Mehr als Bauchgefühl für den Mann von Guido Westerwelle

Nein, er war kein Vorkämpfer für die rechtliche Gleichstellung. Aber gegen die Diskriminierung Homosexueller hat er mehr, sehr viel mehr getan, als ihm zu Lebzeiten zugebilligt wurde.

Er war der erste offen Schwule an der Spitze einer im Bundestag vertretenen Partei, der erste offen Schwule in einer Bundesregierung. Allein dies ist eine Leistung, eine Leistung, die in der LGTBI Community nie richtig gewürdigt wurde. Er war als mächtigster Schwuler in Deutschland nicht nur eine Zumutung für die Homohasser im Land und die homophoben Despoten der Welt, die ihm, einem offen lebenden Schwulen, die Hand geben mussten, wenn sie mit Deutschland reden wollten. Er war auch eine Zumutung für viele Schwule, die ihren Selbsthass auf ihn projizieren konnten, weil er nicht mehr, nicht noch mehr für sie getan hatte. Und allzu oft waren es die Schwulen, die nicht den Mumm aufbrachten, ihren Partner dem eigenen Chef vorzustellen, die dann den homophoben Unterton nicht hören wollten oder konnten, als Westerwelle dafür gerügt wurde, seinen Mann mit auf Dienstreisen zu nehmen. In Wahrheit konnten sie nicht ertragen, dass einer das Land repräsentierte, der nicht nur schwul war, sondern es auch zeigte. Und es ist Westerwelle unendlich hoch anzurechnen, dass er nicht nur das Aushalten der Selbstverständlichkeit einer schwulen Liebe zur Staatsraison machte, sondern auch auch dann noch gelassen blieb, als ihn gerade die eigene Community nicht nur trotz, sondern auch wegen seines Schwulseins die Solidarität verweigerte.

Der Tod Westerwelles ist auch deshalb für die LGTBI-Community ein historisches Ereignis, da es jetzt erstmals einen staatspolitisch sichtbaren schwulen Witwer gibt. Durch Michael Mronz wird ein Familienstand Realität, den es rechtlich nicht gibt, nicht geben darf. Angela Merkel muss das nicht nur ändern, sie könnte es auch. Gestern hat sie – anders als andere – nicht Westerwelles Partner, sondern seinem Mann konduliert. Wenn sie und nicht das Bundesverfassungsgericht es sein wird, die die Ehe für alle einführt, werden wir das auch dem Paar Westerwelle/Mronz zu verdanken haben. Auch weil es wohl auch tief im inneren das Bauchgefühl der Kanzlerin schmerzt, schmerzen muss, dass es kein Ehepaar sein durfte.

Mein Mitgefühl und mein Respekt gilt Michael Mronz, dem Mann von Guido Westerwelle.

Und ich wünsche ihm all die Zuneigung, die sein Mann zu Lebzeiten zu erleben verdient gehabt hätte. ♦

Ich möchte diesen Beitrag heute nicht zum Gegenstand einer Debatte machen und stelle deswegen ausnahmsweise die Kommentarfunktion ab.

Mehr in diesem Blog zum Thema:

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