{"id":9068,"date":"2018-08-29T15:55:48","date_gmt":"2018-08-29T13:55:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=9068"},"modified":"2019-03-02T12:00:35","modified_gmt":"2019-03-02T10:00:35","slug":"analverkehr-ist-der-deutsche-witz-warum-ich-ein-buch-ueber-homophobie-geschrieben-habe-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=9068","title":{"rendered":"Am 8. 9. in Kahla: Eine kleine Stadt in Th\u00fcringen braucht unsere Solidarit\u00e4t gegen Homohass und Rechtsextremismus"},"content":{"rendered":"<p>Zur Zeit bin ich mit meinem Buch \u00fcber die &#8222;nette Homophobie in der Mitte der Gesellschaft&#8220; in Deutschland unterwegs. Doch bereits bei meinem ersten Lesetermin habe ich erfahren, dass es Teile in Deutschland gibt, in denen die Sorgen der Community viel handfester sind, in denen nicht die diffuse und nett artikulierte Alltagshomophobie das Problem ist.<\/p>\n<p>Sondern der brutale offene Homohass.<\/p>\n<p>Kahla, ein kleines sch\u00f6nes St\u00e4dtchen im Th\u00fcringischen ist so sehr dominiert vom Einfluss rechtsradikaler Kr\u00e4fte, dass dort alle Bem\u00fchungen, Community sichtbar und erlebbar zu machen, im Keim erstickt werden.<\/p>\n<p>Auf den Demokratieladen, der sich auch gegen Rassismus und Homophobie einsetzt, sind schon zweimal Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt worden, beim letzten Mal sind nur durch viel Gl\u00fcck keine Menschen zu Schaden gekommen. Trotzdem gibt es dort eine Gruppe engagierter Projektmitarbeiter*innen und Aktivist*innen, die nicht locker lassen, und weiter versuchen, dass auch dort offenes Leben von LGTBI m\u00f6glich ist. Zum letzten Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie im Mai war ich zu einer Lesung eingeladen. Im Vorfeld war unmittelbar vorher auf dem benachbarten Marktplatz eine Aktion geplant, die dazu diente, auf die Situation von LGTBI aufmerksam zu machen und mit der Zivilbev\u00f6lkerung dar\u00fcber in Gespr\u00e4ch zu kommen. Unter dem Motto &#8222;Color Up Kahla&#8220; wurde der Marktbrunnen mit regenbogenfarbenen Transparenten umdekoriert, es gab Infost\u00e4nde und selbstgebackene Muffins.<\/p>\n<p>So liebevoll und kreativ der ganze Auftritt vorbereitet und auch in der lokalen Presse angek\u00fcndigt war, so gespenstisch war die Resonanz: Weder Passanten noch Repr\u00e4sentanten der Zivilgesellschaft lie\u00dfen sich blicken. Keiner ging auf das Gespr\u00e4chsangebot ein, niemand wagte auch nur einen H\u00f6flichkeitsbesuch, wie er in anderen Gemeinden \u00fcblich ist, um die Verbundenheit und Unterst\u00fctzung mit dem Anliegen zu zeigen.<\/p>\n<p>Grund hierf\u00fcr ist offensichtlich nicht Desinteresse, sondern das Angst-Szenario, das dort seit Jahren von rechten Kr\u00e4ften verbreitet wird. W\u00e4hrend der guten Stunde, die wir auf dem Marktplatz standen, konnte ich beobachten, wie das funktioniert: In der Region bekannte Neonazis zeigten Pr\u00e4senz am Rande des Platzes, ganz offensichtlich, um die AktivistInnen einzusch\u00fcchtern und auch den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern zu signalisieren, dass eine m\u00f6gliche Kontaktaufnahme mit uns von ihnen registriert werden w\u00fcrde. Oder, wie<a href=\"https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=31208\"> Queer.de die Vorf\u00e4lle sp\u00e4ter zusammenfasst<\/a>: &#8222;Stadtbekannte Nazis liefen Patrouille.&#8220;<\/p>\n<p>Doch dabei belie\u00dfen es die Nazis nicht.<\/p>\n<p>Von uns unbemerkt hatten sie Fotos von uns gemacht, die sie Stunden sp\u00e4ter auf Facebook stellten, um die Stadt gegen das Engagement f\u00fcr Vielfalt in Stellung zu bringen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem <a href=\"https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=31208\">schreibt queer.de<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Und dann, Stunden sp\u00e4ter, der Schock. Die Aktivistinnen entdecken Bilder auf Facebook: Demnach haben Rechtsextremisten der Partei &#8222;Der Dritte Weg&#8220; nicht nur die Dialog-Aktion fotografiert, sondern als Gegenaktion auch homophobe Flyer in der Kleinstadt verteilt. Auf den Flugbl\u00e4ttern der Nazis hei\u00dft es: &#8222;Mit reichlich Steuergeldern wird die Homosexualisierung der Gesellschaft vorangetrieben.&#8220; Und weiter: &#8222;Ohne deutsche Kinder gibt es keine deutsche Zukunft!&#8220; Es ist Material, das die Nazis seit l\u00e4ngerer Zeit verwenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach diesen Vorf\u00e4llen habe ich die AktivistInnen gefragt, wie sie mit der Situation umgehen m\u00f6chten und angeboten, falls gew\u00fcnscht, zusammen mit ihnen eine weitere Aktion mit dem Ziel zu planen, der Einsch\u00fcchterung der Nazis eine Solidarit\u00e4tsgeste aus den Reihen der Community entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis dieser Diskussionen ist, dass sich die AktivistInnen entschlossen haben, Flagge zu zeigen:<\/p>\n<p>Am\u00a08. September findet nun ab 14.00 Uhr auf dem Marktplatz unter dem Motto &#8222;Kahla Courage- Vielfalt ist das ganze Leben&#8220; ein Fest statt, dass das Ziel hat,\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/451661145346202\/\">&#8222;f\u00fcr Aufgeschlossenheit gegen\u00fcber verschiedener Lebens- und Liebesweisen&#8220;<\/a> zu werben.<\/p>\n<p>Ich finde es gro\u00dfartig, dass sie sich nicht einsch\u00fcchtern lassen. Vor allem aber ist es mutig.<\/p>\n<p>Doch ich finde, wir d\u00fcrfen Sie mit ihrem Mut nicht alleine lassen. Deswegen m\u00f6chte ich jede und jeden bitten, dem es irgendwie m\u00f6glich ist, an diesem Tag nach Kahla zu kommen, mit zum Gelingen dieses Festes beizutragen. Denn es geht dabei nicht nur um Kahla. Es geht auch darum, ganz grunds\u00e4tzlich zu zeigen, dass Nazis nicht das letzte Wort haben d\u00fcrfen, dass die Angst nicht siegen darf. Es geht darum zu zeigen, dass wir keine Orte dulden, an denen sich Lesben, Schwule, Bi-, Trans-. und Intersexuelle nicht \u00f6ffentlich zeigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vor allem aber geht es darum zu zeigen, dass die von uns in der Community viel beschworene Solidarit\u00e4t ein Versprechen ist, das auch wirklich eingehalten wird, wenn es wirklich notwendig ist. Wenn wir es schaffen, in Kahla Mut zu verbreiten, also dort wo die Verh\u00e4ltnisse am aussichtslosesten erscheinen, k\u00f6nnen wir auch andere mit diesem\u00a0 Mut anstecken.<\/p>\n<p>Schon jetzt gibt der Aufruf Anlass zur Hoffnung und viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, aber auch Institutionen haben ihre Teilnahme und Hilfe zugesagt. Es bewegt sich was &#8230;<\/p>\n<p>Also bitte: Kommt am 8. September nach Kahla!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Samstag, 8. September , 14.00 &#8211; 17.00 Uhr, Marktplatz 07668 Kahla, Th\u00fcringen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcr alle aus Berlin: Zusammen mit Enough ist Enough wird es einen Bus geben, bei dem noch Pl\u00e4tze frei sind (Kostenbeitrag: 7.00 EUR): Anmeldungen sind m\u00f6glich unter:\u00a0<a href=\"mailto:kahla-courage@web.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kahla-courage@web.de\u00a0<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>(Der Bus f\u00e4hrt um 10.00 Uhr nahe Berlin Zoologischer Garten los und wird ca. 21.00 Uhr wieder dort zur\u00fcck sein. Der genaue Startpunkt wird bei Anmeldebest\u00e4tigung mitgeteilt.)<\/em><\/p>\n<p><em>K\u00fcnstler, die auftreten wollen, k\u00f6nnen sich ebenfalls unter dieser Mailadresse melden. Au\u00dferdem gesucht: Attraktive Preise f\u00fcr die Tombola.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>&#8212;<\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcr das B\u00fchnenprogramm haben sich einige K\u00fcnstler*innen aus Berlin, NRW und Th\u00fcringen angek\u00fcndigt. <\/em><\/p>\n<p><em>U.a. dabei:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Ryan Stecken<\/em><br \/>\n<em>&#8211; Beate Fischer<\/em><br \/>\n<em>&#8211; am Piano: Florian Ludewig<\/em><br \/>\n<em>&#8211; Sven Hensel, Stef &amp; Barbara Roherwasser (Poetry Slam)<\/em><br \/>\n<em>&#8211; The Road Ahead <\/em><br \/>\n<em>&#8211; Mindcolor<\/em><\/p>\n<p><em>Talk u.a. mit Ryan Stecken, Ex-Fu\u00dfballspieler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcus_Urban\">Marcus Urban,\u00a0<\/a><\/em><\/p>\n<p>Autor &amp; Poetry Slammer<\/p>\n<p><em>Mit weiteren K\u00fcnstlern sind wir gerade im Gespr\u00e4ch. Moderation: Paul Schulz (Schwuz, Enough is Enough) und Johannes Kram.<\/em><\/p>\n<p><em>Au\u00dferdem: <\/em><br \/>\n<em>Info-St\u00e4nde, vegane\/vegetarisiche Burger, Kaffee &amp; Kuchen, Tombola<\/em><\/p>\n<p><em>Veranstalter ist die mobile Jugendarbeit S\u00fcdliches Saaletal und der Demokratieladen Kahla in Kooperation mit Enough is Enough und dem Nollendorfblog.<\/em><\/p>\n<p>&#8211;<\/p>\n<h6><strong>\u00a0Das Nollendorfblog bleibt werbefrei und unabh\u00e4ngig durch die freiwillige Unterst\u00fctzung seiner Leserinnen und Leser.\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/de\/nollendorfblog\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8740 size-full\" src=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein.png\" alt=\"\" width=\"442\" height=\"82\" srcset=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein.png 442w, https:\/\/www.nollendorfblog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Steady-nollendorfblog-klein-300x56.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><\/a><\/h6>\n<h6><em>Mehr dazu:\u00a0<\/em><em><a href=\"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=8291\">Das Nollendorfblog braucht Deine Unterst\u00fctzung.<\/a><\/em><\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p class=\"gmail_default\"><strong><a href=\"http:\/\/www.onlinekram.com\/buch-ich-hab-ja-nichts-\/\">\u200bDie n\u00e4chsten Lese- und Diskussionsveranstaltungen zum Buch zum Nollendorfblog, <\/a><\/strong><\/p>\n<p class=\"gmail_default\"><strong><a href=\"http:\/\/www.onlinekram.com\/buch-ich-hab-ja-nichts-\/\">&#8222;Johannes Kram: Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber &#8230;&#8220;:<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Diesen Beitrag auf Facebook liken \/ sharen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf nach Kahla! Wir dulden keine Orte, an denen sich Lesben, Schwule, Bi-, Trans-. und Intersexuelle nicht \u00f6ffentlich zeigen k\u00f6nnen. Die Nazis und ihre Angstmache d\u00fcrfen nicht das letzte Wort haben!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[164,55,151],"tags":[],"class_list":["post-9068","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-164","category-community","category-solidaritaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9068"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9068\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9284,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9068\/revisions\/9284"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}