„I wish there were no rules“ – Danke, Prince!

„I just can’t believe
All the things people say, controversy
Am I black or white?
Am I straight or gay? Controversy …

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People call me rude, I wish we were all nude
I wish there was no black and white, I wish there were no rules“
Prince, „Controversy“

Ich hatte mein Coming Out in den 80ern. Und weil es ein Coming Out war, war es etwas, was mir Angst gemacht hatte. Weil es mir Angst machen musste. Angst vor einer Welt „da draußen“, auf die uns, die wir da raus mussten, niemand vorbereitet hatte. Und schlimmer: Angst vor einer Welt, von der alle, die das Sagen hatten sagten, sie sei das Schlimmste überhaupt.

Heute weiß ich, dass nicht ich pervers war, sondern die 80er-Jahre-Gesellschaft, in die ich hineinwuchs.

Aber heute ist Prince gestorben. Und das erinnert mich daran, dass das so nicht ganz stimmt mit den 80ern. Ja, es gab Gauweiler, Thatcher, Reagan und Johannes Paul II. Es gab ein richtiges und ein anderes Ufer. Es gab die Anständigen, und die Unanständigen, das waren wir.

Aber es gab eben auch Prince. Und Michael Jackson, die Pet Shop Boys, Boy George, Freddie Mercury, David Bowie und Madonna. Mir ist heute wieder bewusst geworden, dass all diese Superstars* der 80er eines ganz besonders verbindet: Dass sie dieses Konzept des Anständigseins zerstört hatten. Dass sie nicht nur mit Genderidenditäten spielten (wie man das heute so gerne macht), sondern, dass das Sich nicht festlegen lassen ein wesentlicher Bestandteil ihrer Künstlerpersönlichkeit war. Und dass das damals nicht schrill, oder „sub“, sondern Mainstream war.

Die Helden der 80er kämpften (im Gegensatz zu ihren Vorgängern aus den 60ern) nicht gegen die Norm. Sie änderten sie einfach.

Sie läuteten eine Zeit ein, in der sehr vieles sehr viel besser geworden ist. Unter anderem, dass sich heute sehr viel weniger Teenager als damals deshalb umbringen, weil sie denken, dass ihr Anderssein das Allerschlimmste ist.

Aber trotzdem passiert das heute noch. Weil auch heute noch homosexuelle Kinder in der Regel in heterosexuelle Familien geboren werden. Und weil auch die tolerantesten Väter heute meist nicht davon träumt, einen schwulen Sohn, oder eine lesbische Tochter zu haben. Weil auch heute die Gesellschaft es ihren queeren ungeouteten Kids es sehr viel schwerer macht, als sie es machen müsste.

Ich verstehe nicht, warum es fast nur Lesben und Schwule sind, die dagegen kämpfen, dass „besorgte Eltern“ heute immer mehr Gewicht bekommen. Menschen, deren größte Sorge es ist, ihre Kinder könnten das Anderssein als etwas Gutes empfinden. Die dagen kämpfen, dass man ihre und andere Kinder so auf die Welt da draußen vorbereitet, dass sie ihnen weniger Angst macht, als sie muss.

I just can’t believe
All the things people say
Controversy
Am I black or white?

Am I straight or gay?

Das hat er 1983 gesungen.

Und nicht nur dafür: Danke Prince! ♦

* Bitte lasst uns jetzt nicht darüber streiten, wer noch alles ein Superstar der 80er war. Und ja, es gab noch Jimmy Sommerville und Erasure und andere, aber die schwammen nicht zwischen den Unfern hin und her. Die fühlten sich am anderen sehr angekommen.

Mehr dazu in diesem Blog:

Live-Blog aus Dresden zum Nachlesen: Demo „besorgte Eltern“ contra „Vielfalt“

 

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