Herr Gabbana kann uns egal sein. Aber seine Marke nicht.

Stefano Gabbana, Mitinhaber des Modekonzerns „Dolce&Gabbana“ möchte nicht schwul genannt werden.

Queer.de zitiert aus einem Interview mit der Sonntagsausgabe der „Corriere della Sera“ :

„Ich will nicht als schwul bezeichnet werden, weil ich ein Mensch bin. Ich finde es unglaublich, dass man heute noch diesen Begriff verwendet“

„Das Wort schwul ist von jenen entworfen worden, die ein Label brauchen, und ich möchte nicht aufgrund meiner sexuellen Wahl identifiziert werden“.

„Ich denke, eine öffentliche Persönlichkeit zu sein, kann helfen, eine neue Kultur zu verbreiten, die nicht länger auf Gay Rights, sondern auf Menschenrechten basiert. Bevor wir schwul, hetero- oder bisexuell sind, sind wir Menschen.“

„Klassifizieren führt nur zu Problemen: Gay-Kino, Gay-Lokale, Gay-Kultur. Wovon sprechen wir? Kino, Bücher und Kultur gehören allen.“

„Die Begriffe dienen oft dazu, sich zu verteidigen. Aber ich möchte von niemandem verteidigt werden, denn ich habe nichts falsch gemacht. Ich bin einfach ein Mann.“

„Wenn in Grundschulen Kindern gelehrt wird, dass Männer unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung Männer bleiben, würden wir einen großen Schritt nach vorne machen.“

Das Unverständnis und der Protest, der sich gegen diese Äußerungen richtet, ist verständlich. Das Problem ist nur: Der Protest ist genau der Grund, warum Gabbana so etwas sagt. Es mag sein, dass das, was Gabbana in diesem Interview sagt, irgendetwas mit ihm selbts zu tun hat, mit dem, was er denkt und fühlt. Aber das ist ziemlich irrelevant. Denn der Name Gabbana ist soviel größer als der, der ihm gehört, er ist Teil eine der wichtigsten Modemarken der Welt. Ein Inhaber einer solchen Marke sagt in einem solchen Interview nichts, was diese Marke gefährdet. Wir reden also nicht über die persönlichen Ansichten des Designers, sondern über Marketing-Aussagen, auch wenn sich diese decken sollten.

Europa ist für solche Marken ein immer unwichtigerer Markt. Wichtiger ist Südost-Asien, aber auch Russland und die Arabische Welt. In den Malls und Duty Free Shops der Länder, in denen Homosexuelle am meisten gehasst werden, hängen die Namen von Dolce & Gabbana am größten. Die Männer dort wollen keine schwulen Gürtel tragen. Er möchte seine Marke vor dem Schwulen in seinem Namen schützen. Er möchte seine Marke vor den Schwulen schützen. Darum, nur darum geht es in dem Interview. Dolce&Gabbana dürfen sich nennen wie sie wollen, sie dürfen auf die Bewegung spucken und auf sich schwul nennende Schwule herabblicken. Die Emanzipationsbewegung kämpft auch für die Arschlöcher unter uns. Herr Gabbana kann uns egal sein.

Aber seine Marke nicht. Sie, so dürfen wir dieses Interview verstehen, ist ab heute unser Feind.

Hier der ganze Queer.de Artikel. / Screeenshot: Queer.de

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3 “Kommentare ”

  1. Ich kann mich auch noch an eine Sängerin in den USA erinnern, die Werbung für Orangensaft machte und dabei zum Kreuzzug gegen Schwule aufgerufen hat: Anita Bryant, 1977. Sie wurde von gays „getortet“! 😉
    Bürgerliche Homos wollen zwar von der gesellschaftlichen Entwicklung profitieren, die Schwule angestossen haben, aber sie wollen nicht mit „denen“ in Verbindung gebracht werden. Das wäre, wie wenn heterosexuelle Eltern stolz ihre Kinder vorzeigen, aber leugnen, dass sie je miteinander gefickt hätten! ;))

  2. Das Interview wurde ja in Italienisch geführt. Italienisch ist von den diskriminierenden „froccio“, „finocchio“, „orecchione“ vielleicht zu „omosessuale“ oder „lesbica“ (das auch Schimpfwort verwendet wurde/wird) direkt zu „gay“ übergegangen. Die Neu-Aneignung von schwul fand nur im Deutschen statt.
    Dass sich Gabbana jetzt sogar gegen „gay“ (im italienischen Text) wendet, ist umso bedenklicher. Das bedeutet – wie kommentiert – die Marke vor der eigenen Individualität.
    Peter Thommen hat recht, Undankbarkeit (der bürgerlichen Schwulen) ist der Welten Lohn.

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