Der Westerwelle-Bashing-Reflex ist kindisch

Mir geht das reflexhafte Westerwelle-Bashing vieler Schwuler schon lange auf den Geist. Es ist so einfach und so durchschaubar. Westerwelle ist der dankbarste Prügelknabe der Schwulenszene. Mit einer Einladung an ihn kann man gar nichts falsch machen: Kommt er, buht man ihn aus. Kommt er nicht, hat er mal wieder bewiesen, wie wenig er sich um die Schwulenrechte schert.

Ich finde es gerade sehr schade, wie auch die Demonstration gegen die russische Homohetzpolitk wieder von diesem schwulen Volkssport überlagert wird, Haltungsnoten zu verteilen und Westerwelle vor sich her zu treiben.

Ich will mich hier wirklich nicht für Westerwelle oder seine Partei und erst recht nicht für ihre Homo-Politik ins Zeug legen. Aber ich habe auch keine Lust, bei einer Demonstation mitzulaufen,  bei der ein Großteil der Leute sich lieber über den deutschen Aussenminister aufregt als über den russischen Präsidenten.

Für alle die es nicht mitbekommen haben oder einfach nicht wahrhaben wollen:

1.) Westerwelle hat sich früh und klar und wiederholt zu Russland und Sotschi geäussert. Seine Position entspricht übrigens ziemlich genau der des LSVD.

2.) Jedem war klar, dass eine Teilnahme Westerwelles an der Demo aufgrund der Kurzfristigkeit und des Wahlkampfes sehr unrealistisch war. Westerwelle hat mit plausiblen Gründen abgesagt. Man mag das kritisieren, daraus aber zu folgern, dass ihm Menschenrechte nicht so wichtig sind, ist einfach nur trotzig. Ausserdem empfehle ich manchem Westerwelle-Basher mal einen gelegentlichen Blick in die Tagesschau (oder meinetwegen auch die RTL 2 News), der vielleicht die Augen dafür öffnet, dass Menschenrechte und Menschenleben in diesen Tagen nicht nur in Russland verteidigt werden müssen .

3.) Die Bundesregierung wird auch ohne Westerwelle von einem Vertreter der Bundesregierung repräsentiert werden, dazu noch von einem, der genau für das Thema zuständig ist: dem Menschenrechtsbeauftragten.  Dass man lieber Westerwelle da gehabt hätte ist verständlich. Es mag aber auch damit zu tun haben, dass Viele noch nie von einem Menschenrechtsbeauftragten gehört haben.

3 “Kommentare ”

  1. Wer von Westerwelle-Bashing spricht, sollte sich vielleicht mal überlegen, dass man in Wahlkampfzeiten besser beraten wäre, sich um eine unabhängige bedeutende Persönlichkeit aus Kunst oder Sport oder aus der Community zu bemühen, die weniger belastet ist, als das bei Westerwelle der Fall ist, der für viele, dank seiner nicht gerade rühmlichen Vergangenheit nicht gerade als Sympathieträger nachvollziehbar ist. Die FDP liegt nicht zuletzt um seiner verfehlten politischen Ziele willen am Boden und als Außenminister hat er sich bislang auch nicht gerade sehr weit nach vorn gewagt. Ich erinnere nur an die deutsche Enthaltung beim Uno-Beschluss zu Lybien. Auch im Fall Syriens eiert er ziemlich rum, wo man sich eine klare Stellungnahme wünschen würde.

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