{"id":99,"date":"2009-06-27T00:05:13","date_gmt":"2009-06-26T22:05:13","guid":{"rendered":"http:\/\/nollendorfblog.de\/?p=99"},"modified":"2019-03-02T11:23:17","modified_gmt":"2019-03-02T09:23:17","slug":"das-stuck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nollendorfblog.de\/?p=99","title":{"rendered":"Das St\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Dass Schwule alle so kreativ sind und so viel Stil haben, l\u00e4sst sich zumindest anhand der Mottos der letzten CSDs (ja, die Mehrzahl von &#8222;Motto&#8220; ist tats\u00e4chlich &#8222;Mottos&#8220;) nicht unbedingt nachweisen. Auch die Headline der diesj\u00e4hrigen Berliner Parade klingt wiedermal nach diesen selbtgemalten und etwas verungl\u00fcckt selbstgedichteten Schaufensterwerbeplakaten, die uns davon abhalten, die dazugeh\u00f6rigen trashigen Nagelstudios, Boutiquen und Bars wirklich zu betreten, und das, obwohl sie wahrscheinlich ganz nett sind. <strong>*<\/strong><\/p>\n<p><em>&#8222;St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck ins Homo Gl\u00fcck. Alle Rechte f\u00fcr Alle&#8220;<\/em> hei\u00dft es tats\u00e4chlich, und der Impuls, da weiter gar nicht dr\u00fcber nachzudenken ist so verst\u00e4ndlich wie schade. Hintergrund ist die Diskussion um Artikel 3 des Grundgesetzes.<br \/>\nDort ist geregelt, da\u00df niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religi\u00f6sen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Die sexuelle Identit\u00e4t ist nicht genannt; ein Versuch, dies in die Verfassung zu schreiben, scheiterte 1994 am Nein der CDU\/CSU und an der Enthaltung der FDP.<\/p>\n<p>Heute hat das Berliner Abgeordnetenhaus den Senat zur <a href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=10655skorpionstich.wordpress.com\/2009\/06\/25\/sascha-steuer\/samstagisteingutertag.wordpress.com\/2009\/06\/25\/die-feigheit-von-cdu-und-fdp\/\">Einreichung einer Bundesratsinitiative aufgefordert<\/a>, um das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz um das Merkmal der sexuellen Identit\u00e4t zu erweitern. Obwohl es sich hierbei nur um die Initiative einer Initiative eines (kleinen) Landes im Bundesrat handelt, der ja im Falle einer dortigen Mehrheit auch noch eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag finden m\u00fc\u00dfte, lassen sich die Fronten auch in dieser Phase bereits gut erkennen: Die CDU stimmte geschlossen und die FDP bis auf <a href=\"http:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/rainer_michael_lehmann-652-46916.html\">einen<\/a> Abgeordneten dagegen. Der Vorsitzende des Rechtsausschusses Andreas Gram (CDU) hatte f\u00fcr die Ablehnung im <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-kurier\/print\/berlin\/267890.html\">Berliner Kurier<\/a> auch eine sch\u00f6ne Erkl\u00e4rung:<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #333333;\"><strong>&#8222;Wir d\u00fcrfen nicht zu viele Sonderrechte ins Grundgesetz schreiben. Als n\u00e4chstes k\u00e4men Dicke und D\u00fcnne, Hochintelligente und nicht so Schlaue und w\u00fcrden Extrarechte einklagen.&#8220; <\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Schluck.. Das fiese ist ja: Die, die sich immer mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gegen schwul-lesbische Rechte gewehrt haben, weil Homosexualit\u00e4t so unnormal sei, versuchen es seit einiger Zeit mit dem genauen Gegenargument: Da ihr so normal seid, braucht Ihr doch auch keine Extrawurst. Jemand, der findet, dass Schwule jetzt mal den Ball flach halten sollen mit dem ganzen Antidiskriminierungsbl\u00f6dsinn, muss also nicht mehr sagen, wie gef\u00e4hrlich, dekandent oder sonstwie schlimm sie sind. Er muss einfach nur sagen, dass er sie ganz normal findet.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das Argument, da\u00df es im Grundgesetzt und besonders in den erste Kapiteln nicht um Sonder-, sondern um Grundrechte geht und sich die Verfassung da auf das Notwendigste beschr\u00e4nken sollte. Doch gerade deshalb ist Artikel 3 der richtige Ort f\u00fcr eine unmissverst\u00e4ndliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Jemand, der Sexualit\u00e4t mit \u00dcbergewicht oder Dummheit gleichsetzt, hat nicht verstanden, da\u00df es im Gegensatz zu den &#8222;Merkmalen&#8220; Intelligenz und Dickleibigkeit bei sexueller Ausrichtung kein Mehr oder Weniger gibt.<\/p>\n<p>Um im Bild zu bleiben: Schwule und Lesben wollen nicht gesch\u00fctzt werden, weil sie sich gegen\u00fcber einer &#8222;normalgewichtigen&#8220; Norm als zu dick oder zu d\u00fcnn empfinden. Im Gegenteil. Sie sind nicht bereit, diese Norm zu akzeptieren. Es gibt nicht mehr oder weniger, nicht bessere oder schlechtere Identit\u00e4t, sondern unz\u00e4hlige verschiedene, die alle anders und alle gleichwertig sind. Dies sollte eigentlich Konsens sein. Da\u00df es diesen Konsens in unserer Gesellschaft nicht gibt, merkt man an allen Enden.<\/p>\n<p>Nicht nur der Anstieg der \u00dcbergriffe, sondern besonders eine <a href=\"http:\/\/nollendorfblog.de\/?p=40\">feindlicher werdende Grundstimmung<\/a> m\u00fcssten eigentlich alarmieren. Dieses Problem ist nicht durch einen Zusatz im Grundgesetz zu l\u00f6sen. Aber nirgendwo au\u00dfer im Grundgesetz l\u00e4sst sich so sch\u00f6n einfach festhalten, was richtig und was falsch ist. <a href=\"http:\/\/www.artikeldrei.de\/index.html\">So einfach<\/a>, da\u00df es auch die verstehen w\u00fcrden, an die sich Herr Gram mit seiner Argumentation zu wenden versucht.<\/p>\n<p><em><strong>* Nachtrag (28.06.09):<\/strong> Habe gestern rund um den Berliner CSD mehrmals \u00fcber diesen Beitrag diskutiert und sowohl dabei als auch durch den Kommentar von Steffl (s.u.) ist mir aufgefallen, da\u00df ich eines nicht klar genug herausgestellt habe: Mich st\u00f6rt nicht der Inhalt des Mottos, ich finde es nur schade, da\u00df es so bl\u00f6de formuliert ist. Danke f\u00fcr\u00b4s Feedback.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Schwule alle so kreativ sind und so viel Stil haben, l\u00e4sst sich zumindest anhand der Mottos der letzten CSDs (ja, die Mehrzahl von &#8222;Motto&#8220; ist tats\u00e4chlich &#8222;Mottos&#8220;) nicht unbedingt nachweisen. 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