Lieber Udo Walz, lieber Wolfgang Joop, gefallen Sie sich im Käfig voller Narren?

Lieber Udo Walz, lieber Wolfgang Joop,

glauben Sie wirklich, dass man Sie beide für diese komische CDU -Wahlwerbung (stern.de: „Spot an. Hirn aus“) angefragt hat, weil sich irgend jemand für Ihre Meinung interessiert?

Glauben Sie wirklich, es ginge um Sie?

Haben Sie nicht mal kurz darüber nachgedacht, dass es vielleicht damit zu tun haben könnte, dass Sie beide ähm … schwul sind? Wirklich nicht? Sie der bekannteste deutsche Friseur und Sie, der bekannteste in Deutschland lebende Modeverkäufer?

Ich sag Ihnen jetzt mal was: Sie denken wahrscheinlich, die Leute mögen Sie, obwohl Sie schwul sind. Vielleicht wissen Sie es ja noch nicht, aber es ist genau anders herum: die Leute mögen Sie, weil sie schwul sind.

Ja! Weil Sie die guten, sauberen Schwulen sind. Die, die wissen wie man sich benimmt. Wann es an der Zeit ist für ein bisschen Chichi. Und wann Schluss ist mit Paradiesvogel!

Nicht welche von denen, die dauernd über Sex reden. Zumindest nicht so, dass man ihn sich so mit Popo und so vorstellen muss …..

„…. Darkrooms gibt es auch im Reihenhaus. Da zog mich trotz aller Neugier nichts hin. Ich brauche Zeit, um Vertrauen zu jemand zu entwickeln. Ich bin preußisch erzogen und körperlich nicht besonders freizügig. Für mich bedeutet die Berührung von Haut zu Haut eine ganze Menge. Menschliche Dimensionen sind attraktiver als rein sexuelle…. „

Wolfgang Joop

(am 29.01.1996 im SPIEGEL)

»Die meisten denken dann gleich an Darkrooms und Analverkehr. Und ich kann Ihnen versichern, dass Homosexualität damit nichts — ausschließlich — zu tun hat.«

 Udo Walz

(auf die Frage, ob er sich einen schwulen Kanzler vorstellen könnte, nachdem er an dem Wort „schwul“ Anst0ß genommen hatte, aufgezeichnet am 09.12.2006 von Stefan Niggemeier)

…. und auch nicht die, die halbnackt auf der Straße tanzen, so dass man Angst um die kleinen Kinder haben muss.

Nein, wenn alle Schwulen wären wie Sie, dann könnte man wirklich versichert sein, dass nicht jeden Abend in der Kölner Altstadt und in Berlin Schöneberg das Abendland untergeht. Dann würde man nicht ständig genervt werden von Homos, die sich dauernd diskriminiert fühlen und dann auch noch bei Paraden und Demos diese Fummelshow abziehen und öffentlich rumkrakeelen.

Schließlich sind Sie ja der beste Beweis dafür, dass jeder in dieser Gesellschaft alles werden kann. Wenn man die von ihr zugewiesene Rolle akzeptiert. Oder, wie es Helmut Markwort, einer der Türwächter Ihrer BAMBI-Gesellschaft formuliert hat:

“Während die Show-Schwulen von Berlin auf der Straße krakeelen, marschieren die etablierten Homosexuellen durch die Institutionen und arbeiten an ihrer Karriere.”

 

Denken Sie vielleicht, das mit Ihnen beiden ist ein Zufall?

Etwa genau so ein Zufall wie das Plakatmotiv mit der Pfanne, das die Aufgabe hat, das moderne Familienbild der Union zu symbolisieren? Weil die Pfanne nicht von einer Frau sondern von einem Mann gehalten wird?

Quelle: cdu.de

Was symbolisieren Sie?

Ich verstehe ja, dass es aufregend  ist, die nächsten vier Wochen von Millionen Menschen auf Verkehrsinseln und an Bushaltestellen bewundert zu werden. Als Angies ziemlich beste Freunde. Sie haben sich das  wirklich verdient! Ja wirklich, ich gönne es Ihnen. Und ich will Ihnen wirklich keine Vorschläge machen, was Sie wählen sollten. Aber das mit den Plakaten: Wissen Sie wirklich, was Sie da tun?

Haben Sie die letzten Wochen auch mal etwas anderes als Gala und Bunte gelesen und mitbekommen, was im wirklichen Leben passiert ist? Zum Beispiel wie die Union aus wahltaktischen Gründen gegen die Gleichstellung Homosexueller gekämpft und polemisiert hat? Wie prominente Parteimitglieder von der Kanzlerin unwidersprochen Thesen in Talkshows verbreiten duften, die sehr nah bei denen sind, mit denen Russlands Präsident Putin jetzt seine Jagt auf Homosexuelle begründet?

Jeder darf und soll wählen, was er will, er braucht dafür keine logische Begründung. Er braucht sogar gar keine. Aber jetzt sind sie Teil einer Wahlkampagne und damit, sorry für die Häme, mitverantwortlich dafür, wie die Politik der Kanzlerin verkauft wird.

Wir alle wissen, dass die Kanzlerin nicht homophob ist. Aber sie ist homosexuellenfeindlich. Nicht aus Überzeugung sondern aus taktischen Gründen.

Obwohl sie weiß, dass die Homo-Ehe kommen wird, hat sie entschieden, den Kampf gegen die Gleichstellung weiter zu führen, um damit die konservativen und reaktionären Kreise des Wählerspektrums der Union binden zu können. Statt einer Bevölkerungsgruppe zu helfen, ihre Ressentiments gegen Lesben und Schwule zu überwinden, hat sie sie darin bestärkt. Sie hat den Homo-Konflikt zündeln lassen, um den Rechten in der Partei zu geben, was sie verlangen: eine konservative Idendität. (Siehe dazu den Blogeintrag: CDU und CSU erklären Homophobie zu ihrem Markenkern)

Bereits im März diesen Jahres hatte sie sich entschieden:  Merkel möchte mit Homo-Hass Wahlkampf machen, ohne dass dieser Hass sichtbar wird.

Damals hatte ich in diesem Blogeintrag geschrieben:

„Man muss es immer wieder sagen, weil es immer wieder falsch gesagt werden wird: Es geht nicht um uns. Aber es geht auf unsere Kosten. Wir sind gewohnt, das wegzustecken. Darauf basiert Merkels Kalkül.“

Vielleicht hatte Merkel da schon an Sie gedacht, lieber Udo Walz, lieber Wolfgang Joop.

Was sind Sie für ein Käfig voller Narren!

Ihr Johannes Kram

5 “Kommentare ”

  1. Lieber Johannes!
    Danke Dir für diesen wunderbaren und sehr treffenden Artikel!
    Schönes Wochenende wünscht Johannes aus München!

  2. Es gibt ja auch eine Arbeitsgemeinschaft „Lesben und Schwule in der Union“. Die sind echt in der falschen Partei.
    Beim Lesen des Artikels musste ich übrigens an Harald Glöööckler denken, der sich gegen die Homo-Ehe aussprach, weil Kinder seiner Meinung nach eine Mutter und einen Vater bräuchten. Für mich unverständlich.

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