Der Doktor

Dr. Motte, der Gründer der Loveparade, hatte am Wochenende seinen .. na wie nennt man das… vielleicht seinen … inneren kleinen Reichsparteitag? Das Problem war nur, daß das so innen gar nicht war, ja eigentlich sogar ziemlich öffentlich (ab 6:00). Auf der sogenannten „Fuckparade“ am Samstag in Berlin befeuerte er sich so sehr in die Rolle des Schrei-Redners, daß er sich wohl am Ende noch nach dem letzten, dem totalen Tabu sehnte, um auch das noch in die jubelnde Menge zu schleudern.

Nachdem sogar seine pantomimische Darstellung einer aus einem Nazi-Buch entnommenen „Mann Rune“ für Begeisterung gesorgt hatte, steigerte sich seine gebrüllte Wut auf die schlechte Berlin-Politik soweit nach oben, daß dort, auf dem Gipfel des Allerschlimmsten nur noch das Wort „schwul“ übrig blieb:

„…es ist unser Land. Ihnen gehört es nicht, aber uns allen. Und ich fordere alle Politiker auf, auch unseren Regierenden Bürgermeister mit seiner schlechten, schwulen Politik, die keiner braucht!“

Was würde mit einem NPD-Politiker passieren, der einen solche öffentlichen Auftritt hinlegen würde? Ist die Homophobie der ewig-gestrigen für die Bewußtseinsbildung in der Gesellschaft wirklich gefährlicher als die der Alternativ- oder Popkultur?

Fast noch schlimmer als seine Tiraden sind die Rechtfertigungsversuche und die Haltung, die da hinter steht. Dr. Motte glaubt wirklich, mit dem dem Standard-Schleim der Small-Talk Gesellschaft wegzukommen: War nicht so gemeint, habe ja nichts gegen Schwule, habe viele schwule Freunde….

Jemand, der das Wort „schwul“ in der öffentlichen Auseinadersetzung so benutzt, wie Dr. Motte es getan hat, dem kann man eingestehen, daß er seine schwulen Freunde wirklich mag. Er muß sich aber auch fragen lassen, ob es ihm nicht insgeheim lieber wäre, sie wären nicht schwul. Es sei ihm so „herausgerutscht“ verteidigt sich Dr. Motte. Man kann ihm in seinem Interesse und dem seiner Freunde nur wünschen, daß er mal erforscht, wie es da hineingerutscht war.

Hauptstadt, Politik

2 “Kommentare ”

  1. ein peinlicher griff in die mottenkiste …
    und ein dr. motto in erklärungsnöten. vielleicht macht er sich einfach selbst überflüssig. abschalten. weiterschalten. ignorieren. dr. motte scheint von vorgestern.

  2. Der redet doch sowieso nur Blech. Seine Reden zur Loveparade waren jedenfalls alle zum weglaufen.
    Im übrigen „rutscht“ einem so etwas nicht einfach heraus. Da steckt eine „gewisse“ Denke hinter. Im Video hört man auch, mit welcher Verachtung er den Satz sagt.

hier kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.