{"id":9425,"date":"2018-12-23T12:58:08","date_gmt":"2018-12-23T10:58:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=9425"},"modified":"2019-03-02T12:00:34","modified_gmt":"2019-03-02T10:00:34","slug":"homophobie-angriff-auf-klaus-wowereit-die-geistig-moralische-verkommenheit-des-friedrich-merz-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=9425","title":{"rendered":"Der &#8222;Hafen&#8220; soll bleiben!"},"content":{"rendered":"\r\n\r\nAm Ende des Jahres erlebt Berlins Community eine Einigkeit, wie sie das ganze Jahr nicht m\u00f6glich schien. Und das ausgerechnet bei einer Gaybar.\r\n<blockquote class=\"is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">Der \u201eHafen\u201c soll schlie\u00dfen. Ich finde das unfassbar traurig, denn auch ohne dort regelm\u00e4\u00dfig Gast gewesen zu sein: Der Hafen ist eine Institution des schwulen Berlin und ein Ort queerer Sichtbarkeit und Leichtigkeit. Wenn ich mir etwas w\u00fcnschen k\u00f6nnte, dann dass eine L\u00f6sung gefunden wird und diese Schlie\u00dfung abgewendet werden kann. Berlin braucht diese Orte!<\/blockquote>\r\nlie\u00df Klaus Lederer h\u00f6chstselbst, immerhin Berliner B\u00fcrgermeister und Kultursenator, auf Facebook wissen.\r\n\r\nSven Lehmann aus K\u00f6ln, als queerpolitischer Sprecher der gr\u00fcnen Bundestagsfraktion dort eher f\u00fcr die gr\u00f6\u00dferen politischen Fragen zus\u00e4ndig, fordert:\r\n<blockquote>Berlin ohne den <a class=\"PrettyLink hashtag customisable\" dir=\"ltr\" href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Hafen?src=hash\" rel=\"tag\" data-query-source=\"hashtag_click\" data-scribe=\"element:hashtag\"><span class=\"PrettyLink-prefix\">#<\/span><span class=\"PrettyLink-value\">Hafen<\/span><\/a> ist wie K\u00f6ln ohne das Corner: unvorstellbar! Der Hafen muss bleiben!<\/blockquote>\r\nSogar einen Hashtag #LesbenfuerSchwule gibt es nun gegen die drohende Hafen-Schlie\u00dfung, der von prominenten Communityfrauen wie Stephanie Kuhnen und Annet Audehm promotet wird. Fast alle Berliner Zeitungen und der rbb haben \u00fcber das drohende aus berichtet. Mehr als beachtlich auch, dass sich die queerpolitischen Sprecherinnen und Sprecher aller Berliner Koalitionsparteien (Melanie K\u00fchnemann-Grunow, SPD, Carsten Schatz, DIE LINKE, und Anja Kofbinger und Sebastian Walter, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) f\u00fcr den Hafen auf einen gemeinsamen Appell verst\u00e4ndigt haben:\r\n<blockquote>&#8222;Nach Clubsterben und der immer st\u00e4rkeren Verdr\u00e4ngung von Mieterinnen und Mietern aus der Innenstadt trifft es jetzt auch den Regenbogenkiez. Dadurch wird Berlin \u00e4rmer. Wir fordern den Vermieter auf, eine Verl\u00e4ngerung des Mietvertrages zu erm\u00f6glichen und dem Hafen eine Zukunft zu er\u00f6ffnen. Kneipen, die auch als Treffpunkte und Orte der Kommunikation dienen, geh\u00f6ren ebenso in den Kiez wie sexpositive Clubs.&#8220;<\/blockquote>\r\nUnd selbst aus der Union wird Rot-Rot-Gr\u00fcn f\u00fcr solcherlei Einfussnahme in privatwirtschaftliche Abl\u00e4ufe ausnahmsweise mal nicht verp\u00fcgelt. Im Gegenteil. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak schreibt:\r\n<blockquote>Der <a class=\"_58cn\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/hashtag\/regenbogenkiez?source=feed_text&amp;epa=HASHTAG&amp;__xts__%5B0%5D=68.ARCiAqpMJptUOq3k7m0m7MvxDkO-7_JVOAdY7DXngHGE_xvZoT4ML3kaA5v9WnxRZDuUCHmRo8T3e1Ql3N9B-l6gYdl1fWX9vvfHsS5YcugP5AD_UR_zu6nv0KiM0Rbe8KVO2YAFXsTnNK6UZgwkO9SIbbAequYSRoeiAWcExd7OPBLdowNLzETeQggjRAdsXkTfvgDHAyhRJpn__1YpXJtWLogWjRcZLPsBSCDK5afa-ud-JZI4sFEGk5zoXy7tS5dX2FOc0ZYgfw8uFvG2catrrJZTTXigtj7WCFxJ5_H7rGMndo5hoC_xYILMiA&amp;__tn__=%2ANKH-R\" data-ft=\"{&quot;type&quot;:104,&quot;tn&quot;:&quot;*N&quot;}\"><span class=\"_5afx\"><span class=\"_58cl _5afz\" aria-label=\"Hashtag\">#<\/span><span class=\"_58cm\">Regenbogenkiez<\/span><\/span><\/a> rund um den Nollendorfplatz ist ein Besuchermagnet f\u00fcr Menschen aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Dazu habe<span class=\"text_exposed_show\">n ihn auch die Clubs, Bars und Kneipen gemacht. Der <a class=\"_58cn\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/hashtag\/hafen?source=feed_text&amp;epa=HASHTAG&amp;__xts__%5B0%5D=68.ARCiAqpMJptUOq3k7m0m7MvxDkO-7_JVOAdY7DXngHGE_xvZoT4ML3kaA5v9WnxRZDuUCHmRo8T3e1Ql3N9B-l6gYdl1fWX9vvfHsS5YcugP5AD_UR_zu6nv0KiM0Rbe8KVO2YAFXsTnNK6UZgwkO9SIbbAequYSRoeiAWcExd7OPBLdowNLzETeQggjRAdsXkTfvgDHAyhRJpn__1YpXJtWLogWjRcZLPsBSCDK5afa-ud-JZI4sFEGk5zoXy7tS5dX2FOc0ZYgfw8uFvG2catrrJZTTXigtj7WCFxJ5_H7rGMndo5hoC_xYILMiA&amp;__tn__=%2ANKH-R\" data-ft=\"{&quot;type&quot;:104,&quot;tn&quot;:&quot;*N&quot;}\"><span class=\"_5afx\"><span class=\"_58cl _5afz\" aria-label=\"Hashtag\">#<\/span><span class=\"_58cm\">Hafen<\/span><\/span><\/a> ist seit 28 Jahren eine Institution &#8211; daher muss er als Teil dieses lebens- und liebenswerten Kiezes erhalten bleiben!<\/span><\/blockquote>\r\nWarum l\u00f6st ausgerechnet der Hafen diese Welle der Solidarit\u00e4t aus? Und was kann, was sollte diese erreichen?\r\n\r\nUnz\u00e4hlige Schwulenkneipen haben in den letzten zehn Jahren in Deutschland dichtgemacht. Viele von ihnen hatten in ihrer Region eine \u00e4hnliche Funktion wie der &#8222;Hafen&#8220; in Berlin, der im Januar 2019 nach 28 Jahren in der Motzstra\u00dfe im Nollendorfkiez schlie\u00dfen soll: Sie waren Schutz- und Kulturraum; f\u00fcr die Identifikation der jeweiligen Szene spielten sie eine zentrale Rolle. Auch die Gr\u00fcnde der Schlie\u00dfungen \u00e4hnelten sich meist. Viele hatten sich ganz einfach &#8222;\u00fcberlebt&#8220;. Die Szene hatte sich ver\u00e4ndert, da konnten oder wollten viele Betreiber nicht mithalten. Eine offenere Gesellschaft, die weniger R\u00fcckzugsorte verlangt, eine sich wandelnde, &#8222;inklusivere&#8220; Bar- und Clubkultur, vor allem aber das Internet als alternativer Flirt- und Kennenlernort zwangen viele Bars und Clubs in die Knie. Hinzu kam, dass viele Lagen f\u00fcr Nischenkonzepte nicht mehr bezahlbar waren. Vielen Schwulenkneipen ging es da nicht anders als anderen liebgewonnen Laden und L\u00e4dchen: Sie wurden weggentrifiziert.\r\n\r\nAuch die Betreiber des Hafens sprechen von &#8222;Gentrifizierung&#8220; als Grund f\u00fcr die ungewollte drohende Schlie\u00dfung. Doch die Lage scheint etwas komplizierter. Erstens hat es der Hafen offensichtlich besser es als die allermeisten Homobars geschafft, sich auch in ver\u00e4nderten Zeiten zu behaupten. Er hat als lebendiger Klassiker \u00fcberlebt, nichts wirkt hier verstaubt. Er ist, zumindest am Wochenende rappelvoll, ist allem Anschein nach wirtschaftlich nicht bedroht; die Betreiber wollen und k\u00f6nnten sich leisten, weiterzumachen. Und zweitens hatten sich Vermieter und der Hafen bereits auf einen neuen Mitvertrag geeinigt. Das Verh\u00e4ltnis, so betonen es die Betreiber, sei\u00a0 immer gut gewesen, der Vermieter habe bin noch vor wenigen Monaten die Absicht betont, am langj\u00e4hrigen unbelastenden Gesch\u00e4ftsverh\u00e4tnis festzuhalten. Der Vermieter hat auch ganz offesichtlich nicht die Absicht die Gelegenheit einer Neuvermietung zu nutzen, um die Schwulen aus dem Haus zu bekommen: In Berlin geht das Ger\u00fccht, dass auch die neuen Betreiber aus der Szene kommen sollen.\r\n\r\nAuch wenn es der Vermieter ist, der im Endeffekt entscheiden muss, wem er sein Lokal vermietet, so ist es doch offensichtlich ein Player aus der Community, der eine Gesch\u00e4ftsentscheidung getroffen hat, deren Konsequenz die Vernichtung einer traditionsreichen Community-Instanz ist. Und die offensichtlich davon ausgeht, dass sie von der Community trotz vorhersehbarer Proteste doch irgendwann akzeptiert werden wird, denn schlie\u00dflich wird das Geld von ihr kommen m\u00fcssen. Will die Berliner Szene also eine ihrer wichtigsten Instutitionen behalten, darf sie nicht nur an deren Vermieter appellieren, sondern auch an die Konkurrenz aus den eigenen Reihen, und letztendlich auch an sich selbst. Sie muss sich dar\u00fcber klar sein, was ihr ein solcher Ort wert ist und auch, was sie bereit ist daf\u00fcr zu tun.\r\n\r\nDie Geschichte es Hafens ist also eine grunds\u00e4tzliche. Wenn wir den Hafen nicht retten, obwohl der Hafen weiter Hafen bleiben will, obwohl wir wollen, dass das so ist: Was sind wir dann \u00fcberhaupt bereit und in der Lage, zu erhalten? Die designierten Nachfolger des Hafen haben offensichtlich darauf gewettet, dass stimmt, was viele sagen: Dass Community ein \u00fcberholtes Konstrukt ist. Demnach sind wir eine Zielgruppe wie jede andere auch, jeder entscheidet f\u00fcr sich nach Angebot und Nachfrage nach seinen eigenen Interessen. Kann sein, dass dem so ist.\u00a0 Falls nicht, was ich hoffe, m\u00fcssen wir uns &#8211; egal was es sein wird &#8211; dem Nachfolgekonzept des Hafens verweigern und auch immer deutlich machen, was es auf dem Gewissen hat.\r\n\r\nVielleicht kann ja die Aussicht darauf schon dazu beitragen, dass es nicht so weit kommen muss. \u2666\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<strong>Wir brauchen Deine Hilfe! 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