Zum Tod von Frank Zahn

Als Frank Zahn Ende 2014 den Bruno Gmünder Verlag übernahm, und somit rettete, ging es ihm nicht darum, reich zu werden. Nach allem, was man weiß, war er das bereits. Auch eine sichere, lukrative Geldanlage sieht anders aus. Dass Verlage es heute schwer haben, erst recht wenn ihre Umsätze vor allem auf Print basieren, ist eher eine Untertreibung. Für Unternehmen, die dazu noch aus dem LGTBI*-Kosmos kommen, sieht es meist noch schlechter aus. Es ging ihm wohl auch nicht um Ruhm. Den hätte er haben können: Er hätte sein Unternehmen, das unter seiner Leitung der weltweit größte inhabergeführte Verlag für LGTBI*-Titel war, mit seinem Namen verbinden können. Er hätte sich als „Player“ inszenieren können, in öffentlichen Auftritten sein unternehmerisches Gewicht, aber auch das eines Ermöglichers und Verteidigers für insbesondere schwule Kultur feiern lassen können. Er, der Opern- und Kunstliebhaber, hätte versuchen können, das Image des Verlages als das einem, der vor allem Halb- und Ganznacktes produziert und vertreibt, relativieren können, in dem er mehr in den Mittelpunkt gerückt hätte, wie sehr sich sein Verlag für die Entwicklung aber auch für die Verfügbarkeit schwuler Literatur engagiert. Aber er wollte sich nicht auf Kosten seines Verlages profilieren, auch weil er fest der Überzeugung war, dass das alles zusammen gehört: Erotik und Kunst, Populäres und Sperriges, Aufklärung und Genuss.

Der Bruno Gmünder Verlag war – und vor allem: blieb! – unter ihm ein schwules Unternehmen, dass sich der Community verpflichtet fühlte. Er musste damit leben, dass diese Community es trotzdem zu großen Teilen hasst, oder zumindest unterstellt, dass es ihr nur das Geld aus der Tasche ziehen will. Doch das war nicht so. Ich weiß, dass das hiermit Kategorien auf eine nicht  ganz saubere Art miteinander vermische, aber ich möchte es trotzdem so schreiben, wie ich es empfinde: Ich bin sicher, Frank hat mit seinem Unternehmen der Community mehr gegeben als sie ihm. Natürlich möchte und muss ein Unternehmer mit seiner Firma Geld verdienen wollen. Aber das war nicht, was Frank antrieb. Er genoss auch nicht die Macht, die er hätte haben können, und keiner, der ihm bei der Arbeit erlebt hat, kann behaupten, dass er sein Unternehmen wie ein illustres Hobby betrachtet hätte. Natürlich hat er sicher auch Fehler gemacht, aber vielleicht versuchen die, die diese jetzt im Blick haben, sich einmal einzufühlen in die Zwänge und Erwartungen, die ein solches Unternehmen in diesen Zeiten hat. Und denken darüber nach, wie viel sie bereit sind, von dem zu geben, was die Community so dringend braucht, aber nur ganz wenige so einbringen, wie es Frank getan hat: Verantwortung, und die wirkliche Bereitschaft, dabei ein Risiko einzugehen.

Einige in der Szene haben eine große Klappe, erreichen eine gewisse Aufmerksamkeit. Ich gehöre dazu. Nutzen wir sie auch dazu, diejenigen zu preisen, die auf ihren Ruhm verzichtet haben.

Besonders dann, wenn sie ihn so verdient haben wie Frank Zahn.

Offenlegung: Ich habe mehrmals für das Magazin „Männer“ geschrieben, das vom Bruno Gmünder Verlag herausgegeben wird. Als Marketingmensch habe ich die Bruno Gmünder GmbH unter Frank Zahns Leitung mehrmals in Kommunikationsdingen beraten.

PS: Ich habe bei der Bruno Gmünder GmbH nach einem offiziellen Foto von Frank gefragt. Dass es dort ein solches nicht gibt, sagt ja vielleicht auch etwas über ihn aus. Das für diesen Beitrag verwendete Vorschaubild habe ich von seiner Facebook-Seite geklaut. Ich hoffe, das war in seinem Sinne. Wenn jemand der Meinung ist, dass dem nicht so ist, oder dass ich hiermit die Gerfühle oder Rechte Dritter verletze, möge sie oder er sich bitte bei mir melden.

Weitere Links zum Tod von Frank Zahn:

Offizielles Statement der Bruno Gmünder GmbH

Queer.de : „Chef des Bruno Gmünder Verlages gestorben“

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