Lexikon der Homophobie (3): „Homophobie“

„Homophobie“ als Begriff war schon vor anderthalb Jahren einmal Thema eines Beitrages in diesem Blog. Damals schrieb ich über dieses viel zu „nette Wort“:

„Es beschreibt die Angst, nicht die der Opfer, sondern die der Täter. Es beschreibt den Ursprung (oder einen möglichen Ursprung) eines Phänomens, und nicht dessen Charakter.

Das Glück der Homophobiker ist ein nettes Wort. Es ist das Pech der Homosexuellen. Sie werden “nur” von einer Angst verfolgt und nicht von einem systemischen “Ismus”. Sie müssen jedesmal begründen, warum Homophbie so böse ist. Damit gehen sie der Gesellschaft ganz schön auf die Nerven.“

Leider haben die Homofeinde inzwischen das homofeidliche Potential des -phobie Wortes erkannt. Am dreistesten waren dabei wieder mal die Katholiken, als Kardinal Meisner die Proteste gegen die Kirche, – etwa wegen ihrer Angriffe auf Schwule und Lesben – mit einer „Katholikenphobie“ erklärte.  Viele fielen gerne auf diesen Zaubertrick herein, mit dem es der Kardinal schaffte, nicht die Brandstifter, sondern die Feuerwehr auf die Anklagebank zu setzen.

Joachim Frank in der Frankfurter Rundschau beispielsweise fand, Meisner treffe „mit seiner Diagnose der `Katholikenphobie´ einen wesentlichen Punkt.“ Reinhold Michels entwarf in der „Rheinischen Post“ zur Verteidigung Meisners sogar ein richtiges Höllenszenario:

„Wer weiß, was geschähe, wenn die Kirche, mürbe geworden von Anfeindungen, ihren Posten als große Unzeitgemäße räumte, wenn sie nicht länger nein sagte zu Abtreibung, Suizid, Sterbehilfe, wenn sie ja sagte zur Homo-Ehe, zu Priesterinnen. Ob nicht dann die Nachdenklichen unter den jetzt wutschnaubenden Kritikern ins Grübeln kämen.“

Das Wort „Homophobie“ lädt ein zur Camourflage  und zur Verharmlosung. Damit muss jetzt Schluss sein!

Am Ende meines Beitrages vom Oktober 2011 schrieb ich:

„Herr, schenke uns ein neues Wort!“

Der Herr, was, wer, wo oder ob er auch immer ist, hat uns erhört. Ein nicht mehr ganz so neues Wort macht endlich Karriere! Auch mein Blog wird diese unterstützen.

And the winner is … :

„Homosexuellenfeindlichkeit“

Fehlt noch ein Wikipedia-Eintrag. Der erste, der ihn schreibt und ihn durch bekommt, erhält von mir eine gute Flasche Winzersekt!  Ehrlich!

 

Um etwaigen Nachfragen vorzubeugen: Ab dem nächsten Kapitel dieser Reihe wird sie selbstverständlich „Lexikon der Homosexuellenfeindlichkeit“ heissen. An einer Stelle ist eine Umbenennung jedoch nicht geplant.

3 “Kommentare ”

  1. Wohl doch kein Lexikon, eher Polemik: Homophobie bleibt natürlich Homophobie, Homofeindlichkeit ist politisch motiviert, die Phobie ist ein pathologisches Problem, und betrifft auch Personen, die sich öffentlich weder homofeindlich äußern noch gegenüber anderen Menschen handgreiflich werden. Aber klar ist, und deshalb wichtig hier zu lesen, dass die falsche Benutzung des Wortes Homophobie, Homofeindlichkeit entschuldigend verniedlicht. Was gar nicht angeht in öffentlichen Debatten etc.

  2. aus Wikipedia: Phobie=“in der Psychologie eine krankhafte Angst, siehe Phobische Störung“

    Ich möchte dem Beitrag zustimmen: Das Wort Homophobie wirkt entschuldigend („Für meine Ängste kann ich ja nichts“). Es ist eine Feindseligkeit die in der Regel bei Benutzung des Wortes Homophobie heute beschrieben wird.
    Aus Angst vor dieser Feindseligkeit veröffentliche ich hier meinen Nachnamen nicht.

  3. Was technisches: Hier sind nicht nur die externen (nervt schon genug), sondern sogar die internen Links auf target blank gesetzt. Das nervt auf Vollanschlag! Bitte ändern danke.

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