Peter Maffay meint es gut und macht es schlimmer

Peter Maffay sah gestern abend nicht so aus, als würde er verstehen, in was er da gerade reingeritten worden ist. Es ehrt ihn aber, daß er nicht versucht, sich da irgendwie rauszureden. Soeben hat er einen Text online stellen lassen, der seinen Auftritt erklären soll.

„Wenn Plate sagt, einen Musiker, der ‚frauenfeindliche Texte, schwulenfeindliche Texte und im Endeffekt menschenverachtende Texte veröffentlicht hat – so einen Musiker hier heute Abend auszuzeichnen, finde ich nicht korrekt‘, dann stimme ich ihm bis dahin zu. Aber Bushido ist nicht für seine frühen Texte mit dem BAMBI ausgezeichnet worden. Im Gegenteil: Bushido hat sich ganz klar von seinen Aussagen von vor 10 Jahren distanziert. Er hat sich schon lange öffentlich zu seinen Fehlern bekannt. Patrizia Riekel hat daher zurecht von einer zweiten Chance gesprochen.

Komisch, daß Peter Maffay weiterhin versucht, die Angelegenheit mit der „zweiten Chance“ zu begründen, wo die, die ihm das ganze eingebrockt hat Hauptverantwortliche das für gar nicht notwendig hält. Patrizia Riekel betont gestern abend im ARD-Nachtjournal, daß man sich von seinen damaligen Texten eben NICHT distanzieren muss:

„Ich wundere mich ein bißchen über die Aufregung. Bushido ist ein Rapper. Und zur Rapperkultur gehören provokante und aggresive Texte.“

Peter Maffay ist wirklich nicht zu beneiden. Immerhin versucht er, der ganzen Sache jetzt doch noch einen Sinn abzuringen:

„Jede Auszeichnung ist zugleich eine Verpflichtung für die, die sie bekommen. Dieser BAMBI holt einen Musiker ab, der sich auf den richtigen Weg begibt und eine Chance verdient. Und die Jury hat Bushido jetzt in die Pflicht genommen.“

Warum ist eigentlich diese „Verpflichtung“ Argumentation niemanden in der Begründung des Preises eingefallen? Warum nicht Peter Maffay selbst in seiner Laudatio?

Man darf in seinem Sinne für ihn annehmen, daß er diese nicht selbst geschrieben hat, dafür aber die nachgeschobene Rechtfertigung erst meint. Das würde aber die Sache nicht besser besser machen. Wenn es ihm und der Jury wirklich darum geht, Bushido auf den „richtigen Weg“ zu halten, warum tut er und die Jury nichts dafür? Der erste Schritt wäre doch, daß man den „falschen Weg“ auch wirklich verläßt.

Warum aber werden dann seine Platten von damals dann heute noch verkauft? Peter Maffay könnte zeigen, daß er das mit der Pflicht auch wirklich so meint. Er könnte dazu beitragen, daß seine Texte nicht noch weiter zum Hass anstiften! Mal schaun, wie erst er es wirklich meint.

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9 “Kommentare ”

  1. also ich habe bei Maffays Laudatio durchaus eine sorgfällige Wortwahl bemerkt – zwar sehr verhalten, aber dennoch hörbar, dass es keine, wie sonst üblich, bloße Lobhudelei war… auf mich wirkte es wie ein Versuch, einer Lobesrede gerecht zu werden (welches ja die Aufgabe eines Laudators ist) und gleichzeitig eine verhaltene „Distanzierung“ zu äußern. Er wirkte auf mich wie eine Person, gefangen in einer tragischen Situation…

    Die nun oft erwähnte „zweite Chance“ zur Begründung einer Preisverleihung an einen spaltenden und nicht integrierenden Künstler halte ich für abwegig. Eine gundsätzliche charakterliche Änderung ist bei diese Mann für mich noch nicht erkennbar (ein Rapper, der in einer Villa wohnt – ein bizarres Bild – und fragenstellenden Journalisten Prügel androht, bei diesem kann ich noch keine ernsthafte geläuterte Wandlung glauben. Dann sollten seine hasserfüllten Lieder auch nicht weiter als seine Einnahmequelle dienen).
    Mit dem Hinweis, er solle sich die Preisverleihung zu Herzen nehmen und in Zukunft danach handeln, diskreditieren sich die Jury und sämtliche Befürworter, denn dies sagt letztlich aus, dass er es bisher nicht tat!!
    Ähnlich abstrus wäre es Frau Verona Poth den Georg Büchner Preis zu verleihen, für ihre zukünftigen Leistungen zur Bewahrung der deutschen Sprache und Literatur.
    Welch ein absurdes Bild !

  2. Die von Peter Maffey gehaltene Laudatio hat – wenn man wirklich genau hingehört hat – dem Preisträger Bushido mehr als nur einen Warnhinweis in beide Ohren gedrückt – hoffe diese Hinweise kommen auch weiter als nur bis zum Trommelfell…

    Von daher fand ich den Auftritt von Peter Maffey gut – bis auf das spontan angebotene „Du“ – da wurde er förmlich überrumpelt und es hat sich sichtlich unwohl gefühlt – so zumindest mein Eindruck!

    Um das ganze Ding zu retten würde ich als Burda, den Preisträger nun peinlichst beobachten und ihm dann auch das Bambi wieder aberkennen, wenn es zu einer (1) weiteren Entgleisung kommen sollte, dies aber auch dann bei der darauffolgenden Bambiverleihung öffentlich verkünden- frei nach dem Motto: „2. Chance vertan!“

    Den Kommentar von Frau Riekel kann ich nicht nachvollziehen! Aber mei…ob die überhaupt die Texte von Bushido kennt??….

  3. Peter Maffay geht ja auch schon langsam auf die 70 zu. Vielleicht bekommt er alles nicht mehr so genau mit….

  4. Diese Gesellschaft trieft nur so vor Homo-Hass – da gibt es nichts zu verharmlosen.

    Hätte man einen bekennenden Antisemiten oder Rassisten (und was ist Homo-Hass anderes als eine Form des Rassismus?) ausgezeichnet, hätte es zu Recht einen Sturm der Entrüstung gegeben.

    Nur mit Schwulen kann man sich das aber weiterhin unbehelligt erlauben.

    Macht ja auch nichts, dass homosexuelle Jugendliche weiterhin einem vier bis sieben Mal höheren Suizidrisiko und täglicher Diskriminierung bis hin zu roher Gewalt ausgesetzt sind.

    Bei Schwulen dürfen Medienkonzerne und auch alle anderen eben alles, was ihnen gerade in den Sinn kommt und maximalen Profit verspricht.

  5. @peetmuc:

    Hättest du Frau Riekel nur mal genau zugehört, dann würdest du sie bestens verstehen.

    „Menschlichkeit kann nicht staatlich verordnet werden“ sagte sie gestern Abend angesichts von Millionen Kindern, die dank Hartz IV und asozialer neoliberaler Politik in Armut leben „dürfen“. Das verband sie in der üblichen Manier mit dem bekannten Loblied auf „Ehrenamtliche“, die im Rahmen von ein bisschen Charity des Geldadels und der Konzernmedien dann ihre Imagepflege betreiben können.

    Wenn Menschlichkeit nicht „staatlich verordnet werden kann“, heißt das auch, dass Hassverbreitung und Beförderung von Diskriminierung und Gewalt weiterhin unbehelligt stattfinden können. Denn wer braucht schon einen sozialen und demokratischen Rechtsstaat, wenn überall das Recht des Stärkeren gilt?!

  6. Bushido hat seinen Bambi für seine Verdienste zum Thema „Integration“ erhalten. Überspitzt heißt das, prügelt
    die Schwulen und ihr seid integriert.

    @Peter
    Warum eine ganze Altersgruppe diffamieren?

  7. Warum gibt sich Maffay für eine Laudatio her? Warum rechtfertigt er die Preisvergabe an Bushido? Darum:

    Maffay hat an dem Song „Erwachsen“ mitgearbeitet, bei dem sein Lied „Nessaja“ Sido und Bushido als Vorlage diente. (…) Der 61-jährige Maffay genoss die Zusammenarbeit mit den jüngeren Kollegen sichtlich: „Ich fand das ganz witzig und bin extra für die Aufnahmen von Mallorca nach Berlin geflogen“
    Quelle: stern.de, 22.08.2011

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