c-Opernkritikerin Christine Lemke-Matwey \u00fcber Homophobie im Kulturbetrieb debattiere.<\/em><\/p>\n<p class=\"western\"><strong><span class=\"dtstart\">Donnerstag, 25.05.2017<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"western\"><strong><span class=\"dtstart\"> 18:30 &#8211; 20:30 Uhr<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span class=\"location\">Schwules Museum*<br \/>\n<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"western\"><strong><span class=\"st\">L\u00fctzowstra\u00dfe 73\u00a0 &#8211; 10785 Berlin<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"western\">Hier eine Veranstlungshinweis dazu auf<a href=\"http:\/\/www.queer.de\/events_detail.php?event_id=2591\"> queer.de<\/a><\/p>\n<p class=\"western\">&#8212;<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #000000;\">Weitere Blogbeitr\u00e4ge zur Homophobie in FAZ und FAS:<\/span><\/em><\/p>\n<div id=\"main\">\n<section id=\"primary\">\n<div id=\"content\">\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><em><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu \u201cRufmord\u201d-Beschwerde beim Presserat. Das blutige Homo-Bashing der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4337\" rel=\"bookmark\">\u201cRufmord\u201d-Beschwerde beim Presserat. Das blutige Homo-Bashing der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung<\/a><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><em><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu Die Homophobie der \u201eKonservativen\u201c gleicht der Logik des Antisemitismus\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1088\" rel=\"bookmark\">Die Homophobie der \u201eKonservativen\u201c gleicht der Logik des Antisemitismus<\/a><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><em><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu \u201eAggressive Homosexualit\u00e4t\u201c: Was die FAZ unter Missbrauch versteht\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1041\" rel=\"bookmark\">\u201eAggressive Homosexualit\u00e4t\u201c: Was die FAZ unter Missbrauch versteht<\/a><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><em><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu Lexikon der Homophobie (1): \u201eZeitgeist\u201c\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1245\" rel=\"bookmark\">Lexikon der Homophobie <\/a><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu Lexikon der Homophobie (1): \u201eZeitgeist\u201c\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=1245\" rel=\"bookmark\">(1): \u201eZeitgeist\u201c<\/a><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<article>&#8212;<\/article>\n<article><em>Diesen Beitrag bei Facebook liken \/ sharen:<\/em><\/article>\n<article><\/article>\n<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<div id=\"main\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FAZ und FAS sind keine durch und durch homophoben Medien. 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