{"id":7214,"date":"2016-09-28T10:32:21","date_gmt":"2016-09-28T08:32:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7214"},"modified":"2020-07-20T13:34:46","modified_gmt":"2020-07-20T11:34:46","slug":"anti-rassismus-signal-vor-dem-gorki-theater-die-falscheste-der-denkbaren-falschen-moeglichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7214","title":{"rendered":"Anti-Rassismus-Signal vor dem Gorki-Theater: Die falscheste der denkbaren falschen M\u00f6glichkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche haben Mitglieder der rechtse<span style=\"color: #000000;\">xtremen &#8222;Identit\u00e4ren Bewegung&#8220; f\u00fcr mehrere Minuten eine <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/medien\/rechtsextreme-gruppe-bei-rbb-sendung-radio-eins-sendung-von-identitaerer-bewegung-gestoert\/14538794.html\">Gespr\u00e4chsveranstaltung in Berlin<\/a> mit dem<em> Freitag<\/em>-Herausgeber\u00a0 Jacob Augstein und der<\/span> ehemaligen Bisch\u00f6fin Margot K\u00e4\u00dfmann mit rechten Parolen gest\u00f6rt. Vieles spricht daf\u00fcr, dass diese St\u00f6raktion eine weitere Stufe im Erstarken und im Selbstbewusstsein rechtsextremer Gruppen in Deutschland markiert. Jacob Augstein <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/jakob-augstein-identitaere-stoeren-veranstaltung-kolumne-a-1112417.html\">schrieb auf <em>SPIEGEL ONLINE<\/em><\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Zwei Reihen im Publikum erhoben sich, Schilder wurden gereckt, F\u00e4uste geballt, Parolen gebr\u00fcllt. Aber das waren lauter nett aussehende, adrette junge Leute. Sie hielten ordentlich ihre Schilder. Sie br\u00fcllten ordentlich. Und als man sie des Saales verwies, gingen sie ordentlich davon. Darf ich vorstellen: <a class=\"text-link-int lp-text-link-int\" title=\"die Identit\u00e4re Bewegung, unsere neuen Nazis\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/justiz\/identitaere-bewegung-wie-die-gruppierung-jugendliche-anspricht-a-1107442.html\">die &#8222;Identit\u00e4re Bewegung&#8220;, unsere neuen Nazis<\/a>.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Vergleichbares hat es in der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Darauf war niemand vorbereitet, es gibt keine Erfahrungen aus denen man ableiten k\u00f6nnte, wie man mit einem solchen Vorfall umgehen sollte.<\/p>\n<p>Das Gorki-Theater, in dem die Veranstaltung stattgefunden hat, hat vor einigen Tagen ein gro\u00dfes Transparent vor dem Theater aufgehangen. Darauf steht:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir behalten uns vor, von unserem Hausrecht gebraucht zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angeh\u00f6ren, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische , antisemitische oder sonstige menschenverachtende \u00c4u\u00dferungen in Erscheinung gerteten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschlie\u00dfen&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich verstehe, dass das Theater irgendwie reagieren musste. Und ich verstehe auch, dass eine solche Reaktion nie ganz richtig sein kann. Auch wenn es es in diesem Fall mehr als sonst mehr Veranstaltungsort als Kunstbetrieb war, wie will man das trennen, was es zu sch\u00fctzen gilt? Die K\u00fcnstler, das Haus, die Kunst? An einem guten Theater ist das alles eins und das Gorki ist eines der besten. Und es geht ja auch nicht nur um das, was es zu sch\u00fctzen gilt, sondern auch um das, wovon man sich abgrenzen muss.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich muss das Gorki Theater, erst recht nach diesem Vorfall, ein deutliches Zeichen gegen Rechts setzen. Aber dieses Transparent finde ich ihm Rahmen der vielen falschen denkbaren M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eines der falschesten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich darf man solche Aktionen nicht dulden, nat\u00fcrlich darf man rechtextreme Organsisationen nicht salonf\u00e4hig machen, nat\u00fcrlich kann mit mit den allermeisten Vertetern der Neuen Rechten keine faktenbasierte konstruktive Diskussion f\u00fchren, nat\u00fcrlich gibt es die Grenzen des Diskurses, und die verlaufen sehr eng.<\/p>\n<p>Aber auf dem Schild vor dem Gorki steht etwas ganz anderes.<\/p>\n<p>Was soll das hei\u00dfen, sich auf diese demonstrative Weise vorzubehalten, Personen, die &#8222;in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschen<span class=\"text_exposed_show\">verachtende \u00c4u\u00dferungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren&#8220;?<\/span><\/p>\n<p>Hier geht es nicht um Organisationen, um Protagonisten, um St\u00f6rer. Hier geht es um &#8222;in Erscheinung&#8220; getretene Personen. Und so schlimm das auch ist, dass diese Personen auf diese Weise sichtbar wurden, es hat eben auch etwas Gutes: Sie sind sichtbar. Man wei\u00df, wer sie sind. Man kann sie erreichen.<\/p>\n<div class=\"text_exposed_show\">\n<p>M\u00fcsste es nicht gerade jetzt darum gehen, solche Personen anzusprechen um sie zu konfrontieren, zu stellen und mit ihnen einen Diskurs \u00fcber gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu wagen? M\u00fcsste nicht gerade ein Haus wie das <a class=\"profileLink\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maxim-Gorki-Theater\" data-hovercard=\"\/ajax\/hovercard\/page.php?id=128019873609\">Maxim Gorki Theater<\/a> (es ist aktuelles &#8222;Theater des Jahres&#8220;) an vorderster Stelle stehen, wenn es darum geht, unterschiedlichste Teile der Gesellschaft einzufangen und ins Gespr\u00e4ch zu bringen statt schon an der Eingangst\u00fcr zwischen den Guten und B\u00f6sen zu unterscheiden?<\/p>\n<p>M\u00fcsste es nicht gerade in diesen Zeiten darum gehen, mit Mitteln des Theaters zu verdeutlichen, dass es eben die Guten und die B\u00f6sen so nicht gibt, dass es eben so einfach nicht ist? Dass Rassismus ein Problem ist, das uns alle betrifft, dass wir alle &#8211; auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen &#8211; uns in der Vergangenheit bereits rassistisch, menschenfeindlich ge\u00e4u\u00dfert haben, ganz einfach weil wir in einer strukturell rassistischen Gesellschaft gro\u00dfgeworden sind?<\/p>\n<p>M\u00fcsste es nicht genau darum gehen, das zu beleuchten, also wo f\u00e4ngt Rassismus an, wie k\u00f6nnen wir ihn &#8211; auch bei uns!- erkennen, welche pers\u00f6nlichen und gesellschaftlichen Wege gibt es, ihn zu \u00fcberwinden? Wem sollten wir zuh\u00f6ren, mit wem sollten wir reden, mit dem wir es sonst nicht tun?<\/p>\n<p><span data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}\"><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">ich finde fast alles, was ich im Gorki gesehen habe richtig klasse und wichtig. Und Theater darf auch der Selbstsuche und -vergewisserung dienen, der Abgrenzung, dem Empowerment von sich mit anderen, wie das ja bei Falk <a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4193\">Richters Smalltown Boy so wunderbar gelungen<\/a> ist. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}\"><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">Aber kann und m\u00fcsste sich nicht gerade ein solches Theater in einer solchen Situation wirklichen Mut leisten, statt einer mutigen Pose, mit der es \u00fcberall nichts als offene T\u00fcren einrennt?<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p>Ist nicht ein solches Schild viel mehr Best\u00e4tigung an die eigene Klientel, sich keine Gedanken zu m\u00fcssen, weil sie auf der richtigen Seite steht, statt dem, was eigentlich sinnvoll &#8211; und auch (gerade im Gorki! wo denn sonnst?) m\u00f6glich ist: Ihr zuzumuten, dass auch sie nicht nur Teil der L\u00f6sung ist. Sondern auch des Problems?<\/p>\n<p>M\u00fcsste nicht Theater heute versuchen, in seinen Inszenierungen Antworten zu suchen. Statt welche an die T\u00fcr zu schreiben, die keine sind? \u2666<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Im Nollendorfblog zu Falk Richters &#8222;Small Town Boy&#8220; im Maxim Gorki Theater:<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" title=\"Permanentlink zu Schluss mit dem Theater! Geht ins Theater!\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=4193\" rel=\"bookmark\">&#8222;Schluss mit dem Theater! Geht ins Theater!&#8220;<\/a><\/span><\/em><\/p>\n<header id=\"masthead\" class=\"site-header\"><\/header>\n<div id=\"main\">\n<section id=\"primary\">\n<div id=\"content\">\n<article id=\"post-4193\">\n<header><em><span style=\"color: #000000;\">Weitere Blogbeitr\u00e4ge zum Umgang mit Rassismus:<\/span><\/em><\/header>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<p><em><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu Eurovision und Xavier Naidoo: Die ARD bastelt sich einen \u201ewunderbaren Neger\u201c\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=5221\" rel=\"bookmark\">Eurovision und Xavier Naidoo: Die ARD bastelt sich einen \u201ewunderbaren N.-Wort\u201c<\/a><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu \u00dcber Gauland, Boateng und die Witwe in uns, die verhindert hat, dass hier ein Schwarzer einziehn kann.\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=6384\" rel=\"bookmark\">\u00dcber Gauland, Boateng und die Witwe in uns, die verhindert hat, dass hier ein Schwarzer einziehn kann.<\/a><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<header id=\"masthead\"><\/header>\n<div id=\"main\">\n<section id=\"primary\">\n<div id=\"content\">\n<article id=\"post-6993\">\n<header><em><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu Rassismus: Warum Nina Queer nicht Borat ist\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=6993\" rel=\"bookmark\">Rassismus: Warum Nina Queer nicht Borat ist<\/a><\/span><\/span><\/em><\/header>\n<header>&#8212;<\/header>\n<header><em><span style=\"color: #000000;\">Diesen Beitrag auf Facebook sharen \/ liken:<\/span><\/em><\/header>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verstehe, dass das Theater irgendwie reagieren musste. 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