{"id":7410,"date":"2017-02-25T12:55:35","date_gmt":"2017-02-25T10:55:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7410"},"modified":"2019-03-02T13:13:33","modified_gmt":"2019-03-02T11:13:33","slug":"der-gescheiterte-versuch-des-deutsche-buehnenvereins-etwas-ueber-homophobie-zu-sagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7410","title":{"rendered":"Der gescheiterte Versuch des deutschen B\u00fchnenvereins, etwas \u00fcber Homophobie zu sagen"},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00f6n, dass sich der Pr\u00e4sident des Deutschen B\u00fchnenvereins gegen Homophobie einsetzt. Schade nur, dass er davon offensichtlich nicht viel versteht und statt dessen selbst homophobe Reflexe kultiviert. Aber der Reihe nach.<\/p>\n<p>In der Deutschen Oper wurde mit &#8222;Erward II&#8220; ein misslungenes St\u00fcck \u00fcber Homosexualit\u00e4t und Homophobie uraufgef\u00fchrt. Christine Lemke-Matwey, Kritikerin der ZEIT, <a href=\"https:\/\/blendle.com\/i\/die-zeit\/dann-doch-lieber-eine-kreuzfahrt\/bnl-zeit-20170223-140987?sharer=eyJ2ZXJzaW9uIjoiMSIsInVpZCI6ImpvaGFubmVza3JhbSIsIml0ZW1faWQiOiJibmwtemVpdC0yMDE3MDIyMy0xNDA5ODcifQ%3D%3D\">beschreibt nicht nur<\/a>, was dieses St\u00fcck so schlimm macht, sondern wirft den schwulen Machern auch noch vor, dass sie \u2013 als schwule Macher \u2013 es nicht geschafft haben, ein besseres schwules St\u00fcck auf die B\u00fchne zu bringen. Das wiederum <a href=\"http:\/\/www.buehnenverein.de\/de\/presse\/pressemeldungen.html?det=454\">findet Ulrich Khuon<\/a>, Pr\u00e4sident des Deutschen B\u00fchnenvereins und Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, homophob, weil die Kritikerin \u201eschwul&#8220; als eine Zuschreibung benutze, \u201edie Menschen auf ein einziges Merkmal reduziert &#8211; als w\u00e4re klar, welche Tr\u00e4ume, Haltungen, W\u00fcnsche, Geschm\u00e4cker der Komponist, Librettist, Intendant haben, weil sie schwul sind.\u201c<\/p>\n<p>Aber das tut sie gar nicht. Sie fragt sich zwar \u201ewie die geballte schwule B\u00fchnenkreativwirtschaft ein derart j\u00e4mmerliches St\u00fcck hervorbringen kann. Sprachlich j\u00e4mmerlich, dramatisch j\u00e4mmerlich, musikalisch j\u00e4mmerlich\u201c, was nat\u00fcrlich nicht besonders nett ist, aber nicht besonders nett ist noch lange nicht homophob.<\/p>\n<p>Denn nat\u00fcrlich ist die Frage nicht nur erlaubt, warum es Schwule sind, die hier an einem schwulen Thema so grandios auf allen Ebenen scheitern (der Regisseur hatte das Werk als eine \u201eGrand Op\u00e9ra des 21. Jahrhunderts\u201c bezeichnet). Sie ist sogar f\u00fcr eine angemessene Betrachtung des Scheiterns fast zwingend.<\/p>\n<p>Khuons Binsenerkerkenntnis, dass es das eine \u201eschwule Merkmal\u201c nicht gibt, kann doch nicht ernsthaft zur Konsequenz haben, die Tatsache einer homosexuelle Perspektive der Macher nicht zu diskutieren zu d\u00fcrfen. Denn dies hie\u00dfe ja, dass diese entweder egal ist, dass es sie gar nicht gibt, oder dass schwule Theatermacher davor gesch\u00fctzt werden m\u00fcssten, mit ihr konfrontiert zu werden. In allen drei M\u00f6glichkeiten steckt mehr als ein Funke Homophobie und es ist schon beachtlich, wie hier einer der wichtigsten Deutschen Theater-Repr\u00e4sentaten mit offizieller Verbands-Pressemitteilung eine Diskussion skandalisieren m\u00f6chte, die wirklich etwas \u00fcber Homophobie erz\u00e4hlen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich d\u00fcrfen schwule Theatermacher ein schlechtes schwules St\u00fcck machen. Aber wenn man schwule (lesbische, transsexuelle, schwarze, muslimische usw.) TheatermacherInnen daf\u00fcr beklatschen darf, dass sie es geschafft haben, aufgrund ihrer eigenen Geschichte und Perspektive ein besonderes St\u00fcck zu machen, darf man sie auch umgekehrt dann kritisieren, wenn ihnen das trotz ihrer Geschichte und Perspektive nicht gelingt. Oder ist es vielleicht sogar wegen ihrer Geschichte und wegen ihrer Perspektive? Hier w\u00fcrde es interessant. Und es ist interessant, dass der deutsche B\u00fchnenverein genau hier nicht hin m\u00f6chte. Oder kann. \u2666<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Nachtrag (28.2.):<\/p>\n<p>Auf queer.de habe ich meine Kritik pr\u00e4zisiert:<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=28309\">&#8222;<strong>Der Chef des Deutschen B\u00fchnenvereins definiert Homophobie mit homophober Argumentation<\/strong><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=28309\">In der Debatte um die Oper &#8218;Edward II.&#8216; d\u00fcrfen die Biografien der schwulen Kulturmacher nicht ausgeklammert werden. Eine Gegenrede zu Ulrich Khuon von Johannes\u00a0Kram.&#8220;<\/a><\/span><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Weiterer Beitrag zum Thema in diesem Blog:<\/em><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"><em><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" title=\"Permanentlink zu Die Verschw\u00f6rung der Opernschwulen: Die FAS und die Kunst der gediegenen Homohetze\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7074\" rel=\"bookmark\">Die Verschw\u00f6rung der Opernschwulen: Die FAS und die Kunst der gediegenen Homohetze<\/a><\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<header class=\"entry-header\"><em>Nollendorfblog-Themenarchiv<span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\"> <a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?cat=98\">&#8222;Film und Theater&#8220;<\/a><\/span><\/span><\/em><\/header>\n<header id=\"masthead\" class=\"site-header\"><\/header>\n<div id=\"main\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Deutschen Oper wurde mit &#8222;Erward II&#8220; ein misslungenes St\u00fcck \u00fcber Homosexualit\u00e4t und Homophobie uraufgef\u00fchrt. Der Pr\u00e4sident des Deutschen B\u00fchnenvereins wirft einer Kritikerin Homophobie vor. Und kultiviert dabei homophobe Reflexe.<br \/>\n(Foto: Deutsche Oper Berlin)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7420,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[163,173,98],"tags":[],"class_list":["post-7410","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-163","category-das-wichigste-aus-zehn-jahren","category-film-theater"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7410","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7410"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7410\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7432,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7410\/revisions\/7432"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7420"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7410"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7410"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7410"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}