Müllermilch hat kein Problem mit der Homophobie ihres Werbestars Andreas Gabalier

Es gibt verschiedene Gründe, warum Marken prominente Gesichter für ihre Werbung verpflichten. Häufig geht es darum, den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern. Bei der Zusammenarbeit zwischen Müllermilch und dem österreichischen Sänger Andreas Gabalier dürfte dies keine Rolle gespielt haben. Trotz medialer Dauerpräzenz des „Volksrockenrollers“ kann man davon ausgehen, dass der Name der Molkereimarke der bekanntere ist.

Ein weiterer Grund für das Engagement eines Stars in der Werbung ist die Absicht, eine Marke oder ein Produkt von dessen Image profitieren zu lassen. In der Branche nennt man das „Imagetransfer“.

Andreas Gaballiers Image jenseits seines musikalischen Profils ist vor allem geprägt durch seine Beschwörung vormoderner Geschlechterrollen, die er gerne bis hin zu eindeutig homophoben Ausfällen („Man hat es in der heutigen Zeit nicht leicht, wenn man als Mann auf Frauen steht“) verknappt.

Die Frage ist also, ob Müllermilch, die den Sänger in der Pressemitteilung zur Kooperation als besonders authentisch und „bodenständig“ preist, ihn trotz  oder wegen seines Rollenbildes verpflichtet hat.

Ich habe beim Unternehmen nachgefragt. Ich wollte wissen, ob Müller Milch vor dem Zustandekommen der Zusammenarbeit die Haltung Gabaliers zur Homosexualität (etwa die, dass öffentlich schmusende Männer die Antipathie gegen Homosexuelle befördere oder die, dass „diese Sexualität nicht ganz so breit in der Öffentlichkeit ausgetreten“ werden solle) bewusst gewesen ist. Ich wollte wissen, wie das Unternehmen zu solchen Aussagen steht und ob Gabaliers Befund von der „genderverseuchten Zeit“ zum Image von Firma und Marke passt.

Hier die Antwort der Unternehmenssprecherin:

Aus unserer Sicht ist neben der Gleichberechtigung die freie Meinungsäußerung eine der höchsten Errungenschaften der Demokratie. Insofern respektieren wir selbstverständlich auch Ihren Unmut.
Wir freuen uns sehr, Andreas Gabalier als Markenbotschafter gewonnen zu haben. Er passt hervorragend zu unserer Marke.
Aus unserer Sicht bewegen sich Herrn Gabaliers Äußerungen – soweit sie uns bekannt sind – nicht außerhalb des rechtlichen Rahmens..
Unsere Werbung soll Emotionen wecken und wird entsprechend subjektiv wahrgenommen.
Leider ist es uns nicht möglich, den Geschmack all unserer Konsumenten zu treffen und wir bitten Sie deshalb um Ihr Verständnis.

Müller Milch hat also, so viel darf man sagen, kein Problem mit der Homophobie ihres Werbestars, so lange diese nicht gegen Gesetze verstösst. Ohne jede Relativierung stellen sie trotz der aufgezeigten diskriminierenden Ausfälle ihres Testimonials klar: „Er passt hervorragend zu unserer Marke.“ Sie hätten auch sagen können: Das ist seine Privatmeinung, die hat mit unserer Kooperation nichts zu tun. Sagen sie aber nicht. Dazu passt, dass die Frage nach der Haltung des Unternehmens zu homophoben Aussagen unbeantwortet blieb. Müllermilch möchte sich also nicht festlegen, ob sie Homophobie gut findet oder nicht.

Das ist zumindest gut zu wissen.♦

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14 “Kommentare ”

  1. Ich kaufe Müllermilch Produke schon seit Jahren nicht. Und das ist auch gut so. Ist halt kein Bio drin und steht nicht mal Bio drauf.
    Auf ein konventionelles, homophobes, nicht sozialverträgliches und nicht ökologisches Produkt kann ich verzichten!!!
    Ich hoffe, dem werden sich immer mehr Verbraucher anschließen.
    Außerdem gibt es noch diese unschönen Befunde:
    http://soziologie.de/blog/2013/04/unternehmen-die-es-nicht-geben-durfte-1-muller-milch/
    https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/das-futter-machts-milch-ist-nicht-gleich-milch-0

  2. Lustigerweise fällt mir gerade jetzt eine – ausgerechnet eine österreichische Site ein zum Thema Homophobie http://www.homophobie.at/

    Der zweite Gedanke ist barilla. http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/boykott-aufrufe-barilla-chef-loest-shitstorm-mit-bemerkung-ueber-homosexuelle-aus/8856518.html

    Die Werbung von Müller-Milch war schon immer desaströs, einzig der Clip mit Else Kling „wenns schee macht!“ war mal einen Hauch von witzig. Promi-Werbung ist immer ein wenig behämmert, Steffi Graf war da stark involviert (auch bei barilla, allerdings vor dem Shitstorm, und beim Konkurrenten Südmilch) obwohl sie die Produkte in Las Vegas, wo sie schon lange wohnt, gar nicht erwerben kann.

    Andreas Gabalier ist ein Fall für sich. Wörter, die im Internet kursieren, wie „Schluchtenkretin“ will ich hier gar nicht anwenden. Die Intention für seine homophoben Aussagen – und das verschärft das Ganze natürlich, denn er hat das bei einigen Gelegenheiten getan und erst zuletzt seinen Sermon im Merkur-Interview ungeschickt zu relativieren versucht http://www.merkur.de/kultur/andreas-gabalier-schwul-feind-merkur-interview-5183593.html.

    Die Begründung von Müller-milch, diesen komischen Kerl zu engagieren, und ihm jetzt auch noch die Stange zu halten (hähä,) der bei jeder Gelegenheit seine „unfassliche Familientragödie“ aufwärmt, und den Plattenverkauf anzukurbeln – als hätten andere nicht auch derlei erlebt – ist merkwürdig. Ein einziger Hit in den Single-Charts, „I sing a Liad für di“, wird seit Jahren wiedergekaut. Gut, das neue Album schoß auf Platz 1 wegen der extremen Werbung und weil wohl manche weibliche Wesen auf den „Jackl“ stehen (von denen hab ich per Facebook auf meinen Kommentar zu Gabaliers’s Homophobie aber Reaktionen gekriegt, au backe, aber auch einige Likes), sackte aber in der Folgewoche wieder ab.

    Die Auslassungen des Herrn Gabalier entsprechen genau denen, die in den Internetforen von SPIEGEL, ZEIT, FOCUS, WELT von Der AfD oder Pegida nahestenden Trolls gepostet werden – zuletzt gehäuft nach Irland und Supreme-Court:

    Ein Kind braucht Vater und Mutter
    – bei 50% Scheidungsquote
    – bei einer sechsstelligen Zahl von Kindeswohlverstößen und Sorgerechtsentzug?
    – jeden dritten Tag kommt kaut Kriminalstatistik ein Kind unter heterosexueller Ägide ein Kind ums Leben.
    Da sollte Regenbogenfamilien doch wohl mal eine Chance gegeben werden.

    Homosexuelle sollten nicht im Mittelpunkt stehen.
    – das tun sie nicht. Es fällt nur auf nach jahrhundertelangen Tabus, dass jetzt mehr darüber gesprochen und veröffentlicht wird.

    Die Geschlechterrollen werden durcheinander gebracht
    – Also Homosexuelle und Transsexuelle gab es schon immer. Es ist nur inzwischen die Forschung etwas weiter fortgeschritten, was von Trolls als „Genderei“ abgewertet wird.

    Man hat es nicht leicht, wenn man heutzutage auf Frauen steht.
    – Diese Probleme sind unerklärlich, er hat doch viele weibliche Fans oder will er allen Ernstes behaupten, die Schwulen jagen im die Frauen ab? Vermutlich ist das ein Seitenhieb auf Conchita Wurst, weil er den Unterschied zwischen Travestie und Transvestit nicht kennt.

    Man müsse all das von Kindern fernhalten
    – Heterosexuelles Material auf Kinoplakaten, Zeitungscovern, bei RTL2 und co. und natürlich im Internet überschwemmt uns alle. Wer sich da gerade über die prozentual wenigen Schwulenküsse, die mal im Internet oder einem Tagesblatt abgebildet auftauchen, aufregt, sollte sein Kind aufklären und zwar gründlich. Dann werden die in den Pausenhöfen wuchernden Schimpfwörter wie „Schwuchtel“, Schwuler“ entkräftet. Hoffentlich wird das Thema LGBTQs bald Bestandteil des Sexualunterrichts an Schulen.

    Die Homophobie des Herrn Gabalier, wie gesagt hat er sie mehrmals ausgebreitet, fällt durchaus nicht uneingeschränkt unter die freie Meinungsäußerung. Hier könnte durchaus untersucht werden, ob ein Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz vorliegt.

    Die Reaktion von Müller-Milch ist erbärmlich. Nein, so läuft das nicht. Man kann nur hoffen, dass ein Shitstorm halbwegs vergleichbar mit barilla auftaucht und eine adäquate Reaktion von Müller-Milch folgt. Der Typ ist für sehr viele gestorben, Man wird Müller-Milch boykottieren wobei das in meinem Fall nicht nötig ist, da ich Milchprodukte nur von regionalen Anbietern verwende, die außerdem günstiger sind.

    Herr Gabalier selbst hat auf seiner FB-Seite geschrieben, warum da jetzt immer so seltsame Kommentare kämen. Das sagt alles.

  3. Auch Herr Kram hätte schreiben können

    „Das ist meine Privatmeinung, die hat mit Diffamierung Andersdenkender nichts zu tun.“

    Hat er aber nicht.

    Er hat aber völlig richtig festgestellt, dass sich sowohl Müllermilch als auch Andreas Gabalier innerhalb des geltenden Rechts bewegen. Man kann ja anderer Meinung sein, aber das rechtfertigt nicht, Ihn der Homophobie zu bezichtigen.

    Und selbst, wenn er „homophob“ wäre – so what, verschiedene Meinungen gehören zu einer freien und offenen Demokratie dazu! Alles andere wäre Gesinnungsterror.

  4. Wegen der Homo“phobie“ würd ich die Müllermilch ja gerne kaufen, abwr leider spricht alles sonstige dagegen.

  5. @michael Freie Meinungsäußerung heißt nur, dass man seine Meinung sagen kann, nicht das diese unwidersprochen bleiben muss. Rassismus ist für sie auch erstmal ok, weil es “halt eine andere Meinung ist“. Btw homosexismus würde es wohl besser treffen

  6. MüllerMilch ihr solltet euch echt mal was schämen. Sowas ist einfach nur Dumm. Es kann nicht sein das ihr sowas auch noch gut findet.

  7. Seid wenigstens so konsequent und boykottiert Müller-Milch (aber dazu müsste man euch ja alle beobachten), wenn ihr glaubwürdig rüberkommen wollt in eurer Lobby-Arbeit gegen „Homophobie“…

  8. Solche Kampagnen liefern Eigentore (…) lasst doch diesen Bauernhansl. Ein urbaner schwuler Lebensstil kann doch von solchen Leuten nicht erschüttert werden. Ihr führt euch auf wie die Emanzen, und das habt ihr nicht nötig.

  9. Lieber Johannes,

    ich habe dein Blog immer gern gelesen und mich über neue Denkimpulse gefreut. Meiner Ansicht gehört es zu einem guten Blog aber selbstverständlich dazu, heterosexistischen Trollen keine Plattform für ihre menschenverachtenden Äußerungen zu geben. Sicherlich kann und sollte auch kontrovers diskutiert werden, aber Kommentare wie oben von ‚Hagen‘ hätte ich kurzerhand gelöscht. Das hat nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern ist Schwulenhass in Reinform. Daher würde ich dich bitten, solche Kommentare künftig zu löschen. Gerade auf einem schwulen Blog möchte ich nicht auch noch mit diesem Hass konfontiert werden. Und ich gehe davon aus, dass das nicht nur mir so geht, sondern einem Großteil deiner Leser_innen.
    Danke und beste Grüße.

  10. Einmal Unterstützung für Charlie und einmal großes Unverständnis für des Bloggers Entscheidung, diese krasse Homophobie stehen zu lassen.

  11. Lieber Charlie, lieber Kai, vielen dank für die Anmerkungen. Ich hätte den Kommentar wirklich direkt löschen sollen. Ich bekomme übrigens sehr viele solche Nachrichten und ein Großteil ist noch viel heftiger und in der Regel gehen sie natürlich auch nicht online.

  12. Lieber Johannes,
    danke für die Rückmeldung! Mich würde interessieren, wie Du mit solchen Hasskommentaren umgehst – nicht technisch, meine ich, sondern psychisch.
    Als ich den nun gelöschten Eintrag gelesen habe, habe ich regelrecht körperlich spürbaren Ekel empfunden. Und nun schreibst Du, dass Du häufiger noch heftigere Kommentare erhältst und lesen musst. Oder liest Du sie nicht? Wie gehst Du damit um? Wie gesagt: Dein Umgang damit würde mich wirklich interessieren. Vielleicht findest Du ja mal die Zeit, darüber zu schreiben…?
    Ansonsten: Danke für den tollen Blog! 🙂

  13. @Johannes
    Schön, dass du reagiert und den Kommentar gelöscht hast.
    Was du über die Fülle an heterosexistischen bzw. schwulenfeindlichen schreibst, wundert mich leider nicht. Auch wir erhalten manchmal solche Nachrichten. Der einzige Trost ist es, dass die besagte Person sich die Mühe – gerade bei längeren Kommentaren – ganz umsonst gemacht hat, da diese dann gelöscht werden.

    @Kai
    Wie man damit umgeht, hängt möglicherweise (auch) davon ab, wie viele positive Kommentare/Nachrichten man im Gegenzug erhält. Und nach meiner Erfahrung sind diese oftmals deutlich in der Überzahl.

    Grüße von Charlie

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