{"id":7838,"date":"2017-07-21T11:31:15","date_gmt":"2017-07-21T09:31:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7838"},"modified":"2017-07-21T11:36:37","modified_gmt":"2017-07-21T09:36:37","slug":"vater-des-berliner-csd-niemanden-ausschliessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7838","title":{"rendered":"&#8222;Vater&#8220; des Berliner CSD: &#8222;Niemanden ausschlie\u00dfen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p align=\"left\">Nutzen wir in diesem besonderen Jahr den CSD, um uns in unserer Vielfalt besser kennen zu lernen, um uns gegenseitig zuzuh\u00f6ren, um zu lernen, was uns ausmacht und was wir gemeinsam gestalten k\u00f6nnen. Ich empfehle Euch da z.B. Bernd Gaiser, er ist einer der \u201eV\u00e4ter\u201c des ersten Berliner CSDs 1979 und wird in diesem Jahr mit dem \u201eSoul of Stonewall Award\u201c des Berliner CSD e.V. geehrt, der am Samstag Nachmittag auf der Hauptb\u00fchne verliehen wird. (Weitere Preistr\u00e4gerInnen sind Carolin Emcke, Robert Beachy und Emmanuel Odhiambo Nyambwa, Infos zu allen <a href=\"http:\/\/csd-berlin.de\/soul-of-stonewall-awards-2017\/\">gibt es hier<\/a>).<\/p>\n<p align=\"left\">Nutzen wir diesem besonderen Jahr den CSD, um uns bei Menschen wie Bernd zu bedanken. Und um Menschen wie Fritz zu ehren, einem Opfer des \u00a7 175, der in Bernds Fahrradrikschagruppe mitfahren wird. Und all denen zu gedenken, die das nicht mehr erleben durften.<\/p>\n<p>Hier meine Fragen an Bernd Gaiser:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"left\">Was ist nur aus Eurem CSD geworden?<\/p>\n<blockquote><p>Vieles ist heute wenig einladend. Zu laut. Nicht \u00fcberschaubar. Zu wenig politisch. Vor allem aber \u00fcberwiegend kommerziell.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Bis in die 1990iger Jahre diente der CSD dazu, Freunden zu begegnen. Inzwischen ist es n\u00f6tig, mich vorher mit ihnen zu verabreden. Was vor 38 Jahren noch nicht n\u00f6tig war. Damals war halt alles \u00fcberschaubar und vermittelte den Eindruck, alle Teilnehmenden pers\u00f6nlich zu kennen.<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\">Was gef\u00e4llt Dir am heutigen CSD besonders gut?<\/p>\n<blockquote><p>Nach Scheitern meines Versuchs, den CSD e.V. im Forum 2008 daf\u00fcr zu gewinnen, das Thema Generationendialog zur \u00dcberbr\u00fcckung der Kluft zwischen Alt und Jung zum Motto zu machen, habe ich mich zur Eigeninitiative entschieden und bin seit vier Jahren auf jedem CSD mit Freunden unterwegs. Von Manno-O-Meter, der Gruppe &#8222;Rostfrei&#8220; von Vorspiel und aus dem Gespr\u00e4chskreis Anders Altern der Schwulenberatung Berlin. Und zwar als Fahrradrikschagruppe, um uns \u00c4lteren als Ansprechpartner anzubieten, die davon ausgehen, dass der CSD nicht mehr ihr Ding ist, sie also zu alt daf\u00fcr sind. Und das seit vier Jahren, mit wachsendem Erfolg.<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\">Warum brauchen wir den CSD?<\/p>\n<blockquote><p>Mein pers\u00f6nliches Motto zum CSD 2017 besteht darin, mit meiner Teilnahme daran, genau wie vor 38 Jahren zur Sichtbarmachung und Akzeptanz unserer queeren Lebensweise beizutragen. Weil sich an dieser Notwendigkeit nichts ge\u00e4ndert hat.<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\">Entsch\u00e4digung der Opfer des \u00a7 175 oder &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220;: Was hat Dich dieses Jahr mehr ber\u00fchrt?<\/p>\n<blockquote><p>Ber\u00fchrt hat mich in diesem Jahr die Vollendung der Rehabilitation und Wiedergutmachung der Opfer des \u00a7 175. Und die Erinnerung an einen Freund, der 1965 davon betroffen war und die ihm drohnende Anklage zum Anlass nahm, sich selbst f\u00fcr immer aus dem Verkehr zu ziehen. Wegen der f\u00fcr ihn und seine Familie damit verbundenen Schande. Als Freunde waren wir uns an seinem Grab einig, in unserer Trauer um ihn und in der Wut dar\u00fcber, es in Schwulen mit Menschen zweiter Klasse zu tun zu haben. Heute bleibt der bittere Nachgeschmack, dass ein Rest an Ungleichheit bestehen bleibt.<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\">&#8222;Deine Stimme gegen Rechts&#8220;: Was tun gegen Rechtspopulismus?<\/p>\n<blockquote><p>Was das Gesetz der Ehe f\u00fcr alle betrifft, war auff\u00e4llig, dass seine Gegner in einem bislang nicht gekannten Ausma\u00df darum bem\u00fcht waren, uns weiszumachen, nicht aus homophoben Beweggr\u00fcnden zu handeln. Weshalb denn sonst! Wir d\u00fcrfen also\u00a0 davon ausgehen, dass die Sache damit nicht erledigt ist. Solange Gegenwind herrscht ist der Kampf nicht zu Ende &#8211; gegen Rassismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie. Eben sowenig wie die Notwendigkeit zur Aidspr\u00e4vention und zum Generationendialog zwischen Alt und Jung.<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\">Auch dieses mal wird es f\u00fcr viele junge LGTBI der erste CSD sein. Was willst Du ihnen sagen?<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"left\">J\u00fcngeren empfehle ich die Teilnahme am CSD zum Anlass zu nehmen, ihren Stolz auf die jeweils eigene Lebensweise zum Ausdruck zu bringen. Im Rahmen der gesamten Vielfalt der queeren Community. Ob lesbisch, schwul, bi, trans*, inter &#8211; sollte dabei keine Rolle spielen. Weil es sich in dem gegenw\u00e4rtigen CSD darum handelt, alle einzubeziehen und niemanden auszuschlie\u00dfen. Um im Rahmen unserer Teilnahme daran, den CSD zu unserem gemeinsamen CSD zu machen und ihn nicht denen zu \u00fcberlassen, die blo\u00df kommerzielle Interessen damit verbinden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"left\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7842 size-medium\" src=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BG.CSD_.2014-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BG.CSD_.2014-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BG.CSD_.2014-768x1218.jpg 768w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BG.CSD_.2014-646x1024.jpg 646w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BG.CSD_.2014.jpg 1553w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/>Wie r\u00fcstest Du Dich f\u00fcr den CSD? Hast Du Rituale?<\/p>\n<blockquote><p>Am Tag vor dem CSD treffe ich mich mit Freunden beim Rikschaverleih, um die Fahrzeuge auf drei R\u00e4dern anschlie\u00dfend gemeinsam zu schm\u00fccken &#8211; mit bunten Ballons, Fahnen, in Regenbogenfarben, gro\u00dfformatigen Fotos, bei denen das Alter eine Rolle spielt, und mit den jeweiligen Gruppenlogos, was immer mit Spa\u00df verbunden ist. Die von mir zu fahrende Rikscha wird \u00fcber Nacht im Hof des &#8222;Lebensort Vielfalt&#8220; geparkt, als meinem Lebensmittelpunkt seit f\u00fcnf Jahren. Und am folgenden morgen vor dem CSD bin ich aufgeregt und freue mich darauf, gemeinsam zu ihm aufzubrechen. Diesmal mit einem der Opfer des \u00a7 175, Fritz, der mit 75 nicht mehr der J\u00fcngste und auch nicht mehr ganz gesund ist. Und sich darauf freut, in der Rikscha am CSD teilzunehmen.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Und dem die Erleichterung anzumerken ist, nicht mehr vorbestraft zu sein, weil f\u00fcr ihn eine befreiend Wirkung damit verbunden ist. \u2666<\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>&#8212;<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Zum Thema hier im Blog: <\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7815\">Mein Problem mit dem diesj\u00e4hrigen CSD-Motto<\/a><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=7752\">Sechs Tipps f\u00fcr Journalisten, die \u00fcber einen CSD schreiben wollen<\/a><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>&#8212;<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Diesen Beitrag auf Facebook liken \/ sharen<\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Mein pers\u00f6nliches Motto zum CSD 2017 besteht darin, mit meiner Teilnahme daran, genau wie vor 38 Jahren zur Sichtbarmachung und Akzeptanz unserer queeren Lebensweise beizutragen. 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