ARD Themenwoche: BR-Intendant Wilhelm bleibt nur Klarstellung oder Rücktritt!

Am Anfang sah es so aus, als sei die ARD Themenwoche nur ein gut gemeinter, aber schlecht gemachter Versuch, sich angemessen mit dem Thema „Toleranz“ auseinander zu setzen.

Mit viel gutem Willen konnte man den ARD-Verantwortlichen auch unterstellen, dass ihre desaströse Plakatkampagne bloss ein Kommunikationsproblem war, dass sie nicht wirklich Rassismus und Homophobie als mögliche Standpunkte einer von ihr provozierten Debatte darstellen wollten.

Doch die ARD verbittet sich solche mildernderen Umstände. Sie besteht darauf, nicht falsch verstanden worden zu sein, sondern betont sogar, dass die Aufregung, die es über ihren Schlag ins Gesicht der betroffenen Minderheiten gegeben hatte, durchaus beabsichtigt war. ARD-Kooerdinator Hans-Martin Schmidt erklärt das in einem Interview mit der SZ so:

„Dass die Kampagne provoziert, war gewollt, wobei der Grad der Provokation sicherlich im Auge des Betrachters variiert. Wichtig ist bei dem Thema ja, dass wir unsere Komfortzone verlassen.“

Dass das der Grad des Blickes auf diese Kampagne vor allem dann variiert, wenn das sie betrachtende Auge sich wegducken muss, um nicht von ihr blau geschlagen zu werden, übersteigt entweder das intellektuelle oder das empathische Vermögen ihrer Erfinder. Oder beides. So soll denn auch nicht der Angreifer die „Komfortzone“ verlassen, sondern die Angegriffenen:

„Ich kann im Augenblick nur um Verständnis werben bei denen, die sich angegriffen fühlen. Wir wollten sicherlich niemanden verletzen. Dass das im Einzelfall nicht immer klappt, bedauern wir.“

Das Problem sind also die Homos, die Ausländer und die Behinderten, die einfach nicht verstehen können.

„Ich finde, da müssen wir einfach sportlich sein. Wir wollten eine Diskussion, und die haben wir jetzt.“

Und solche Leute dürfen tatsächlich das Niveau vorgegeben, auf dem ein öffentlich rechtlicher Sender sich mit Grundfragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens beschäftigt? 

Bisher durfte man hoffen, dass all die vielen misslungenen Versuche* der ARD, irgendetwas richtig zu machen beim Diskutieren über Toleranz, zumindest intern zu einer Reflexion darüber geführt haben, wie man es besser machen kann. Aber die Kampagne und die sie begleitenden Rechtfertigungen machen deutlich, wie sehr Ignoranz und Paternalismus zur Leitkultur des Senders gehören. Sie ist ein Signal an alle Redaktionen, auch weiterhin mit dem Feuer spielen zu dürfen, auch weiterhin Angehörige von Minderheiten vorzuführen, indem sie (und nicht die Redaktionen) deutlich machen müssen, dass sie gleichwertige Menschen sind.

Es ist beeindruckend, wie deutlich dieser Skandal in den letzten Tagen benannt worden ist.

Doch das genügt nicht. Man darf es den ARD Verantwortlichen jetzt nicht durchgehen lassen, dass sie sich jetzt vergnügt auf die Schenkel schlagen, ob der tollen lebhaften Debatte, die sie da losgetreten haben. Denn das Gegenteil ist passiert: Es ist noch schwieriger geworden, über Toleranz zu reden. Es ist noch einfacher geworden, Diskriminierung und Diffamierung als „Meinung“ verklären zu dürfen. Es ist noch leichter, mit einem guten Gefühl hassen zu dürfen.

Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Ulrich Wilhelm, Intendant des für die Themenwoche verantwortlichen Bayerischen Rundfunks hat die Gelegenheit, seinem Koordinator Hans-Martin Schmidt zu widersprechen. Wenn die ARD es erst meint mit der Toleranz, dann muss er sich von der Kampagne deutlich distanzieren und klarstellen, dass Menschenverachtung nicht diskutierbar ist. Und wenn nicht? Dann muss er zurücktreten.

Was denn sonst!

* Mehr  ARD-Toleranz-Unglücke:

Maischberger erklärt Homophobie zur „Gesinnung“

Der Quasi-Rassismus von Katherina Reiche und die Verantwortung von Günther Jauch

Schwulenwitze im “Satiregipfel”: Ist Dieter Nuhr nur ein großes Missverständis?

Frank Plasberg und die Geschichte des Menschenzoos

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Wer noch nicht den „Waldschlösschen-Appell“ gegen Homophobie in den Medien unterschrieben hat: Jetzt wäre eine gute Gelegenheit …

 

9 “Kommentare ”

  1. Diese Empörung über die Plakate ist einfach idiotisch!
    Das ist wie die Bischöfe, die Umfragen machen „wird die wilde Ehe wirklich in ihren Gemeinden praktiziert“.
    Aber so läuft das hier bei uns…Asylanten frieren und leiden TATSÄCHLICH – keinen interessiert es; die ARD druckt womöglich politisch unkorrekte Plakate- die Welt stöhnt auf und diskutiert, ob da wer zurücktreten sollte.
    Die Statements auf den Plakaten, die so heiß kritisiert werden, hat wohl jeder schon gehört – genau das ist doch das, was wir intolerant finden hier; genau darüber soll doch bitte diskutiert werden!

  2. zu Cord:
    Kritisiert wird, dass die Plakate eine Perspektive einnehmen, in der die Diskriminierten das Problem darstellen und nicht die Diskriminierung. Sie suggerieren eine Diskussion, in der eine vermeintliche Mehrheit ergebnisoffen darüber reden müsse, ob die dargestellten Gruppen minderwertig seien oder vielleicht doch nicht. Toleranz wird hier zu einem Gnadenakt, den man den Gruppen zukommen lässt, die man selber vorher marginalisiert hat.

    Schmidts Entschuldigung ist keine. Sie folgt dem leider fast schon üblichen Schema, die Kritik gar nicht anzuerkennen, sondern noch einen draufsetzen, indem man den Kritiker_innen unterstellt, zu doof gewesen zu sein, um zu verstehen, dass man es doch so wahnsinnig gut meinte. Das ist besonders arrogant, da hier die Kritik zu einem großen Teil aus jenen Gruppen kam, über deren „Tolerierbarkeit“ doch angeblich so vorbildlich diskutiert werden sollte.

    Fairerweise sollten wir vielleicht feststellen, dass diese Kampagne durchaus auch innerhalb der ARD kritisch gesehen wurde, und dass einige Sendungen der Reihe glücklicherweise von anderen Toleranzkonzepten ausgehen.

  3. Es soll auf jeden Fall diskutiert werden. Das wird ja auch nicht in Frage gestellt. Kritisiert wird die Message der „Werbeplakate“ – also wie versucht, für die Sendereihe Aufmerksamkeit zu erhaschen. Diese Message fördert und reproduziert Rassismus/Homofeindlichkeit/Behindertenfeindlichkeit. Das funktioniert, weil sie die Leute, die das Plakat sehen, in einer rassistischen, homofeindlichen … Gesellschaft aufgewachsen sind und die Sprüche mit diesen menschenfeindlichen Ideologien verbinden können. Deswegen sind die Plakate meiner Ansicht nach so schädlich und verletzend. Zudem spalten sie bzw. setzen Deprivilegierte weiter herab. Gerade in Deutschland sollte mensch sich der Vergangenheit bewusst sein – von Holocaust bis zu fortwährender aktueller insitutioneller Diskriminierung von Homosexuellen, Behinderten Menschen und People of Color. Entsprechend sollte gerade eine so wirkmächtige Medieninstitution wie die ARD verantwortungsvoll handeln.

  4. Nicht vergessen: Solche Kampagnen werden im Auftrag des Kunden von einer Werbeagentur produziert. Da sitzen Menschen um einen Tisch, befassen sich meist zum ersten Mal mit einem Thema, machen ein Brainstorming und verkaufen das meist unter Stress zusammen gestöpselte Ergebnis dann unter viel Eigenlob und Geschwalle dem Auftraggeber für viel Geld. Vielleicht hätte die ARD einfach mal irgendwelche Betroffenen fragen sollen, ob sie eine Kampagne wollen und ob sie Bock hätten das zu gestalten. Aber das ist wohl zu komplitziert. Oder wie oder was oder weshalb und warum???

  5. Wie wir wissen, ist jeder Mensch von Natur aus heterosexuell. Wer jedoch in Kindheit und Jugend verderblichen Einflüssen ausgesetzt ist, entwickelt mitunter eine homosexuelle Störung.
    Homosexualität ist keine Neigung, keine Meinung und keine sexuelle Orientierung, sondern eine psychische Krankheit. Homosexualität ist widernatürlich und pervers, da sie dem Wesen und der Würde des Menschen zuwiderläuft.
    In meinen Augen machen sich Lesben und Schwule der moralischen Umweltverschmutzung schuldig. Aus diesem Grund möchte ich mit ihnen nichts zu tun haben. Ich bin auch der Überzeugung, dass Kinder vor homosexuellem Gedankengut geschützt werden müssen.
    Ich bin im Lauf meines Lebens zu dieser Erkenntnis gelangt: Eine Welt ohne Homosexualität wäre eine bessere Welt!

  6. Fünf Minuten nach dem Aufstehen muss ich sagen: Gerhard gibt nicht einfach eine Meinung von sich, sondern veröffentlicht eine Welteneinsicht: Homosexualität ist albern und pervers, eine leicht zu behandelnde Kinderkrankheit.
    Schwule und Lesben sind keine Menschen, sondern Agenten, die im Namen der USA die westliche Gesellschaft dwstabilisieren wollen.
    Jder Humanist wünscht sich Anti-Homo-Gesetze wie in Russland.

  7. Lasst uns den Homo-Irrsin stoppen! Homosexuelles Gedankengut ist gemeingefährlich.
    Homosexualität ist widernatürlich. Wie wir wissen, haben Homosexuelle verdrehte und geschmacklose Vorlieben, weil sie selbst einer verdrehten und geschmacklosen Lebensweise frönen. Um ein Wort von Susan Sontag zu verwenden: Homosexuelle sind camp.
    Jeder normale Mensch verflucht die Homo-Perversen.

  8. Schwule und Lesben sind perverse Spinner. In meinen Augen stellen Homosexuelle eine gesellschaftliche Plage dar. Deshalb möchte ich nichts mit ihnen zu tun haben. Ich kann mir nicht vorstellen, für einen Arbeitgeber tätig zu sein, der auch Homos beschäftigt.

  9. Nicht Homosexuelle sind perverse Spinner sondern ihr scheiß Forentrolle aus der russischen trollfabrik!!! Wenn ihr nichts mit homosexuellen zu tun haben wollt bitte sehr – Noch viel mehr Menschen wollen wir euch scheiß Nazis erst recht nichts zu tun haben!! Auf euch als Kollegen können sehr viele Leute verzichten! Und noch was – Wollt IHR Menschenfeinde etwa Homosexuellen erklären wie sie sind? Wollt ihr Glinde etwa einem sehenden Menschen erklären was Farben sind?!

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