{"id":9008,"date":"2018-07-01T09:48:47","date_gmt":"2018-07-01T07:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=9008"},"modified":"2019-03-02T12:00:35","modified_gmt":"2019-03-02T10:00:35","slug":"analverkehr-ist-der-deutsche-witz-warum-ich-ein-buch-ueber-homophobie-geschrieben-habe-2-2-2-2-2-2-2-2-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=9008","title":{"rendered":"Berliner Schwulenberatung k\u00e4mpft gegen lesbische Sichtbarkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em>Startseitenfoto (c) Johannes Kram: Sigrid Grajek (hier in ihrer Claire Waldoff-Rolle) ist f\u00fcr den Berliner Preis f\u00fcr lesbische Sichtbarkeit nominiert<\/em><\/p>\n<p>In Berlin eskaliert gerade ein Streit zwischen\u00a0zwei geplanten Wohnprojekten, einem der lesbischen Initiative &#8222;RuT&#8220; und einem der Schwulenberatung. Formal geht es um eine Ausschreibung, in der beide Organisationen um das selbe Grundst\u00fcck konkurrieren. Die Sache ist sehr kompliziert. Beide Seiten haben <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/queerspiegel\/berlin-schoeneberg-grundstuecksstreit-zwischen-lesbischem-wohnprojekt-und-schwulenberatung\/22590818.html\">gute Argumente<\/a>\u00a0. Beide Seiten betonen, dass es ihnen nicht darum geht, das jeweils andere Projekt zu verhindern, betonen den Respekt vor dem jeweils anderen Anliegen.<\/p>\n<p>Ich habe mich bisher aus der Diskussion herausgehalten, weil ich beide Argumentationen nachvollziehbar fand, obwohl ich zugeben muss, dass mir die des lesbischen Projektes plausibler vorkam ( sehr vereinfacht gesagt geht es darum, dass die Lesben jetzt einfach an der Reihe sind).<\/p>\n<p>Ich habe mich bisher auch aus der Diskussion herausgehalten, weil ich der Schwulenberatung abgenommen habe, dass sie es ernst damit meint, nicht mit den Lesben in Konkurrenz stehen zu wollen. Doch das sehe ich seit gestern anders.<\/p>\n<p>Denn die Berliner Schwulenberatung k\u00e4mpft ganz offensichtlich nicht nur gegen ein lesbisches Wohnprojekt. Sie k\u00e4mpft ganz offensichtlich gegen die Repr\u00e4sentanz von Lesben ganz allgemein.<\/p>\n<p>Gestern habe ich einen Brief gelesen, den Marcel de Groot, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Schwulenberatung, bereits am 15. Juni an den Berliner\u00a0Senator f\u00fcr Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Dirk Behrendt, geschrieben hat. Behrendt ist als Senator zust\u00e4ndig f\u00fcr den neu ausgelobten \u201eBerliner Preis f\u00fcr Lesbische* Sichtbarkeit\u201c , der in diesem Jahr <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/sen\/lads\/schwerpunkte\/lsbti\/lesbische-sichtbarkeit\/der-preis\/\">erstmalig vergeben<\/a> wird und der mit 3.000 Euro dotiert ist. (Die Preisverleihung ist morgen.)<\/p>\n<p>In den Schreiben der Schwulenberatung an den Senator hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Mit dem Preis wird ein Zielgruppenranking betrieben, welches doch sehr zu kritisieren ist. Wir sind schon seit Jahren neben der Zielgruppe schwuler M\u00e4nner f\u00fcr die Zielgruppe* Trans und Inter t\u00e4tig. Auch wenn viele Diskriminierungserfahrungen dieser Zielgruppen sich leider gleichen, wie die gesellschaftliche Stigmatisierung und Ausgrenzung, so hat die Zielgruppe Trans* und Inter* noch erheblichen Nachholbedarf hinsichtlich der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung. Sie sind, wenn man so will, viel weniger sichtbar als schwule M\u00e4nner oder lesbische Frauen. Wenn man \u00fcber Sichtbarkeit spricht, haben Trans* und Inter* auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit verdient. Was sind die Gr\u00fcnde daf\u00fcr, eine Teilgruppe besonders hervorzuheben?*<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun, k\u00f6nnte man sagen: Weil die Mitglieder dieser &#8222;Teilgruppe&#8220;prozentual wahrscheinlich knapp eine H\u00e4lfte\u00a0 der LGBTI*-Community stellen, aber ganz offensichtlich bedeutend weniger Repr\u00e4sentanz in \u00d6ffentlichkeit und Gesellschaft haben. Und dass sie &#8211; ganz abgesehen davon, wer daran &#8222;schuld&#8220; ist &#8211; dadurch auch bedeutend weniger Macht und dadurch etwa auch weniger Mittel f\u00fcr zielgruppengerichtete Projekte haben. Ich habe gerade ein Buch \u00fcber Homophobie geschrieben, und obwohl ich in diesem Buch direkt schon am Anfang ausf\u00fchre (und nat\u00fcrlich beklage), wie sehr &#8222;homo&#8220; immer noch mit &#8222;schwul&#8220; gleichgesetzt wird, werde ich von einem Gro\u00dfteil der Journalisten nach der &#8222;Schwulenfeindlichkeit&#8220; befragt. (Selbst der SPIEGEL fasst das Buch mit dem Satz zusammen: &#8222;Es geht um die Frage, wie schwulenfeidlich dieses Land ist.&#8220;)<\/p>\n<p>Aber ist das wirklich das Niveau, auf dem wir diskutieren wollen? Vor allem: Wollen wir wirklich eine (wie ich doch hoffe: unbestrittene) Misere nur deswegen nicht beheben, weil es auch andere Miseren in der Community gibt? Fangen wir jetzt wirklich an, das eine Problem mit anderen auszuspielen? Was f\u00fcr einen Nachteil haben Trans* und Inter* davon, dass f\u00fcr Lesben (etwas)\u00a0 mehr gemacht wird? Was ist das f\u00fcr ein\u00a0 Verst\u00e4ndnis von Sichtbarkeit, das so tut, als ob die Sichtbarkeit der einen die der anderen etwas wegnimmt? (Ganz abgesehen davon, dass das lange ein Argument vieler lesbischen Aktivistinnen war, das Dank des &#8222;Lesben Raus!&#8220;- Buches von Stephanie Kuhnen\u00a0 -&#8222;Lesben werden nicht automatisch sichtbarer, wenn Schwule unsichtbar werden&#8220;- gerade <a href=\"http:\/\/Was haben denn Schwule mit Lesben zu tun?\">endlich \u00fcberwunden scheint<\/a>. Und ganz abgesehen davon, dass die Aspekte von Trans* und Inter* auch Teil des Themas lesbische Sichtbarkeit sind.)<\/p>\n<hr \/>\n<h6><strong>Wir brauchen Deine Unterst\u00fctzung! Das Nollendorfblog bleibt werbefrei und unabh\u00e4ngig durch die freiwillige Unterst\u00fctzung seiner Leserinnen und Leser.\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/de\/nollendorfblog\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8740 size-full\" src=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein.png\" alt=\"\" width=\"442\" height=\"82\" srcset=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein.png 442w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein-300x56.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><\/a><\/h6>\n<h6><em>Mehr dazu:\u00a0<\/em><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=8291\">Das Nollendorfblog braucht Deine Unterst\u00fctzung.<\/a><\/em><\/h6>\n<hr \/>\n<p>Doch nicht nur die unsolidarische, ganz offensichtlich nur auf den eigenen Vorteil bedachte Intervention ist ein Problem, das das Konzept einer Community, wie wir sie bisher verstehen, ganz grunds\u00e4tzlich in Frage stellt. Denn die ganze Community wird gerade von au\u00dferhalb genau mit der Argumentationsweise attackiert, mit der die Schwulenberatung den Lesben eins auswischen will.<\/p>\n<p>Ja, homosexuelle Sichtbarkeit wird von homophoben Heteros mit der gleichen Logik bek\u00e4mpft, die die Schwulenberatung gegen lesbische Sichtbarkeit anf\u00fchrt!<\/p>\n<p>So schreibt der BZ-Kolumnist Schnupelius in <a href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/allgemein\/senator-vergibt-preis-fuer-lesbische-sichtbarkeit-aber-was-soll-das-sein\">seiner Tirade<\/a> gegen Preis:<\/p>\n<blockquote><p>Dabei bleibt die Frage offen, ob das wirklich Aufgabe des Staates ist. Wenn eine Frau die lesbische Liebe lebt, so ist das ihre private Angelegenheit, die nicht \u00f6ffentlich bewertet werden muss.<\/p>\n<p>Sie sollte auch nicht \u00f6ffentlich bewertet werden, weil das zu Irritationen f\u00fchrt. Wenn eine lesbische Frau einen Preis vom Senat erhalten kann, eine heterosexuelle Frau aber nicht, dann wirkt es so, als ob die lesbische Liebe bevorzugt werden w\u00fcrde, als ob sie in den Augen des Preisgebers mehr Wert sei als die andere. Aber das ist sie nicht, sie ist gleichwertig.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist nicht nur geschmacklos, sondern auch gef\u00e4hrlich, wie der Chef einer Schwulen-Institution dieses populistische Narrativ f\u00fcttert, nach dem der Kampf gegen die Diskriminierung einer Minderheit ein Privileg, eine Bevorzugung ist. Ja klar muss f\u00fcr Trans&#8220; und Inter* (und in vielen Bereichen auch noch f\u00fcr Schwule) mehr getan werden. Aber f\u00fcr Lesben eben auch!<\/p>\n<p>Schwule sollten der Initiative gegen lesbische Sichtbarkeit also nicht (nur) aus Gr\u00fcnden der Solidarit\u00e4t mit den Lesben widersprechen und der Art und Weise wie Trans* und Inter* hier instrumentalisiert werden.<\/p>\n<p>Sie sollten es tun, weil sich diese Initiative auch gegen sie selber richtet.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Mehr zum Thema im Blog:<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=8307\">&#8222;Was haben denn Schwule mit Lesben zu tun?&#8220;<\/a><\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p class=\"gmail_default\"><strong><a href=\"http:\/\/www.onlinekram.com\/buch-ich-hab-ja-nichts-\/\">\u200bDie n\u00e4chsten Lese- und Diskussionsveranstaltungen zum Buch zum Nollendorfblog, <\/a><\/strong><\/p>\n<p class=\"gmail_default\"><strong><a href=\"http:\/\/www.onlinekram.com\/buch-ich-hab-ja-nichts-\/\">&#8222;Johannes Kram: Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber &#8230;&#8220;:<\/a><\/strong><\/p>\n<p class=\"gmail_default\"><strong><a href=\"http:\/\/www.onlinekram.com\/buch-ich-hab-ja-nichts-\/\">19.06.\u00a0 &#8211; K\u00d6LN, \u200b09.07.- BERLIN\u200b, \u200b09.08. &#8211; N\u00dcRNBERG\u200b, \u200b13.08. &#8211; L\u00dcBECK, 16.08. &#8211; TRIER\u200b, \u200b22.08. &#8211; ERFURT\u200b, \u200b18.09. M\u00dcNCHEN, weitere Termine in K\u00fcrze\u200b<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Diesen Beitrag auf Facebook liken \/ sharen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nicht nur geschmacklos, sondern auch gef\u00e4hrlich, wie der Chef einer Schwulen-Institution dieses populistische Narrativ f\u00fcttert, nach dem der Kampf gegen die Diskriminierung einer Minderheit ein Privileg, eine Bevorzugung ist. Ja klar muss f\u00fcr Trans&#8220; und Inter* (und in vielen Bereichen auch noch f\u00fcr Schwule) mehr getan werden. 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