Warum mich der Protest des US-Athleten gegen die russische Homo-Politik beschämt

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau hat der erste Athlet offen gegen das russsische Homosexuellen-Diskriminierungsgesetz protestiert. Nach dem Rennen, das dem US-Sportler Nick Symmonds die Silber-Medialle im 800 Meter-Lauf sicherte, widmete er diese seinen lesbisch-schwulen in seiner Heimat.

Das so was im Spitzensport der Weltverbände eine Sensation ist, zeigt, wie verkommen dieser ist.

Noch mehr macht das für das Statement deutlich, mit dem Symmonds seinen Schritt begründete:

„As much as I can speak out about it, I believe that all humans deserve equality as however God made them. (…) Whether you’re gay, straight, black, white, we all deserve the same rights. If there’s anything I can do to champion the cause and further it, I will, shy of getting arrested.“

Mich hat das beschämt.

Natürlich bin ich für den Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, solange dort das Homo-Apartheitsgesetz nicht abgeschafft ist.

Trotzdem muss ich zugeben, dass ich die Boykottforderung auch etwas weltfremd und in erster Linie symbolisch wichtig fand.

Bis eben. Bis ich mich dies Sätze von Symmonds erschrocken haben. Wie selbstverständlich sie sind. Und wie tief der Abgrund zwischen dieser Selbstverständlichkeit und dem Selbstverständnis von Politik und  Weltsport  ist, der durch seine einfachen Worte sichtbar wird.

Ich will deshalb das Kleinreden nicht mehr hören über vermeintliche Zwänge und darüber, dass ein Olympia-Boykott nichts nützen oder vielleicht sogar schaden würde. Und dass es um Sport geht und nicht um Politik. Homosexualität wird nicht von denen zu Politik gemacht, die sie leben, sondern von denen, die sie politisch sanktionieren. Homosexualität wird nicht durch Propaganda zum Problem, sondern dadurch, dass sie zum Problem gemacht wird.

Die Olympischen Spiele sind kein Selbstzweck, sie sind keine Notwendigkeit und der weltweite Spitzensport kann sich auch anders organisieren. Die Spiele der Neuzeit  haben sich neben dem Vergleich der Sportler der Welt vor allem einem verpflichtet: Der Völkerverständigung. Das klingt naiv, ist aber Teil des Geschäftsmodells: Jeder Sponsor, jeder ausrichtende Staat kauft und schmückt sich ausser mit einem sportlichen Spektakel vor allem mit dem schönen Geist der Völkerverständigung.

Natürlich ist so ein Boykott keine einfache Sache, ja klar muss man bei Olympia auch realpolitisch denken. Schliesslich kann Olympia die positive, emanzipatorische Entwicklung einer Gesellschaft unterstützen. Aber besonders wir Deutschen wissen, dass auch das Gegenteil stimmt. Was denn bitte muss in Russland noch passieren?

Es ist ganz einfach: Gesetzliche Homoverfolgung und Völkerverständigung schliessen sich grundsätzlich aus. Olympische Spiele in Russland sind ein Widerspruch in sich.

Die Sponsoren und Verbände wissen das. Aber es ist ihnen egal, solange uns es egal ist.

 

 

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