AfD-Kandidatin für Hirschfeld-Kuratorium: „Studien belegen, dass es unter homosexuellen Männern mehr Pädophile gibt.“

Dass der Einzug der AfD in den Bundestag auch für die Magnus Hirschfeld Stiftung Folgen haben würde, war klar. Als Bundesstiftung wird ihr Kuratorium mit Mitgliedern aller Fraktionen besetzt, die Rechtpopulisten würden also auch hier mitreden und entscheiden dürfen. Die bis heute offenen Frage war allerdings, erstens, wen die AfD in dieses Gremium entsenden würde und zweitens, welche Rolle die Partei in der Stiftung spielen will.

Beide Fragen sind seit heute geklärt.

Die Fraktion hat sich einstimmig für die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst entschieden. Und damit ist auch die zweite Frage beantwortet, denn Höchst ist die Abgeordnete, die vor ein paar Tagen während der Befragung der Bundesregierung dazu genutzt hat, gegen die Ehe für alle zu wettern, obwohl diese gar nicht Thema war. Bei der Befragung von Familienministerin Katarina Barley zum Elterngeld Plus lehnte sie dieses ab, da es nur eine Maßnahme sei, die wie die Ehe für alle nur sehr wenige Menschen in Anspruch nehmen würden und nur der “Befriedigung von Kleinstinteressengruppen” diene.

Die AfD-Fraktion hat sich offenbar bewusst dazu entschieden, eine leidenschaftliche Homohasserin in die Stiftung zu entsenden, deren Aufgabe es laut Satzung ist, der „gesellschaftlichen Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen in Deutschland entgegenzuwirken.“ Höchst kämpft nicht nur mit Vorträgen zur angeblichen Frühsexualisierung gegen eine Erziehung zur Vielfalt an den Schulen. Gegen die Ehe für alle und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare argumentierte sie im Bundestagswahlkampf mit der Aussage:

„Studien belegen, dass es unter homosexuellen Männern mehr Pädophile gibt.“

Dass es ganz offensichtlich ihre Aufgabe ist, gegen und nicht für den Stiftungszweck zu arbeiten, zeigt nicht nur die in diesem Satz bekundete Homosexuellen-Diffamierung, sondern auch, dass sie versucht diese mit wissenschaftlichem Anschein zu untermauern. Ziel der Stiftung ist es nämlich, „die gesellschaftliche Lebenswelt homosexueller Männer und Frauen, die in Deutschland gelebt haben und leben, wissenschaftlich zu erforschen und darzustellen.“

Das Lebenswerk von Magnus Hirschfeld war geprägt davon, Akzeptanz durch die Vermittlung von Wissen zu fördern. Der Sexualwissenschaftler und Mitbegründer der ersten Homosexuellen-Bewegung hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass hundert Jahre nach seinem Wirken dieser Grundsatz  durch eine Vertreterin in einer nach ihm benannten Stiftung in ihr Gegenteil verkehrt werden soll. ♦

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7 “Kommentare ”

  1. Mit Provokation schafft man’s ins Fernsehen. Was anderes wollen die Alternaiven für D nicht.
    Man kann da nur ruhig Blut bewahren und mit echten Fakten dagegen halten.

    z.B: Studien belegen, dass schwule Männer Männer lieben. MÄNNER!

  2. Die Frau soll sich da bis auf die Knochen blamieren „dürfen“, so der naheliegende Plan. Dass die AfD und deren homophobe Kandidatin für das Amt, dieses Eigentor nicht merken war klar. Es hat sich ja bereits mehrfach gezeigt, dass die AfD ihren politischen Auftrag nicht in konstruktiver Weise nutzen kann oder will. Mit freundlichen Grüßen Torsten Ilg FREIE WÄHLER Köln

  3. Die gute Frau hat noch nicht realisiert, dass wir in 2018 leben. Und es zu diesem Thema Studien gibt, die Ihre Thesen wiederlegen. Sie sollte eventuell nicht nur die Studien aus der rechten Regalseite lesen.

  4. Ich bin sehr froh, dass eine AFD-Hardlinerin ins Kuratorium kommt, dann sind die Fronten klar. Was hätte das Kuratorium mit einer liberalen AFD-Person gemacht? Zusammen gearbeitet? Somit wäre die AFD weiter auf ihrem Weg gewesen zu einer vermeintlich „normalen“ Partei.

    Und ansonsten. Es geht der AFD nur um Aufmerksamkeit. Sie haben es mit dieser Personalie schon wieder geschafft. AFD-Anhänger freut es, dass diese Person nun an dieser Stelle sitzt. Es geht nicht um eine inhaltliche Arbeit im Kuratorium.

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