{"id":8798,"date":"2018-04-05T08:29:03","date_gmt":"2018-04-05T06:29:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=8798"},"modified":"2019-03-02T12:00:36","modified_gmt":"2019-03-02T10:00:36","slug":"nach-rassistischem-uebergriff-in-polen-berliner-saenger-und-lgtbi-aktivist-shon-abram-braucht-unsere-hilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=8798","title":{"rendered":"Nach rassistischem \u00dcbergriff in Polen: Berliner S\u00e4nger und LGBTI*-Aktivist Shon Abram braucht unsere Hilfe"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Blog geht es um Homophobie und darum, dass die Zeiten um uns herum trotz vieler Verbesserungen der letzten Jahre auch wieder rauer geworden sind.<\/p>\n<p>Besonders schlimm ist es gerade f\u00fcr viele, die von Rassismus betroffen sind. Ich m\u00f6chte Euch heute auf einen Fall aufmerksam machen, in dem es um ein Mitglied der Berliner LGBTI*-Community geht, um einen Freund, der sich als S\u00e4nger und Aktivist f\u00fcr unsere Rechte stark gemacht hat und der jetzt unsere Hilfe braucht:<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Vor ziemlich genau vier Jahren hat Shon Abram zusammen mit Romy Haag, Wilhelmine Schneider und Stefan Kuschner &#8222;Love is not for Propaganda&#8220; gesungen,\u00a0 den <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MfGyUG5q9m8\">Protestsong gegen die russischen Homophobie-Gesetze<\/a>, den damals das Motto der Enough is Enough-<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5049100\/\">&#8222;Rainbow Flame&#8220;-Aktion<\/a> anl\u00e4sslich der olympischen Winterspiele in Sotchi gewesen ist.<\/p>\n<p>Shon ist vor drei Monaten nach einem rassistisch motivierten Wortgefecht an der Garderobe eines Musikclubs in Breslau in Polen niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Da sein linkes Auge erst vor kurzer Zeit operiert worden war, hatte der \u00dcbergriff besonders gravierende Folgen: Auf diesem Auge kann der in Berlin lebende Amerikaner seitdem\u00a0\u00a0nur hell und dunkel unterscheiden, die langfristigen Folgen sind unklar.<\/p>\n<p>Da Shon, der nicht nur Musiker, sondern auch Lehrer ist, durch die Verletzungen nur wenig arbeiten konnte und Geld f\u00fcr einen Anwalt sammelt, gibt es am 13. April in der Berghain-Kantine ein Unterst\u00fctzer-Konzert, auf dem Geld f\u00fcr Shon gesammelt wird. Auch 20 Prozent der Einnahmen gehen direkt an Shon. Zus\u00e4tzlich besteht auf der Plattform gofundme die M\u00f6glichkeit, <a href=\"https:\/\/uk.gofundme.com\/hilfefuershon\">Shon direkt zu unterst\u00fctzen<\/a>.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, ein solcher Aufruf auf diesem Blog ist ungew\u00f6hnlich. Es geht hier nicht um Homophobie. Und es geht um einen Vorfall, der sich au\u00dferhalb von Deutschland ereignet hat, einer, bei dem man sich dar\u00fcber streiten kann, ob und was er gerade mit der derzeitigen Situation in Deutschland zu tun hat. Doch in diesem Fall m\u00f6chte ich mich gar nicht streiten. Shon ist einer von uns. Aber nicht nur deswegen deswegen geht uns seine Geschichte an.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Hier das Interview mit ihm:<\/p>\n<p><strong>Welche Erfahrung hast du vor dem \u00dcbergriff mit Rassismus in Europa gemacht?<\/strong><\/p>\n<p><em>Seit sechs Jahren lebe ich in Berlin. W\u00e4hrend dieser Zeit gab es immer wieder rassistisch motivierte Vorf\u00e4lle, aber seit der letzten zwei Jahres merkt man, wie sich der Ton in Europa langsam zur\u00fcckentwickelt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was erlebst du im Alltag konkret?<\/strong><\/p>\n<p><em>Nur zwei Beispiele: Viele Taxis weigern sich, mich mitzunehmen. Ich bin es mittlerweile gewohnt, bei Unterhaltungen in Clubs auf die ber\u00fcchtigte Frage zu warten, welche Droge ich verkaufe.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie ist es zu dem \u00dcbergriff gekommen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Am 29. Dezember letzen Jahres feierte ich mit meinem polnischen Freund in einer Bar in Breslau in seinen Geburtstag hinein. Schlie\u00dflich wollten wir die Location wechseln, mein Freund war mit anderen drau\u00dfen um zu rauchen und ich war mir nicht ganz sicher, ob er bereits bezahlt hatte. Deswegen fragte ich an der Garderobe, ob er schon bezahlt hatte und ob seine Jacke noch da war. Daraufhin wurde ich von dem Mann an der Garderobe unh\u00f6flich zurechtgewiesen, was das denn solle und woher er das wissen solle und als ich ihn fragte, warum er auf diese einfache Frage in dem Ton mit mir redet, sagte er, dass wir schwarzen Menschen immer Probleme machen w\u00fcrden. Ich versuchte noch eine Diskussion dar\u00fcber, dass es solche Clubs wie diesen ohne schwarze Menschen und ihre Musik gar nicht geben w\u00fcrde. Wir streiten und er nennt er mich Nigger und als ich sage, er solle mich in Ruhe lassen, bekomme ich von hinten einen heftigen Schlag auf mein linkes Auge, ich werde getreten und mit einem Pfefferspray bespr\u00fcht.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie schlimm hat es dich erwischt?<\/strong><\/p>\n<p><em>Da ich zuvor Hornhauttransplantationen in beiden Augen hatte, bemerkte ich sofort, dass meine linke Seite nicht in Ordnung war. Das Brennen war so stark, ich habe versucht, mich gegen die Wand zu st\u00fctzen, und habe um Hilfe gefleht, schlie\u00dflich kam ein junges P\u00e4rchen und hat mich in die Bar gebracht, wo wir unsere Nacht begonnen hatten. Ich konnte mich setzen und sie brachten mir Milch, um das Auge abzuk\u00fchlen. Ich erkl\u00e4rte ihnen, dass ich Hilfe brauche, weil ich Augenprobleme habe und bat den jungen Mann, mein Handy aus meiner Tasche zu holen, gab ihm mein Passwort um einen Krankenwagen anzurufen. Ich erkl\u00e4rte der Frau am Telefon, was passiert war, dass meine beiden Augen gen\u00e4ht worden sind und ich jetzt Schmerzen auf meiner linken Seite habe und dass ich nichts sehen kann. Sie sagte mir, dass sie nichts tun kann, weigerte sich, jemanden zu schicken und legte auf. Als ich dem Paar sagte, dass sie nicht kommen w\u00fcrden, versuchten sie mich, mich in in die Bar zur\u00fcckzubringen, wo der Security-Mann mir nicht erlaubte, das Gesicht zu waschen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Warst du w\u00fctend oder resigniert?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ich gebe zu, dass ich nicht ruhig war, nachdem ich geschlagen, gew\u00fcrgt, geschleift, mit Pfefferspray eingespr\u00fcht und getreten wurde, mir medizinische Hilfe verweigert wurde.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie ging es weiter?<\/strong><\/p>\n<p><em>Schlie\u00dflich tauchte mein Freund auf, aber auch er wollte mir nicht helfen, sondern beschimpfte mich. Da habe ich Sachen gesagt, die mir leid tun, die mit Rassismus in Polen zu tun haben, wobei ich sagen muss, dass mir vorher keine schlimmen rassistischen Dinge passiert waren. Wir haben uns total zerstritten, er bot mir noch an, eine Nacht bei ihm bleiben zu k\u00f6nnen, aber ich sagte, dass ich Hilfe br\u00e4uchte, ich habe dann einen fr\u00fchen Bus zur\u00fcck nach Berlin genommen, und als ich dann endlich Zuhause war, war ich so m\u00fcde, dass ich erst mal schlafen musste. Am fr\u00fchen Abend, als ich wieder wach war, habe ich versucht, das linke Auge zu \u00f6ffnen, aber das Licht im Zimmer verursachte schlimme Schmerzen, ich schrieb mit meine Augen\u00e4rztin eine SMS, die mich dann direkt in die Charit\u00e9 schickte. Ich packte eine Tasche, weil mir klar war, dass ich dort erst mal bleiben muss. Beim Augentest konnte ich die projizierten Nummern nicht erkennen, weil schon das Licht mir weh tat und als ich dann sagen sollte, wie viele Finger ich an der Hand des Augenarztes sehe, war mir das nicht m\u00f6glich.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was hat der Arzt gesagt?<\/strong><\/p>\n<p><em>Die N\u00e4hte an meinem linken Auge waren gerissen, meine Iris stand hervor, es musste also schnell gehandelt werden und so wurde ein Chirurg gerufen. Sie sagten, sie w\u00fcrden versuchen, mein Auge zu retten, aber sie k\u00f6nnten es nicht garantieren, ich musste innerhalb von 24 Stunden operiert werden. Nach der Operation sagte man mir, dass man in den n\u00e4chsten drei Monaten sehen w\u00fcrde, ob meine Linse wieder zur\u00fcckgesetzt werden kann, und ob meine Sehkraft wieder hergestellt werden kann.<\/em><\/p>\n<p><strong>Das war vor drei Monaten, wie geht es dir heute?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>Es ist eine t\u00e4gliche Herausforderung, mit meinen neuen Limitierungen umzugehen, es f\u00e4llt mir schwerer, allt\u00e4gliche Dinge richtig wahrzunehmen. Schneiden, Gie\u00dfen, Treppensteigen usw. ist schwierig. Die \u00c4rzte sagen, dass es einfacher wird, aber wenn mein rechtes Auge m\u00fcde ist, bemerke ich, dass mein linkes Auge versucht, es zu \u00fcbernehmen, und das ist sehr anstrengend. Ich habe Trauma- und K\u00f6rpertherapie gemacht und das hilft mir sehr, diese harte Zeit zu bew\u00e4ltigen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Du sammelst Geld f\u00fcr einen Anwalt. Was willst du erreichen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ich war noch nie in dieser Situation. Ich m\u00f6chte, dass die Leute wissen, dass es nicht in Ordnung ist, sich so zu verhalten. Ich m\u00f6chte Gerechtigkeit. Ich habe eine bleibende Verletzung und ich denke, dass mir eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr meine Sehbehinderung zusteht und der T\u00e4ter verstehen soll, dass ein solches Verhalten nicht akzeptabel ist.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen wir gegen Rassismus tun?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ich hasse Rassismus, ich werde es nicht zulassen, dass Menschen mir etwas sagen oder tun, weil ich schwarz bin. Darauf werde ich immer bestehen, weil es ein Menschenrecht ist. Wenn andere w\u00fcssten, wie es ist, in einer Welt zu leben, in der du aufgrund deiner Hautfarbe vorverurteilt wirst, in der einfach ohne nachzudenken Dinge wahllos gesagt werden, wenn die anderen sich in eine solche Situation einf\u00fchlen k\u00f6nnten, w\u00fcrde sich deren Einstellung \u00e4ndern. Ich bin nicht gewaltt\u00e4tig, liebe das Leben und werde jedem in meinen M\u00f6glichkeiten helfen, dies zu tun. Es ist Zeit f\u00fcr uns alle zusammen daran zu arbeiten, Rassismus weltweit zu beenden.<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Wer Shon finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte: <a href=\"https:\/\/uk.gofundme.com\/hilfefuershon\">Hier geht es zur Hilfsaktion.\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Informationen und Tickets zum Konzert <a href=\"https:\/\/www.koka36.de\/yy-feat-shon-abram-ddiy-_ticket_92500.html\">am 13. April im Berghain \/ Kantine.<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Disclaimer: Ich bin einer der Initiatoren des Unterst\u00fctzerkonzertes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist einer der S\u00e4nger des &#8222;Rainbow Flame&#8220;-Songs &#8222;Love is not for Propaganda&#8220;: Shon Abram braucht nach einem rassistischen \u00dcbergriff mit schweren Verletzungen unsere Hilfe.  Am 13. 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